Lebensdaten
1497 bis 1574
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Buchhalter der Fugger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118762958 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwarz, Mathias
  • Schwarz, Matthäus
  • Schwarz, Mathias

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Zitierweise

Schwarz, Matthäus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118762958.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ulrich (II.) (1448–1519, 1] Magdalena Schreyer, vor 1491, 3] Margaretha Lauginger, 1524), Wirt u. Weinhändler in A., S d. Ulrich (1422–78 hingerichtet, 2] Anna Fries, 1509), 1459 Ratsherr d. Zimmerleutezunft in A., 1467 Mitgl. d. Dreizehner, Stadtbaumeister, 1469–77 Stadtpfleger, 1469 u. 1473 Bgm. in A., beteiligte sich an d. Vfg.reform in A., um d. Einfluß d. Zünfte im Rat zu erhöhen, u. geriet damit in Konflikt mit d. Patriziat, Chronist, Vf. e. Hausbuchs (s. L), u. d. N. N. Seld ( vor 1469);
    M Agnes Staudach(er) (um 1465–1502), aus Altstätten (Schweiz), Wwe d. Thomas Seidner;
    Ur-Gvv Hans, Zimmermann;
    16 B u. a. Lukas ( 1556, Reichsadel 1541), 1535–48 Zunftmeister d. Salzfertiger in A., Simprecht, um 1527 Goldschmied in A., Sebastian, Faktor d. Fugger, Kaspar (Reichsadel 1541), 14 Schw;
    Augsburg 1538 Barbara (1507–80/81), T d. Anton Mangold ( 1550), aus Schwäb. Gmünd, Faktor d. Fugger;
    S Matthäus Ulrich (1539–70), 1555/56 Diener d. Fugger in Italien, um 1560 Angest. d. Augsburger Haug-Langnauer-Linck-Ges., 1565 Rr. d. Johanniterordens, Veit Konrad (1541–87/88), 1555/56 Lehre in Verona, 1556–78 Angest. d. Firmen „Anton Fugger u. Brüder Söhne“ u. seit 1578 „Georg Fuggerische Erben“, T Barbara Agnes (1543–89, ⚭ Joachim Menhard, Dr. in A.);
    N Hans (s. 1).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Lateinschule von St. Moritz in Augsburg 1509/10 arbeitete S. zunächst in der Weinhandlung seines Vaters und reiste in dessen Auftrag nach München, Lindau und Konstanz. 1514 schickte ihn der Vater zur kaufmännischen Ausbildung nach Italien. Nach Aufenthalten in Mailand und Genua ging er bis 1516 bei Antonio Mariafior in Venedig in die Lehre und erlernte dort die Technik der doppelten Buchführung, die er später in Augsburg vervollkommnete. Nach seiner Rückkehr wurde er im Herbst 1516 probeweise, Anfang 1517 fest von Jakob Fugger „dem Reichen“ als Buchhalter eingestellt. 1519/20 besuchte er die Frankfurter Messen, und zur Zeit des Bauernkriegs begleitete er Fugger'sche Silber- und Geldtransporte in Tirol. Den Fuggern blieb S. auch nach dem Tod Jakob Fuggers 1525 eng verbunden. Unter Anton Fugger (1525–60) fungierte er als Hauptbuchhalter der Augsburger Firmenzentrale. Während dieser Zeit nahm sein Vermögen nach Ausweis der städtischen Steuerbücher stark zu, und 1552 erwarb er ein Haus am Augsburger Obstmarkt. Seine eigene Nobilitierung und die seiner Brüder Lukas und Kaspar durch Ks. Karl V. 1541 sowie seine Mitgliedschaft in der Augsburger Kaufleutestube dokumentieren S.s gesellschaftliches Ansehen.

    Seine Kenntnis des kaufmännischen Rechnungswesens bewies S. in einer 1518 verfaßten und später ergänzten „Musterbuchhaltung“. Darin stellte er die Grundlagen der kaufmännischen Buchführung vor („was das buchhalten sey“), erläuterte unterschiedliche Techniken der Buchführung mittels Journal, Schuldbuch, Rechnung, Kapus (Güterbuch), Hauptbuch und verschiedenen Nebenbüchern und beschrieb die Durchführung eines Rechnungsabschlusses am Beispiel der venezian. Faktorei der Fugger („von dreyerlay buchhalten“). Eine 1548 abgeschlossene „Handelspraktik“ für den internen Gebrauch der Fuggerfirma (Wien, Österr. Nat.bibl.), als deren Urheber S. gilt, faßt Informationen über Münz-, Maß- und Gewichtsverhältnisse sowie über Geschäftsbräuche und Zahlungsverkehr der wichtigsten europ. Handelsplätze systematisch zusammen. Aus den letzten Lebensjahren S.s sind keine gesicherten Fakten bekannt.

    Besonderen kulturgeschichtlichen Wert als Zeugnis für den Wandel der städtischen Kleidermode und zentrale Quelle für Selbstverständnis und Repräsentation eines süddt. Bürgers im 16. Jh. hat S.s „Trachtenbuch“ (Braunschweig, Hzg. Anton Ulrich-Mus.). Das 1519 angelegte und über 40 Jahre hinweg fortgeführte Werk enthält 137 mit eigenhändigen Kommentaren versehene Porträtminiaturen, von denen die Mehrzahl zwischen 1521 und 1536 von Narziß Renner (1501/02 –36) angefertigt wurde. Einige zwischen 1538 und 1546 entstandene Porträts werden der Werkstatt Christoph Ambergers (um 1505–61/62) zugeschrieben, das letzte Bild stammt von Jeremias Schemel. Eine ebenfalls 1519 begonnene Autobiographie („der wellt lauff“), auf die das „Trachtenbuch“ wiederholt Bezug nimmt, ist nicht erhalten. Nach dem Vorbild des väterlichen „Trachtenbuchs“ legte auch S.s Sohn Veit Konrad eine illustrierte Autobiographie an.

    S.s von Johannes Mittner verfaßtes und von Renner illustriertes Gebetbuch von 1521 (Berlin, Staatl. Museen, Kupf.kab.) enthält ebenfalls Porträts des Auftraggebers. Ein um 1522 von Renner im Auftrag von S. nach einer älteren Vorlage gemalter „Geschlechtertanz“ (Kopie in Augsburg, Städt. Kunstslgg.), der 30 Augsburger Patrizier- und Bürgerpaare beim Reigen in einer prachtvollen Gartenanlage zeigt, ist eine wertvolle Quelle zur Familien- und Kostümgeschichte. S.s Interesse an der visuellen Darstellung seiner eigenen Gestalt kommt schließlich auch in Porträts u. a. von Christoph Amberger (1542) sowie in mehreren Bildnismedaillen zum Ausdruck.

  • Literatur

    G. Habich, Das Gebetbuch d. M. S., in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., phil.-philol. u. hist. Kl., 8. Abh., 1910;
    ders., Der Augsburger Geschlechtertanz v. 1522, in: Jb. d. Kgl. Preuß. Kunstslgg., 1911, S. 213–35;
    H. Bechtel, M. S., Lb. nach d. „Kostümbiogr.“ u. dem „dreyerley buchhalten“, 1953;
    Götz Frhr. v. Pölnitz, Anton Fugger, 5 Bde., 1958–86;
    A. Fink, Die S.schen Trachtenbücher, 1963;
    Ph. Braunstein (Hg.), Un banquier mis à nu, Autobiogr. de M. S., bourgeois d'Augsbourg, 1992;
    P. M. Grüber (Hg.), „Kurzweil viel ohn' Maß und Ziel“, Augsburger Patrizier u. ihre Feste zw. MA u. Neuzeit, Ausst.kat., 1994, S. 78 f., 102–41;
    W. Reinhard (Hg.), Augsburger Eliten d. 16. Jh., 1996, S. 759–62;
    V. Groebner, Die Kleider d. Körpers d. Kaufm., Zum „Trachtenbuch“ e. Augsburger Bürgers im 16. Jh., in: ZHF 25, 1998, S. 323–58 (P);
    K. Arnold, Da het ich die gestalt, Bildl. Selbstzeugnisse in MA u. Renaissance, in: ders. u. a. (Hg.), Das dargest. Ich, Stud. zu Selbstzeugnissen d. späteren MA u. d. frühen Neuzeit, 1999, S. 201–21;
    R. Frenken, Kindheit u. Autobiogr. v. 14. bis 17. Jh., 1999, I, S. 362–87, II, S. 546–56;
    M. A. Denzel, Professionalisierung u. soz. Aufstieg b. oberdt. Kaufleuten u. Faktoren im 16. Jh., in: Günther Schulz (Hg.), Soz. Aufstieg, Funktionseliten im SpätMA u. in d. frühen Neuzeit, 2002, S. 413–42;
    G. Mentges, Fashion, Time and the Consumption of a Renaissance Man in Germany, The Costume Book of M. S. of Augsburg, 1498–1564, in: B. Burman u. C. Turbin (Hg.), Material Strategies, Dress and Gender in Historical Perspective, 2003, S. 12–32;
    dies., Konsum u. Zeit, Zur Archäol. d. Modejournals am Bsp. d. Trachtenbuches v. M. S., in: Das „Journal d. Luxus u. d. Moden“, Kultur um 1800, hg. v. A. Borchert, 2004, S. 57–71 (P);
    U. Rublack, Clothing and Cultural Exchange in Renaissance Germany, in: Cultural Exchange in Early Modern Europe, hg. v. H. Roodenburg, 2007, S. 258–88 (P);
    zu Ulrich ( 1478):
    G. Panzer, U. S., der Zunftbgm. v. Augsburg 1422–1478, Diss. München 1913;
    J. Rogge, Für den Gemeinen Nutzen, 1995;
    Goldene Speisen in den Maien, Das Kochbuch d. Augsburger Zunftbgm. U. S. ( 1478), hg. v. Lb. Bayer. Schwaben II, 1953;
    Vf.Lex. d. MA2 VIII u. X;
    Augsburger Stadtlex., G. Fouquet, 2000;
    Repert. Fontium.

  • Portraits

    Ölgem. v. Hans Maler zu Schwaz, 1526 (Paris, Musée du Louvre);
    Bildnismedaillen v. Friedrich Hagenauer, um 1525 (München, Staatl. Münzslg.) u. 1530 (Wien, Privatbes.) u. Hans Kels u. seiner Schule, 1550 (München, Staatl. Münzslg.) u. 1551 (Augsburg, Städt. Kunstlgg.).

  • Autor/in

    Mark Häberlein
  • Empfohlene Zitierweise

    Häberlein, Mark, "Schwarz, Matthäus" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 2-3 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118762958.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA