• Genealogie

    V N. N., Rittergutsbes.; M N. N.

  • Leben

    In Piotrków besuchte N. das Gymnasium und studierte ab 1863 an der Univ. Krakau Philologie. Nachdem er sich an dem poln. Aufstand von 1864 beteiligt hatte, mußte er Krakau verlassen. Er setzte sein Studium an der Univ. Jena und seit 1865 an der Univ. Berlin fort. Dort wechselte er 1867 sein Studienfach und begann mit dem Medizinstudium, absolvierte 1869 das Physikum und wurde 1870 mit seiner Dissertation „Die Oxydation der aromatischen Verbindungen im Tierkörper“ zum Dr. med. promoviert. Hier und in der bereits 1869 zusammen mit K. Schultzen veröffentlichten Arbeit „Über die Vorstufen des Harnstoffs im Organismus“ zeichnete sich die Richtung seiner wissenschaftlichen Laufbahn ab. Nach seiner Promotion arbeitete N. zwei Jahre lang auf dem Gebiet der organischen Chemie unter Adolph v. Baeyer an der Gewerbeakademie in Berlin. 1872 ging er als Assistent an das pathologische Institut der Univ. Bern, habilitierte sich dort 1873 für physiologische Chemie, wurde 1876 ao. Professor und übernahm 1877 den neugegründeten Lehrstuhl für physiologische Chemie sowie die Leitung des medizinisch-chemischen Instituts. Wegen der großen Zahl von Studenten mußte für sein Institut ein Neubau errichtet werden, der 1888 bezogen werden konnte. Zur gleichen Zeit erhielt N. auch einen Lehrauftrag für Bakteriologie. 1891 folgte er einem Ruf nach St. Petersburg und übernahm dort die Leitung des chemischen Laboratoriums am neu gegründeten Institut für experimentelle Chemie.

    N. war auf allen Gebieten der Chemie erfolgreich tätig und gehörte zu den Mitbegründern der physiologischen Chemie. Mit zahlreichen wichtigen Arbeiten und z. T. bahnbrechenden Forschungen machte sich N. einen Namen. Er beschäftigte sich mit den Zersetzungsprozessen des Eiweißes und anderer organischer Verbindungen im tierischen Körper sowie mit den Blutfarbstoffen (Hämatin, Hämatoporphyrin, Hämopyrrol u. a.). Zusammen mit dem bedeutenden russ. Physiologen Iwan P. Pawlow (1849–1936) untersuchte er die Harnstoffsynthese im Tierversuch. Auf rein chemischem Gebiet arbeitete N. über Harnstoff, Harnsäure, den Indigo und dessen künstliche Darstellung. Auf dem Gebiet der Pharmakologie und der pathologischen Chemie untersuchte N. u. a. die Melanine: im Bereich der Bakteriologie studierte er die Cholera, die Wirkungsweise von Desinfektionsmitteln und unternahm Immunisierungsversuche gegen die Rinderpest. Gemeinsam mit F. Schaffer insolierte er 1876 das erste Fäulnisalkaloid (Collidin) in reiner Form und bestimmte dessen Zusammensetzung. Ebenfalls mit Schaffer isolierte er 1880 das Bakterieneiweiß Mykoprotein. 1881 entwickelte er zusammen mit N. Sieber die „Nencki-Reaktion“ (Darstellung phenolischer Ketone). Das 1886 von N. dargestellte „Salol“, ein Salicylsäurephenylester, wurde gegen Entzündungen der Harnwege eingesetzt. Neben vielen kleinen Mitteilungen veröffentlichte N. über 100 größere Arbeiten, die er in verschiedenen Fachzeitschriften (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, Erdmanns Journal der praktischen Chemie, Archiv der Anatomie und Physiologie u. a.) publizierte. Nach seinem Tod erschienen seine „Opera omnia“ in 2 Bänden, Braunschweig 1904.|

  • Auszeichnungen

    Russ. Wirkl. Staatsrat.

  • Literatur

    Kostanecki, in: B. Reber, Gallerie hervorragender Therapeutiker u. Pharmakognosten d. Gegenwart, 1897, S. 191-294 (P); Nekrolog, in: Chemiker Ztg. 25, 1901, S. 950; M. Hahn, in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. 35, 1902, S. 4503-21; F. Lieben, Gesch. d. Physiolog. Chemie, 1935; R. Pötsch, A. Fischer u. W. Müller, Lex. bedeutender Chemiker, 1988, S. 318; Fischer, Pogg. III, IV.

  • Autor

    Holm-Dietmar Schwarz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwarz, Holm-Dietmar, "Nencki, Marcell von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 63-64 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118738461.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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