Lebensdaten
erwähnt wohl 1380 , gestorben 1400 oder 1401
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Seeräuber ; Anführer der Vitalienbrüder ; Seeräuber
Konfession
-
Normdaten
GND: 118755501 | OGND | VIAF: 18532101
Namensvarianten
  • Stortebeker, Klaus
  • Stortebeker, Nikolao
  • Störtebeker, Klaus
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Orte

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Zitierweise

Störtebeker, Klaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755501.html [26.07.2021].

CC0

  • Leben

    S. ist quellenmäßig wesentlich schwächer nachzuweisen, als es sein Nachruhm vermuten läßt. Aber seine Existenz ist erwiesen, auch wenn immer wieder Zweifel an seiner Identität geäußert werden. Wahrscheinlich ist S. identisch mit einem „Nikolao Stortebeker“, der 1380 in Wismar erwähnt wird. Er gehörte zu einer Gruppe von Kaperfahrern, die „Vitalienbrüder“ genannt wurden, da sie sich selbst verpflegten und durch Beutemachen finanzierten. Entstanden waren diese Verbände im Rahmen des meckl.-dän. Konflikts um die schwed. Krone 1389 nach der Gefangennahme Albrechts III. v. Mecklenburg, Kg. von Schweden, durch Kgn. Margarete von Dänemark. Seit 1391 intensivierte Mecklenburg den Seekrieg gegen Dänemark,|indem die Häfen Rostock und Wismar für „alle, die das Reich Dänemark schädigen“ wollten, geöffnet wurden; darüber hinaus sammelten sich unter der Führung des meckl. Landadels bis dahin auf der Ostsee verstreut operierende Verbände von Kaperfahrern. Als Kaperer erscheint S. zusammen mit Klaus Scheld (vermutl. 1401 hingerichtet) und Godeke Michels (1401 hingerichtet) erstmals 1394 in einer engl. Klageakte, in der von Schädigungen der eigenen Kaufleute durch, wie die Engländer meinten, hansische Kaperer die Rede ist. Nach dem Friedensschluß von Skanör und Fasterbo 1395 zwischen Mecklenburg und Dänemark zog sich der mecklenburg. Landadel von dem Geschäft der gleichsam legalen Kaperfahrt zurück. Von da an gerieten die „capitanei“ offensichtlich aus der zweiten Reihe wie S. und Godeke Michels an die Spitze der zusammengebliebenen Verbände. Aus Kaperfahrern wurden in den Augen aller Ostseeanrainer und der Hanse nun „serovere“, die Jagd auf jedes Schiff machten, das Beute versprach. Bis 1398 hielten sich die Vitalienbrüder hauptsächlich auf Gotland auf und wichen nach ihrer Vertreibung durch den Dt. Orden in die Nordsee aus, wo sie von mehreren ostfries. Häuptlingen „gehegt“ wurden. S., der bis 1399 vierzehn Mal als Kaperer erwähnt ist, wurde wohl im Aug. 1400 von einer Hamburger Flotte auf Helgoland überwältigt und mit großer Wahrscheinlichkeit am 21. 10. 1400 auf der Hamburger Hinrichtungsstätte, dem Grasbrook, enthauptet. Mit ihm wurden nach einem für landschädliche Leute üblichen schnellen Gerichtsverfahren auch mehrere andere Vitalienbrüder hingerichtet; zur Abschreckung stellte man ihre Köpfe entlang der Elbe auf Pfählen zur Schau. Nach 1400 und 1401 empfindlich geschwächt, verschwanden die Vitalienbrüder nach der Einnahme der Sibetsburg 1435 durch Hamburg endgültig aus der Geschichte. Von der Mitte des 16. Jh. an begann mit der Verbreitung des 26 Strophen umfassenden Störtebekerliedes die Mythenbildung S.s. In den folgenden Jahrhunderten entstand ein breites, in sich differierendes Sagengebilde, das sich über ganz Norddeutschland verbreitete und v. a. um die Herkunft, Schlupfwinkel, die Schätze und Reliquien und die Enthauptung S.s kreist. Im 20. Jh. wurde S., v. a. in der Geschichtsschreibung der DDR und in der Literatur, teilweise als Sozialrebell dargestellt.

  • Literatur

    ADB 36;
    F. Benninghoven, Die Gotlandfeldzüge d. Dt. Ordens 1398–1408, in: Zs. f. Ostforsch., 13. Jg., 1964, S. 421–77;
    W. Ehbrecht, Hansen, u. Vitalienbrüder an d. Wende z. 15. Jh., in: ders. u. H. Schilling (Hg.), Niederlande u. Nordwestdtld., FS f. Franz Petri, 1983, S. 61–98;
    J. Brakker (Hg.), Die Hanse, Lebenswirklichkeit u. Mythos, 2 Bde., 1989;
    M. Puhle, Die Vitalienbrüder, K. S. u. d. Seeräuber d. Hansezeit, 21994;
    ders., Hinrichtung ohne Prozess? Die Hanse um 1400 im Kampf gegen d. Seeräuber K. S. u. Godeke Michels, in: Uwe Schultz (Hg.), Große Prozesse, Recht u. Gerechtigkeit in d. Gesch., 1996, S. 77–88;
    ders., Die Vitalienbrüder – Söldner, Seeräuber?, in: W. Ehbrecht (Hg.), S., 600 J. n. seinem Tod, 2005, S. 15–22;
    V. Henn, Das S.-Bild in d. erzählenden Lit. d. 19. u. 20. Jh., ebd., S. 273–90;
    K. S., Ein Mythos wird entschlüsselt, hg. v. R. Wiechmann, G. Bräuer u. K. Püschel, 2003;
    G. Rohmann, Der Kaperfahrer Johann Stortebeker aus Danzig, Beobachtungen z. Gesch. d. „Vitalienbrüder“, in: Hans. Gesch.bll. 125, 2007, S. 77–119;
    Vf.-Lex. MA2;
    Hamburg. Biogr. I;
    Biogr. Lex. Ostfriesland IV.

  • Autor/in

    Matthias Puhle
  • Empfohlene Zitierweise

    Puhle, Matthias, "Störtebeker, Klaus" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 397-398 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755501.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Störtebeker: Klaus St., Anführer der Vitalienbrüder. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt er aus Wismar, wo der Name St. mehrfach vorkommt und im J. 1380 ein Nicolaus St. urkundlich bezeugt ist. Die Städte Rostock und Wismar hatten schon seit 1375 ihre Landesherren im Kampfe um die Reiche Schweden und Dänemark zur See thatkräftig unterstützt; als dann 1389 König Albrecht von Schweden in die Gefangenschaft seiner Gegnerin Margaretha von Norwegen gefallen und nur Stockholm noch im Besitz der Mecklenburger geblieben war, boten sie zur Versorgung der von den Feinden eng umlagerten Stadt mit Lebensmitteln und Kriegsbedarf, und zur Schädigung der feindlichen Streitmacht, Scharen verwegener Gesellen auf, denen sie ihre Häfen als Zufluchtsort und Markt für die gemachte Beute öffneten. Unter den mit Namen bekannten Anführern dieser nach ihrem Hauptzweck, der Verproviantirung Stockholms, Vitalienbrüder genannten Scharen finden sich zahlreich Glieder alter Adelsfamilien Mecklenburgs. Pommerns und der Mark, die Fehdelust und Hoffnung auf reiche Beute auf die See führte; St. ist nicht unter ihnen. Erst als nach der Befreiung König Albrecht's 1395 der allerdings wohl überwiegende Theil der Vitalienbrüder sich der nothdürftig wiederhergestellten Ordnung nicht fügen wollte und die alten Zufluchtsstätten meiden mußte, treten Gödeke Michels und neben ihm Klaus Störtebeker, Magister Wigbold und Wichmann, als Führer hervor. Diese verlegten den Schauplatz ihrer Thaten in die Nordsee, wo sie bei den ostfriesischen, in unaufhörlichen Kämpfen sich befehdenden Häuptlingen Unterstand fanden, und wenn sie gleich vorzüglich fremde Fahrzeuge, besonders englische, überfielen, so war doch auch kein hansisches Schiff vor ihren Raubgelüsten sicher. Im J. 1400 rüsteten daher die Hansestädte eine Flotte gegen sie aus, doch ehe diese noch zum Auslaufen kam, hatten die Hamburger und Lübecker vereint schon einen Sieg über die Vitalianer davongetragen, der sie nöthigte, theils in Norwegen, theils in Holland Schutz zu suchen. Unter den Anführern der letzteren wird ein Johann Störtebeker genannt, wohl ein Verwandter des Klaus, nicht dieser selbst; die ersteren führte Gödeke Michels, bei dem sich auch Klaus St. befunden haben wird, da von 1394 an beide stets zusammen genannt werden, doch so, daß Gödeke Michels immer die erste Stelle einnimmt. Im Frühjahr 1401 liefen wiederum bewaffnete Schiffe unter der Anführung der Hamburger Rathsherren Nicolaus Schoke und Hermann Lange aus der Elbe aus, trafen bei Helgoland mit den Vitalienbrüdern unter St. und Wichmann zusammen, und brachten ihnen eine vollständige Niederlage bei. Gegen 40 kamen im Kampfe um, der Rest mit den beiden Anführern, etwa 70 Mann, wurde gefangen, mit dem eroberten Schiffe Störtebeker's nach Hamburg gebracht und Ende October hingerichtet. Gödeke Michels und Wigbold mit 80 Gefährten ereilte kurz darauf das gleiche Schicksal. Das ist es, was die Geschichte von St. berichtet; viel mehr weiß Sage und Dichtung von ihm zu erzählen. Von Holland bis nach Rügen hin und noch weiter kennt das Volk Störtebekerhäfen, Störtebekerburgen, Störtebekerkeller und Störtebekerhöhlen mit verborgenen Schätzen, das Lied vom Störtebeker ist Jahrhunderte hindurch eins der beliebtesten Volkslieder geblieben, in dessen Ton noch eine ganze Reihe anderer gedichtet und gesungen wurden|(die Weise ist erst 1887 von J. Bolte wieder aufgefunden worden), und die romantische Poesie zählt den berüchtigten Seeräuber und Schrecken der Engländer wie der Hansen zu ihren Lieblingshelden. Walther meint, daß St. sein Hervortreten in der Volksüberlieferung wohl nicht zum wenigsten seinem als „Becherstürzer“ gedeuteten Namen (richtiger zu deuten als „Deckelbecher“, vielleicht nach dem Wappen oder Hauszeichen; ein Hamburger Söldner Hermen Störtebeker um 1439 führte ein Trinkhorn im Siegel) zu danken habe, da das Volk seinen Helden gerade diesen Zug mit Vorliebe beilege. Gewiß mag das zu seiner Volksthümlichkeit beigetragen haben, nicht weniger aber das Volkslied, in dem St. voransteht, so daß der schnell beliebt gewordene Ton nun allein seinen Namen trug. Auch das unter Störtebeker's Namen umlaufende Porträt ist apokryph, indem es ursprünglich Kunz von der Rosen, den lustigen Rath Kaiser Maximilian's I., vorstellt.

    • Literatur

      Johannes Voigt. Die Vitalienbrüder: Raumer's historisches Taschenbuch N. F. 2, 1841, S. 1—159. — Laurent und Lappenberg in der Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte II, 1842, S. 43 ff., 285 ff., 594 ff. —
      Lisch, Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte XV, 1850, S. 51—69. —
      R. v. Liliencron. Die historischen Volkslieder der Deutschen I (1865). S. 210—215. — K. Koppmann, Hanserecesse von 1256—1430 IV (1877), Einleitung S. I—XXIII. —
      K. Koppmann, Klaus Störtebeker in Geschichte und Sage: Hansische Geschichtsblätter 1877 (1879) S. 37—60. — Chr. Walther, Ueber den Namen Störtebeker: Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte I, 1878, S. 89—94. —
      Frahm und Sundermann, Klaus Störtebeker in Sang und Sage. Hamburg 1885. — J. Bolte, Das Liederbuch des Petrus Fabricius: Jahrbuch des Vereins f. niederdeutsche Sprachforschung XIII, 1887, S. 55—68. —
      Th. Schrader, Störtebecker: Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte XIII, 1890, S. 26—46. (Zu S. 38 ist jetzt noch hinzuzufügen: Klaus Störtebecker. Ein Norderlied von Josef Laufs. Köln, Ahn. 1892.) —
      Kleinere hierher gehörende Beiträge finden sich noch zerstreut in den verschiedenen Jahrgängen der eben genannten Hamburgischen Mittheilungen, besonders III, 1880, S. 128 9; IV, 1881, S. 134. 153/4; V, 1882. S. 24; VI, 1883, S. 49. 115. — Hansische Geschichtsblätter Jahrg. 1888 (1890), S. 190.

  • Autor/in

    Ad. Hofmeister.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hofmeister, Adolph, "Störtebeker, Klaus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 459-460 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755501.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA