Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Herren und Grafen von Katzenelnbogen ; mittelrheinisches Adelsgeschlecht
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118721216 | OGND | VIAF: 807242
Namensvarianten
  • Katzenelnbogen
  • Catzenelnbogen

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Zitierweise

Katzenelnbogen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118721216.html [12.05.2021].

CC0

  • Leben

    Die Herren von K. tauchen seit etwa 1065 mit Diether I. am Mittelrhein in Urkunden des Klosters Siegburg auf und sind seit 1089 in Sankt Goar, ihrem späteren Hauptherrschaftssitz am Rhein, nachweisbar. Da sie hier jedoch zunächst nur Untervögte der Grafen von Arnstein für das Kloster Prüm waren, erbauten sie ihre erste eigene und damit namengebende Burg im Taunushinterland als dortige Vögte des Klosters Bleidenstadt auf einer Höhe in einer kleinen Krümme (= Katzenelnbogen) des Dörsbaches. Nach dieser so bezeichneten Burg wurde seit 1102 auch Diethers I. Sohn Heinrich I. von Katzenelnbogen genannt. Über die Erzbischöfe von Mainz gewann sein Sohn Heinrich II. (1124–60) Anschluß an die Reichsaristokratie und durch seinen Halbbruder Hermann von Stahleck, der mit der Schwester König Konrads III. vermählt war, Kontakt zu den Staufern. Schon 1138 wurde Heinrich II. als Erbe der Grafschaft im Kraichgau (südlich Heidelberg) von Konrad III. zum Grafen erhoben, der auch die Wahl von Heinrichs Bruder Philipp ( 1173) zum Bischof von Osnabrück durchsetzte und 1142 Heinrichs Halbbruder Hermann von Stahleck die rheinische Pfalzgrafschaft übertrug. Nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten setzten sich diese Beziehungen unter Friedrich I. fort, der 1173 Heinrichs II. Sohn Hermann II. ( 1203, siehe NDB VIII) zum Bischof von Münster bestimmte und ihn oft in wichtigen diplomatischen Missionen verwandte. Hermanns Bruder, Diether ( 1191), ist 1190 als Kanzler Kaiser Heinrichs VI. bezeugt, während sich sein Neffe, Graf Berthold II., seit dem lateinischen Kreuzzug im vorderen Orient einen Namen machte (insgesamt lassen sich 7 Orientfahrten Katzenelnbogener Grafen nachweisen, von denen der letzte, Philipp, 1434 auf dem Sinai zum Ritter geschlagen wurde).

    Ihre einflußreichen Reichsstellungen kamen ihren eigenen territorialen Bestrebungen zugute, so daß es den K. seit Beginn des 13. Jahrhunderts möglich war, inmitten der rheinischen Kurfürstentümer ein eigenes Territorium aufzubauen. Es bestand aus der Niedergrafschaft mit der Residenz Rheinfels über Sankt Goar und der Obergrafschaft mit der Residenz Darmstadt. Die Niedergrafschaft erstreckte sich über den hinteren Taunus bis auf den Westerwald, die Obergrafschaft zwischen Odenwald, unterem Main und dem Rhein. Um 1260 teilten die Brüder Diether V. ( 1276) und Eberhard I. ( 1311, siehe NDB IV) die Grafschaft, doch gelang es beiden Linien, den Ausbau ihrer Herrschaftsgebiete bis zu ihrer Wiedervereinigung 1402 ständig und ohne jede Einbuße fortzuführen. Entscheidend auch dafür war die andauernde Tätigkeit der K. im Dienst der deutschen Herrscher, wobei insbesondere Eberhard I. unter den Königen Rudolf von Habsburg, Adolf von Nassau, Albrecht I. und Heinrich VII. in seinen Reichspositionen am Mittelrhein eine hervorragende Rolle spielte. Daraus erwuchsen die Beziehungen zum Hause Luxemburg, die bis zum Ende der K. vor allem im Gefolge der luxemburgischen Statthalterschaft Diethers VIII. (1394–98, 1402) Verbindungen mit Burgund bewirkten.

    Als Charakteristikum des Geschlechts darf gelten, daß es keine personellen Ausfälle kennt, sondern sich in ununterbrochener Stetigkeit aufwärts entwickelte, so daß es bei seinem Erlöschen 1479 auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Einflusses stand und ein Erbe hinterließ, das der Kaiser einem König (Georg Podiebrad von Böhmen) zuzuwenden gedachte. Bedingt waren diese Erfolge dadurch, daß sich das Grafenhaus auf reichspolitischer Ebene ebenso engagierte und auszeichnete wie auf territorialpolitischer, daß seiner hohen politischen eine ebensolche Verwaltungsbefähigung entsprach. Die Grafschaft stellte seit dem 14. Jahrhundert das am besten verwaltete Territorium im Mittelrheingebiet dar, und es verband sich|schließlich damit eine so ausgezeichnete wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, daß die Grafen im 15. Jahrhundert „zur allgemeinen Geldquelle am Rhein“ wurden. Alle rheinischen Kurfürsten verschuldeten sich bei ihnen mit hohen Beträgen, was die K. dazu benutzten, ihren Besitz an Rheinzöllen (von denen ihnen selbst nur der zu Sankt Goar gehörte) systematisch auszubauen, so daß sie schließlich über Anteile an den Zöllen von Gernsheim (unterhalb Worms) bis nach Lobith (an der holländischen Grenze) verfügten.

    Diesen materiellen Leistungen waren die kulturellen ebenbürtig. Sie verwirklichten sie in einem Mäzenatentum, das schon Walter von der Vogelweide pries, in einem künstlerisch hochwertigen eigenen Burgenbaustil und in einem dem musischen und künstlerischen Leben in jeder Hinsicht aufgeschlossenen Wesen, das die K.er Residenzen mit ihren Bibliotheken, ihren Kunst- und ihren Silberschätzen zu Mittelpunkten jenes spätmittelalterlichen kulturellen Lebens werden ließ, wie es durch die Einflüsse Burgunds geprägt war.

    Die beiden letzten, für den endgültigen Ausbau der politischen, territorialen und wirtschaftlichen Stellung der K. am Mittelrhein entscheidenden Persönlichkeiten waren Johann IV. (regierte 1402–44) und sein Sohn Philipp der Ältere (regierte 1444-79). Seine Erbtochter Anna ( 1494) brachte die Grafschaft 1479 an ihren Mann, Landgraf Heinrich III. von Hessen, doch haben die Auseinandersetzungen um dieses einzigartige Erbe noch bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts gedauert.

  • Literatur

    H. B. Wenck, Hess. Landesgesch. I, 1783;
    M. Sponheimer, Landesgesch. d. Niedergfsch. K. u. (I. angrenzenden Ämter auf d. Einrich, 1932;
    K. E. Demandt, Regg. d. Grafen v. K., 4 Bde., 1953-57;
    ders., K.er Stud. (unter wechselnden Titeln), in: Nassau. Ann. 61, 1950, 63, 1952, 66, 1955, Rhein.-Vj.-bll. 29, 1964, Archiv f. Hess. Gesch. u. Altertumskde. NF 33, 1975;
    R. Kunze, Burgenpol. u. Burgenbau d. Grafen v. K., 1969;
    B. Diestelkamp, Das Lehnrecht d. Gfsch. K., 1969.

  • Autor/in

    Karl Ernst Demandt
  • Empfohlene Zitierweise

    Demandt, Karl Ernst, "Katzenelnbogen" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 336 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118721216.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA