Lebensdaten
erwähnt zwischen 1240 und 1270
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118595008 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pleier, der
  • playäre (in den Handschriften)
  • plaiar (in den Handschriften)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Zitierweise

Der Pleier, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118595008.html [15.11.2018].

CC0

  • Leben

    P. ist der im bayer.-österr. Sprachraum zu lokalisierende Verfasser dreier Artusromane (zwischen 1240 u. 1270). Der sprechende,|wohl auf die Autorentätigkeit anspielende Name (mhd.: Schmelzmeister), im Salzburgischen auch als Familienname bezeugt, signalisiert ein dichterisches Selbstverständnis, das durch die Werke bestätigt wird, die wesentlich durch Umschmelzen von Erzählelementen bereits vorliegender Texte bestimmt sind. Literarische Anspielungen innerhalb des Œuvres und die Verfeinerung der Reimtechnik sichern die Reihenfolge ihrer Entstehung: „Garel von dem blühenden Tal“, „Tandareis und Flordibel“, „Meleranz“.

    Für den „Garel“ (1 Hs., 1 Fragm., 14. Jh.) war die Verbindung der auf den Protagonisten bezogenen Aventiurehandlung des Artusromans mit dem Kampfmodell der Schlacht zweier Heere, wie es sich in der Chanson de geste findet, bereits durch den „Daniel“ des Stricker vorgegeben. Diesen schöpft P. als Handlungs- und Motivarsenal aus, restituiert jedoch dessen die Gattungstradition kritisierendes Ethos der „list“ als intellektuelle Entscheidungskompetenz wieder durch die traditionellen Normen der höfischen Klassik. Nicht zuletzt diese konservative Tendenz lieferte bürgerlichen Aufsteigern wie der Bozener Familie Vintler Identifikationsmodelle, wie der „Garel“-Freskenzyklus in ihrer Burg Runkelstein (um 1400) zeigt. „Tandareis“ (1 Fragm., 14. Jh.; 4 Hss., 15. Jh.) folgt mit der schon vor der ritterlichen Kampfbewährung des Helden einsetzenden Minnebindung, der Trennung und endlichen Wiedervereinigung der Liebenden dem Strukturmodell des „Willehalm von Orlens“ Rudolfs von Ems, durchsetzt mit Motiven hochhöfischer Artusepik (nach Hartmanns von Aue „Erec“ und „Iwein“, Wolframs „Parzival“, Ulrichs von Zatzikhofen „Lanzelet“). Im „Meleranz“ überformt P. ein Feenmärchen vom Typ des „Lai de Graelent“ mit den höfischen Normen des Artusromans und ergänzt die Minnehandlung um einen breit angelegten Aventiureteil, dessen Motive er Gottfrieds „Tristan“, Wirnts von Grafenberg „Wigalois“ und Hartmanns Romanen entnimmt.

    P.s Motive aus unterschiedlichsten Stoffen kompilierende und damit die Gattungsgrenzen überschreitende, zugleich aber die höfischen Konventionen deutlich überbetonenden Romane wirkten auf Ulrichs von dem Türlin „Willehalm“, Konrads von Stoffeln „Gauriel von Muntabel“ und den „Wigamur“ ein; im „Buch der Abenteuer“ hat Ulrich Füetrer den „Meleranz“ nachgedichtet.

  • Werke

    Garel, hg. v. W. Herles, 1981;
    Tandareis, hg. v. F. Khull, 1885;
    Meleranz, hg. v. K. Bartsch, 1861, Nachdr. 1974.

  • Literatur

    ADB 26;
    P. Kern, Die Artusromane d. P., 1981;
    C. Cormeau, Zur Gattungsentwicklung d. Artusromans nach Wolframs „Parzival“, in: Spätma. Artuslit., hg. v. K. H. Göller, 1984, S. 119-31;
    G. Zimmermann, Die Verwendung heldenep. Materials im „Garel“ v. d. P., in: ZfdA 113, 1984, S. 42-60;
    Vf.-Lex. d. MA;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Norbert H. Ott
  • Empfohlene Zitierweise

    Ott, Norbert H., "Der Pleier" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 525 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118595008.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pleier: der P., bürgerlicher Dichter aus der Grafschaft Pleien im Salzburgischen, vermuthlich ein fahrender Mann, verfaßte drei langathmige deutsche Romane aus dem Kreise der Artussage, den Garel (über 21 000 Verse), den Meleranz (ungefähr 12 850 Verse), den Tandareis und Flordibel (mehr denn 18 000 Verse): in dieser Reihenfolge sind sie, wie es scheint, entstanden. Genauer bestimmt sich die Zeit des Dichters dadurch, daß er seinen Meleranz dem edlen Herrn Wimar Frumesel widmete, welcher sich von 1262—1296 in Urkunden nachweisen läßt. In allen drei Gedichten beruft sich zwar der P. auf schriftliche Quellen und sowohl im Meleranz wie im Tandareis bezeichnet er ausdrücklich ein wälsches Buch als seine Vorlage, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Angaben unwahr sind. Er hat vielmehr die Begebenheiten seiner Erzählungen frei nach Analogie älterer Artusromane erfunden. Denn den Namen seines ersten Helden, des Garel, hat er Wolframs Parzival entlehnt (wo freilich auf ganz andere Abenteuer angespielt wird, als dann beim P. vorkommen), dessen Beinamen „vom blühenden Thal“ dem Daniel vom blühenden Thal eines österreichischen Poeten, des Strickers. Und letzterem Gedichte ist auch in der Hauptsache die ganze Composition des Garel nachgebildet; daher mag es rühren, daß dies Erstlingswerk des Pleiers einen conciseren und befriedigenderen Eindruck macht als seine späteren, deren Helden sonst in der Litteratur nirgend begegnen. Ueberhaupt haben nach Seiten der poetischen Motive, der Nomenclatur der auftretenden Personen und der Phraseologie Wolframs Dichtungen den allerstärksten Einfluß auf den P. ausgeübt; daneben tritt die stilistische Einwirkung Hartmanns von Aue und Wirnts von Gravenberg entschieden zurück, und die Entlehnungen aus Gottfrieds Tristan, vollends aus dem „Umhang“ des Blicker, welche man beim P. hat wahrnehmen wollen, sind höchst fragwürdiger Natur. Aber nur äußerlich hat der P. Wolfram nachzuahmen verstanden, denn man vermißt in seinen drei Romanen jeden ethischen oder psychologischen Grundgedanken, jede innere Motivirung der Handlungen, jede Abtönung oder Individualisation der Charaktere. Obgleich es sich im Meleranz und im Tandareis um die Gewinnung eines geliebten Mädchens durch den Helden der Fabel handelt, stehen die minniglichen Scenen und Reflexionen durchaus im Hintergrunde und entbehren der lebhafteren Farbengebung. Den Hauptinhalt der Gedichte bilden Kämpfe gegen Riesen, Ungeheuer, Zwerge oder übermenschlich starke Recken; und diese zahllosen Kämpfe, welche fast ohne Ausnahme der erkorene Liebling des Dichters spielend besteht, werden ebenso wie die massenhaften Turniere, Empfänge und Gastmähler immer wieder mit den gleichen stereotypen Floskeln und mit einer stets wachsenden Breite und Monotonie des Ausdrucks geschildert, sodaß das Interesse des Lesers schließlich erlahmt. Indessen haben sich die poetischen Erzeugnisse des Pleier's, trotz dem sehr inferioren Range, welchen sie einnehmen, im ausgehenden Mittelalter dauernder Anerkennung zu erfreuen gehabt. Während der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfuhr der Tandareis eine, allerdings auf ein Neuntel seines Umfanges verkürzte Uebersetzung ins cechische; am Schlusse desselben Jahrhunderts lieferte der Garel die Vorwürfe für eine Reihe von Wandmalereien, mit denen das Schloß Runkelstein|in Südtirol geschmückt wurde; und noch bis Ende des 15. Jahrh. waren alle drei Romane bekannt und gelesen.

    • Literatur

      Vom Garel kennen wir bisher gegen 9000 Verse, welche an verschiedenen Orten veröffentlicht sind: Auszüge aus der einzig vollständigen Linzer Papier-Handschrift lieferten J. V. Zingerle, Freskencyclus des Schlosses Runkelstein bei Bozen, herausgegeben vom Ferdinandeum in Innsbruck (1856), S. 6 ff.; derselbe in der Germania 3, 23—41; M. Walz im Jahresbericht des k. k. akad. Gymnasiums in Wien vom Jahre 1881 (dazu vgl. R. M. Werner im Anzeiger für deutsches Alterthum 9, 263—276). Den Inhalt von 18 Blättern einer besseren Pergamenthandschrift aus Meran machten bekannt A. Goldbacher in der Germania 8, 89—97 und J. V. Zingerle in den Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften phil.-hist. Classe Bd. 50, S. 449—558 (Wien 1865). — Den Meleranz gab K. Bartsch, Tübingen 1861 (60. Publication des Litt. Vereins), heraus, den Tandareis F. Khull, Graz 1885. — Das beste, was über den Dichter gesagt ist, bietet noch immer die Abhandlung von E. H. Meyer in der Zeitschrift f. deutsches Alterthum 12, 470—514; einzelne Differenzen meiner Auffassung von der seinen habe ich in den Göttinger gelehrten Anzeigen 1887 Nr. 21 dargelegt.

  • Autor/in

    Steinmeyer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Steinmeyer, Elias von, "Der Pleier" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 269-270 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118595008.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA