Lebensdaten
1900 – 1980
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Posteholz bei Hameln
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner ; Künstler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118736027 | OGND | VIAF: 7660523
Namensvarianten
  • Oelze, Richard

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Zitierweise

Oelze, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118736027.html [23.05.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Emil, Eichbeamter in d. Neuen Neustadt in M.;
    M Anna Lehmann.

  • Biographische Darstellung

    O., der bereits als Kind durch sein Zeichentalent aufgefallen war, absolvierte 1914-18 eine Ausbildung als Lithograph in Magdeburg und besuchte nebenbei Abendkurse im Aktzeichnen an der dortigen Kunstgewerbeschule. In den letzten Wochen des Krieges noch eingezogen, kam er nach Berlin. Die Nachkriegszeit verbrachte O. in Hamburg, wo er in jeder freien Minute malte und zeichnete. Mit den hier entstandenen Arbeiten kehrte er 1919 nach Magdeburg zurück und begann an der Kunstgewerbeschule ein Studium bei Richard Winckel (Zeichnung) und Kurt Tuch (Malerei). 1921 trat O. in das Weimarer Bauhaus ein, wo er in der Malwerkstatt von Paul Klee arbeitete und entscheidende Erfahrungen im Vorkurs von Johannes Itten sammelte. Er zeichnete und fotografierte, entwarf Möbel und wirkte in der Bühnenwerkstatt mit. Nach der politisch erzwungenen Auflösung des Bauhauses 1925 wechselte er an die Dresdener Kunstakademie und arbeitete als Gaststudent in den Ateliers von Otto Dix und Richard Müller. 1929 studierte O. wenige Monate am Dessauer Bauhaus; anschließend wurde er von Itten als Lehrkraft an dessen Moderne Kunstschule Berlin gerufen. Bis 1932 war er abwechselnd in Berlin und im Künstlerkreis in Ascona tätig, wo erste selbständige Landschaftszeichnungen entstanden, die seine surrealistische Phase ankündigten.

    Im April 1933 ging O. nach Paris, wo er in Kontakt mit den wichtigsten surrealistischen Malern und Dichtern kam. Es entstanden Hauptwerke der Frühzeit wie „Tägliche Drangsale“, 1934 (Düsseldorf, Kunstslg. Nordrhein-Westf.), die von der Lektüre Kafkas beeinflußte Zeichnung „Frieda“ sowie das Gemälde „Erwartung“. Ihre Bedeutung als herausragende Beispiele surrealistischer Bildkunst wurde bereits von Zeitgenossen wie Max Ernst erkannt; Alfred H. Barr, Direktor des Museum of Modern Art, erwarb „Frieda“ und „Erwartung“ 1936 bzw. 1940 für seine New Yorker Sammlung. 1936 verließ O. Paris und reiste über die Schweiz nach Ancona und Positano. 1938 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde 1940, kurz nachdem er einen Wohnsitz in Worpswede genommen hatte, zum Kriegsdienst einberufen.

    1945 ließ O. sich endgültig in Worpswede nieder, wo er zögernd wieder zu arbeiten begann. Stilleben im Stil der Neuen Sachlichkeit, vielfigurige Bilder mit Anklängen an märchenhafte Szenerien, Selbstbildnisse sowie ein Zyklus Worpsweder Landschaftszeichnungen datieren aus dieser Zeit. In den 50er bis frühen 60er Jahren entstanden Hauptwerke seines Œuvres, die O.s ebenso subtile wie in ihrer Detailbesessenheit irritierende Fähigkeit physiognomischen Sehens belegen: über Monate langsam entstehende Zeichnungen wie „Perlen des Leids“, 1952/|53, „Orakel (Die Säule) “, 1952-54, „Erinnerungen“, 1954 (alle Privatslg.), „Begrabene Erinnerungen“, 1961/62 (Esslingen, Graph. Slg.) oder „Still wie ein Gedanke“, 1965 (Privatslg.), sowie Gemälde, ausgeführt in nuanciertester, altmeisterlicher Lasurtechnik wie „Innen“, 1955 (Bremen, Kunsthalle), „Vegetatives“, 1958 (Hamburg, Kunsthalle), „Quellgebiet“, um 1959 (Hannover, Sprengel Mus.) oder „Circulus“, 1962/63 (Bochum, Mus.). Die präzise Phantastik und nüchterne Spiritualität von Bauhaus und Neuer Sachlichkeit sind in diese Bilder eingegangen, die Auseinandersetzung mit der Reportagefotografie und den surrealen Bildwelten im Paris der 30er Jahre ist ebenso ablesbar wie die nachdrückliche Orientierung an der altmeisterlichen Malkultur und den Motiven eines Bosch, Altdorfer, Seghers oder Rembrandt.

    1959 wählte Will Grohmann drei Bilder für die Documenta aus, 1964 richtete Wieland Schmied für die Kestner Gesellschaft Hannover eine Retrospektive aus, die durch mehrere Städte wanderte und O. den endgültigen Durchbruch sicherte. Nach langer, schwerer Krankheit starb O. auf dem Rittergut Posteholz bei Hameln, das er 1962 als sein letztes Domizil bezogen hatte.|

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    Gr. Kunstpreis d. Landes Nordrhein-Westfalen (1966);
    Biennale v. Venedig (1968);
    Lichtwark-Preis d. Stadt Hamburg (1973);
    Max-Beckmann-Preis d. Stadt Frankfurt (1978);
    Gr. Preis d. Landes Niedersachsen (1980;
    postum).

  • Werke

    Weitere W Der Schwager (Paar mit Hund), 1935 (München, Staatsgal. Mod. Kunst);
    Gefährl. Wunsch, 1936 (Frankfurt, Städelsches Kunstinst.);
    Baumtraum, 1948/49 (Düsseldorf, Kunstmus.);
    Nachtzeit I, um 1949 (Hannover, Sprengel Mus.);
    Donna Elvira, 1950 (ebd.);
    Vorvergangenheit, 1956-58 (Berlin, Nat.gal.);
    Kommode, 1957/58 (Dresden, Gem.gal. Neue Meister);
    Hespen, 1959 (Oldenburg, Landesmus.);
    Rosa Ness, 1959 (Wien, Mus. Mod. Kunst);
    Wachsende Stille, 1961 (Köln, Mus. Ludwig);
    Erfindung e. Traums, 1966 (München, Staatsgal. Mod. Kunst);
    Kreikenbaum, 1969/70 (Dresden, Staatl. Kunstslg.). |

  • Nachlass

    Nachlaß: Hamburg, Gal. Brockstedt, u. Privatslg.

  • Literatur

    J. Levy, Surrealism, 1936;
    R. O., Œuvre-Kat. O., 1925-1964, Kat. Kestner-Ges. Hannover, 1964;
    W. Schmied, R. O., 1965 (P);
    ders., R. O., Ausst.kat. Max-Beckmann-Preis, 1978 (P);
    ders., Ausst.kat. R. O. 1900-1980, Gem. u. Zeichnungen Berlin 1987 (W-Verz., P);
    ders., R. O., Tägl. Drangsale, in: Hundert Meisterwerke, III, 1987, S. 126-31;
    H. Kinkel, Gespräch mit R. O., in: ders., Vierzehn Berr., 1967, S. 125-31 (P);
    A. Hentzen, R. O., Ausst.kat. 34. Biennale Venedig, 1968;
    E. Beaucamp, in: FAZ v. 12.6.1980;
    H. Albrecht, Worpswede, Kunst in d. Landschaft, 1981, S. 124-29;
    H. Garnerus, in: Die Slg. T. Wormland, hg. v. dems., 1983, S. 171-74;
    W. Haftmann, in: Verfemte Kunst, 1986, S. 292 ff.;
    W. Schmalenbach, R. O.s Tägl. Drangsale, in: ders., Bilder des 20. Jh., 1986, S. 173-76;
    H. C. Kirsch, Worpswede, 1987, S. 227-40;
    R. Damsch-Wiehager, R. O. in Worpswede, in: Ausst.kat Worpswede 1889-1989, 1989, S. 102-20;
    dies., R. O., Ein alter Meister der Moderne (mit W-Verz.), 1989 (P);
    dies., R. O., Erwartung, 1993;
    dies., in: Krit. Lex. d. Gegenwartskunst 19, 1992;
    E. Jaguer, R. O., 1990;
    B. Küster, R. O., Landschaften, Ausst.kat. Wilhelmshaven 1994;
    R. O., Kraft d. Stille, Sudienbll., Ausst.kat. Gal. Brockstedt, Hamburg 1995;
    KML;
    Dict. of Art.

  • Porträts

    Selbstbildnis, 1948-51 (Stuttgart, Staatsgal.), Abb. in: R. O., Ausst.kat. Hannover 1964, Nr. 27.

  • Autor/in

    Renate Wiehager
  • Zitierweise

    Wiehager, Renate, "Oelze, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 445-446 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118736027.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA