Lebensdaten
um 1170 bis 1232
Beruf/Funktion
Erzbischof von Magdeburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118647768 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Albert I.
  • Albrecht von Käfernburg
  • Albrecht II. von Käfernburg
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Albrecht II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118647768.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V thüringischer Graf Günther von Kefernburg;
    M Agnes Gräfin von Saarbrück.

  • Leben

    A. besuchte die Domschule in Hildesheim, wurde Domherr in Madeburg, studierte in Paris und wurde um 1200 Propst des Stifts S. Maria ad Gradus in Mainz. Während weiterer Studien in Bologna wurde A. im Herbst 1205 zum Erzbischof von Magdeburg gewählt. Als Anhänger der staufischen Partei ließ er sich noch 1205 von Philipp mit den Regalien belehnen. Trotz guter Beziehungen zu Innocenz III. erkannte der Papst A.s Wahl zunächst nicht an; erst mit den fortschreitenden staufischen Erfolgen weihte er ihn am 24.12.1206 in Rom zum Bischof. An den staufisch-päpstlichen Verhandlungen von 1207 war A. wesentlich beteiligt. Nach Philipps Ermordung trat er gegen große Zugeständnisse zu Otto IV. über und trug entscheidend zu dessen Anerkennung als König bei. 1209 begleitete er den König nach Rom zur Kaiserkrönung. Der Konflikt zwischen Kaiser und Papst führte auch zum Bruch zwischen Otto IV. und A. Angesichts der bedrohten Lage seines Gebietes wagte es A. jedoch erst im Februar 1212, den päpstlichen Bann gegen den Kaiser zu verkünden. Im März 1212 wurde er päpstlicher Legat für ganz Deutschland. Jahrelang litt das Erzbistum unter Angriffen der welfischen Partei, die erst nach Ottos IV. Tod (1218) und dem Friedensvertrag A.s mit Heinrich von Braunschweig (11.9.1219) endeten. Von Friedrich II., auf dessen Seite A. bald getreten war, erlangte er 1218 den Verzicht auf das Spolien- und Regalienrecht. Den 1207 niedergebrannten Dom begann er neu zu errichten zum „ersten gotisch konzipierten Bau in Deutschland“ (Dehio). Die ständigen Bestrebungen A.s, seinem Erzbistum eine größere Machtstellung östlich der Elbe (Bistum Lebus, Pommern, Livland und Estland) zu verschaffen, sind trotz mancher Erfolge schließlich gescheitert; auch deswegen, weil er seit 1222 meist in Italien weilte: 1222-24 als kaiserlicher Legat in Oberitalien, seit 1223 auch als Graf der Romagna, ein Amt, das ihn in den folgenden Jahren noch dreimal zu Aufenthalten in Italien veranlaßte. Maßgeblichen Anteil dürfte A. noch am Wormser Privileg für die deutschen Fürsten vom 1.5.1231 und an der kaiserlichen Bestätigung in Cividale vom Mai 1232 gehabt haben.

  • Literatur

    ADB I (unter Albert I.);
    E. Winkelmann, Philipp v. Schwaben u. Otto IV. v. Braunschweig, = Jbb. d. dt. Gesch., I, 1873, S. 377 ff.;
    ders., Kaiser Friedrich II., = Jbb. d. dt. Gesch., 2 Bde., 1889–97;
    H. Schmidt, EB A. II. v. Magdeburg (bis|1218), in: Gesch. -Bll. f. Magdeburg 16, 1881;
    G. A. v. Mülverstedt, Regg. Archiepiscopatus Magdeburgensis II, 1881, S. 100-458, III, 1886, S. 576-633;
    J. Hartung, Territorialpolitik d. Magdeburger Erzbischöfe (1152–1232), in: Gesch. -Bll. f. Magdeburg 21, 1886;
    J. Schäfers, Personal- u. Amtsdaten d. Magdeburger Erzbischöfe (968–1503), Diss. Greifswald 1908, S. 39-42;
    H. Silberborth, EB A. II. v. Magdeburg, in: Gesch. -Bll. f. Magdeburg 45, 1910, S. 110-229;
    A. Ruppel, Zur Reichslegation d. EB A. v. Magdeburg (1222–24), Qu. u. F aus ital. Archiven u. Bibliotheken 13, 1910, S. 103-34;
    H. Fiedler, Dome u. Politik, 1937, S. 154 ff., 182 ff., 198 ff.;
    W. Greischel, Der Magdeburger Dom, 1939.

  • Autor/in

    Hans Martin Schaller
  • Empfohlene Zitierweise

    Schaller, Hans Martin, "Albrecht II." in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 165 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118647768.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Albert I., Erzbischof von Magdeburg, 15. Oct. 1232, Sohn des Grafen Günther III. von Käfernburg, Bruder des Grafen Heinrich von Schwarzburg, Halbbruder des Grafen Ludolf von Hallermund und des späteren Erzbischofs von Magdeburg Willebrand. Es ist für Alberts Leben entscheidend geworden, daß er durch Verwendung seines Schwagers, des Hofkanzlers Konrad von Hildesheim, schon mit jungen Jahren eine Präbende am Magdeburger Dome erhielt. Er setzte dann seine auf der Hildesheimer Schule begonnenen Studien zu Paris fort. Obwol die Gunst des Papstes Innocenz III., dem er während eines vorübergehenden Aufenthalts in Rom einen wichtigen Dienst hatte leisten können, ihn 16. Febr. 1200 zum Dompropste beförderte, muß A. doch, als Innocenz zu Anfang 1201 offen für Otto IV. gegen Philipp von Schwaben Partei nahm, schon damals sich entschieden für den letzteren erklärt haben, da nicht nur der staufisch gesinnte Erzbischof Ludolf ihn gegen seine Neider schützte, sondern auch das Capitel unter dem Einflusse des gleichfalls staufischen Bischofs von Halberstadt ihn zum Nachfolger des 17. Aug. 1205 gestorbenen Ludolf erwählte. In der That begab A., zur Zeit der Wahl in Bologna studirend, sich sogleich zu König Philipp, um sich von ihm die Regalien verleihen zu lassen. Er wies die Zumuthungen des Papstes, durch Abfall von Philipp sich die Bestätigung zu verdienen, von sich und Innocenz seinerseits wagte nicht weiter gegen ihn einzuschreiten, weil der schließliche Sieg Philipps nicht mehr zweifelhaft war. Als A. zu Ende 1206 in Geschäften des Königs und in seinen eigenen nach Rom ging, sah Innocenz, der mehr als je eines Mittelsmannes bedurfte, über seine politische Stellung ganz hinweg und ließ ihn 24. Dec. zum Bischofe weihen. Er soll, nachdem er 15. April 1207 nach Magdeburg zurückgekehrt war, wo am 20., dem Charfreitage, der alte Dom abbrannte, die Bemühungen des Papstes und seiner Legaten um Beilegung des Thronstreites unterstützt haben, natürlich in dem Sinne, daß Otto abdanken sollte, und er wird, als Otto sich dessen weigerte, zu denjenigen Fürsten gehört haben, welche im Juni 1208 zu Quedlinburg versammelt waren, um mit König Philipp vereinigt die Unterwerfung des Welfen zu erzwingen. Da aber statt Philipps die Nachricht von seiner Ermordung kam, bewährte sich sowol Alberts Patriotismus als auch sein staatsmännischer Blick darin, daß er in der unverweilten und allgemeinen Anerkennung Otto's das beste Mittel zur Herstellung, der Einheit und zur Verhinderung eines neuen Bürgerkrieges im Reiche erkannte, welcher übrigens auch seinem eigenen Fürstenthume hätte verderblich werden müssen. Nachdem er selbst schon zu Anfang des Juli, wol als der erste der deutschen Fürsten, seinen Frieden mit Otto gemacht hatte, bewirkte er auf einem Tage zu Halberstadt, daß derselbe in Sachsen und Thüringen allgemein anerkannt wurde, und war mit auf dem großen Reichstage zu Frankfurt, wo auch die übrigen Stämme im November Otto als König annahmen. Er begleitete ihn 1209 zur Kaiserkrönung nach Rom, kehrte aber schon 5. Dec. nach Magdeburg zurück, weil er auf dem Rückwege von Rom mit Otto in Zwist gerathen war.

    Es ist wahrscheinlich, daß Otto's Auftreten in Mittelitalien gegen den Papst jene Meinungsverschiedenheit veranlaßt hat. Als Innocenz aber 18. Nov.|1210 den Kaiser excommunicirte, hat A. sich trotzdem lange gegen die Verkündung des Bannes gesträubt, dann aber, als er sich fügen mußte, sich um so entschiedener denjenigen deutschen Fürsten angeschlossen, welche mit Wissen des Papstes Otto IV. in der Person des letzten Staufers Friedrich II. von Sicilien einen Gegenkönig entgegenzustellen beabsichtigten. A. nahm an der Besprechung zu Nürnberg 1211 Theil, wo die Berufung Friedrichs entschieden wurde und die durch Philipps Tod zersprengte staufische Partei sich gewissermaßen wieder zusammen fand. Während jedoch manche Mitglieder derselben, als Otto IV. 1212 nach Deutschland zurückkam, aufs neue sich dem Kaiser unterwarfen, blieb A. der einmal ergriffenen Sache treu, obwohl selbst der wichtigste Vasall des Erzstifts, der Markgraf von Brandenburg, zu Otto hielt und sein Fürstenthum nun fast Jahr für Jahr von verwüstenden Einfällen der Welfen heimgesucht wurde. „Wer das Ungemach und den Jammer beschreiben wollte, der müßte sich dazu ein großes Buch machen“, sagt die Magdeburger Stadtchronik. Otto's Tod am 19. Mai 1218 und Alberts Friedensschluß mit dem Bruder desselben, Heinrich von Braunschweig, am 11. Sept. 1219 beendeten die Noth.

    Seitdem finden wir A., der seit 1207 den Wiederaufbau des Domes betrieb und namentlich auf den äußeren Glanz seiner Kirche durch Erwerbung berühmter Reliquien u. dgl. sehr bedacht war, noch mehr als früher vom Dienste des Reiches und Friedrichs II. in Anspruch genommen. Er half im April 1220 Friedrichs Sohn, Heinrich, zum römischen Könige wählen und blieb in den nächsten Monaten bei jenem, bis er seinen Römerzug antrat. Zu Anfang 1222 besuchte er dann den Kaiser in Capua und wurde etwa im Mai zum Stellvertreter des Kaisers für Oberitalien, ein Jahr später auch zum Grafen der Romagna ernannt. Bis zum Herbste 1224, also fast drei Jahre, war er in Italien beschäftigt. Obwol er als Legat von Oberitalien 1226 durch den Grafen Thomas von Savoyen ersetzt wurde, blieb er doch Graf der Romagna und die Geschäfte dieses Amtes wie des Reiches haben ihn noch drei Mal in sechs Jahren nach Italien geführt. Er war Mitglied des Fürstengerichtes, welches Juli 1226 die Liga der Lombarden verurtheilte; er stand an der Spitze einer fürstlichen Gesandtschaft, welche sich 1228 im Interesse des Reiches um die Herstellung des Friedens zwischen Kaiser und Papst bemühte. Die Agitationen der päpstlichen Partei fanden an A. ebensowenig einen Halt, wie die Neuerungen des Königs Heinrich VII. in der Reichspolitik, welche in den nächsten Jahren fast zu offener Auflehnung gegen den Kaiser heranwuchsen. Auf dem Reichstage zu Aquileja April 1232 mußte Heinrich sich jedoch unterwerfen und Erzbischof A., der schon im December zum Kaiser nach Ravenna gegangen war, übernahm nun in Gemeinschaft mit anderen Fürsten die Bürgschaft für das weitere Betragen des Königs, also auch eine Art Aufsicht über seine Regierung. Er ist von Anfang bis zu seinem Ende, welches nach der Heimkehr von Aquileja erfolgte, immer derselbe geblieben, vor vielen fürstlichen Zeitgenossen ausgezeichnet durch die Consequenz, mit welcher er die Einheit und den Frieden im Reiche nach allen Seiten hin vertreten hat. Leider fehlen alle Vorarbeiten, um seine Bedeutung für Magdeburg selbst genügend würdigen zu können.

    • Literatur

      Vgl. Winkelmann, Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig, Bd. I. S. 377 ff.

  • Autor/in

    Winkelmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkelmann, Eduard, "Albrecht II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 184-185 unter Albert I. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118647768.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA