Lebensdaten
1834 bis 1886
Geburtsort
Bremen
Sterbeort
an der Mündung des Oranjeflusses (Südwestafrika)
Beruf/Funktion
Kolonialpionier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11857504X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lüderitz, Adolf
  • Luederitz, Franz Adolf Ed.
  • Lüderitz, Franz A.
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Zitierweise

Lüderitz, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11857504X.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (1801–78), Tabakgroßhändler in B., Förderer d. Dampfschiffahrt, S d. Philipp, hannov. Hauptm., später Kreiseinnehmer in Celle, u. d. Catharina Elisabeth Müller;
    M Wilhelmine (1812–83), T d. Auktionsverwalters Daniel Heinrich Schüßler in Ovelgönne b. Brake u. d. Anna Margarethe Eylers;
    B August (1839–1922), Mitarbeiter L.s, Bevollmächtigter d. Dt. Kolonialges. f. Südwestafrika;
    - Bremen 1866 Emilie Louise (1836–97), T d. Dr. iur. Carl von Lingen in B. u. d. Meta Schumacher;
    3 S, u. a. Adolf (1868–1920), Dr. med., Obermedizinalrat, Dir. d. Landesirrenanstalt Blankenhain b. Weimar.

  • Leben

    Nach dem Besuch einer Handelsschule und dreijähriger Lehrzeit im väterlichen Tabakhandelsunternehmen in Bremen bereiste L. die Tabakmärkte in den Vereinigten Staaten, fand in einem Bremer Handelshaus in Mexiko Anstellung und versuchte sich nach dem finanziellen Zusammenbruch dieses Unternehmens als Rancher. 1859 trat er in das väterliche Tabakgeschäft ein. Die Ehe mit einer reichen Bremerin machte ihn finanziell unabhängig. Nach dem Tod des Vaters übernahm er die Leitung der Firma, erwarb ein Landgut und führte ein Leben „halb als Tabakhändler und halb als Gutsherr“. Schließlich wandte er sich überseeischen Unternehmungen zu und konnte bereits im Frühjahr 1882 den Hauptanteil einer Handelsniederlassung in Lagos (Goldküste) erwerben. Im Mai 1883 schloß sein Bevollmächtigter Heinrich Vogelsang mit dem Namakapitän Joseph Frederiks in Bethanien einen Vertrag, durch den die Bucht von Angra Pequeña (Lüderitz-Bucht mit dem heutigen Lüderitz) mit Umgebung an L. abgetreten wurde; im Aug. 1883 folgte ein weiterer Vertrag, durch den er die Küste von der Mündung des Oranjeflusses bis 26° südl. Br. und 20 Meilen landeinwärts erhielt. Nachdem L. wiederholt vergeblich bei der Reichsregierung um den Schutz seiner Erwerbungen nachgesucht hatte, bedeutete die Erklärung des Reichsschutzes vom 24.4.1884 den definitiven Schritt zu einer deutschen Kolonialpolitik. An Bismarcks ablehnender Haltung sowie am Widerstand Englands scheiterte anschließend L.s weitergehender Plan, seinen südwestafrikan. Besitz quer durch Südafrika bis zur Santa-Lucia-Bai an der Ostküste zu einer großen transkontinentalen südafrikan. Siedlungskolonie – zur Aufnahme des deutschen Auswandererstromes – auszudehnen. In der Folgezeit schickte L. mehrere Expeditionen aus, die einerseits weitere Kaufverträge mit Häuptlingen abschließen und zum anderen nach nutzbaren Rohstoff-Lagerstätten forschen sollten. Insgesamt erwarb er ein Gebiet von 580 000 qkm mit etwa 200 000 Einwohnern. Da seine Unternehmungen inzwischen sein kleines Betriebskapital und sein Privatvermögen aufgezehrt hatten und sich seine Erwartungen rascher Gold- und Diamantenfunde nicht erfüllten, stand er bald vor dem finanziellen Ruin. Schließlich mußte er seine „Kolonie“ für 300 000 Mark in bar und 200 000 Mark in Anteilscheinen an die neugegründete Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Wahrscheinlich am 24.10.1886 ertrank L. mit einem Begleiter auf einer Forschungsfahrt in der Mündung des Oranje-Flusses.

  • Werke

    Die Erschließung v. Dt.-Südwest-Afrika durch A. L., Akten, Briefe u. Denkschrr., hrsg. v. C. A Lüderitz, 1945.

  • Literatur

    H. Henoch, A. L., 1909; zahlr. Btrr. üb. d. „Kolonialpionier“ L. in d. NS-Zeit, zu erwähnen nur:
    W. Schüßler, A. L., Ein dt. Kampf um Südafrika 1883–86, Gesch. d. ersten Kolonialpioniers im Za. Bismarcks, 1936 (P);
    ders., in: Die Gr. Deutschen V, 1937, S. 395-405;
    W. Gradmann, L. d. Kolonialpionier im Bismarckreich, in: Gr. Deutsche im Ausland, hrsg. v. H. J. Beyer u. O. Lohr, 1939, S. 319-35 (P);
    - F. Prüser, Carl Alexander|v. Weimar u. A. L., in: ZUG 4, 1959, S. 174-88;
    H.-U. Wehler, Bismarck u. d. Imperialismus, 1969;
    Gesch. in Gestalten, hrsg. v. H. Herzfeld, III, 1963, S. 69 f.;
    K. J. Bade, Friedrich Fabri u. d. Imperialismus, 1975;
    H. Gründer, Gesch. d. dt. Kolonien, 1985;
    H. Schnee (Hrsg.), Dt. Koloniallex. II, 1920, S. 465.

  • Portraits

    Das Buch d. dt. Kolonien, 1937, Nr. 15;
    E. G. Jacob, Dt. Kolonialpol. in Dokumenten, 1937, S. 96.

  • Autor/in

    Horst Gründer
  • Empfohlene Zitierweise

    Gründer, Horst, "Lüderitz, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 452 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11857504X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA