Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Klosterbischof in Alemannien ; Missionar ; Heiliger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11879230X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pirminius von Reichenau
  • Pirminius
  • Pirmin
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Zitierweise

Pirmin von Reichenau, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11879230X.html [30.07.2016].

CC0

Pirmin(ius)

Klosterbischof in Alemannien, 2. Viertel d. 8. Jahrhundert

  • Genealogie

    Wohl aus d. nördl. Gallien, möglicherweise aus Meaux stammend.

  • Leben

    Zunächst wahrscheinlich an der Klostergründung von Pfungen beteiligt, war P. der geistliche Begründer der Reichenau; dafür nahm ihn Karl Martell 724 in seinen Schutz und beauftragte den alemann. Hzg. Lantfrid mit der Einweisung. Doch wurde P. schon 727 durch den rivalisierenden Herzogsbruder Theudebald „aus Haß gegen Karl [Martell]“ (Hermann von Reichenau) vertrieben. Im Elsaß gründete er 727 mit Hilfe des Etichonen-Grafen Eberhard das Kloster Murbach, das er „Vivarium peregrinorum“ nannte und wo seine monastisch-spirituellen Ideale am besten zu fassen sind: zum einen die Peregrinatio als „klösterliches Leben in der Fremde, zum anderen die vom zuständigen Straßburger Diözesanbischof erwirkte „große Klosterfreiheit“, nämlich die Exemtion vom Diözesanbischof mit der Möglichkeit, einen eigenen Bischof im Kloster zu haben. Die formalen Vorbilder dafür stammten aus der burgund. Abtei Flavigny, die kirchenrechtlichen aus dem irofränk. Mönchtum, wie ja auch P. selbst Bischof und Abt war und die „regula mixta“, die Kombination von Benedikts- und Columbans-Regel, vertrat. Eine weitere Gründung geschah mit Hilfe des Widonen-Grafen Warnharius zu Hornbach (Pfalz). Eine Tätigkeit in anderen Klöstern bleibt unsicher und dürfte nachträgliche Zuschreibung sein; immerhin ist von Reichenau aus 741 das bayer. Niederaltaich besiedelt worden. P. suchte die seinen Konventen vermittelte Prägung dadurch zu erhalten, daß bei Reformierung oder Berufung des Abts aus einem anderen Kloster nur Bezug auf von ihm gegründete Konvente genommen werden durfte; das bedeutete: pirminische Observanz, nicht aber Klosterverband mit Oberabt. Die Vita P.s ist um die Mitte des 9. Jh. wohl im Umkreis von Hornbach entstanden. Die Autorschaft für den „Scarapsus“ (ein „Pastoralbüchlein“) ist nur in einer der sechs Handschriften bezeugt; inhaltlich zeigen sich Einwirkungen der karoling. Kirchen- und Liturgiereform.

    P. gehört zu jenen Geistes- und Kirchenmännern, welche die Karolinger bei der Ausdehnung ihrer Herrschaft einsetzten, und tatsächlich stieg seine Gründung auf der Reichenau zu einer der führenden Abteien auf. Während aber die Karolinger sonst Angelsachsen heranzogen (so Willibrord u. Bonifatius), erscheint P. als letzter Vertreter der irofränk. Mönchsbewegung. Die Geisteswelt des Bonifatius mit ihrem Insistieren auf kanonisch-bischöfl. und Rom-orientierte Kirchenordnung war von anderer Art. P.s Schüler Heddo, der ihm auf der Reichenau gefolgt ist und später Bischof von Straßburg wurde, dürfte ausgleichend gewirkt haben.

  • Quellen

    Qu Vita Pirminii, in: MGH SS 15, 1887/88, S. 17-31; Hrabanus Maurus, Carmina 68, in: MGH Poetae latini 2, 1884, S. 224 f. (Epitaph): Walafrid Strabo, Visio Wettini V. 28, ebd., S. 304; G. Jecker, Die Heimat d. hl. P., in: Btrr. z. Gesch. d. alten Mönchtums u. d. Benediktinerordens, 13, 1927 (Ed. d. Scarapsus); A. Bruckner (Hg.), Regesta Alsatiae, Aevi Merovingici et Karolini (496–918), I, 1949, S. 53-57, Nr. 113 (Privileg f. Murbach); A. Doll, Das Pirminskloster Hornbach, Gründung u. Vfg.entwicklung bis Anfang d. 12. Jh. (Ed. d. Gründungsurk.), in: Archiv f. mittelrhein. KGesch. 5, 1953, S. 108-42; U. Engelmann, Der hl. P. u. sein Pastoralbüchlein, 21976 (Übers.); P. Classen (Hg.), Die Gründungsurkk. d. Reichenau, 1977.

  • Literatur

    ADB 26; A. Angenendt. Monachi peregrini, 1972; ders., P. u. Bonifatius, in: Vorträge u. Forsch. 20, 1974, S. 251-304; ders., Kloster u. Klosterverband zw. Benedikt v. Nursia u. Benedikt v. Aniane, in: H. Keller u. F. Neiske, Vom Kloster z. Klosterverband, Das Werkzeug d. Schriftlichkeit, in: Münsteraner MA-Schrr. 74, 1997, S. 7-35; R. Meens, Fragmente d. Capitula episcoporum Ruotgers v. Trier u. d. Scarapsus Pirminii, in: DA 48, 1992, S. 167-74; S. Gilomen-Schenkel (Hg.), Helvetia Sacra III/1,2, S. 1067; Lex. MA; BBKL; TRE.

  • Autor

    Arnold Angenendt
  • Empfohlene Zitierweise

    Angenendt, Arnold, "Pirmin von Reichenau" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 477 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11879230X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Pirminius, der heilige

  • Leben

    Pirminius: der heilige P., ein christlicher Glaubensbote aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts, der in seiner missionirenden Thätigkeit sich vornehmlich durch Klosterstiftungen im südwestlichen Deutschland ausgezeichnet hat. Die legendenhafte Ausschmückung seiner Lebensbeschreibung gestattet nur wenige sichere Punkte seiner Wirksamkeit festzustellen. Wie es scheint, stammte P. aus den westlichen Theilen des Frankenreichs, vielleicht aus Neustrien, zum mindesten von der Sprachgrenze, denn der Zug der Ueberlieferung, daß P. beim Gottesdienst beide Sprachen, die romanische wie die fränkische, mit gleicher Sicherheit zu handhaben wußte, wird als echt und ursprünglich festgehalten werden dürfen. Als fränkischer Regionarbischof nach Schwaben gerufen, begründete er dort um das Jahr 724, wohl von Karl Martell begünstigt, auf einer Insel des Bodensees das Kloster Reichenau. Vor der Feindseligkeit des alamannischen Fürsten nach wenigen Jahren weichend, wendete er sich nach dem Elsaß, wo ihm mit Recht die Gründung des Klosters Murbach zugeschrieben wird. Mit Bischof Heddo von Straßburg, seinem Reichenauer Nachfolger, scheint er in engem Verkehr gestanden zu haben; es bleibt aber sehr unsicher, ob sich die Klöster des Straßburger Sprengels, Schwarzach, Gengenbach, Schuttern, Neuweiler und Mauersmünster auf Pirmin, als ihren Stifter, berufen dürfen und ob sich nicht vielmehr aus der Fürsorge Heddo's für sie und aus dem Zusammenhang mit Reichenau erst diese Tradition gebildet hat. Begründeteren Anspruch können Nieder-Altaich und Pfäffers erheben, unzweifelhaft ist derjenige Hornbachs im Metzer Sprengel, wo P. inmitten einer fränkischen Bevölkerung die letzten Jahre seines Lebens zubrachte und am 3. November 753 starb. Kurz vor seinem Tode soll er noch eine Zusammenkunft mit Bonifaz gehabt haben. Mit der großen organisatorischen und reformirenden Thätigkeit dieses seines Zeitgenossen ist übrigens die stille Arbeit Pirmins im kleinern Kreise nicht zu vergleichen. Eine Schrift, die uns von ihm erhalten ist, die "Dicta abbatis Pirminii de singulis libris canonicis scarapsus", in dem barbarischen Latein seiner Zeit geschrieben, ist besonders durch die eingehende Kenntniß der Bibel merkwürdig, von der Art seiner Predigt gewinnen wir daraus nur eine ungefähre Vorstellung; interessant sind die Hinweise auf die Ueberreste heidnischer Sitte.

    • Literatur

      Die Lebensbeschreibung Pirmins ist uns in einer älteren und jüngeren Fassung aus dem 9. und 11. Jahrhundert erhalten, sie stammt aus dem Kloster Hornbach. Dieselbe gibt Holder-Egger in M. G. SS. XV neu heraus. Einige brauchbare Notizen liefern noch zwei Gedichte von Walafrid und von Hrabanus Maurus, sowie die Chronik Hermanns des Lahmen von Reichenau. Vergl. außerdem bei Caspari, Kirchenhistorische Anecdota I, 151 ff. die beste Ausgabe der "dicta abbatis Pirminii" die kritischen Bemerkungen von Rettberg, Kirchengeschichte Deutschlands II, 50 ff. und die neueste Untersuchung von A. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands I, 315 ff.

  • Autor

    W. Wiegand.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiegand, Wilhelm, "Pirmin von Reichenau" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 179 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11879230X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA