Dates of Life
1846 bis 1901
Place of birth
Germersheim (Pfalz)
Place of death
München
Occupation
Jurist ; Staatsrechtslehrer
Religious Denomination
katholisch
Authority Data
GND: 11876487X | OGND | VIAF
Alternate Names
  • Seydel, Max
  • Schlierbach, Max (Pseudonym)
  • Seydel, Max von (bayerischer Personaladel 1893)
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Relations

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Citation

Seydel, Max von (bayerischer Personaladel 1893), Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11876487X.html [14.07.2020].

CC0

  • Genealogy

    V Wilhelm S. (1795–1865), aus Düsseldorf, bayer. Ing.offz., 1846–56 Festungsbaudir. in G., bis 1863 Vorstand d. Genie-Beratungs-Komm., bis 1864 kurzzeitig Kdt. v. G., 1861–64 Chef d. Inspektion d. Ing.-Korps u. d. Festungen, 1863 Gen.major, seit|1855 in M. (s. B. Ph. Schröder, Die Generalität d. dt. Mittelstaaten 1815–1870, 1984, S. 433, Nr. 413), S d. Johann Josef ( 1806?), bayer. Stabshptm., u. d. Wilhelmina N. N. ( 1827);
    M Therese ( 1904), T d. Aloys August Rr. v. Schilcher (um 1802–77, bayer. Personaladel 1845), aus Mindelheim, Reg.präs. v. Niederbayern (s. Schärl);
    1882 Johanna ( 1917), T d. Wilhelm Zöller (1826–1901), Dr. med., Dir. d. Kreis-Kranken- u. Pflege-Anstalt in Frankenthal (Pfalz), Vors. d. pfälz. Ärztekammer, bayer. Med.rat (s. BJ VI, Tl.), u. d. Emma Lehmann; kinderlos;
    Gvv d. Ehefrau Josef Anton Schilcher (1762–1808), Dr. iur., bayer. Landesdir.rat; Gr-Ov d. Ehefrau Franz Sales Rr. v. Schilcher (1766–1843, wohl bayer. Personaladel), Forstfachmann, 1804 Gen.landesdirektionsrat b. d. Landesdirektion in Würzburg, 1817 Zweiter Präs. d. bayer. Obersten Rechnungshofs u. Wirkl. Staatsrat (s. ADB 31); Schwägerin Marie Zöller ( Carl Johann Rr. v. Krazeisen, 1851–1924, bayer. Personaladel 1906, Oberreg.rat, gab mit S. seit 1895 d. „Bll. f. administrative Praxis“ heraus, 1912–19 Präs. d. Verw.ger.hofs in M., Staatsrat, s. Schärl).

  • Life

    S. verbrachte die Volksschulzeit in Germersheim. 1855 zog er mit seinen Eltern nach München, wo er das Ludwigsgymnasium bis zum Abitur 1864 besuchte. Nach jur. Studium in München und Würzburg wurde er 1869 in Würzburg mit einer Dissertation zum röm. Recht promoviert. Nach der Assessorprüfung 1872 war er bis 1881 im bayer. Staatsdienst im Kultus- und Innenministerium tätig; zusätzlich seit 1873 als Lehrer für Kriegs- und Völkerrecht an der bayer. Kriegsakademie und seit 1879 als Vorstand des bayer. „Statistischen Bureaus“. 1881 erfolgte seine Berufung zum o. Professor in München (ohne Habil.). 1895 übernahm er die Redaktion der „Blätter für administrative Praxis“. Im Lippischen Thronstreit war er als Gutachter tätig. Nach erster Erkrankung 1894 gab er 1899 seine Lehrtätigkeit auf.

    S.s Bedeutung beruht in erster Linie auf seinem monumentalen „Bayer. Staatsrecht“ (7 Bde., 1884–94; 21895/96, 31913, bearb. v. J. v. Grassmann u. R. Piloty). Es umfaßt außer dem Staatsrecht auch das gesamte Verwaltungsrecht mit Finanzrecht, Staatskirchenrecht, Heer- und Unterrichtswesen. Alle Institutionen werden im Zusammenhang der Geschichte dargestellt, so daß ein Panorama des Staats- und Rechtswesens Bayerns am Ende des 19. Jh. entsteht. Die Staatsaufgaben werden im Sinne des Sozial- und Kulturstaats weit aufgefaßt. Als enzyklopädische Darstellung des Staatsrechts eines dt. Einzelstaats blieb dieses Werk singulär.

    Bereits 1872 hatte S. in einer Abhandlung über den Bundesstaatsbegriff das Dt. Reich als Staatenbund vereinigter Fürsten definiert. Er entwickelte dabei den Begriff eines „constitutionellen Staatenbunds“ ohne Austrittsmöglichkeit des Einzelstaats, eine auch für das heutige Europarecht interessante Konstruktion. Allerdings konnte sich S.s Staatenbundlehre im Bismarckreich nicht durchsetzen. In seiner „Allgemeinen Staatslehre“ (1873) führt S. die Genese des Staates generell auf den Herrscherwillen zurück, der für ihn die Quelle des gesamten Rechts ist. Mit dieser „naturalistischen“ Staatslehre begründet er auch das monarchische Prinzip in der konstitutionellen Monarchie. Allerdings vertritt S. auch ein Recht auf Revolution bei tyrannischer Herrschaft, insofern abweichend von Hobbes und dessen absolutistischer Staatstheorie.

    S. war in der Staatsrechtswissenschaft des Bismarckreichs ein Außenseiter. Seine Schriften beeinflußten jedoch Hans Nawiasky (1880–1961) und über ihn die Bayer. Verfassung von 1946. Die berufsständische Institution des bayer. Senats, der 1999 abgeschafft wurde, beruhte auf S.s Lehren. Auch der Staatsrechtler Carl Schmitt (1888–1985) wurde in den Thesen seiner „Politischen Theologie“ (1922) von S. beeinflußt.

  • Awards

    Dr. iur. h. c. (Czernowitz 1900).

  • Works

    Die gemeinrechtl. Lehre v. Macedonian. Senatsbeschlusse, 1868 (Diss.);
    Der Bundesstaatsbegriff, in: ZStW 28, 1872, S. 185–256;
    Commentar z. Vfg.Urk. f. d. dt. Reich, 1873, 21897;
    Grundzüge e. allg. Staatslehre, 1873, Neudr. 1967;
    Die neuesten Gestaltungen d. Bundesstaatsbegriffes, in: (Hirths) Ann. 1876, S. 641–55;
    Staatsrechtl. u. pol. Abhh., 1893;
    Der Streit um d. Thronfolge in Lippe, in: DJZ 3, 1898, S. 481–83;
    Staatsrechtl. u. pol. Abh., NF, 1902 (W-Verz. S. 325–43);
    Vortrr. aus d. Allg. Staatsrecht, 1903;
    Lukretius, Dt. v. Max Schlierbach, 1881.

  • Literature

    H. Rehm, in: AöR 16, 1901, S. 359–401;
    R. Piloty, in: Bll. f. administrative Praxis 51, 1901, S. 225–47 (W-Verz. S. 247–68);
    ders., Ein Jh. bayer. Staatsrechtslit., in: Staatsrechtl. Abhh., Festgabe f. Paul Laband, I, 1908, S. 203–82;
    H. Nawiasky, M. v. S., Rede an d. Münchner Univ. 1953, in: Münchner Univ.reden NF, H. 4, 1954;
    H. Kalkbrenner, M. v. S. u. d. Aktualität seiner dt. Bundes-Theorie, in: Um Recht u. Freiheit, FS f. Friedrich August Frhr. v. d. Heydte, II, 1977, S. 871–938;
    M. Stolleis, Gesch. d. öff. Rechts in Dtld., II, 1992, S. 287–89, 366 f. u. 435–37;
    P. Landau, M. v. S., Bayerns Staatsrechtslehrer im Bismarckreich, in: Vfg.Philos. – Kirche, FS f. Alexander Hollerbach, 2001, S. 59–79;
    R. Piloty, in: BJ IV, S. 390–402 u. Tl.;
    Gr. Bayer. Biogr. Enz.

  • Author

    Peter Landau
  • Citation

    Landau, Peter, "Seydel, Max von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 288-289 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11876487X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA