Lebensdaten
wohl um 1150 bis 1190
Sterbeort
bei Philomelium (Kleinasien)
Beruf/Funktion
Minnesänger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118693549 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Friedrich von Husen
  • Hausen, Friedrich von
  • Husen, Friedrich von
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Verknüpfungen

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Zitierweise

Friedrich von Hausen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118693549.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Edelfreies Geschl. d. Rhein-Main-Gebiets, seit Ende 11. Jh. nachweisbar;
    V Walther, gen. 1140-73, mehrfach Zeuge in Urkk. Kaiser Friedrichs I. u. EB Christians v. Mainz u. a., v. d. fahrenden Dichter Herger postum als freigebiger Gönner gepriesen;
    M Adelheid, aus Ministerialenfam.; wahrsch. ledig.

  • Leben

    F. wird 1171-75 mehrfach in der Umgebung der Bischöfe Christian von Mainz und Konrad von Worms bezeugt (im Rhein-Main-Gebiet, 1175 bei Pavia). Nachdem er für eine Zeit von etwa 10 Jahren nicht nachweisbar ist – ein Aufenthalt im Westen wäre denkbar –, tritt er 1186- Januar 1187 als Reichsministerialer in enger Beziehung zu König Heinrich VI. in Italien auf. Fortan begegnet er uns als Vertrauter Barbarossas; so nimmt er 1187 an der Zusammenkunft von Mouzon zwischen dem Kaiser und König Philipp II. August von Frankreich teil und ist einer unter den homines domini imperatoris iudicatores, die bei der Erhebung des Grafen von Hennegau zum Markgrafen von Namur in den Reichsfürstenstand tätig sind. Er hat wohl 1188 auf dem „Hoftag Christi“ in Mainz mit dem Kaiser das Kreuz genommen und ist auf dem 3. Kreuzzug gefallen. Seine Lieder sind weder vollzählig noch gut überliefert. Sie zeugen von hoher dichterischer Begabung und leiten eine neue Epoche des deutschen Minnesangs ein, in der dessen motivisch eintönige und heimischer Formenwelt verpflichtete Frühstufe unter romanischem Einfluß, der bei F. in direkten Anleihen greifbar ist, durch eine gedanklich und formal subtile, spirituelle Kunst mit zahlreichen neuen Motiven und Motivvarianten abgelöst erscheint. Erstmals bezieht F. die ritterliche Wirklichkeit, die Italienfahrten und den Kreuzzug in seine Lieder ein und entwickelt teils auf diesem persönlichen Hintergrund eine tiefschürfende Minnedialektik, wobei sich indessen auch der rheinische Schalk nicht verleugnet. In seinen späten Liedern kreist er um das Problem Gott und Minne. Dem Kreuzzugsthema sind auch eine spruchartige Warnstrophe an säumige Ritter und ein Warnlied an die Frauen in der Heimat gewidmet. Ein Leich, den F. nach späterem Zeugnis gedichtet haben soll, ist uns nicht erhalten. Während F.s dichterische Sprache in ihrer Ungezwungenheit, Gewandtheit und Präzision bereits eine seltene Vollendung erreicht, hat er den reinen Reim noch nicht durchgängig zu verwirklichen vermocht. Im Strophenbau und im Bau der Verse machen sich romanische Einwirkungen und Vorbilder geltend. Zum erstenmal treten daktylische Verse in Erscheinung. – Auf die Folgezeit, bis ins 13. Jahrhundert hinein, hat F.s Lyrik bedeutsamen Einfluß geübt. Man darf von einer Hausenschule sprechen.

    Für F.s Rolle als Musiker besitzen wir keine direkten Zeugnisse. Die Handschriften überliefern nur Texte. Da F. jedoch in zahlreichen Liedern romanische Formmuster nachahmt, ist die Annahme berechtigt, daß er mit der Form auch die Singweise und damit einen in Deutschland bisher unbekannten Melodiestil übernommen hat. In den Liedern Minnesangs Frühling 45,37; 49,13; 47,9; 51,33 ahmt er Inhalt und Form komplizierter und nur einmal in der Romania begegnender Strophenmodelle nach, in anderen Liedern schlichtere und häufiger vorkommende Muster, so daß der Grad der Sicherheit, nach dem wir seinen Liedern bestimmte romanische Weisen zuordnen dürfen, unterschiedlich ist. Möglicherweise hat er die Melodien nach seinem oder seines Publikums Geschmack abgeändert.

  • Werke

    Abdr. d. Lieder in: Des Minnesangs Frühling, neu bearb. v. C. v. Kraus, 1940, Nr. IX (Anm. S. 350. 386 ff.);
    Ausg. v. H. Brinkmann. Studienbogen, 1948.

  • Literatur

    ADB XI (unter Hausen);
    F. Grimme, Gesch. d. Minnesinger I, 1897, S. 2 ff., 224 ff.;
    C. v. Kraus, Des Minnesangs Frühling, Unterss., 1939, S. 115 ff.;
    K. H. May, in: Hess. Jb. f. Landesgesch. 2, 1952, S. 16-23;
    G. Jungbluth, in: Euphorion 47, 1953, S. 241 ff., 51, 1957, S. 196 ff.;
    R. Kienast, in: Dt. Lit. im Aufriß II, 1954, Sp. 840 ff.;
    A. Heusler, Dt. Versgesch. I/II, 21956, passim;
    H. de Boor, in: B. v. Wiese, Die dt. Lyrik I, 1957, S. 35-42;
    K. Korn, in: Vf.-Lex. d. MA I, Sp 682-88, V, Sp. 238. – Zu d. Melodien: F. Gennrich, in: Zs. f. Musikwiss. 7, 1924/25, S. 65 ff.;
    ders., Mhdt. Liedkunst, 1954, S. 7 f., 10 f.;
    W. Müller-Blattau, Trouvères u. Minnesänger, 1956;
    U. Aarburg, in: Zs. f. dt. Altertum 87, 1956, S. 24 ff.;
    dies., Singweisen z. Liebeslyrik d. dt. Frühe, 1956;
    dies., in: Wirkendes Wort 9, 1958/59, S. 139 ff.;
    H. Husmann, in: MGG IV, Sp. 962-64 (L, P);
    H. J. Rieckenberg, in: Archiv f. Kulturgesch. 43, 1961 (z. Biogr.)

  • Portraits

    2 auf gemeinsamer Vorlage beruhende Bilder (ohne Wappen) in d. Hss. B u. C;
    zu Hs. B s.: Die Weingartner Lieder-Hs. in Nachbildung, mit Begleitwort v. K. Löffler, 1927, S. 9, zu Hs. C s.: Faks.ausg. d. Maness. Hs., 1925 ff., 2. Lfg., Nr. XXXVIII;
    Wilpert, Literatur in Bildern.

  • Autor/in

    Günther Jungbluth, Ursula Aarburg
  • Empfohlene Zitierweise

    Jungbluth, Günther; Aarburg, Ursula, "Friedrich von Hausen" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 599 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118693549.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hausen: Herr Friedrich v. H., Minnesänger. Er stammte aus einem rheinischen, in der Nähe von Worms angesessenen Adelsgeschlecht und muß gegen 1150 geboren sein; er starb am 6. Mai 1190. H. gehört zu den angesehensten Rittern seiner Zeit. Zu wiederholten Malen treffen wir ihn in der Umgebung|König Heinrichs VI., und Kaiser Friedrich I. betraute ihn mit wichtigen Geschäften. In der Begleitung Heinrichs VI. sehen wir ihn, als dieser sich 1185 nach Italien begeben hatte, um sich mit Constanze von Sicilien zu vermählen; im Gefolge des Kaisers befand er sich, als dieser gegen Weihnachten 1187 mit dem König Philipp August von Frankreich an der Maas zusammenkam. Er wurde dann einer der zehn hohen Urtheilssprecher, die der Kaiser damals in Angelegenheiten des Grafen von Hennegau bestellte. Ein Jahr später geleitete er den letzteren nach Worms zur Belehnung durch König Heinrich und erscheint bei den darauf folgenden wichtigen Verhandlungen als Zeuge. — Damals hatte H. wol schon das Kreuz genommen, vermuthlich zugleich mit dem Kaiser auf dem Mainzer Hoftage im März 1188. Im Frühling des folgenden Jahres brach er mit dem Kreuzheer vom Rheine auf; von der Fahrt sandte er noch ein Lied in die Heimat, um gute Frauen vor denen zu warnen, die aus Liebe zu den Ihrigen oder um der Minne willen daheim geblieben wären. Er selbst kehrte nicht wieder; im Treffen bei Philomelium fand er seinen Tod. Chronisten erzählen, er sei, zu hitzig in der Verfolgung eines Türken, mit dem Pferde gestürzt, so daß er sich nicht wieder zu erheben vermocht habe. Das ganze Heer sei über den Fall eines so tapfern und edeln Mannes in Bestürzung gerathen, der Kampf abgebrochen. — Mit reger Theilnahme für die öffentlichen Ereignisse verband H. den Minnedienst und eine nicht geringe Bedeutung für die Entwickelung des lyrischen Gesanges. Er ist, so viel wir wissen, der erste oberdeutsche Sänger, der sich mit voller Gewandtheit in dem seinen französischen Stil des Minneliedes bewegt. Reinmar, der Meister in dieser Kunst, „ist nur ein Nachfolger Friedrichs v. H., dessen seine Gedankenpoesie und Kunst der Dialektik er nur noch weiter ausbildete und verfeinerte bis ins Subtile“. In den ungenauen Reimen berührt sich H. noch mit der älteren Zeit; aber im Stil, in der Gedankenentwickelung, im Vers- und Strophenbau, d. h. in der Musik, erscheint er ganz modern. „Sein Beispiel ist für die ganze Reihe von Dichtern bestimmend gewesen, die neben ihm und noch nach seinem Tode in Allemannien und Schwaben und sonst in der Umgebung des staufischen Hofes sich in der neuen Weise versuchten.“

    • Literatur

      Des Minnesangs Frühling, hrsg. von Lachmann und Haupt, S. 251. Müllenhoff in der Zeitschrift f. D. Alterthum, 14, 133 ff. Lehfeld in den Beiträgen zur Geschichte der deutschen Sprache, hrsg. von Paul und Braune, 2, 345 ff.

  • Autor/in

    Wilmanns.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilmanns, Wilhelm, "Friedrich von Hausen" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 86-87 unter Hausen [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118693549.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA