Lebensdaten
um 1300 bis 1350
Sterbeort
Mölln
Beruf/Funktion
keine Angaben
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118531360 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eulenspiegel, Till
  • Owlglass, Tyll
  • Till, Eulenspiegel
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Eulenspiegel, Till, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531360.html [20.11.2018].

CC0

  • Leben

    Es darf heute wohl als sicher gelten, daß ein Mann dieses Namens in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wirklich gelebt hat. Der Name ist um die Mitte des Jahrhunderts als Familienname in Braunschweig bezeugt, doch ist es ungewiß, ob seine Träger etwas mit E. zu tun haben. Für das 15. Jahrhundert läßt sich der Name auch in den Soester Stadtrechnungen nachweisen. Über E.s Tod gibt es mehrere, offensichtlich voneinander unabhängige Nachrichten, der Ort wird im „Volksbuch“ angegeben, der Grabstein mit der Jahreszahl ist zwar im 17. Jahrhundert erneuert, scheint aber auf ein älteres Vorbild zurückzugehen, und in der gegen 1500 geschriebenen ersten Weltchronik des Hermann Bote in Braunschweig sind Ort und Jahreszahl übereinstimmend angegeben.

    Am Anfang des 15. Jahrhunderts war Ulenspeygel schon als Träger bestimmter Schwankmotive bekannt, wie 2 Briefe des Dietrich von Nieheim und eines Freundes von 1411 beweisen. In der 2. Hälfte muß sich dann die Sammlung herausgebildet haben, die wahrscheinlich in Braunschweig entstand und zunächst durch einen wohl Lübecker Druck in niederdeutscher Sprache, der allerdings nur erschlossen werden kann, bekannt wurde. Die 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts bringt dann die erweiterte Ausgabe in hochdeutscher Sprache (Straßburg 1500, verloren), 1515 die erste uns überlieferte sowie eine wohl schon in die 20er Jahre gehörende, etwas gekürzte vlämische Ausgabe. Von diesen Drucken aus hat dann das Schwankbuch in Deutschland, England, Frankreich, den Niederlanden und darüber hinaus seine große Verbreitung gefunden.

    Über die ursprünglich mit der historischen Gestalt verbundenen Schwänke haben wir keine Sicherheit, wir können auch keine darin erscheinende Person auf E.s Lebenszeit bestimmt festlegen. Die uns entgegentretende Figur ist schon zeitlos, ihre Streiche werden vom Beginn des 12. Jahrhunderts bis um 1500 datiert, lassen sich mehrfach auch als übertragen nachweisen. Der bei Dietrich von Nieheim erwähnte Schwank vom Steinesäen gehört für uns schon nicht mehr zu den „eigentlichen“ Eulenspiegel-Streichen, als die wir vielmehr den „Wortwitz“, die wörtliche Befolgung eines Befehls und ähnliches, ansehen; dieser läuft zwar regelmäßig zum Schaden der Betroffenen aus, doch nicht durchaus zum Vorteil des Schalks, reine Betrügereien sind selten. Doch ist es nicht sicher, ob diese „Schicht“ tatsächlich die älteste ist, da sich die Schichtung schon nicht mehr völlig mit der unserer Überlieferung deckt. Jedenfalls wird seit den Drucken dieser E. allmählich zu einer dichterischen Gestalt, mit der sich sowohl Volkserzählung wie Kunstdichtung immer wieder beschäftigen. Ganz besonders belebt wird die Erinnerung im 19. Jahrhundert durch den Roman Charles de Costers (1868), der den E. als vlämischen Freiheitshelden in Anspruch nimmt; seitdem hat die Gestalt auch die deutsche Literatur immer aufs neue angeregt. Vor allem in Norddeutschland ist die E.-Gestalt zu einem symbolischen Vertreter von urtümlichem, natürlichem Volkswitz und sogar alter „Volksweisheit“ geworden.

  • Werke

    Ausgg.: Dr. Thomas Murners Ulenspiegel, hrsg. v. J. M. Lappenberg, 1854; T. E., Abdruck d. Ausg. v. J. 1515 (besorgt v. H. Knust], = Neudrucke dt. Lit.werke d. 16. u. 17. Jh. 55/56, 1884;
    Faks.-Ausg., mit Einl. v. E. Schröder, 1910; Ulenspiegel, krit. hrsg. v. W. Krogmann, = Niederdt. Drucke XI, 1952.

  • Literatur

    Ch. Walther, Zur Gesch. d. Volksbuches v. E., in: Niederdeutsches Jahrbuch 19, 1893, S. 1-79;
    R. Petsch, Wer war T. E.?, ebd. 62, 1937, S. 131 ff.;
    W. Krogmann, Zur Überlieferung d. „Ulenspiegel“, ebd. 67/68.1942, S. 79-112;
    W. D. Brie, E. in England, in: Palaestra 27, 1903;
    L. Mackensen, Die dt. Volksbücher, 1927;
    G. Henssen, T. E. in westfäl. Volkserzz., in: Zs. d. Ver. f. rhein. u. westfäl. Volkskde. 27, 1930;
    H. Heimpel, Dietrich v. Niem, 1932;
    W. Hilsberg, Der Aufbau d. E.-Volksbuches v. 1515, Diss. Hamburg 1933 (ungedr.);
    L. Mackensen, Die Entstehung d. Volksbuches v. E., in: Germ.-Roman. Mschr. 24, 1938;
    E. A. Roloff, Ewiger E., 1940;
    O. Debus, T. E. in d. dt. Volksüberlieferung, Diss. Marburg 1951 (ungedr.);
    G. Cordes, Die Weltchron. v. H. Bote, in: Braunschweig. Jb. 33, 1952, S. 75 ff.;
    W. Krogmann, in: Vf.-Lex. IV, Sp. 555-70 (L);
    Goedeke I, S. 344-47;
    Kosch, Lit.-Lex. (Behandlung u. L). – Darst. i. d. Dichtung durch L. Bäte, G. Hauptmann, M. Jahn, Klabund, O. E. Kiesel, J. Nestroy, W. v. Niebelschütz, P. Schurek, F. Wedekind, in d. Musik durch R. Strauß u. E. N. v. Rezniček. – Eulenspiegelmus. in Schöppenstedt (Braunschweig) u. Mölln;
    Denkmäler u. a. in Schöppenstedt, Braunschweig u. Mölln.

  • Autor/in

    Gerhard Cordes
  • Empfohlene Zitierweise

    Cordes, Gerhard, "Eulenspiegel, Till" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 685 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531360.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA