Lebensdaten
um 1380 bis um 1435
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118692526 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Francke
  • Francke, Meister
  • Meister Francke
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Zitierweise

Meister Francke, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692526.html [15.11.2018].

CC0

  • Leben

    Auf den Meister lassen sich vier schriftliche Nachrichten beziehen, zwei davon berichten von an einen Maler erteilten Aufträgen. Der erste wurde 1424 von der Englandfahrer-Gesellschaft in Hamburg über eine Altartafel für die Kapelle dieser Kaufmannsgesellschaft in der Dominikanerkirche St. Johannis erteilt. Es handelt sich dabei um den sog. Thomasaltar (Hamburg, Kunsthalle). Ein weiterer Auftrag wurde 1429 von der Bruderschaft der Schwarzenhäupter in Reval erteilt, für die dann eine Altartafel in der dortigen Dominikanerkirche angefertigt wurde (1524/25 zerstört). Außerdem werden die Darstellungen eines Johannes d. Täufers und einer Mutter Gottes (1534/35 zerstört) in Münster für die Zeit um 1415 urkundlich genannt. Insgesamt ist die Quellenlage jedoch unsicher. Es kann urkundlich nicht bewiesen werden, daß die Bilder in Münster und die Altartafeln in Reval und Hamburg vom selben Künstler gemalt worden sind und daß der Dominikanermönch Francke aus dem 1293 gegründeten Kloster in Zutphen bei Arnhem mit dem „swarten monych“ des Revaler Altarbuchs und dem „Meister Francke“ in Hamburg identisch ist. Jedoch läßt sich die Tatsache, daß Francke im Stadtbuch von Hamburg nie erwähnt wird, nur durch seinen Klerikerstand erklären. „Mester“ wäre demnach als Verdeutschung von magister artium zu deuten. So ist die Verbindung des Hamburger Vertrags mit den Berichten aus Münster durch Martens (1929) und Rensing (1967) und den Nachrichten aus Reval durch Reincke (1959) plausibel. Rensing hat auch auf die enge Verbindung zwischen Otto Gf. v. Hoya (1409–20 Bischof von Münster) und den Dominikanern von Zutphen hingewiesen; das Bilderpaar im Münsteraner Dom wäre demnach vor Bischof Ottos Tod in Auftrag gegeben worden. Stilistische Vergleiche haben das dokumentierbare Werk, von dem lediglich der Englandfahrer-Altar erhalten ist, um den Barbara-Altar (8 Tafeln, Helsinki, Nat.mus.) und zwei Tafeln mit Christus als Schmerzensmann erweitert; die diesbezüglichen Zuschreibungen von Schlie (1897) und Goldschmidt (1915) wurden nie bezweifelt. Der Barbara-Altar ist stilgeschichtlich um 1415 einzuordnen. Eng ist M.s Beziehung zur westfäl., aber auch zur franz.-burgund. Kunst; sie ist durch „eine gründliche Lehre im Westen“ (Pächt, 1969) zu erklären. Aufgewachsen in der Blütezeit der internationalen Gotik, übertraf M. seine Zeitgenossen in der Modernität der künstlerischen Auffassung.|Die späten Werke verweisen auf Beziehungen zu den Anfängen der altniederländ. Tafelmalerei, wie etwa zum Meister von Flémalle und dem frühen Eyckkreis. Neben Konrad von Soest war M. der führende Künstler der niederdeutschen Malerei zu Beginn des 15. Jh. Durch vielfältige Überschneidungen und durch die Betonung der Volumen der Figuren gelingt es ihm, in seinen Bildern einen starken Eindruck von Räumlichkeit zu vermitteln.

  • Werke

    Weitere W Schmerzensmann, um 1420 (Leipzig. Mus. d. Bildenden Künste);
    Schmerzensmann, um 1435 (Hamburg, Kunsthalle).

  • Literatur

    ADB 48;
    F. Schlie, Der Hamburger Meister v. J. 1435, 1897;
    A. Goldschmidt, Ein Altarschrein M. F.s in Finnland, in: Zs. f. Bildende Kunst NF 26, 1915;
    B. Martens, M. F., 1929;
    H. Reincke, Probleme um d. „M. F.“, in: Jb. d. Hamburger Kunstslgg. 4, 1959;
    Th. Rensing, Üb. d. Herkunft d. M. F., in: Wallraf-Richartz-Jb. 29, 1967;
    M. F. u. d. Kunst um 1400, Ausst.kat. Hamburg 1969 (mit Btrr. v. O. Pächt u. P. Pieper);
    ThB;
    KML.

  • Autor/in

    Helmut R. Leppien
  • Empfohlene Zitierweise

    Leppien, Helmut R., "Meister Francke" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 712-713 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692526.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Francke: „Meister Francke“ ist der Name desjenigen Malers, der von Hofrath Professor Schlie als der „Hamburger Meister von 1435“ in die Geschichte der niederdeutschen Kunst eingeführt worden ist. So nannte Schlie den Künstler, aus dessen Altarbilde die großherzogliche Gemäldegalerie in Schwerin 1862 neun Tafeln von einem dänischen Officier erworben hat, der sie in Paris ausgestellt hatte. Durch die Vergleichung derselben mit einem in Staphorst's Hamburgischer Kirchengeschichte befindlichen Kupferstiche erkannte Schlie, daß diese Gemälde einen Theil des Altars bildeten, den die sehr angesehene Gesellschaft der Englandsfahrer in Hamburg einst in der Kirche des Johannisklosters zu Ehren des heiligen Thomas von Cantelberg (Canterbury) errichtet hatte. Zwei Tafeln stellen die Flucht und den Märtyrertod des Heiligen vor; zwei aus dem Leben der Maria die Geburt Christi und die Anbetung der heiligen drei Könige; die fünf anderen Christi Geiselung, die Kreuztragung, die Frauen unter dem Kreuze, die Grablegung und die Auferstehung, alle Gemälde in der Größe von 79 cm und 87 cm. Da nach Staphorst das Johanniskloster den Englandsfahrern im J. 1435 (richtiger 1436) eine Capelle in der Klosterkirche einräumte, so lag es nahe, den Künstler, dessen Name noch nicht bekannt, obgleich schon genannt war (in: Gaedechens, Gensler und Koppmann, Das Johanniskloster in Hamburg, 1884, S. 154), nach diesem Jahre zu bezeichnen. In dem Archiv der Englandsfahrer ersah 1899 der Staatsarchivar Dr. Hagedorn in Hamburg, daß die beiden Aelterleute dieser Gesellschaft 1424 am 4. December mit „mester Francken umme eyne taffell, de noch hutiges daghes [1541] stath tho sunte Johannes“ abgeschlossen hatten, „welcker taffell ungheverlick ghekosteth hebbe hundert marck Lubesch“. Außer dem Namen des Künstlers wußte man nun auch, welche Gemälde von dem Meister Francke herrührten. Sachverständige, wie Schlie und Professor Lichtwark, stimmten in der Erkenntniß überein, daß auch das Gemälde des leidenden Christus, „der Schmerzensmann“ in der Kunsthalle in Hamburg, früher der Domkirche daselbst angehörig, von Meister F. gemalt sei. Einer früheren Periode Francke's schrieben Kunstkenner auch den „Schmerzensmann“ im Leipziger Museum zu. Francke's Stil hatte Lichtwark auch in den beiden überlebensgroßen Idealbildnissen des Grafen Adolph IV. von Schaumburg ( 1261) wiedergefunden, die aus dem Maria-Magdalenenkoster in Hamburg stammend, das eine, noch in dem Kloster befindlich, ihn in voller Rüstung, das andere, im Museum hamb. Alterthümer, ihn als Mönch im Sarge darstellt. Endlich wird eine der besten Skulpturen des Museums:|"Der heilige Georg im Kampf mit dem Drachen“, auf Francke's Einfluß und Mitwirkung zurückgeführt. Nach langen Verhandlungen und unter dem dankenswerthen Entgegenkommen der großh. mecklenburgischen Regierung, bei der die Rücksicht auf die wichtige localgeschichtliche Bedeutung jener neun Tafeln des Thomasaltars für Hamburg mit den Ausschlag gab, wurden sie für die Hamburger Kunsthalle erworben. Der hohe Werth der Francke'schen Gemälde ist von berufenen Kunstkennern anerkannt. „Die Bilder des Hamburger Meisters“, sagt Woermann, „nehmen unter den deutschen Werken der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts einen künstlerisch wie kunstgeschichtlich gleich hohen Werth ein. Stilgefühl und lebendige Naturbeobachtung erscheinen in diesen Werken in bewundernswerther Weise gepaart. Im ganzen Bereiche der niederdeutschen Kunst gibt es aus jener Zeit kaum ein Werk, das dem Altarwerke, dem diese Tafeln angehören, an charakteristischer Kraft und innerer Bedeutsamkeit gleichkäme“. — Von dem Leben des Künstlers ist bis jetzt nichts bekannt. Dr. Chr. Walther hat, gestützt auf Angaben in den Kämmereirechnungen und in Lappenberg's Beiträgen zur älteren Kunstgeschichte Hamburgs, den Nachweis zu führen gesucht, daß F. höchst wahrscheinlich ein geborener Hamburger gewesen sei, dessen Vater als Taschenmacher dem s. Z. Vereinigten Amte der Maler, Glaser, Sattler, Taschenmacher und Plattenschläger angehörte.

    • Literatur

      Dr. A. Hagedorn, Der Hamburger Meister von 1435 (Hamb. Correspondent, Morg.-Ausg. v. 12. Febr. 1899). — Staphorst I, 4 S. 65; I, 2 S. 568, 672. — C. Walther in d. Mitth. d. Ver. f. Hamb. Gesch. Bd. 7, S. 278. — Geschichtliches über Francke, die Charakteristik Francke's und Beschreibung seiner Gemälde bei Alfr. Lichtwark: Meister Francke. Mit 22 Abbildgn. Kunsthalle zu Hamburg, 1899.

  • Autor/in

    W. Sillem.
  • Empfohlene Zitierweise

    Sillem, W., "Meister Francke" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 680-681 unter Francke [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692526.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA