Lebensdaten
1739 bis 1810
Geburtsort
Weißensee (Thüringen)
Sterbeort
Erlangen
Beruf/Funktion
Naturforscher ; Botaniker ; Zoologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118795449 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schreber, Johann Christian Daniel (bis 1791)
  • Schreber, Christian D.
  • Schreber, Io. Christ. Daniel.
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Zitierweise

Schreber, Johann Christian Daniel Edler von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118795449.html [17.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Daniel Gottfried S. (1708-77), Jur., kursächs. Kammerreg.sekr., Administrator d. Amtes Weißensee (Thür.), 1760-64 o. Prof. d. Philos. u. Kameralwiss. in Bützow, Kondir. d. Univ. u. Leiter d. Paedagogiums, 1764-77 o. Prof. d. Kameralwiss. in Leipzig, Mitgl. d. Oeconom. Ges. ebd. (s. L), S d. Johann David (1669–1731), aus Meißen, Päd., 1697 Lehrer an d. Landschule ebd., 1716 Rektor d. Fürstenschule in Schulpforta (s. Jöcher; F. A. Eckstein, Nomenclator philologorum, 1871); M Henriette Philippine Rosenkranz ( 1761); Leipzig 1769 Johanna Christiane Dorothea v. Schönfeld; kinderlos; N Moritz (s. 2).

  • Leben

    Nach Privatunterricht im Elternhaus begann S. ein breit angelegtes Studium der Medizin, Naturwissenschaften und Theologie in Halle. Von Okt. 1757 bis April 1758 wirkte er als „Informator“ der dt. und lat. Schule bei den Franckeschen Stiftungen in Halle, im Juni 1758 erwarb er die Lehrerlaubnis an der dortigen Universität. Seit Jan. 1758 mit Carl v. Linné (1707–78) in brieflichem Kontakt, suchte er diesen in Uppsala auf und wurde 1760 bei ihm zum Dr. med. provomiert. 1761 folgte S. seinem Vater als Arzt an das Paedagogium nach Bützow (mit Lehrberechtigung an d. Univ.). 1764 ging er mit dem Vater nach Leipzig, wo er Sekretär der Oeconomischen Gesellschaft wurde und gleichzeitig an der Universität lehrte. Anfang 1769 erschien sein Werk „Beschreibung der Gräser“, das botanische Beschreibungen mit kameralistischen Nützlichkeitsgesichtspunkten verband und gleichzeitig auch den damals noch neuen Anspruch nach exakter bildlicher Wiedergabe der taxonomisch relevanten Artmerkmale zu verwirklichen suchte. Im Sommer 1770 trat er an der Univ. Erlangen eine Stelle als dritter Professor der Medizin an; gleichzeitig bekleidete er an der Phil. Fakultät die Professur für Kameralistik.

    S.s Vorlesungen umfaßten Ökonomie, Naturgeschichte einschließlich Forstwirtschaft und Metallurgie, Botanik, Materia Medica, med. Polizei, Diätetik und Materia alimentaria. Als Direktor des 1771 gegründeten Botanischen Gartens bot er ferner regelmäßig Demonstrationen an, ebenso Exkursionen in die Umgebung von Erlangen und Kurse in Herbariologie und Pflanzenphysiologie. Nach dem Tod von Heinrich Friedrich Delius lehrte S. 1792/93 vorübergehend auch Chemie (mit Übergang v. Phlogismus z. Verbindungslehre). 1777 erhielt er die Leitung des Naturhistorischen Museums der Universität, dessen Sammlungen ihm im Zusammenhang mit der Vorbereitung des enzyklopädischen Beschreibungs- und Bildnachweiswerks „Die Säugthiere in Abbildungen nach der Natur mit Beschreibungen“ (4 Bde., 1775–92, franz. 3 Bde., 1775–80) von Nutzen waren. Durch dieses Werk ist S.s Name in zahlreichen zoologischen Bezeichnungen verewigt. Überhaupt war die Herausgabe von Abbildungswerken, auch für andere (z. B. Franz Xavier v. Wulfen, Johann Hedwig, Peter Simon Pallas in St. Petersburg, Olof Swartz in Stockholm) nicht nur ein wissenschaftliches, sondern auch ein künstlerisches Anliegen, für das S. auf eine große Zahl qualifizierter Maler und Stecher in Nürnberg zurückgreifen konnte. Als Anhänger des sich in seiner Jugendzeit durchsetzenden Linnéischen Klassifikationssystems gab er zahlreiche Werke Linnés auf Deutsch bzw. in Deutschland heraus. Die allgemein erwartete „Flora Germanica“ und andere Projekte konnte er jedoch, beeinträchtigt durch gesundheitliche und äußere Schwierigkeiten, v. a. während der franz. Besetzung Erlangens 1806–10, nicht mehr realisieren.

    S. galt zu seiner Zeit als der einzige Gelehrte Erlangens von internationalem Rang. Er stand in Briefwechsel mit Wissenschaftlern in ganz Deutschland und darüber hinaus, besonders in Skandinavien, Russland (u. a. Pallas), England (Sir Joseph Banks, Thomas Pennant) und Frankreich. Als Autorität in botanischen Bestimmungsfragen und zwecks Ergänzung seines Naturalienkabinetts korrespondierte er auch mit Gelehrten in Indien und auf Ceylon (Sri Lanka), in Ozeanien, der Karibik und den USA. Er unterhielt Kontakte zu pietistischen und herrnhuterischen Kreisen und setzte sich in den 90er Jahren für franz. Revolutionsflüchtlinge und für seinen kath. Schüler Georg Friedrich Hoffmann ein, der im ev. Erlangen nur eine unbezahlte ao. Professur erhalten konnte.

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. d. Schwed. Ak. d. Wiss., Stockholm (1761), d. Leopoldina (1764, Adjunkt 1788, Präs. 1791-1810), d. Hist. Inst., Göttingen (1769), d. Botan. Ges., Florenz (1771), d. Ges. naturforsch. Freunde, Berlin (1775), d. naturforsch. Ges. Halle (1777), d. kgl. Physiograph. Ges., Lund (1777), d. Böhm. Ges. d. Wiss. (1785), d. Botan. Ges., Regensburg (1790), d. Helvet. Ges. korr. Ärzte u. Wundärzte (1790), d. Physikal. Ges., Hamburg (1791), d. Russ. Ak. d. Wiss., St. Petersburg (1792), d. Royal Soc., London (1796), d. Naturforsch. Ges., Brüssel (1796), d. Linnéischen Ges., London (1800), d. Med. Ges., Paris (1801), d. Mineral. Ges., Jena (1802), d. Med. Ges., Nancy (1802), d. Phytograph. Ges., Göttingen (1802) u. d. Naturforsch. Ges. Mecklenburgs, Rostock (1802); ausw. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1809); brandenburg. HR (1769); Mag. phil. h. c. (Erlangen 1770); ksl. Rat u. Leibarzt (1791); Pfalzgf. (1791); preuß. GHR (1795).

  • Werke

    Weitere W Lithographia Halensis, 1759; Novae species insectorum, 1759; Icones et descriptiones plantarum minus cognitarum, 1766; Spicilegium florae Lipsicae, 1771; – Hg.: Carl v. Linné, Reisen durch Westgothland, 1765 u. ö.; ders., Amoenitates academicae, 1787, 21790; ders., Materia medica, 1772 u. ö.; ders., Genera plantarum, 1789; ders., Reisen durch Oeland u. Gothland u. Westgothland, 1764 u. ö.; F. X. v. Wulfen, Descriptiones quorumdam capensium insectorum, Erlangen 1786; W. v. Pallas, Novae Species Quadrupedum e Glirium ordine, 2 T., 1778/79; ders., Icones Insectorum, Sibiriaeque peculiarium, 3 T., 1781-98; ders., Flora Rossica, 2 T., 1784-88; O. Swartz, Flora Indiae Occidentalis, 3 Bde., 1797-1806; ders., Observationes botanicae, 1791; ders., Dispositio systematica muscorum frondosorum Sueciae, 1799; ders., Lichenes americani, quos partim in Flora Indiae Occidentalis descripsit, 1811; |

  • Quellen

    Qu Nachlaß u. Briefwechsel (Univ.bibl. Erlangen); Bibl. (4000 Bde., ebd.) u. Naturalienkab. (Univ. Erlangen, Geolog. u. Zoolog. Mus., ebd.).

  • Literatur

    ADB 32; L. Bertholdt, Die höchsten Auszeichnungen e. preiswürdigen Lebens, 1811; Memoriae perillustris Academiae Nat. Cur. Praesidis lohannis Christiani Daniel nobilis de S., in: Nova acta physico medica Academiae Caesareae Leopoldino Carolinae naturae curiosorum, 9, 1818, S. 1-14; J. G. V. Engelhardt, Die Univ. Erlangen 1743-1843, 1843; W.-D. Müller-Jahncke. Der „Linnaeus Arnericanus“ u. seine Beziehungen zu dt. Botanikern, in: Dt. Apothekerztg. 117, 1977, S. 1323-29; U. Weißer, Die Geburt d. Physico-medica aus d. Geist d. Leopoldina?, 1986; H.-J. Kertscher, Ein Hallescher Verleger mit naturwiss. Ambitionen, Johann Jakob Gebauer, in: Cardanus 2, 2001, S. 47-73; H. Beyer-Thoma, Herstellung u. Verlag naturwiss. Tafelwerke in Nürnberg u. Erlangen in d. 2. Hälfte d. 18. Jh., in: Anz. d. GNM, 2002, S. 281-92; K. Mägdefrau, Gesch. d. Botanik, 1992, S. 100; Pogg. II; BLÄ; Geist u. Gestalt, Erg.bd. II; Lex. dt.sprachiger Bryologen, 2001 (P); Erlanger Professoren II (A, L); – zu Daniel Gottfried S.: Ch. Weidlich, Lex. (…) aller jetztlebenden Rechtsgel., 1766; F. C. G. Hirsching, Hist.-lit. Hdb. XI/2, 1808; Meusel XII; Nagler; G. W. Schrader, Biogr.-lit. Lex. d. Thierärzte, 1863.

  • Portraits

    Ölgem., anonym, um 1790 (Erlangen, Univ.bibl., Hss.abt.); Kupf. v. J. J. Kleemann u. J. E. Haid (1776/77); L. H. Hessell u. C. W. Bock (1794); Schattenriß (Stadtmus. Nördlingen); Denkmal (Fragment, Schloßpark Erlangen).

  • Autor

    Hermann Beyer-Thoma
  • Empfohlene Zitierweise

    Beyer-Thoma, Hermann, "Schreber, Johann Christian Daniel Edler von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 524-525 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118795449.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schreber: Joh. Christian Daniel (v.) S., Naturforscher, geboren zu Weißensee in Thüringen am 17. Januar 1739; zu Erlangen am 10. December 1810. Durch häuslichen Unterricht und späteren Besuch des Waisenhausgymnasiums in Halle wohl vorbereitet, bezog S., 19 Jahre alt, die Universität daselbst, warf sich in erster Linie auf das Studium der Medicin und Naturwissenschaften, trieb aber auch daneben ebenso eifrig Theologie und legte hier bereits den Grund zu der ihm später nachgerühmten vielseitigen Gelehrsamkeit. Schon als Student schriftstellerisch thätig, veröffentlichte er 1758 eine "Lithographia Halensis", die ein Jahr darauf in verbesserter und vermehrter Auflage unter dem erweiterten Titel: "Lithographia Halensis, exhibens lapides circa Halam Saxonum reperiundos systematice digestos, secundum classes et ordines, genera et species" im Druck erschien, gab noch in demselben Jahre eine Abhandlung: "Novae species insectorum" heraus und betheiligte sich auch an einem, von seinem Vater, dem Professor der Landwirthschaft und Cameralistik Daniel Gottfried S. herausgegebenen Sammelwerke ökonomischer Schriften durch mehrere Beiträge. Seine Vorliebe für die Botanik trieb ihn 1760 nach Upsala, um den Großmeister Linné selbst zu hören. Unter dessen und Burmann's Leitung vollendete S. seine Studien, errang hier die medicinische Doctorwürde auf Grund seiner Dissertation: "Theses medicae" (abgedr. in Linné's: Amoenitates academicae. 1763) und wurde, nach dem Vaterlande zurückgekehrt, bald einer der bedeutendsten Anhänger und Vertreter der Linnéischen Botanik in Deutschland. 1761 übernahm S. eine Stelle als ordentlicher Arzt an dem Pädagogium in Bützow, mit der Befugniß, an der dort neu gegründeten Universität öffentliche Vorlesungen halten zu dürfen und erhielt gleichzeitig durch die Ernennung zum correspondirenden Mitgliede der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm die erste öffentliche Anerkennung der gelehrten Welt für seine litterarischen Publicationen. 1764 nach Leipzig berufen als Secretär der ökonomischen Gesellschaft daselbst, entfaltete er hier und in Berlin, wo er behufs Kenntnißnahme der medicinischen Institute einige Zeit zubrachte, eine ungemein reiche schriftstellerische Thätigkeit, die ihm nicht nur die Mitgliedschaft einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Körperschaften einbrachte, sondern auch seine Berufung nach Erlangen zur Folge hatte als dritter ordentlicher Professor der Arzneikunde, wobei er nebenher Botanik, Naturgeschichte. Oekonomie und Cameralwissenschaft zu lehren hatte. Am 25. August 1770 hielt S. seine Antrittsrede: "de nexu scientiarum medicarum cum oeconomicis" und blieb von nun an Erlangen treu, unter Ablehnung wiederholt an ihn ergangener anderweitiger Berufungen, in einer vierzigjährigen Lehrthätigkeit allmählich zu den höchsten Würden eines akademischen Gelehrten emporsteigend. 1773 erhielt er das Directorat über den neu angelegten botan. Garten. 1776 neben der Professur der Naturgeschichte auch die Oberaufsicht über das mit der Universität verbundene naturhistorische Museum, 1791 rückte er in die zweite, 1793 in die erste ordentliche Professur der Arzneikunde ein, nachdem ihm schon vorher, infolge seiner Wahl zum Präsidenten der Carolinisch-Leopoldinischen Akademie der Naturforscher, der Charakter eines kaiserl. Rathes, Pfalzgrafen und Leibarztes, zugleich unter Erhebung in den Adelstand verliehen worden war. Vier Mal bekleidete er das Amt eines Prorectors, einundzwanzig Mal das eines Decans der medicin. Facultät. Die meisten Akademien und gelehrten Körperschaften des In- und Auslandes zählten ihn zu ihrem Mitglieds oder Ehrenmitgliede. Seine ausgebreitete wissenschaftliche Correspondenz verschaffte ihm die Mittel zu großartigen Erwerbungen für die ihm unterstellten Institute, sowie für sein eigenes Herbarium. S. lehrte in der medicin. Facultät Botanik, Physiologie, Diätetik und Materia alimentaria, in der philosophischen mehrere cameralistische Fächer, Landwirthschaft und Technologie. Er besaß auch gute astronomische Kenntnisse. Der griechischen und hebräischen Sprache war er mächtig und schrieb ein classisches Latein. Seine Lehrmethode aber war trocken und wenig anregend, sowie er überhaupt, mit dem Nimbus eines unnahbaren Gelehrten umgeben, nur einen kleinen Kreis von vertrauten Freunden an sich zu fesseln wußte. Ein genaues Verzeichniß von Schreber's Publicationen findet sich in dem bibliographischen Werke von G. W. A. Fikenscher: "Vollständige akademische Gelehrtengeschichte der Universität Erlangen", Sect. II. 1806. Unter seinen botanischen Schriften zeichneten sich seiner Zeit aus einige Monographien über die Gräser: "Beschreibung der Gräser nebst ihren Abbildungen nach der Natur", 3 Bände mit 54 colorirten Tafeln, 1769—1810. — "Beschreibung der Quecke, mit Abbild." 1772, sowie über die Moosgattung Phascum: "De Phasco observationes", mit 2 Tafeln, 1770, worin er den Nachweis führte, daß die Mooskapsel ein Fruchtgehäuse sei und nicht, wie man damals glaubte, der gemeinschaftliche Behälter des Pollens und Samens. Ferner rühren von ihm her: "Spicilegium Florae Lipsicae", 1771 und Beschreibungen nebst 10 Tafeln Abbildungen von Pflanzen, die der deutsche Arzt Andreas Gundelsheimer, als Begleiter Tournefort's auf dessen Reise nach Griechenland und Kleinasien 1700 gesammelt hatte, unter dem Titel: "Icones et descriptiones plantarum minus cognitarum", Decas I. 1766. Von kleineren phytographischen Arbeiten sind zu erwähnen: "Plantarum verticillatarum unilabiatarum genera et species" 1774 und eine Abhandlung in Folio über eine Lauraceen-Gattung: "De Persea Aegyptiorum commentationes I—IV", 1790—92. Seiner Verehrung für seinen großen Lehrer Linné gab S. Ausdruck durch die Neubearbeitung der 8. Auflage der "Genera plantarum" 1789—91 und der "Amoenitates academicae".

    Vita Schreberi in Nova Acta Nat. Cur. 1838. — Fikenscher, Gelehrtengeschichte. — Meusel. Gelehrtes Teutschland. — Martius, Erinnerungen. 1847. — Pritzel, thes. lit. bot.

  • Autor

    E. Wunschmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wunschmann, Ernst, "Schreber, Johann Christian Daniel Edler von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 465-466 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118795449.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA