Lebensdaten
1817 bis 1893
Geburtsort
Herzberg/Elster
Sterbeort
Weißenfels
Beruf/Funktion
Dichterin
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118692577 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • François, Luise von
  • François, Marie Louise von
  • François, Louise von
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Zitierweise

François, Louise von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692577.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1772–1818), sächs., seit 1815 preuß. Offizier, Kommandeur e. Landwehrbataillons in H., S d. August (Reichsadel 1774, 1736-1801), auf Niemegk, sächs. Hauptmann, u. d. Louise v. Brück;
    M Amalie (1796–1871), T d. Aug. Dav. Hohl ( 1820), Tuchfabr. u. Ratsherr in W., u. d. Joh. Christiane Eckardt;
    Stief-V Adolph Aug. Herbst (1792–1874), sachsen-coburg. Hofrat u. Ger.amtmann; ledig;
    N Kurt s. (1).

  • Leben

    F. wuchs in Weißenfels auf, wohin die Mutter nach dem Tod ihres 1. Gatten zurückgekehrt war. Die weiterwirkenden Traditionen des 18. Jahrhunderts und des Geistes der Befreiungskriege bestimmten zusammen mit nachromantischen Strömungen ihre Entwicklung. Die ersten literarischen Einwirkungen empfing sie durch Adolph Müllner, den Arzt Dr. Schütz und die Frauenschriftstellerin Fanny Tarnow. Durch Verschulden ihres Vormunds verlor sie ihr Erbe, was zum Anlaß der Auflösung ihres Verlöbnisses mit dem Offizier Alfred Graf von Görtz wurde. Ohne Vorwurf oder Bitterkeit führte sie von da ab ein Leben der Entsagung. 1847 ging sie zu ihrem Onkel, dem Generalleutnant Karl von F., nach Minden, 1851 mit ihm nach Halberstadt, später nach Potsdam. Die wirtschaftlichen Verhältnisse ihres Elternhauses verschlechterten sich weiter durch den unglücklichen Ausgang eines Prozesses um das Vermögen ihrer Mutter. 1855 kehrte sie beim Tod des Onkels nach Weißenfels zurück. In den beiden folgenden Jahrzehnten widmete sie sich aufopfernd der Pflege ihrer kranken Mutter und des erblindenden Stiefvaters. Erst in dieser Zeit, als Veranlagung und persönliches Schicksal ihr Wesen schon bleibend geprägt hatten, kam ihre dichterische Begabung zum Durchbruch. Nach dem Tod der Eltern lebte sie zurückgezogen in Weißenfels. Seit 1880 war sie mit Marie von Ebner-Eschenbach, seit 1881 mit C. F. Meyer befreundet. – Mit 38 Jahren schrieb F. ihre erste Erzählung. Sie wurde Mitarbeiterin an Cottas „Morgenblatt“ und zahlreichen anderen Zeitschriften. Kaum berührt von der zeitgenössischen Literatur, ging sie in stiller Bescheidenheit, aber beharrlich den eigenen Weg, der sie zu den 3 großen Romanen „Die letzte Reckenburgerin“ (1871, Neudruck 1942, 1956), „Frau Erdmuthens Zwillingssöhne“ (1873, Neudruck 1944, 1954 mit Vorwort von E. Staiger, Manesse Bibliothek der Weltliteratur) und „Stufenjahre eines Glücklichen“ (1877, Neudruck 1944) führte. Sie gehören der Geschichte des historischen Romans in Deutschland an, obgleich die Ereignisse des Napoleonischen Zeitalters, der Befreiungskriege und der 1848 vorbereitenden Jahre nur den Hintergrund individueller Konflikte bilden. Bewußt griff F. sowohl in ihrer Erzähltechnik als auch in den moralisierenden Tendenzen auf das 18. Jahrhundert zurück; gerade das Altmodische gab ihrer Dichtung den eigenen Reiz. Durch Gustav Freytags Besprechung im „Neuen Reich“ errang „Die letzte Reckenburgerin“ einen Erfolg, der Jahrzehnte hindurch andauerte. Hier hat sie am unverkennbarsten sich selbst gestaltet, die strenge|Herbheit, die Verschlossenheit, den karitativen Ernst und die Güte ihres Charakters. Das Konservative ihrer künstlerischen und weltanschaulichen Haltung blieb frei von Epigonentum; ihr erfinderischer Kunstverstand führte sie zu reichen kompositorischen Möglichkeiten, ihr Menschenbild öffnete sich in Schuld und Sühne dem Abgründigen.

  • Werke

    Weitere W Ausgew. Novellen, 2 Bde., 1868;
    Erzz., 2 Bde., 1871;
    Gesch. d. preuß. Befreiungskriege i. d. J. 1813 bis 1815, 1873;
    Hellstädt u. a. Erzz., 3 Bde., 1874;
    Natur u. Gnade, nebst anderen Erzz., 3 Bde., 1876;
    Der Katzenjunker, 1879;
    Phosphorus Hollunder, Zu Füßen des Monarchen, 1881;
    Das Jubiläum u. a. Erzz., 1886;
    Ges. Werke, 5 Bde., o.J. [1918, Insel];
    Die schönsten Erzz., hrsg. v. J. Hofmiller, 1924;
    Aus d. Prov. Sachsen, hrsg. v. S. Berger, 1938;
    – A. Bettelheim, M. v. Ebner-Eschenbach u. L. v. F. [Briefe], in: Dt. Rdsch., Okt. 1900;
    L. v. F. u. C. F. Meyer, Ein Briefwechsel, hrsg. v. A. Bettelheim, 1905, 21920;
    H. Hoßfeld, Briefe v. L. v. F. u. Jul. Rodenberg, in: Thüringen 6, 1930, S. 166 ff.Hs. Nachlaß im Städt. Mus. Weißenfels.

  • Literatur

    ADB 48;
    F. Oeding, Bibliogr. d. L. v. F., 1937;
    M. v. Ebner-Eschenbach, L. v. F. Erinnerungsbll., in: Velhagen u. Klasings Mhh. 2, 1894, S. 18 ff.;
    G. Freytag, Vermischte Aufsätze I, 1901;
    H. Enz, L. v. F., Diss. Zürich 1918 (W, L);
    G. Lehmann, L. v. F. Ihr Roman „Die letzte Reckenburgerin“ als Ausdruck ihrer Persönlichkeit, Diss. Greifswald 1918;
    H. Hoßfeld, Zur Kunst d. Erz. b. L. v. F., Diss. Jena 1922 (ungedr.);
    E. Schroeter, Das Modell u. s. Gestaltung in d. Werken d. L. v. F., in: Bilder aus d. Weißenfelser Vergangenheit, 1925, S. 187 ff.;
    ders., in: Mitteldt. Lb. I, 1926, S. 235 ff.;
    G. Gesemann, Dostojewskijsche Problematik in e. dt. Novelle [Judith die Kluswirtin], in: Gesemann, Dostojewskij-Stud., 1931;
    S. Meinecke, L. v. F., Die dichter, u. menschl. Probleme in ihren Erzz., Diss. Hamburg 1948 (ungedr.);
    W. Reichle, Stud. zu d. Erzz. d. L. v. F., Diss. Freiburg 1952 (ungedr.);
    E. Staiger, L. v. F. u. ihr Roman „Frau Erdmuthens Zwillingssöhne“, in: Neue Schweizer Rdsch. 22, 1954, S. 89 ff.;
    T. Urech, L. v. F., Versuch e. künstler. Würdigung, Diss. Zürich 1955;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Frels.

  • Portraits

    P Phot. u. Gem., in: E. Schroeter, L. v. F., Die Stufenj. d. Dichterin, Zur Erinnerung an d. 100. Wiederkehr ihres Geburtstages, 1917.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "François, Louise von" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 334 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692577.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    François: Marie Luise von F. wurde am 27. Juni 1817 zu Herzberg in der Provinz Sachsen als die Tochter des früher sächsischen, nachmals preußischen Majors Friedrich v. F. geboren. Ihre Mutter, Amalie Hohl, entstammte einem angesehenen und wohlhabenden Weißenfelser Bürgerhause. Schon im J. 1818 starb der Vater, und die Witwe zog nun mit ihrer Tochter Luise und dem um ein Jahr jüngeren Sohne Ernst nach ihrer Heimatstadt Weißenfels zurück, wo sie sich bald darauf in zweiter Ehe mit dem nachmaligen Justizrath Herbst verheirathete. In bequemen, sorglosen Verhältnissen wuchs hier Luise auf. Als lebhaftes Kind vermochte sie an dem ziemlich mäßigen Unterricht, den sie mit einigen Genossinnen privatim erhielt, ihren Wissensdurst nicht zu stillen, und so suchte sie sich durch eifrige Lectüre und Selbststudium vieles anzueignen, was ihr im Unterricht versagt blieb. Zur Jungfrau erblüht, lernte sie im Hause der bekannten Schriftstellerin Fanny Tarnow, die 1829 für mehrere Jahre in Weihenfels ihren Wohnsitz genommen hatte, einen jungen Offizier kennen, den Grafen Alfred Görtz, mit dem sie sich dann auch verlobte. Indessen wurde die eheliche Verbindung durch Mangel an Vermögen auf Jahre hinausgeschoben, da Luise durch ihren leichtsinnigen und treulosen Vormund um das nicht unbeträchtliche Erbe ihres Vaters gebracht worden war, und als sie dann schließlich gewahren muhte, daß bedenkliche Schatten auf ihren Brautstand fielen, gab sie dem Verlobten ihr Wort zurück. Sie selbst hielt nun ihre Jugend für abgeschlossen, obwohl sie noch nicht viel über 20 Jahre zählte, lebte hinfort nur noch im Verkehr mit einigen Freunden und zog sich ganz aus dem eigentlichen Gesellschaftsleben zurück, für welches sie ja niemals viel Interesse gezeigt hatte. „Aus diesem mangelnden Interesse erklärt sich wohl auch, daß in ihren Romanen die modernen Salonfiguren meist einen etwas schablonenhaften, wenig nüancierten Charakter zeigen, während ihr die Zeichnung ihrer Vollbluthelden adeligen und bürgerlichen Geschlechts, ihrer wackeren Philister, ihrer seltsamen Käuze und verlotterten Taugenichtse so vortrefflich gelingt.“ Eine Reihe von Jahren ging nun ziemlich ereignißlos an ihr vorüber bis auf den Umstand, daß sich die pecuniären Verhältnisse des Elternhauses plötzlich verschlechterten, da Luisens Mutter durch einen Bankerott in ihrer Verwandtschaft ihr beträchtliches Vermögen verlor und infolge dessen auf ein langes Krankenlager geworfen wurde. — Erst im Herbst 1851 war es Luise vergönnt, in andere Verhältnisse eintreten zu können. Nach der Verheiratung ihrer Cousine Clotilde zog sie zu deren Vater, dem durch seine wechselvollen Schicksale während der Fremdherrschaft bekannt gewordenen Generallieutenant Karl v. François, mit dem sie erst in Halberstadt, wohin er nach seiner Pensionirung gezogen war, und später in Potsdam lebte. Nach seinem Tode (1855) kehrte sie in ihr Elternhaus zurück, und nun begann sie,|soweit es ihre durch Krankenpflege eingeschränkte Muße zuließ, ihre schriftstellerische Thätigkeit. Eine Reihe von Novellen in den verschiedensten Zeitschriften eröffnete dieselbe. Meist spielen sie auf dem engeren Heimathboden in der friedericianischen und der darauf folgenden Zeit, sowie in der Epoche der Freiheitskriege, die der Verfasserin noch durch mündliche Ueberlieferungen vertraut und anschaulich war. Diese Arbeiten erschienen später als „Ausgewählte Novellen" (II, 1867), „Erzählungen" (II, 1871), „Hellstädt und andere Erzählungen“ (III, 1874). Wurden diese alle schon freundlich aufgenommen, so sollte der Verfasserin ein voller Erfolg doch erst mit ihrem Roman „Die letzte Reckenburgerin“ (II, 1871) kommen. Ein Stück echtes, kraftvolles Menschenleben auf meisterhaft gezeichnetem historischen Hintergrunde entfaltet sich darin, und kein Geringerer wie Gustav Freytag wußte durch seine glänzende Beurtheilung dieses Werkes den Namen der Verfasserin in das gebührende Licht zu setzen. Nun folgte ihre productivste Periode. Außer einer populären „Geschichte der Befreiungskriege" (1874) schrieb sie noch die Romane „Frau Erdmuthes Zwillingssöhne" (II, 1872), „Die Stufenjahre eines Glücklichen" (II, 1877) und „Der Katzenjunker" (1879) sowie die Erzählungen „Natur und Gnade und andere Erzählungen" (III, 1876), „Phosphorus Hollunder. — Zu Füßen des Monarchen“ (1881), „Das Jubiläum und andere Erzählungen“ (1886), welche sämtlich die verdiente Anerkennung fanden, aber doch mit ihren Vorzügen nicht ganz an die Reckenburgerin heranreichen. Inzwischen hatte Luise 1871 ihre Mutter nach längerem Siechtum durch den Tod verloren, und 1874 war auch ihr Stiefvater gestorben, ein seit zehn Jahren erblindeter Greis, dem sie eine treue und aufopfernde Pflegerin gewesen war. Von da ab zog sie sich mehr und mehr von jeglichem Verkehr in die Einsamkeit zurück, die sie nur zwei Mal unterbrach, um ihre engeren Beziehungen zu Konrad Ferdinand Meyer in Kilchberg bei Zürich und zu Marie von Ebner-Eschenbach in Reichenhall durch einen persönlichen Verkehr noch mehr zu befestigen. Luise v. F. starb in Weißenfels am 25. (nicht 26.) September 1893.

    • Literatur

      Persönliche Mittheilungen. — Clotilde v. Schwartzkoppen, Luise v. François. Ein Lebensbild (in „Vom Fels zum Meer“. Jahrg. 1894, S. 193 ff.). — Hedwig Bender, Luise v. François. Hamburg 1894.

  • Autor/in

    Franz Brümmer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brümmer, Franz, "François, Louise von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 682-683 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692577.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA