Lebensdaten
1887 bis 1954
Geburtsort
Enkhausen Kreis Arnsberg (Westfalen)
Sterbeort
Augaard Kreis Flensburg
Beruf/Funktion
schleswig-holsteinischer Politiker
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 118780786 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lübke, Friedrich Wilhelm

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Zitierweise

Lübke, Friedrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118780786.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus sauerländ. Kleinbauern- u. Handwerkerfam.;
    V Friedrich Wilhelm (1855–1902), Schuhmacher u. Landwirt in E., S d. Ackerers Franz u. d. Elisabeth Hövelborn;
    M Karoline Becker (1859–1921) aus E.;
    B Heinrich (s. 2);
    - Bremen 1920 Sophie Rodenburg (* 1896);
    3 S, 1 T.

  • Leben

    L. verließ 1901 das Gymnasium, um zur See zu fahren. In beiden Weltkriegen diente er als Marineoffizier. Seine zwischen 1940 und 1949 veröffentlichten Seefahrtsromane und -erzählungen wurden eine beliebte Kinder- und Jugendlektüre. 1922 ließ er sich in Augaard (Kr. Flensburg) als Landwirt nieder und trat bald als erfolgreicher Sprecher der schleswig-holstein. Kleinbauern hervor. Neben verbandsorganisatorischen Zielen widmete er sich vor allem der Siedlungsarbeit. Nach dem 2. Weltkrieg wandte sich L. neben der Arbeit im Vorstand des Schleswig-Holstein. Bauernverbandes der Landespolitik zu. Er gehörte, geprägt von der Programmatik der Zentrumspartei, zu den Mitbegründern der CDU in Schleswig-Holstein, die er 1951-54 als Landesvorsitzender führte. Seit 1946 amtierte er als Landrat des Kreises Flensburg, 1946-50 und 1954 war er Abgeordneter des schleswig-holstein. Landtags. Entschieden wandte sich|L. gegen die radikale Bodenreformpolitik der SPD. – Mit nur 28 gegen 37 Stimmen wählte der Landtag am 25.6.1951 L. zum Ministerpräsidenten. Nach der Wahl gelang ihm die Bildung einer mehrheitsfähigen, von CDU, BHE, FDP und DP getragenen Koalitionsregierung, die von seinem Nachfolger, K.-U. v. Hassel, fortgeführt werden konnte, nachdem er wegen einer schweren Krankheit am 11.10.1954 sein Regierungsamt aufgegeben hatte.

    Kennzeichnend für L.s politisches Wirken ist insbesondere seine Grenz- und Minderheitenpolitik im Landesteil Schleswig. Als Landrat setzte er sich für die Stärkung der Wirtschaftskraft des durch hohe Flüchtlingsbelegung, Arbeitslosigkeit und mangelnde infrastrukturelle Erschließung gekennzeichneten Kreises Flensburg ein, für die er die unumgängliche finanzielle Unterstützung von Landes- und Bundesregierung gewann. 1953 initiierte er als Regierungschef mit Hilfe der Bundesregierung das zunächst auf den Nordwesten des Landesteils Schleswig beschränkte, seither jedoch ständig ausgeweitete „Programm Nord“, das Maßnahmen zur Verbesserung der Agrarstruktur, der Verkehrserschließung und des Küstenschutzes beinhaltete. Führend wirkte L. bei der Gründung und in der Arbeit der deutschen Grenzverbände mit – so 1946-54 als Vorsitzender des „Deutschen Grenzvereins“ –, die der deutschen Grenzlandbevölkerung einen politischen, sozialen und kulturellen Rückhalt gegenüber den Aktivitäten der nach 1945 vorübergehend angewachsenen, anfangs separatistisch eingestellten dän. Minderheit boten. Er befürwortete umfassende Minderheitenschutzregelungen für die kleine „alte“ dän. Minderheit, sah es aber als politisches Ziel an, die Minderheit auf ihren „echten Kern“ zu beschränken und die dänische Regierung unter Berücksichtigung des Gegenseitigkeitsprinzips zu einer Lösung der Probleme der deutschen Minderheit in Nordschleswig zu bewegen. Die nach der Kieler Erklärung von 1949 noch offenen Minderheitenfragen konnten allerdings erst nach L.s Tod in den Bonn-Kopenhagener Erklärungen vom 29.3.1955 dauerhaft geregelt werden. – L.s unermüdlicher Arbeitskraft und überzeugender politischer Führung ist es mit zu verdanken, daß Schleswig-Holstein die Stellung eines wirtschaftlich existenzfähigen Bundeslandes erlangte und daß der „Grenzkampf“ im Norden des Landes einer friedlichen Koexistenz von Mehrheits- und Minderheitsbevölkerung wich.

  • Literatur

    K. Maßmann, in: Zs. f. d. ges. Siedlungswesen 3, 1954, S. 186-88;
    F. W. L., Mensch u. Politiker, 1955 (P);
    E. S. Hansen, Kurier d. Heimat, 1955;
    T. Thyssen, Bauer u. Standesvertretung, 1958;
    H. J. Varain, Parteien u. Verbände, 1964;
    H. Schlegelberger, in: Christl. Demokraten d. ersten Stunde, 1966, S. 267-93;
    K. Weigand, Programm Nord, 1970;
    J. Feddersen, Die Grenzlandpol. F. W. L.s, Diss. Würzburg 1979;
    E. Hoffmann, in: Der Landkr. Flensburg 1867-1974, T. 1, 1981, S. 263-80;
    W. Lagler, Die Minderheitenpol. d. schleswig-holst. Landesregierung während d. Kabinetts v. Hassel (1954–63), 1982;
    ders., in: Biogr. Lex. f. Schleswig-Holstein u. Lübeck VII, 1985, S. 127-29 (W, L, P);
    N. Lübke, Gesch. d. Fam. Lübke III, 1976;
    K. Albert, Die Übernahme d. Reg.verantwortung durch d. CDU im Lande Schleswig-Holstein, Rückblick auf d. Reg.zeit v. Min.präs. Dr. Walter Bartram (1950/51), in: Zs. d. Ges. f. Schleswig-Holstein. Gesch. 108, 1983, S. 281-317;
    R. Vogel, Wie dt. Offiziere Juden u. „Halbjuden“ geholfen haben, in: Dt. Jüd. Soldaten 1914–45, hrsg. v. Mil.gesch. Forschungsamt, 1983, S. 162 f.

  • Portraits

    2 Ölgem. v. K. Reuter (Kiel, Landesbank), Abb. b. Lagler, 1985, s. L.

  • Autor/in

    Wilfried Lagler
  • Empfohlene Zitierweise

    Lagler, Wilfried, "Lübke, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 441-442 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118780786.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA