Lebensdaten
1612 bis 1688
Geburtsort
Lengenfeld bei Krems (Niederösterreich)
Sterbeort
Regensburg
Beruf/Funktion
landwirtschaftlicher Schriftsteller ; Dichter
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118774735 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hohberg, Wolf Helmhard von (bis 1659)
  • Hochberg, Wolfgang Helmhard Freiherr von
  • Hohberg, Wolf Helmhard Freiherr von
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Zitierweise

Hohberg, Wolf Helmhard Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774735.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus schles. Adelsgeschl., Linie H.-Fürstenstein (später Hochberg-Pleß, s. NDB IX), v. d. ein Zweig seit 1542 in habsburg. Dienst u. als Mitgl. d. nd.österr. Ritterstandes erscheint;
    V Wolf Heinrich (1587–1621), kaiserl. Rittmeister, Gutsbes. in Süßenbach/Thaya, S d. Friedrich u. d. Sophia v. Oedt;
    M Sophia, T d. Wilh. Bernhard Böheim v. Friedeshaim u. d. Genovefa Leyßer;
    1650 Anna Margaretha v. Puchheim (1614–88), Wwe d. Joh. Adam v. Rohrbach;
    T Anna Genovefa ( Otto Heinrich Frhr. v. Friesen, 1654–1717, kursächs. Reichstagsgesandter u. Kanzler).

  • Leben

    H. wurde einige Jahre im Hause eines verwandten Adeligen erzogen. 1632 trat er in ein kaiserliches Regiment „deutscher Knechte“ ein, und hier diente er, zuletzt als Hauptmann, bis 1641. Dann übernahm er Süßenbach und gewann 1650 dazu das kleine Landgut Oberthumeritz. Er erwarb von seinen Stieftöchtern die Herrschaft Rohrbach im westlichen Niederösterreich, verkaufte sie aber bereits 1664 und übersiedelte, nachdem er noch einige Zeit die Herrschaft Sankt Pantaleon in Pacht gehabt hatte, nach Regensburg. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, wie die Tatsache, daß niederösterreichische Adelige wohl ihr lutherisches Bekenntnis beibehalten, es aber im Lande nicht ausüben durften, mag zu dem Entschluß zur Übersiedlung beigetragen haben. In Regensburg lebte er im Kreise österreichischer Landsleute bis zu seinem Tode.

    H. besaß, obwohl er unter schwierigen Verhältnissen herangewachsen war und den üblichen Bildungsgang nicht durchgemacht hatte, eine umfassende Bildung. Er beherrschte das Lateinische und kannte die romanischen Sprachen und Literaturen. Schon früh muß die Neigung zur Dichtung hervorgetreten sein, zu der er, wie er sagt, 1641 „zurückkehrte“. Er trat um diese Zeit in Beziehung zu einem Kreis evangelisch österreichischer Adeliger, die literarisch tätig waren, vor allem zu dem Übersetzer Hans Wilhelm von Stubenberg und zu Georg Adam von Kuefstein. Auch die religiöse Dichterin Catharina Regina von Greiffenberg stand dieser Gruppe nahe. Ihre Beziehungen weisen nach Nürnberg (Sigmund von Birken, Pegnesischer Blumenorden) und zur „Fruchtbringenden Gesellschaft“ in Weimar. In diese ist H. 1652 aufgenommen worden.

    H. begann mit nicht erhaltenen Hirtenliedern und schrieb dazu „Georgica“ in Versen, ein Lehrbuch der Haus- und Landwirtschaft in 12 Büchern, die 1682 in sein Prosawerk „Georgica curiosa“ Aufnahme fand. Seine Freunde wiesen ihn auf den Weg hochbarocken Dichtens, das aber diesem schlichten Landedelmann nicht gemäß war. Seine „Unvergnügte Proserpina“ (1661) behandelt ein mythologisches Thema in Anlehnung an Claudianus (circa 400) und die italienische Dichtung um 1600, wird aber durch den Widerspruch zwischen Stoff und Stil wohl ungewollt fast zur Travestie.

    Dann schrieb H. ein umfangreiches Epos, den „Hapspurgischen Ottobert“, einen von den Renaissance-Epen des Ariost und Tasso bestimmten „Roman in Versen“, über den von einer fabulösen Pseudogelehrsamkeit erfundenen Stammvater der Habsburger. Auch hier ist der hochbarocke Stil nicht erreicht, bricht das unreflektierte Naturempfinden H.s durch. Zugleich tritt seine Verbundenheit mit seiner niederösterreichischen Heimat und mit dem Herrscherhaus zutage, für die auch „das Klaaggedicht“ auf den Tod der Kaiserin Maria Leopoldina (1649, Manuskript Wien, Nationalbibliothek) kennzeichnend ist. H. hat diese Linie nicht weiter verfolgt. Aus seiner Spätzeit kennen wir nur die Übertragung der lutherischen Psalmenübersetzung in Versen mit beigefügten Gebeten und seine in Latein und Deutsch verfaßte „Historia passionis …“ (1725). Seine Hauptarbeit galt in dieser Zeit der Wiederaufnahme seines alten Vorhabens, einer Darstellung der Haus- und Landwirtschaft, die als „Georgica curiosa …“ 1682 und in einer überarbeiteten Ausgabe 1687 erschien.

    Während H.s poetische Werke bald der Vergessenheit anheimfielen, wurden die Georgica curiosa bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts mehrmals aufgelegt und waren vor allem für die Lehre von der Landwirtschaft von Bedeutung. Seinem Aufbau nach ist dieses Werk eine Lehre vom „Haus“, eine „Ökonomik“, und handelt von allen im Hause wirkenden Personen, dem Hausvater, der Frau, den Kindern und dem Gesinde. Daran schließt sich eine Darstellung der verschiedenen Zweige der Land- und Forstwirtschaft. Ein reiches Wissen aus den damit zusammenhängenden Gebieten (Pädagogik, Human- und Veterinärmedizin, Zoologie und Botanik) wurde aufgenommen. H. stützt sich dabei außer auf eigene Erfahrung auf die Kenntnis der im 16. Jahrhundert durch antike De-re-rustica-Literatur angeregte Agrarliteratur der europäischen Völker und deutscher Landschaften, so Konrad Heeresbach und Johannes Coler, der die auch für H. maßgebende Verbindung von Ökonomik und Agrarliteratur vollzogen hatte.

  • Werke

    Weitere W Der Habspurg. Ottobert, 1663/64, Teildr. in: Die dt. Lit., Texte u. Zeugnisse, III: Das Za. d. Barock, hrsg. v. A. Schöne, 1963: Wurz- u. Artzeney-Garten d. Kgl. Propheten Davides, 1675;
    Georgica curiosa, das ist umständl. Ber. u. klarer Unterricht v. d. adelichen Land- u. Feldleben auf alle in Teutschland übliche Land- u. Forstwirtschaften gerichtet, 1682, 21687 u. d. T. Georgica curiosa aucta, 51715 (um 1 mitteldt. Verhältnisse behandelnden Bd. verm.), 61749.

  • Literatur

    ADB XII;
    I. Jerschke, W. H. v. H. als barocker Dichter, 1936;
    O. Brunner, Adeliges Landleben u. europ. Geist, - Leben u. Werk W. H. v. H.s, 1949 (P);
    ders., in: Große Landwirte, 1970 (P);
    G. Mecenseffy, Österr. Exulanten in Regensburg, in: Jb. d. Ges. f. Gesch. d. Protestantismus in Österreich 73, 1953;
    H.-J. Frank, Catharina Regina v. Greiffenberg, Leben u. Welt d. barocken Dichterin, 1967;
    M. Bircher, Joh. Wilh. v. Stubenberg (1619–63) u. s. Freundeskreis, Stud. z. österr. Barocklit. prot. Edelleute, 1968;
    A. Schöne, H.s Psalter-Embleme, in: Dt. Vj.schr. f. Lit.wiss. u. Geistesgesch. 44, 1970;
    M. Szyrocki, Die dt. Lit. d. Barock, 1968;
    de Boor-Newald V.

  • Portraits

    Stich v. Ph. Kilian (Wien, Nat.bibl.), Abb. in: Gr. Landwirte, 1970.

  • Autor/in

    Otto Brunner
  • Empfohlene Zitierweise

    Brunner, Otto, "Hohberg, Wolf Helmhard Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 476 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774735.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hohberg: Wolfgang Helmhard Freiherr von H. (auch Hochberg), landwirtschaftlicher Schriftsteller, Grundherr zu Ober-Thumritz und Süßenbach in Ober-Oesterreich und Mitglied der österreichischen ständischen „Fruchtbringenden Gesellschaft“, gest. 1688 zu Regensburg. Er gehörte einer Speciallinie des Gutsmannsdorf'schen Zweiges von dem ursprünglich zu Konradswalde in Schlesien angesessen gewesenen gräflichen Hause an, wurde den 20. October 1612 zu Ober-Thumritz geboren und war der Enkel des Stifters der mit dieser Grundherrschaft abgezweigten Speciallinie Friedrichs von H., dessen Vater als kaiserlicher Rath zu dem Erwerbe von Grundbesitz in Ober-Oesterreich im sogenannten|Hausruckviertel, gekommen war. Obschon H. als Protestant sich weder für einen Beruf im höheren Staatsdienste, noch für die militärische Laufbahn unter Oesterreichs Fahnen bestimmt sehen mochte, so muß seine Erziehung eine Vorzügliche gewesen sein, denn er hat später durch seine vielseitige litterärische Thätigkeit nicht nur eine umfassende Schulbildung, bereichert durch viele historische Studien, sondern auch hohes Verständniß für die Aufgaben der politischen Oekonomie wie des Landbaues bekundet. In seinen 20er Jahren hat er indessen auch als kaiserlicher Kriegsmann dienen müssen, nach seiner eigenen Aussage (Georgica curiosa VIII, 4) war er an einer Campagne unter dem kaiserlichen General-Feldmarschall Holt 1633 betheiligt. Doch rühmt er sich nicht großer Kriegsthaten. Ihm, dem protestantischen Grundherrn in Oesterreich, mochte theils während der Wirren des 30jährigen Krieges, theils unmittelbar nachher dringende Veranlassung gegeben sein, durch ein umsichtiges und gemeinnütziges Wirten auf dem Gebiete des Landbaues seinem Hause und dem Vaterlande nach Möglichkeit zu dienen. Als in den ersten Decennien nach dem Ende jenes Krieges die Lage der Protestanten Osterreichs immer bedenklicher wurde, indem die ihnen gewährte Nachsicht mehr und mehr abnahm, entschloß H. sich, seine sämmtlichen Güter zu verkamen. Nachdem dies im J. 1664 bewirkt war, ließ er sich in Regensburg nieder, um dort nur noch seinen Studien leben zu können. Neben einigen Dichtungen „Lust- und Arzneigarten“ und dem Heldengedicht „Der Habsburgische Ottobert“, verfaßte er in seiner Zurückgezogenheit ein im großartigen Stile angelegtes kameralistisch-ökonomisch und landwirth-schaftlich-technisch wie historisch-politisch bedeutsames Werk: seine „Georgica curiosa“ oder „Unterricht für den Landbau fürs adelige Land- und Feldleben etc.“, welches er den Ständen der beiden Erzherzogthümer Unter- und Ob der Enns gewidmet sein ließ. Dies Werk, welches zuerst in Nürnberg 1682 in 2 großen Foliobänden erschienen und nicht nur in den ständischen Kreisen Oesterreichs, sondern fast allgemein bei dem adeligen und Domanialgrundbesitz Deutschlands mit größtem Beifall aufgenommen war, galt lange für ein Hauptwerk auf dem betreffenden Gebiete der Litteratur; es erlebte eine Reihe von Auflagen und trug nicht wenig dazu bei, in den von Drangsalen des Krieges schwer heimgesuchten Kreisen des gedachten Grundbesitzes den Sinn für das Landleben wieder zu erwecken und die Thatkraft zu Wiederherstellung der vielfach verwüsteten Landgüter von Neuem zu schaffen. Während im I. Theile der Georgica die Einrichtung der Landgüter, die Verwaltung der damit verbundenen Realitäten, Regalien und Gefälle wie der technischen Nebengewerbe, die ganze Hauswirthschaft, der Weingarten und die Rebcultur sowie der Gartenbau nach seiner Wirthschaftlichen und ästhetischen Seite ausführlich behandelt wurden, so fanden im II. Theile der Feldbau, die Wiesen- und Weidencultur, die Viehzucht, Bienenzucht, Fischzucht und Jagd, sowie die Holzanzucht und allgemeinere Aufgaben fürs Landleben ihre eingehende Erörterung. Dabei war das Werk reich mit historischen Momenten durchflochten und mit Schilderungen specialer Verhältnisse ausgestattet; so enthielt der Abschnitt, welcher von den Aufgaben des Grundherrn in Kriegszeiten handelt, eine Darstellung der verschiedenen Umstände, welche zum 30jährigen Kriege führten, wie sie etwa der Aufgabe eines größeren Geschichtswerkes nicht besser hätten entsprechen können. Besonders wichtig wurde es auch durch seine vielseitigen Schilderungen und Betrachtungen als eine reiche Quelle für die Geschichte der Landwirthschaft Osterreichs. H. war als Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft Oesterreichs unter dem Namen des „Sinnreichen“ im Kreise seiner Berufs- und Standesgenossen sehr geschätzt. Als ein Freund genealogischer Studien fand er in späteren Lebensjahren mehrfach Gelegenheit mit dem Hofprediger Phil. Jacob Spener in Dresden in Verkehr zu|treten, und letzterer hat offen ausgesprochen, wie sehr er von diesem seinem Gönner bei seinen heraldischen Studien durch Mittheilungen über die Verhältnisse österreichischer adeliger Häuser gefördert worden sei. Wahrscheinlich erlosch mit seinem 1688 erfolgten Ableben die Gutmannsdorf'sche Linie des Hohberg'schen Geschlechtes, denn aus seiner Familie überlebte ihn nur eine Tochter, die ihm bis zu seinem Ende zur Seite gestanden hatte.

    • Literatur

      Ersch und Gruber, Encyklopädie. Bd. IX, 1832. (v. Stramberg). Desgl. Georgica curiosa, Einleitung etc. — C. Fraas, Geschichte der Landbau- und Forstwissenschaft, München 1865.

  • Autor/in

    Leisewitz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Leisewitz, Carl, "Hohberg, Wolf Helmhard Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 653-655 unter Hohberg, Wolfgang Helmhard von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774735.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA