Lebensdaten
1892 bis 1987
Geburtsort
Forst (Lausitz)
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Publizist ; Politiker ; sächsischer Ministerpräsident ; Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Konfession
-
Normdaten
GND: 11861360X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Michel, Peter (Pseudonym)
  • Kraft, Michael (Pseudonym)
  • Seydewitz, Max
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Zitierweise

Seydewitz, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861360X.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (1854–94), Gerber in F.;
    M Ida Hofmann (1856–1908);
    Stief-V N. N., Sozialdemokrat;
    B Erich (1887–1956), Textilarb. u. Lebensmittelhändler in F., Otto-Hermann (1880–1964), Dr. med., Arzt in Berlin u. Duisburg, Georg (1890–1922), Konditor in F.;
    1) Mylau (Vogtland) 1915 Erna Hilbert (1894–1948), Kontoristin, 2) Oppeln 1928 Ruth (1905–89), Publ., Schriftst., emigrierte 1933 in d. ČSR, 1947–50 Leiterin d. Pressestelle d. sächs. Landesreg. (s. BHdE I; Biogr. Hdb. SBZ/DDR; W), T d. Salo Lewy, Kaufm. in Oppeln;
    3 S aus 1) Horst (1915–97), hatte höhere Funktionen im Außenmin. d. DDR, Fridolin (* 1919), Staatsanwalt in D., Christoph (seit 1949 Chanan Daniel) (1923–96), seit Anfang 1949 in Israel (s. L), 1 T aus 2) Nina (1930–2003), Ärztin in Leipzig u. D., zuletzt in Schweden; Schwager Fritz Lewy (Frederico Lewy, Fred L. Lynn) (1901–90), Journ., nahm b. d. Internat. Brigaden am Span. Bürgerkrieg teil, emigrierte 1938 in d. USA, 1947–65 als Statistiker b. Internat. Währungsfond tätig (s. BHdE I).

  • Leben

    Nach achtjährigem Schulbesuch in seiner Heimatstadt Forst erlernte S. den Beruf eines Schriftsetzers. Noch als Lehrling schloß er sich 1907 der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) an; 1910 trat er der SPD bei. 1911 ging S. auf Wanderschaft in Schlesien, Sachsen und Thüringen, bevor er sich Ende 1913 in Reichenbach (Sachsen) als Schriftsetzer und später als Maschinensetzer niederließ. Im 1. Weltkrieg nur kurzzeitig eingezogen, widmete er sich nun verstärkt gewerkschaftlicher und sozialdemokratischer Tätigkeit. Engagiertes Selbststudium führte u. a. zur Mitarbeit am Zwickauer „Sächsischen Volksblatt“ der SPD. Ende 1918 wechselte S. als Lokalredakteur zum mehrheitssozialistischen Parteiblatt in Halle/Saale. Sein Aufstieg in der SPD begann 1920 mit der Übernahme des Postens eines Chefredakteurs des „Sächsischen Volksblatts“ in Zwickau. Schon 1921 avancierte S. zum Vorsitzenden des Bezirksbildungsausschusses der SPD in Zwickau und zum Bezirksvorsitzenden der Zwickauer SAJ. Orthodox-marxistisch geprägt, führte S., 1923 auch zum Vorsitzenden des SPD-Bezirksverbandes Zwickau-Plauen gewählt, seine eigene Parteigliederung zunehmend auf linkssozialistischen Kurs. Auf sächs. Landesebene Vorreiter einer engen Kooperation von SPD und KPD, stieg S. seit dem Erwerb eines Reichstagsmandats 1924 zu einem der reichsweiten Führer des linken SPD-Flügels auf. Mit Paul Levi (1883–1930) sammelte er die Gegner einer Großen Koalition seit 1927 um die Halbmonatszeitschrift „Der Klassenkampf“. Resultat seiner Opposition zur Regierung Hermann Müller (SPD) und zum Tolerierungskurs der SPD seit 1930 war die Gründung der linkssozialdemokratischen SAP, deren Mitvorsitzender S. 1931 wurde. Vom Scheitern seines Parteiprojekts überzeugt, betrieb er Anfang 1933 die Selbstauflösung der SAP und flüchtete anschließend mit seiner Familie vor den Nazis nach Prag, wo er sich als Herausgeber der Zeitschrift „Der Gegenstoß“ und als Autor mehrerer Bücher antifaschistisch betätigte. Der Mitbegründer des „Arbeitskreises Revolutionärer Sozialisten Deutschlands“ (RSD, 1934) wandelte sich – deutlich sichtbar mit Erscheinen seines Buches „Trotzki oder Stalin“ (1938) – im Exil zum Kommunisten stalinistischer Prägung. Nach seiner Flucht aus Prag 1938 arbeitete er in Norwegen und seit 1940 in Schweden u. a. journalistisch für die KPD. Schweden, wo er 1942 verhaftet und bis 1944 zwangsweise umgesiedelt wurde, verließ er Ende 1945, um in Berlin als paritätischer Chefredakteur des SED-Theorieorgans „Einheit“ und anschließend als Intendant des sowjet. kontrollierten „Berliner Rundfunks“ zu reüssieren. Im Juli 1947 von Walter Ulbricht (1893–1973), den Altkommunisten und der Sowjet. Militäradministration als sächs. Ministerpräsident durchgesetzt und in höchste Parteigremien gewählt (1947–49 SED-Parteivorstand, 1947–52 SED–Landessekretariat), amtierte S. als Regierungschef bis zur Liquidierung der Länderstrukturen im Sommer 1952. Seit 1948 mit der zunehmenden Aushöhlung der Länderkompetenzen konfrontiert, geriet S. als früherer SAP-Vorsitzender auch immer häufiger innerparteilich unter Beschuß, dem er sich mit selbstdemütigenden Darstellungen in der SED-Presse zu entziehen versuchte. 1952–55 war S. ohne politisches Amt, blieb aber 1949–87 ununterbrochen Mitglied der DDR-Volkskammer. Als Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden baute er diese 1955–68 zu einem – auch international angesehenen – Leitmuseum der DDR aus. In seinen Memoiren „Es hat sich gelohnt zu leben“ (2 Bde., 1976/78) bekannte sich S. zu seinem „sozialistischen Vaterland“ DDR und erteilte seiner (links)sozialdemokratischen Vergangenheit eine Absage.

  • Auszeichnungen

    Dt. Friedensmedaille (1955); Vaterländ. Verdienstorden in Silber (1957) u. Gold (1962); Banner d. Arbeit (1959); Nat.preis III. Kl. (1960); Prof. (1960); Johannes-R.-Becher-Medaille in Gold (1965); Ehrenbürger d. Stadt Forst (1968); Carl-v.Ossietzky-Medaille (1967); Verdienstmedaille d. Liga f. Völkerfreundschaft in Gold (1967); Orden d. jugoslaw. Banners mit d. goldenen Kreuz (1968); Ehrendiplom d. Bundes Lausitzer Sorben (1968); Karl-Marx-Orden (1972); Stern d. Völkerfreundschaft in Gold (1977); Ehrenbürger d. Stadt Dresden (1982) u. a.

  • Werke

    Weitere W Sozialdemokratie u. Wehrproblem, 1928;
    Der Standpunkt d. Opposition, 1931;
    Die Krise d. Kapitalismus u. d. Aufgabe d. Arbeiterklasse, 1931 (mit G. E. Graf, E. Weckerle, M. Adler u. F. Petrich);
    Todesstrahlen u. andere neue Kriegswaffen, 1936;
    Hakenkreuz über Europa, 1940;
    Den tyska hemmafronten, 1944 (Ps. Peter Michel);
    Civil Life in Wartime Germany – The Story of the Home Front, 1944;
    Es geht um Dtld., 1949;
    Wo blieben unsere Männer?, 1954;
    Die unbesiegbare Stadt, 1955;
    Der Antisemitismus in Westdtld., 1956 (mit Ruth Seydewitz);
    Dtld. zw. Oder u. Rhein, 1958;
    Das Dresdner Galeriebuch, 1958 (mit Ruth Seydewitz);
    Die Dresdner Kunstschätze, 1960 (mit Ruth Seydewitz);
    Die große Kraft, 1961, Bildbd. Dresden, 1962;
    Goethe u. d. Gen. Winter, 1962;
    Die Dame mit d. Hermelin, 1963 (mit Ruth Seydewitz);
    Der verschenkte Herkules, 1969 (mit Ruth Seydewitz);
    Dresden – Musen u. Menschen, 1971, 21973;
    Das|Mädchen mit d. Perle, 1972 (mit Ruth Seydewitz);
    Nachlaß:
    unveröff. Mss. u. Dok., in: Archiv d. Soz. Demokratie (AdsD) d. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.

  • Literatur

    H. Drechsler, Die Sozialist. Arbeiterpartei Dtld.s (SAPD), 1965;
    K. Mewis, Im Auftrag d. Partei, Erlebnisse im Kampf gegen d. faschist. Diktatur, 1971;
    M. Seidel, Zehn J. Widerspruch, M. S. u. d. Zwickauer SPD 1921 bis 1931, 1994;
    M. Schmeitzner u. A. Thüsing, M. S., Stalinisierung u. Untergang (1947–1952), in: M. Schmeitzner u. A. Wagner (Hg.), Von Macht u. Ohnmacht, Sächs. Min.präs. im Za. d. Extreme 1919–1952, 2006, S. 341–84;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    BHdE I;
    Munzinger;
    zur Fam.:
    M. Finnberg, Sucht nach Lebensläufen, Exil u. Nachexil d. Fam. S. u. deren Bedeutung im Leben e. (Ur-)Enkelin, in: „Das Politische wird persönlich“, Fam.geschichte(n), hg. v. I. Hansen-Schaberg u. a., Bd. 2, 2007, S. 95–112;
    dies., Machterfahrungen in d. Autobiogrr. e. ostdt. Funktionärsfam., Der Fall S., Diss. Jena (in Vorbereitung);
    Mitt. v. Manja Finnberg.

  • Autor/in

    Mike Schmeitzner
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmeitzner, Mike, "Seydewitz, Max" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 290-292 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861360X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA