Lebensdaten
1894 bis 1961
Geburtsort
Rheydt (Rheinland)
Sterbeort
Essen
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118694952 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gilles, Werner

Orte

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Zitierweise

Gilles, Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694952.html [09.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1862–1934), Volksschul-Rektor, S d. Bandstuhlwebers Werner u. d. Kath. Anna Joeres;
    M Katharina (1863–1923), T d. Bandstuhlwebers Frdr. Joeres in R. u. d. Sibilla Essers; ledig.

  • Leben

    G. ist im Ruhrgebiet aufgewachsen. Nach dem Abitur am Realgymnasium in Mülheim 1914 bezog er kurz die Akademie in Kassel und machte als Freiwilliger den 1. Weltkrieg in Ost und West mit. 1919 wurde er Schüler von Walter Klemm an der Weimarer Akademie und ging nach Begründung des Bauhauses in die Klasse von Lyonel Feininger über. Die 1. Italienreise 1921/22 (Florenz und Rom) machte einen überwältigenden Eindruck auf G. und gab seinen Vorstellungen von Sinn und Aufgabe der Kunst neue Grundlagen. In der 2. Bauhaus-Zeit 1922-23 schloß er Freundschaft mit Gerhard Marcks und Oskar Schlemmer. Herbst 1923 ging er wieder nach Italien (Florenz und Anacapri), und von nun an bestimmte ein tiefes Bedürfnis nach Freiheit von jeder Bindung – auch an den Ort – seinen Lebensweg. Die Spannung zwischen dem Norden und dem Süden wurde für sein Schaffen von entscheidender Bedeutung. Immer wieder zog es ihn nach Italien oder auch (1927 und 1929/30) an die französische Mittelmeerküste, wo er mit Hans Purrmann zusammentraf. Aber dazwischen drängte es ihn zurück nach Norden, zunächst oft ins Rheinland (unter anderem Düsseldorf 1928/29), später stärker nach Berlin und an die Ostsee (1933–35) und bis hinauf nach Norwegen (1932). Seine Bildvorstellungen wurzeln in Landschafts-Eindrücken, nicht nur in den eigentlichen Landschaften, die einen breiten Raum in seinem Werk einnehmen, sondern auch in den figürlichen Kompositionen, in denen mythische und dichterische Vorstellungen neue Wirklichkeit gewinnen. 1931 war er zum 1. Male auf der Insel Ischia, deren Küsten und Schluchten ihn zu den schönsten Bildern der späten Jahre angeregt haben und die für ihn die „Heimat des Orpheus“ wurde. – Anerkennung fand seine Kunst nur langsam (1930 Preis des Deutschen Künstlerbundes, 1931 Stipendium der Deutschen Akademie in Rom, Villa Massimo). Die Unterdrückung der neuen Kunst nach 1933 traf ihn schwer und ließ ihn fast völlig vereinsamen. Damals entstand an der Ostsee der erste der in seinem Werk so wichtigen Aquarell-Zyklen (Rimbaud gewidmet). 1936 schloß er noch einmal zwei für ihn wichtige Freundschaften mit Malern, in Ischia mit Eduard Bargheer und in Berlin mit Werner Heldt. Während des Krieges konnte er bis 1941 in Italien bleiben, dann zog er in Deutschland umher und wurde 1944 noch einmal eingezogen, wegen seiner schwachen Gesundheit aber vor Kriegsende entlassen. In Schwarzenbach/Saale entstand in der Befreiung vom Druck der Diktatur und des Krieges die dichteste Folge reifer Werke, in deren Mittelpunkt der Orpheus-Zyklus steht. 1949 übersiedelte G. nach München; im gleichen Jahr wurde durch die erste umfassende Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft Hannover die innere Geschlossenheit des vielfältigen Werkes sichtbar. Seit 1951 verlebte er regelmäßig die Sommer in Sant' Angelo auf Ischia.

    G. Werk steht trotz vielfacher Zusammenhänge innerhalb der zeitgenössischen Malerei für sich. Sein Wesen ist in hohem Maße zugleich musikalisch und dichterisch, und zwar nicht nur durch seine Themen, sondern durch die Form und den reinen harmonischen Klang der Farbe. Gesehenes und Geträumtes verschmilzt ihm zu unlösbarer Einheit. Wie für einen archaischen Menschen sind die wirkenden Kräfte der Natur und des Schicksals für ihn Taten und Ausstrahlungen mythischer Gestalten, die ihm nicht nur Symbole, sondern Wirklichkeit sind. So ist die Welt seiner Bilder bevölkert mit Engeln und Dämonen, mit Heiligen und Gestalten der antiken Götter- und Sagenwelt. Aber auch in den Landschaften und Stilleben oder den Schilderungen des Lebens der Fischer klingt Mythisches mit, auch dort, wo sich nicht aus Schluchten und Felsen und Wolken Gestalten herauszubilden scheinen. Alles ist mit den schlichtesten Mitteln gegeben ohne Prunk der Farbe, ohne blendende Routine der Zeichnung. Alle „Geschicklichkeit“ war dem Künstler fremd und verhaßt. Jedes seiner Werke hat die stille Überzeugungskraft des Echten.|

  • Auszeichnungen

    1954 Großer Kunstpreis d. Landes Nordrhein-Westfalen, 1961 Lichtwark-Preis d. Freien u. Hansestadt Hamburg.

  • Werke

    Weitere W u. a. Geismar, 1919, Öl (Wuppertal, Städt. Mus.);
    Medea, 1923, Aquarell (Köln, Wallraf-Richartz-Mus.);
    Das schwarze Haus, 1927, Öl (Hannover, Landesmus.);
    Uralte Landschaft, 1931, Öl (Bremen, Kunsthalle);
    Zyklus Arthur Rimbaud gewidmet, 1933-35, 11 Aquarelle (Essen, Mus. Folkwang);
    3 Jünglinge am Meer, 1941, Öl (Hamburg, Kunsthalle);
    Gedenktag, 1943, Öl (Saarbrücken, Saarland-Mus.);
    Die Griechin, 1946, Öl (Köln, Wallraf-Richartz-Mus.);
    Orpheus-Zyklus, 1947, 10 Aquarelle (Hamburg, Kunsthalle);
    Steinbruch, 1947, Öl, Engel suchen Flüchtlinge, 1949, Öl (München, Bayer. Staatsgem.-slgg.);
    Zyklus „Klage um das Haupt des Orpheus“, 10 Aquarelle, 1949 (Berlin, Gal. d. XX. Jh.);
    Orpheus u. d. Tiere, 1950, Öl (Wuppertal, Stadt. Mus.);
    Der hl. Georg, 1950, Öl (Düsseldorf, Kunstmus.);
    Zyklus „Aus e. tibetan. Totenbuch“, 1950 (Hamburg, Kunsthalle);
    Stilleben, 1951, Öl (Bonn, Städt. Kunstslg.);
    Das Engelskonzert, 1951, Öl (Hamburg, Kunsthalle);
    Zyklus „Heidn. Gräber am Meer“, 1957, 12 Aquarelle (Berlin, Gal. d. XX. Jh.);
    Totenwache, 1958, Öl (Hamburg, Kunsthalle);
    Zyklus „Schiffe“, 1960, 13 Aquarelle (Mülheim, Städt. Mus., dort auch umfangreiche Slg. v. Lith.). - Privatslgg. mit größerer Zahl v. Arbeiten: H. Oberheid, Düsseldorf-Kaiserswerth, K. Brandes, Berlin-Dahlem, Bernh. Sprengel, Hannover, Alex. Vömel, Düsseldorf, Carl Schmitt, Plettenberg, B. Müller-Oerlinghausen, Kreßbronn, Eberh. Seel, Berlin-Wilmersdorf, der auch d. Nachlaß verwaltet.

  • Literatur

    A. Hentzen, W. G., 1960 (ausführl. L-Verz. b. 1960, Verz. d. Ausstellungen usw., P);
    Hamburger Kunstver. Ausstellungs-Kat. W. G., 1961;
    W. G., Mythische Landschaft, 16 Farbtafeln nach Aquarellen, hrsg. v. E. Göpel, 1962;
    K. Ruhrberg, W. G., 1962;
    Vollmer.

  • Portraits

    Selbstbildnis, 1928 (im Bes. v. Prof. Hans Kuhn, Berlin);
    G. Marcks, Bildnis-Zeichnung, 1937 (Nürnberg, German. Nat.-Mus.);
    ders., Bildnis-Büste, 1937 (im Krieg zerstört), alle Abb. b. Hentzen;
    B. Müller-Oerlinghausen, Bildnis-Büste (im Bes. d. Künstlers, Kreßbronn);
    Totenmaske, 1961 (im Bes. v. Heinr. Oberheid, Düsseldorf-Kaiserswerth).

  • Autor/in

    Alfred Hentzen
  • Empfohlene Zitierweise

    Hentzen, Alfred, "Gilles, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 397 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694952.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA