Lebensdaten
1904 bis 1996
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Architekturhistoriker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118595938 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Posener, Julius Jakob
  • Posener, Julius
  • Posener, Julius Jakob
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Zitierweise

Posener, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118595938.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz Moses (1862–1929), Maler in B. (s. Wi. 1928; ThB), S d. Josef Samuel (1821–1905), aus Wirsitz (Prov. Posen), Kaufm. in Den Haag, u. d. Cató van Meerloo, aus Holland;
    M Gertrud (1872–1939), aus B., Pianistin, T d. Julius Oppenheim ( 1904) u. d. Regina Wolff ( 1907);
    B Karl (1897–1946), Dr. med., Arzt, emigrierte 1938 n. Australien, Ludwig (1902–78, Charlotte Neumann, später Yael, 1910–90, Dr. phil., Min.beamtin, leitete 1934-38 in Schweden e. Landschulheim f. jüd. Kinder aus Dtld., Math. u. Physikerin, zuletzt Dir. in d. Abt. Schulverw. d. Min. f. Erziehung u. Kultur in Jerusalem, s. BHdE I), emigrierte über Schweden nach Palästina, Prof. f. math. Statistik an d. Univ. Tel Aviv;
    1) 1948 ( 1966) Elisabeth Charmian Middleton (1928–90), aus Brighton (Großbrit.), 2) 1970 Margarethe Hartwig, gesch. Manthey (* 1937), Kunstgewerblerin;
    2 S, 1 T aus 1), 1 Stief-S.

  • Leben

    Aufgewachsen in einem musischen, bürgerlichen Elternhaus in Berlin-Lichterfelde, studierte P. nach dem Besuch des Realgymnasiums 1923-29 Architektur an der TH Berlin-Charlottenburg u. a. bei Hans Poelzig (1869–1936). Danach bereiste er Frankreich und hospitierte in verschiedenen Pariser Architekturbüros. 1931 war er bei Erich Mendelsohn (1887–1953) auf der Baustelle zum Columbushaus am Potsdamer Platz in Berlin beschäftigt. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nahm er 1933 eine Stelle als Redaktionssekretär der von André Bloc herausgegebenen Zeitschrift „L'Architecture d'Aujourd'hui“ an und veröffentlichte darin regelmäßig Artikel (aus pol. Gründen auch unter d. Ps. „Julien Lepage“). In diese Zeit fallen seine Begegnungen mit Auguste Perret (1874–1955), dem Pionier der Eisenbetonkonstruktion im Wohnbau, und Le Corbusier (1887–1965), dessen Anerkennung er mit der Herausgabe von „La Ville radieuse“ (1935) gewann. Als P. 1935 nach Palästina auswanderte, erteilte ihm Le Corbusier sogar die (nicht in Anspruch genommene) Erlaubnis, in seinem Namen Aufträge zu akquirieren und auszuführen.

    Nachdem sich die von Mendelsohn und anderen geplante Académie Méditerranéenne – für den Aufbau dieser internationalen Kunstschule hatte ihn Mendelsohn gewonnen – in Palästina nicht verwirklichen ließ, arbeitete P. vorübergehend in Mendelsohns Jerusalemer Büro. 1936 ging er nach Beirut, um die Bauleitung für das von Michel Rubinstein geplante Haus des libanes. Präsidenten zu übernehmen. Er vollendete den Bau jedoch nicht, sondern kehrte 1937 nach Palästina zurück, wo er unter Federführung der Architektin Lotte Cohn (1893–1983) sein einziges Bauwerk entwarf und ausführte, ein Wohnhaus in der Siedlung Herzliah nahe Tel-Avivs. Von Dez. 1937 bis April 1939 gab er die von der Architektenvereinigung „Chug Adrichalei Erez Israel“ initiierte Zeitschrift „Habinyan Bamisrach Hacharov“ heraus und schrieb Beiträge über das Bauen in Palästina für ausländische Zeitungen. Nach Einbürgerung (1938) und kurzer Tätigkeit beim Public Works Department der Mandatsverwaltung von Palästina 1940/41 meldete sich P. im Mai 1941 als Freiwilliger zur brit. Armee und wurde den Royal Engineers der Middle East Forces zugeteilt. Auf eigenen Wunsch versetzte man ihn 1945 zum General Staff Intelligence der British Army of the Rhine in Deutschland, was seine Dienstzeit bis 1947 verlängerte. Schon damals erwog P. die Rückkehr nach Deutschland, fand aber keine Arbeit und wurde 1948 brit. Staatsbürger. 1948-56 lehrte er an der Brixton School of Building in London, um anschließend in Kuala Lumpur (Malaysia) die Abteilung für Architektur am Technical College aufzubauen. Im Mai 1961 kehrte er zunächst nach London zurück. Im August folgte P. einem Ruf an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung 1971 Baugeschichte lehrte. Danach hielt er bis 1979 an der TU Berlin seine berühmten „Vorlesungen zur Geschichte der neuen Architektur“.

    P.s eigentliche Wirksamkeit entfaltete sich erst nach seiner Rückkehr nach Deutschland. Im Westberlin der 60er und 70er Jahre war sein unangepaßter, individueller, aus persönlichem Erleben gespeister Umgang mit den Zeugnissen und Zeugen der Vergangenheit die Basis etwa seiner denkmalpflegerischen Bemühungen um den Erhalt bürgerlicher Villen, aber auch seines Engagements innerhalb der politischen Linken. Das eigene Leben reflektierend, verfaßte er jetzt seine grundlegenden Schriften zur modernen Architektur, von denen „Berlin auf dem Wege zu einer neuen Architektur“ (1979) die wohl wichtigste ist. Darin zeigt P. die Verwurzelung der Klassischen Moderne der 20er Jahre in der Architektur des Wilhelminismus auf. Zahlreiche Auszeichnungen ehrten sein Lebenswerk.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Künste, Berlin (West) (1967); Erster Vors. d. Dt. Werkbunds (1969–76); Dr. phil. h. c. (Marburg 1976); Ehrenmitgl. d. Ak. d. Freien Künste, Stockholm (1980); Karl-Friedrich-Schinkel-Ring (1981); Ernst-Reuter-Plakette in Silber (1988); Heinrich Mann Preis d. Ak. d. Künste, Berlin (1996).

  • Werke

    Weitere W Anfange d. Funktionalismus, Von Arts and Crafts z. Dt. Werkbund, 1964;
    From Schinkel to the Bauhaus, Five lectures on the growth of modern German architecture, 1972;
    Vorlesungen z. Gesch. d. neuen Architektur (Sonderhh. Arch +, Zs. f. Architektur u. Städtebau, o. Jg. [1979] Nr. 48, 53, 59, 63/64, 69/70);
    Aufss. u. Vorträge: 1931-1980, 1981;
    Otto Bartning, Zum hundertsten Geb.-tag d. Baumeisters am 12. April 1983, 1983;
    Adolf Loos, 1870–1933, Vortrag, 1984;
    Bruno Taut, e. Rede zu seinem fünfzigsten Todestag, 1989;
    Mein Leben mit d. Architektur, 1989;
    Der dt. Umbruch, 1990;
    Fast so alt wie d. Jh., 1990 (Autobiogr., P), erw. Neuausg. 1993;
    Architektur u. Gesch., 1991;
    Hans Poelzig, reflections on his life and work, 1992 (dt. 1993);
    Was Architektur sein kann, 1995 (Bibliogr.);
    Aufss., Vorlesungen u. Schrr., red. v. U. Stark. 41997 (Bibliogr.). – Hg.: Erich Mendelsohn, 1968 (mit P. Pfankuch);
    Ebenezer Howard, Gartenstädte v. morgen, 1968;
    Hans Poelzig, Ges. Schrr. u. Werke, 1970;
    Hermann Muthesius 1861-1927, 1977 (mit S. Günther u. B. Volkmann). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Stiftung Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin, Slg. Baukunst.

  • Literatur

    Architektur, Stadt u. Pol., J. P. z. 75. Geb.tag, hg. v. B. Bergius u. a., 1979;
    M. Schirren, Epische Architektur, In memoriam J. P., in: Arch +, Zs. f. Architektur u. Städtebau, o. Jg. (1996), Nr. 131, S. 4 f.;
    ders. u. S. Claus (Hg.), J. P., Ein Leben in Briefen, 1999 (P);
    „Man muß Stellung nehmen“, Reden z. Gedenken an), P., 1904 bis 1996, 1996 (mit Btrr. v. U. Conrads, W. Durth, G. Epstein, W. Jens u. M. Sack);
    BHdE II.

  • Autor/in

    Sylvia Claus
  • Empfohlene Zitierweise

    Claus, Sylvia, "Posener, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 650 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118595938.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA