Lebensdaten
1789 bis 1854
Geburtsort
Leina bei Gotha
Sterbeort
Ichtershausen bei Erfurt
Beruf/Funktion
Kinderlieddichter ; Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118704400 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hey, Johann Wilhelm
  • Hey, Wilhelm
  • Hey, Johann Wilhelm
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Zitierweise

Hey, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704400.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich August (1736-n. 1802), Pfarrer in L., S d. Pfarrers Joh. Tobias in Craula;
    M Juliane Christiane Sophie (1751–91), T d. N. N. Sommer, Registrator d. Regierungskanzlei in Gotha;
    1) Töttelstedt 1819 Auguste (1794–1827), T d. Pfarrers Konrad Phil. Gottlieb Grosch in Volkenroda u. d. Wilh. Christiane Dor. Ludwig, 2) Gotha 1832 Luise (1801–72), T d. Otto von Axen (1757–1831), Kaufm. u. Kunsthändler in Hamburg (s. ADB I) u. d. Luise Westphalen;
    1 S aus 2).

  • Leben

    H. begann 1808 das Studium der Theologie in Jena, wo J. J. Griesbach sein wichtigster Lehrer war. Er setzte es 1810 in Göttingen fort und trat dort in den Kreis um Karl Bunsen ein, zu dem Friedrich Lücke, Ch. Brandis, K. Lachmann und der Dichter Ernst Schulze gehörten. Die Pflege der in Göttingen geschlossenen Freundschaften durch einen ausgedehnten Briefwechsel ist H. auch in späteren Jahren unentbehrlich geblieben, obgleich sein eigenes Dasein sich ins Enge, das der Freunde ins Weite zog. Durch die Hauslehrertätigkeit, die er zuerst in Appeltern bei Nymwegen, seit 1814 in Gotha im Schulinternat der Pfarrerswitwe Grosch ausübte, gelangten seine erzieherischen Neigungen zur Entfaltung, denen er sich dann zeitlebens neben seinem geistlichen Amt gewidmet hat. 1818 wurde er Pfarrer in Töttelstedt, 1827 Hofprediger in Gotha. Zum Superintendenten und Oberschulinspektor in Ichtershausen ernannt, kehrte er 1832 in die ihm allein gemäße ländliche Umwelt zurück. – H. schrieb viele Gelegenheitsgedichte und religiöse Lieder, von denen jedoch nur wenige zur Veröffentlichung bestimmt waren. Weite Verbreitung und in Familie und Schule lange über die Biedermeierzeit hinausreichende Wirkung fanden dagegen seine beiden Fabelbücher für Kinder. Sie erwuchsen aus Versen, die H. ohne literarische Absichten Kindern der Familien Perthes schenkte. Der Verleger F. Perthes regte ihn zur Sammlung und Ausgestaltung an, übertrug dem jungen Otto Speckter die Illustrationen und veranlaßte aus typographischen|Gründen die den meisten Gedichten nachteilige Erweiterung um eine zweite 6zeilige Strophe. H. schloß den „Fabeln“, die diesen Gattungsnamen zu Unrecht tragen, in einem „ernsthaften Anhange“ religiöse Kinderlieder (unter anderem „Weißt du, wieviel Sterne stehen“, „Alle Jahre wieder“, „Wie fröhlich bin ich aufgewacht“), Bibelsprüche und Hinweise für Eltern und Lehrer an. In der Schule wurden die „Fabeln“ unter Zuhilfenahme von Wandbildern des Tiermalers W. Pfeiffer zu Gegenständen des Anschauungsunterrichts und der moralischen Unterweisung. Daß es sich nicht um lehrhafte Gedichte, sondern um Idyllen aus dem Tier- und Kinderleben handelt, die der kindlichen Phantasie entsprechen und bei Weglassen der 2. Strophe zum Weiterdichten anregen, hat erst die pädagogische Reformbewegung erkannt.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Heidelberg 1847).

  • Werke

    u. a. Gedichte, 1816;
    Fünfzig Fabeln f. Kinder, In Bildern, gezeichnet v. O. Speckter, Nebst e. ernsthaften Anhange, 1833 (zahlr. Überss. u. Neudr., u. a. Insel-Bücherei Nr. 309);
    Ausw. v. Predigten I, 1829, II, 1832;
    Noch funfzig Fabeln f. Kinder, 1837;
    Erzz. a. d. Leben Jesu f. d. Jugend, Zu O'Liviers Volksbilderbibel dichterisch bearb., 1838, = Beigabe zu: Volksbilderbibel in 50 Darst. a. d. NT v. F. v. O'Livier mit Text v. G. H. v. Schubert, 5 Hh.;
    Das Kind v. d. Wiege b. z. Schule, gezeichnet u. radiert v. H. J. Schneider, mit begleitendem Text v. W. H., 1850.

  • Literatur

    ADB XII;
    J. Bonnet, Der Fabeldichter W. H., ein Freund unserer Kinder, 1885;
    Th. Hansen, W. H., nach s. eigenen Briefen u. Mitt. s. Freunde dargest., 1886;
    A. Bütow, W. H., Ein Bild s. Lebens u. Dichtens, 1889;
    C. Kehr, Der Anschauungs-Unterricht f. Haus u. Schule auf Grundlage d. Hey-Speckterschen Fabeln, o. J.;
    N. Knauf, Der Fabeldichter W. H. u. s. Bedeutung f. d. Schule, 1889;
    A. Kirst, Präparationen z. Behandlung v. 20 Fabeln v. H. auf d. Unterstufe, 121929;
    O. Karstädt, Dem Dichter nach, Schaffende Poesiestunden I, 71930, S. 176-99;
    L. Göhring, Die Anfänge d. dt. Jugendlit. im 18. Jh., mit e. Anhang: Drei Kinderdichter, H., Hoffmann v. Fallersleben, Güll, 1904, Nachdr. 1967;
    H. L. Koester, Gesch. d. dt. Jugendlit. I, 1906, S. 82-86, 41927, hrsg. v. W. Scherf, Nachdr. 1968;
    I. Dyhrenfurth, Gesch. d. dt. Jugendbuches, 31967, S. 111-13;
    Goedeke XIII, S. 159;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Portraits

    Holzschn. in: LIZ 1889, S. 290.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Hey, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 62 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704400.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hey: Johann Wilhelm H., geb. am 26. Mai 1789 zu Laucha bei Gotha, am 19. Mai 1854 zu Ichtershausen, war der Sohn eines Pfarrers, kam 1802 auf das Gymnasium nach Gotha und studirte seit 1808 Theologie erst zu Jena, dann zu Göttingen, von wo er 1811 nach Gotha zurückkehrte. Nach wohl bestandenem Candidatenexamen ging er als Hauslehrer nach Holland. Von dort kehrte er im J. 1814 zurück und wurde Mitlehrer an der Subtertia, der Vorbereitungsklasse des Gymnasiums. 1818 wurde er Pfarrer zu Töttelstedt, 1827 Hofprediger an der Schloßkirche zu Gotha, endlich 1832 Superintendent zu Ichtershausen. H. war als Mensch und als Christ gleich ausgezeichnet.|Ein edler Sinn, ein biederes Herz und ein heiteres Gemüth waren die Grundzüge seines Charakters. Nie hat er wissentlich einem Menschen wehe gethan, nie hat er aber auch Menschenfurcht gezeigt, und stets ist er dem Unrechte mit Entschiedenheit entgegengetreten. Den Bedrängten und Nothleidenden war er ein Helfer mit Rath und That. Als Geistlicher war er der streng-gläubigen Richtung zugethan. Seine Gegner bekämpfte er mit würdevollem Ernste und überzeugender Schärfe, aber niemals fehlte seinem Urtheile die Liebe und Milde. Sein Wirken als Schriftsteller war nicht unbedeutend. Im J. 1816 erschien zu Berlin ein Band seiner Gedichte. Bekannt ist sein Gesangbuchslied: „O Christenthum, du schönes Liebesband“ etc. Eine Auswahl seiner in der Hofkirche zu Gotha gehaltenen Predigten erschien 1829, ein zweiter Theil 1832. Aber weit und breit bekannt wurde er durch die „Funfzig Fabeln für Kinder, mit Bildern gezeichnet von Otto Speckter“, zuerst 1883, dann des öfteren wieder aufgelegt und 1835 in „Noch 50 Fabeln in Bildern“ fortgesetzt; 1841 ins Französische, auch ins Englische und Holländische übersetzt. Waren es auch zuerst die unvergleichlichen Speckter'schen Bildchen, welchen diesen Fabeln eine so allgemeine Gunst bei kleinen und großen Kindern erwarben, so fanden doch Hey's begleitende Gedichtchen, in denen er eine neue Bahn der für die Kinder bestimmten Fabel einschlug, bald durch ihre reizende Natürlichkeit, ihren trefflichen pädagogischen Sinn und das Geschick, mit dem sie ihre Moral spielend dem kindlichen Verständniß anpassen, eine nicht minder große Anerkennung als die Bilder. Das Büchlein ward schnell der Classiker der deutschen Kinderstube. Außerdem lieferte H. noch die Texte zu H. J. Schneiders „Kind von der Wiege bis zur Schule“ (1850), und zu M. Prätorius' „Leben eines Kriegspferdes“ (1852). Endlich übersetzte er auch Rob. Pollock's Course of time (1830).

  • Autor/in

    A. Beck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Beck, August, "Hey, Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 344-345 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704400.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA