Zell, Katharina
- Lebensdaten
- 1497 oder 1498 – 1562
- Geburtsort
- Straßburg
- Sterbeort
- Straßburg
- Beruf/Funktion
- katholische Diakonisse ; theologische Schriftstellerin ; Reformatorin ; Ehefrau des Reformators Matthäus Zell ; Autorin
- Konfession
- mehrkonfessionell
- Normdaten
- GND: 118636375 | OGND | VIAF: 224291672
- Namensvarianten
-
- Schütz, Katharina (geborene)
- Schützin, Katharina
- Zellin, Katharina
- Zell, Katharina
- Schütz, Katharina (geborene)
- schütz, katharina
- Schützin, Katharina
- Zellin, Katharina
- Schütz, Katharina
- Schütz-Zell, Katharina
- Schütz, Catharina
- Zell, Catherine
- Zell, Catherina
- Schützin, Katharina
- Zell, Katherina
- Schütz, Katherina
- Schützin, Katherina
- Zell-Schütz, Catherina
- Schutz, Katharina
- Zell Schutz, Katharina
- Schutz Zell, Katharina
- Zell-Schütz, Catherine
- Schütz Zell, Katharina
- Zell, Catharina
- Schütz, Catharina (geborene)
- Schützin, Catharina
- Zellin, Catharina
- Schütz-Zell, Catharina
- Zell, Katherine
- Schützin, Catharina
- Schütz, Catherina
- Schützin, Catherina
- Zell-Schütz, Katherina
- Schutz, Catharina
- Zell Schutz, Catharina
- Schutz Zell, Catharina
- Zell-Schütz, Katherine
- Schütz Zell, Catharina
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Zell, Katharina, geborene Schütz (Schützin, Zellin)
| Pfarrfrau, theologische Schriftstellerin, Reformatorin, * zwischen 15.7.1497 und 15.7.1498 Straßburg, † 5.9.1562 Straßburg, ⚰ Straßburg, Friedhof Kurbau. (evangelisch)
-
Genealogie
V →Jakob Schütz (um 1453 – n. 1538), Handwerker (Zimmermann?) in St.;
M Elisabeth Gerster (um 1455–1525);
9 Geschw;
– ⚭ 1523 →Matthäus Zell (s. 1);
2 K (früh †). -
Biographie
Z., die wohl eine Mädchenschule besuchte, war eigener späterer Erinnerung zufolge schon als Zehnjährige religiös aufgeschlossen, nahm häufig an Gottesdiensten und weiblichen Lesekreisen teil und zeichnete ihre Gedanken frühzeitig auf. Ihren späteren →Ehemann lernte sie nach 1518 kennen; dessen Entschluß, sie zu heiraten, geht in die Anfangszeit seiner reformatorischen Verkündigung 1521 zurück.
Am 3.12.1523 wurde die Ehe qua Konsens der Eheleute unter Zeugen geschlossen und von →Martin Bucer (1491–1551) gesegnet.
Z. wirkte als Pfarrfrau und Schriftstellerin für die Reformation. In nicht überlieferten Briefen attackierte sie den Straßburger Bf. →Wilhelm v. Honstein (um 1470–1541), der die ehelichen Priester, auch ihren Mann, im Frühjahr 1524 gebannt hatte. Sie verfaßte einen als Flugschrift gedruckten Trostbrief an die Frauen der Stadt Kenzingen, deren Männer wegen ihres ev. Glaubens vertrieben worden waren und in Z.s Pfarrhaushalt versorgt wurden (Den leydenden Christglaubigen weybern … zu Kentzingen, 1524). In einer, in der Zuschreibung umstrittenen Schrift gegen den Provinzial →Konrad Treger (um 1480/83–1543) verteidigte sie ihre Eheschließung und trat Gerüchten über die angebliche Sittenlosigkeit ihres Mannes entgegen (Wider bruder Cunrat dreiger, 1524). Ihr aus dem reformatorischen Konzept des „Allgemeinen Priestertums der Gläubigen“ abgeleitetes Recht der öffentlichen Rede verteidigte sie als erste Frau, indem sie bestimmte neutestamentliche Überlieferungen mittels anderer entschärfte (Gal 3,26–28 gegen 1 Kor 14,34). 1538 begleitete sie ihren Mann auf einer Reise nach Wittenberg, die der Festigung der gemeinreformatorischen Zusammengehörigkeit diente.
Unter den reformatorischen Flugschriftenautorinnen wie →Argula v. Grumbach (um 1492 – um 1554) und →Ursula Weyda (1504 – n. 1565) war Z., die vermutlich lebenslang literarisch tätig war, die produktivste, obwohl der Straßburger Rat ihr publizistisches Wirken zeitweilig unterband. 1534/36 gab sie ein Gesangbuch der Böhm. Brüder heraus. 1558 erschien eine Vaterunser- und eine Psalmenauslegung, die sie Jahre zuvor abgefaßt hatte, 1557 ein an die Stadt Straßburg adressiertes Textkonvolut, in dem sie →Ludwig Rabus (um 1523–92), den Nachfolger ihres Mannes und späteren Superintendenten Ulms, scharf anging (Ein Brieff an d. gantze Burgerschafft d. Statt Straszburg, 1557). Das Dokument spiegelt exemplarisch den tiefgreifenden Konflikt zwischen der gegenüber unterschiedlichen reformatorischen Strömungen und Persönlichkeiten wie →Huldrych Zwingli (1484–1531), den Täufern und →Kaspar Schwenckfeld (1490–1561) offenen frühen und einer orthodox-luth. Nachfolgergeneration; zugleich ist es die wichtigste biographische Quelle über Z. Z. organisierte diakonische Aufgaben in der Gemeinde und beteiligte sich 1543 an einer Reform des Bildungswesens. Nach dem Tod ihres Mannes 1548, an dessen Grab sie sprach,|ist sie verschiedentlich als Leichenrednerin bezeugt. Korrespondenzen mit führenden Theologen (Rabus, Schwenckfeld, →Johannes Brenz, 1499–1570, →Ambrosius Blarer, 1492–1564, →Martin Luther, 1483–1546, →Konrad Pellikan, 1478–1556) dokumentieren ihr theologisches Engagement und den Respekt, mit dem man ihr begegnete. Der ihr beigelegte Ehrenname einer „Kirchenmutter“ und die große Teilnahme der Bevölkerung an ihrer Beisetzung verdeutlichen, daß sie als im „Amt“ einer Pfarrfrau agierende Laientheologin eine Ausnahmeerscheinung war. In ihrer Biographie scheinen partizipatorische Potentiale reformatorischer Theologie auf, die erst im 20. Jh. eingelöst wurden und ein neuartiges Interesse an Z. auslösten.
-
Auszeichnungen
|5. Sept., Gedenktag im Ev. Namenkal.;
K.-Z.-Stiftung, Darmstadt (2007). -
Werke
|Entschuldigung Katharina Schützinn f. M. Matthes Zellen, 1524;
Den Psalmen Miserere … sampt dem Vater unser, 1558;
– Ed.: E. A. McKee (Hg.), K. Schütz Z., Bd. 2, 1999;
– Bibliogr.: VD 16, D 183, Z 342–45;
ZV 15658. -
Literatur
|ADB 45;
G. E. Schweitzer, K. Z., 1901;
J. Bernays Zur Biogr. Johann Winters v. Andernach, in: ZGORh 55, 1901, S. 28–58;
R. H. Bainton, in: P. M. Clogan (Hg.), Medievalia et humanistica, Stud. in Medieval and Renaissance Culture, New Series 1, 1970, S. 3–28;
ders., Frauen d. Ref., 1996, S. 56–83;
M. Lienhard, Catherine Z., neé Schütz, in: A. Séguenny (Hg.), Bibliotheca dissidentium, Bd. 1, 1980, S. 97–125 (Verz. aller hsl. Überlfgg.);
E. A. McKee, K. Schütz Z., Bd. 1: The Life and Thought of a Sixteenth-Century Reformer, 1999 (P);
Th. Kaufmann, Pfarrfrau u. Publizistin, Das reformator. „Amt“ d. K. Z., in: ZHF 23, 1996, S. 169–218;
G. Jancke, Prophetin, Pfarrfrau, Publ., Die Straßburger „Kirchenmutter“ K. Z., in: Ev. Predigerseminar Lutherstadt Wittenberg (Hg.), Frauen mischen sich ein, Katharina Luther, Katharina Melanchthon, K. Z., Hille Feicken u. a., 1997, S. 55–80;
C. Zeiher, Vom christl. Umgang miteinander, Rhetorik u. Polemik in K. Z.s Schr. „Ein Brieff an d. gantze Burgerschafft d. Statt Straßburg“, in: B.-M. Schuster u. U. Schwarz (Hg.), Kommunikationspraxis u. ihre Reflexion in frühneuhochdt. u. neuhochdt. Zeit, 1998, S. 135–56;
M. H. Jung, K. Z., geb. Schütz (1497/98–1562), in: ders., Nonnen, Prophetinnen, Kirchenmütter, 2002, S. 121–68;
ders., K. Z., geb. Schütz (1497/98–1562), in: Zs. f. KGesch. 10, 2003, S. 145–78;
ders, in: Vf.-Lex. Frühe Neuzeit;
K. Stjerna, Women and the Ref., 2009, S. 109–31;
A. Christmann, Autorinnen d. Frühen Neuzeit, K. Schütz-Z. u. Caritas Pirckheimer, Diss. Mannheim 2005;
L. Belthle-Drury, „Das Evangelium hab helfen bauen …“, K. Z. (1497–1562), in: dies., „Frauen d. Ref.“, 2010, S. 14–23;
D. Kommer, Reformator. Flugschrr. v. Frauen, 2013, S. 174–214;
BBKL 14;
LThK³;
RGG⁴;
Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L). -
Porträts
|Wandmalerei (fiktives Porträt), um 2017 (Ref.garten, Künstlerhaus Wittenberg).
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Autor/in
Thomas Kaufmann -
Zitierweise
Kaufmann, Thomas, "Zell, Katharina, geborene Schütz (Schützin, Zellin)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 636-637 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118636375.html#ndbcontent