Lebensdaten
1707 bis 1772
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Arzt ; Naturforscher ; Stifter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118764519 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Senckenberg, Joh. Chrstn.
  • Senckenberg, Johann C.
  • Senckenberg, Johannes C.

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Zitierweise

Senckenberg, Johann Christian, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118764519.html [29.07.2016].

CC0

Senckenberg, Johann Christian

Arzt, Naturforscher, Stifter, * 28. 2. 1707 Frankfurt/Main, 15. 11. 1772 Frankfurt/Main, Frankfurt/Main, Stiftungsgelände am Eschenheimer Tor, seit 1907 am „neuen“ Bürgerhospital an der Nibelungenallee. (evangelisch)

  • Genealogie

    Aus schles. Fam. in Troppau, deren Stammreihe mit Balthasar (1539-vor 1593), Mag., Lehrer in Breslau, Pfarrer in Hauskirchen (Niederösterr.), beginnt; V Johann Hartmann (1655–1730, 1] Maria Margarethe, 1652–1703, T d. Johann Christoph v. den Birghden, evtl. 1619–80, Advokat, Ratsherr in F.), aus Friedberg, Dr. med., erhielt 1688 d. Bürgerrecht in F., Stadtphysicus ebd., S d. Johannes Senckenberg(er) (1609/10–74), aus Troppau (Schlesien), Apotheker, wanderte aus konfessionellen Gründen während d. 30j. Kriegs in d. Wetterau aus, Bgm. d. Reichsstadt Friedberg (Wetterau), u. d. Anna Catharina Henrici, Pfarrers-T; M Anna Margarethe (1682–1740), T d. Anton Raumburger (1640–90), aus F., Lic. iur., 1668 Ratsschreiber in F., 1673 Stadtschreiber u. Archivdir. ebd. (s. B. Dölemeyer, Frankfurter Juristen im 17. u. 18. Jh., 1993), u. d. Anna Clara Hoffmann; Ov Johann Heinrich (1647–1707), Apotheker, Bgm. in Friedberg, Tante-m Lucia Catharina Raumburger ( 1] August Vigelius, Prof. d. Math., 2] Johann Ernst Gerhard d. J., 1662–1707, Prof. d. Theol. in Gießen, s. ADB VIII, 3] Melchior Dethmar v. Grolman[n], 1668–1722, Prof. d. Rechte u. Kanzler d. Univ. Gießen, GR, s. Strieder, NDB VII*); 3 B Heinrich Christian Frhr. v. S. (1704–68, Reichsfrhr. 1751, 1] Karoline v. Kröber, 1744, T e. Oberbergdir., Reg.rat in Zweibrücken, 2] Sophie Elisabeth Freiin v. Palm, 1798), ao. Prof. d. Rechte in Göttingen, o. Prof. u. Reg.rat in Gießen, nassau-oran. JR, 1745 ksl. Reichshofrat in Wien, S.s Testamentsvollstrecker (s. L), Conrad Hieronymus (1709–39), Apotheker in London, Johann Erasmus Frhr. v. S. (1717–95, Reichsadel 1751), Ratsherr in F., dann suspendiert u. zeitweise inhaftiert, HR u. jur. Berater mehrerer Reichsstände, bemühte sich, S.s Stiftung anzufechten (s. ADB 34), 1 Schw (früh †); – 1) 1742 Johanna Rebecca Riese (1716–43), T e. Juweliers in F., 2) 1746 Catharina Rebecca (1716–47), T d. Johann Jakob Mettingh, isenburg. Reg.rat, 3) 1754 Antonetta Elisabeth (1712–56, 1] Johann Christoph Ruprecht, 1704–50, kurpfälz. Rat, Mitgl. d. Bürgerkollegs d. 51er in F., s. B. Dölemeyer, Frankfurter Juristen im 17. u. 18. Jh. Nr. 534 1993) T d. Remigius Bach, Handelsmann; 1 K aus 1), 1 K aus 2) (beide früh †); N Renatus Frhr. v. S. (Ps. Polydor Nemaeus) (1751–1800, Margarethe v. Rauen, 1746–1805, T d. Friedrich Heinrich Wilhelm v. Rauen, braunschweig-wolfenbüttel. Oberst u. Forstmeister), Reg.rat in Gießen, Dichter, an d. Verw. v. S.s Stiftung beteiligt, stiftete d. Univ. ebd. sein Wohnhaus u. seine Bibl. (s. ADB 34; W), Karl Frhr. v. S. (1760–1842), Bes. d. Schloßgutes Rudmersbach (Württ.), kgl. sardin. Hptm., nach Renatus' Tod an d. Verw. v. S.s Stiftung beteiligt; Gr-N Karl Frhr. v. S. (* 1815), Bes. d. Schloßgutes Rudmersbach.

  • Leben

    S. besuchte das Gymnasium im ehem. Barfüßerkloster in Frankfurt/M. (wann genau, ist nicht geklärt). Nach dem Brand des Elternhauses 1719 fehlten trotz eines Stipendiums des Frankfurter Rats zunächst die Mittel für ein Medizinstudium, S. erwarb jedoch bei seinem Vater und anderen Ärzten med. Kenntnisse und behandelte Kranke. 1730 nahm er das Studium der Medizin in Halle auf und lernte hier auch die Anstalten des Pietisten August Hermann Francke (1663–1727) kennen, die u. a. Waisenhaus, Apotheke und Krankenhaus umfaßten. Aus ungeklärten Gründen brach S. sein Studium ab und behandelte seit 1732 Kranke in Frankfurt, ohne regulärer Arzt zu sein. 1737 erreichte S. aber noch einen Abschluß und wurde in Göttingen zum Dr. med. promoviert. Noch im selben Jahr ließ er sich in Frankfurt als Arzt (1742 Physicus extraordinarius, 1751 Landphysicus, 1755 Physicus ordinarius) registrieren. Seine Praxis wuchs, er wurde wohlhabend.

    Nicht zuletzt wegen des frühen Todes seiner Kinder und seiner Ehefrauen brachte S. 1763 sein gesamtes Vermögen (dazu zählten fast 100 000 fl. Kapitalvermögen) in eine Stiftung ein. Sein Eintreten für das Gemeinwohl ist zudem vom Pietismus bestimmt. Im Febr. 1766 kaufte er ein Haus mit Grundbesitz am Eschenheimer Tor, das nach seinem Tod zum Stiftungshaus wurde und seine Bibliothek, die Mineralien- und die Porträtsammlung beherbergte. S. bestimmte, daß sich hier die Ärzte der Stadt regelmäßig treffen und med. Probleme diskutieren sollten. Zur Fort- und|Weiterbildung der Ärzte seiner Heimatstadt ließ er auf seinem Gelände 1767 einen botan. Garten zum Studium von Arzneipflanzen einrichten. 1770 wurde der Rohbau des ersten Anatomiegebäudes in Frankfurt fertiggestellt, mit dem Unterricht wurde erst 1776 begonnen. 1769 nahm S. den Bau eines Bürgerhospitals in Angriff, das allerdings erst 1779 eröffnet wurde. Ein auf dem Stiftungsgelände befindliches chem. Laboratorium führte eher ein Schattendasein. S. ließ sich bei seiner Planung vom Bauprogramm einer damals modernen med. Fakultät inspirieren, wodurch er eine bessere med. Versorgung der Bevölkerung durch gut ausgebildete Ärzte erreichen wollte. Seine Zielsetzung ging indes über den med. Bereich hinaus; 1772 bestimmte er, daß nach seinem Tod ein Findelhaus, ein Gebärhaus, eine Apotheke, eine Bäckerei, eine Brauerei, ein Bad sowie evtl. ein Gotteshaus und ein Friedhof errichtet werden sollten – ganz ähnlich den Franckeschen Anstalten in Halle, an denen er sich orientierte. Diese Vorgaben wurden jedoch nicht umgesetzt. S. starb durch einen Sturz vom gerade fertiggestellten Uhrturm des Bürgerhospitals. Seine Leiche wurde in seiner eigenen (eigentlich noch nicht fertigen) Anatomie seziert.

    S.s Stiftung gedeiht noch heute (u. a. trägt sie noch immer das Bürgerhospital). Aus ihr gingen florierende Gründungen wie die „Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft“, die „Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg“, die „Dr. Senckenbergische Anatomie“, das „Senckenbergische Institut für Pathologie“ und das „Senckenbergische Institut für Geschichte und Ethik der Medizin“ hervor, die den Namen S. in der Öffentlichkeit präsent halten.

  • Werke

    Stiftungs-Briefe zum Besten der Arzneykunst und Armenpflege, 1770, Nachdrr. 1923 u. 1963; zu Renatus: Charlotte Gorday oder d. Ermordung Marats dramatisirt, 1797, Neudr. hg. v. A. Beise, 1999.

  • Literatur

    S. A. Scheidel, Gesch. d. Dr. Senckenberg. Stiftshäuser, 1867; A. de Bary, Gesch. d. Dr. Senckenberg. Stiftung 1763–1938, 1938 (P); ders., J. C. S. (1707–1772), Sein Leben aufgrund d. Quellen d. Archivs d. Dr. Senckenberg. Stiftung dargest., 1947, Nachdr. 2004; T. Bauer, J. C. S., 2007; U. Benzenhöfer, Zum 300. Geb.tag d. Frankfurter Arztes u. Stifters J. C. S., in: Hess. Ärztebl. 68, 2007, S. 79–83; Frankfurter Biogr. (P); Lex. Naturwiss.; – zu Heinrich Christian Frhr. v. S.: ADB 34; B. Dölemeyer, H. C. v. S., Frankfurter Jur. u. Reichshofrat (1704–1768), in: Fürstenhof u. Gelehrtenrep., Hess. Ll. d. 18. Jh., hg. v. d. Hess. Landeszentrale f. Pol. Bildung, 1997, S. 103–11 (P); Wurzbach; BLÄ; HRG; – zur Fam.: H. F. Friederichs, J. C. S.s Ahnenu. Sippengefüge, in: Hess. Fam.kunde 3, 1954, S. 16 ff.P Wachsporträt v. Ch. B. Rauscher, 1772, Abb. in: Natur u. Museum 58, 1928, S. 490–93, u. Bary, 1938 (s. L); Halbfigurbild, Öl/Lwd. v. L. Hauck, 1748, Abb. in: Die Porträtslg. d. Dr. Senckenberg. Stiftung, 2000, S. 81; Halbfigurbild, Öl/Lwd.v. A. W. Tischbein, 1771 (alle Frankfurt/M., Senckenberg. Stiftung), Abb. ebd., S. 91; Büste v. A. v. Nordheim, 1864 (Frankfurt/M., Naturmuseum S.).

  • Autor

    Udo Benzenhöfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Benzenhöfer, Udo, "Senckenberg, Johann Christian" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 247-248 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118764519.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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