Lebensdaten
1862 bis 1939
Geburtsort
Lissa (Provinz Posen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Psychotherapeut ; Arzt
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118813935 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moll, Albert

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Zitierweise

Moll, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118813935.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Isidor, Kaufm.

  • Leben

    Nach dem Medizinstudium in Breslau, Freiburg (Breisgau), Jena und Berlin, das er 1884 mit dem Staatsexamen abschloß, promovierte M. 1885 bei Rudolf Virchow mit einer Arbeit über „Experimentelle Untersuchungen über den anatomischen Zustand der Gelenke bei andauernder Immobilisation derselben“. Auf einer anschließenden zweijährigen Studienreise (Wien, Budapest, London, Paris, Nancy) besuchte er vorwiegend psychiatrische Kliniken. In Paris kam M. in Kontakt mit Jean-Martin Charcot und dessen Hypnosebehandlung der Hysterie. In Nancy wurde er Anhänger der von Auguste Ambroise Liébault und Hippolyte Bernheim begründeten psychotherapeutischen Schule, die wenige Jahre später auch Sigmund Freud aufgesucht hat. Nach der Rückkehr nach Berlin eröffnete M. eine Praxis als Nervenarzt. Mit seinem Vortrag „Möglichkeiten einer psychischen Behandlung“ am 26.10.1887 vor der Berliner medizinischen Gesellschaft begann sein aktives Eintreten für die Psychotherapie im Sinne der Schule von Nancy. In seiner Praxis, in der die Hypnose als Therapieverfahren eine wesentliche Rolle spielte, hatte M. außergewöhnliche Erfolge. Bald wurde er auch ein gefragter Sachverständiger vor Gericht, insbesondere bei Straftaten, die mit Hypnose und Suggestion in Zusammenhang gebracht wurden. Im 1. Weltkrieg wurde er vom Großen Generalstab als Sachverständiger für Fragen der psychologischen Kriegsführung in Anspruch genommen.

    M. kommt vor allem als Verfechter einer wissenschaftlich begründeten, ärztlichen Psychotherapie besondere Bedeutung zu, wobei er sich als Gegner der psychoanalytischen Richtung Freuds und dessen „großer“ Psychotherapie profilierte. 1888 war er an der Gründung der „Berliner Gesellschaft für Experimentalpsychologie“ beteiligt, die er später viele Jahre als Vorsitzender leitete. Schon in den 90er Jahren hatte M. begonnen, in der ärztlichen Berufspolitik tätig zu werden. In den Auseinandersetzungen zwischen der Berliner Ärzteschaft und den Krankenkassen war er jahrzehntelang ein Schlüsselfigur. Als ersten internationalen Kongreß in Deutschland nach 1918 veranstaltete M. 1926 den Internationalen Kongreß für Sexualforschung – ein Gebiet, auf dem er durch bemerkenswerte Veröffentlichungen bereits hervorgetreten war – in Berlin.

    Bereits 1896 hatte sich M. vom Judentum losgesagt und der ev. Kirche angeschlossen. Seine betont deutschnationale Gesinnung bekundete er in Wort und Schrift und durch die Zugehörigkeit zur Deutschen Vaterlandspartei. Nach 1933 mußte er dennoch das Schicksal der jüdischen Ärzte teilen, nachdem er die von Freunden gebotene Möglichkeit zur Emigration abgelehnt hatte. Ihm wurde die Approbation entzogen; er lebte verarmt, von Alter und Krankheit gezeichnet und starb kurz nach Ausbruch des 2. Weltkrieges in seiner Berliner Wohnung. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er auch als Autorität auf dem Gebiet der Entlarvung sogenannter Hellseher bekannt. Seine „Ärztliche Ethik“ (1902) und seine noch 1936 erschienene Autobiographie „Ein Leben als Arzt der Seele“ bieten aufschlußreiche Einblicke in die vielseitigen Interessen und die Persönlichkeit M.s.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Sanitätsrat.

  • Werke

    WeitereW u. a. Der Hypnotismus, 1889, 51924;
    Die konträre Sexualempfindung, 1891, 41914);
    Der Rapport in d. Hypnose, 1892;
    Unterss. üb. d. Libido sexualis, 1897;
    Das nervöse Weib, 1898;
    Gesundbeten, 1902;
    Das Sexualleben d. Kindes, 1909;
    Berühmte Homosexuelle, 1910;
    Hdb. d. Sexualwiss., 1912, 31926;
    Spiritismus, 1925.

  • Literatur

    H. Goerke, Berliner Ärzte-Selbstzeugnisse, 1965, 21984, S. 236-63 (P);
    J. H. Schultz, Lebensbilderbuch e. Nervenarztes, 1964;
    O. Winkelmann, A. M. (1862-1939) als Wegbereiter d. Schule v. Nancy in Dtld., in: Praxis d. Psychotherapie 10, 1965, S. 1-7;
    J. M. Schulz, A. M.s ärztliche Ethik, 1986;
    Fischer;
    Wi. 1928;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1931.

  • Autor/in

    Heinz Goerke
  • Empfohlene Zitierweise

    Goerke, Heinz, "Moll, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 733 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118813935.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA