Lebensdaten
1812 bis 1883
Geburtsort
Helmstedt
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Chirurg
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118516280 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bruns, Victor von
  • Bruns, Viktor von
  • Bruns, Victor von
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Zitierweise

Bruns, Viktor von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118516280.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Karl Georg s. (1);
    Karoline Crone aus Hamburg;
    S Paul s. (3).

  • Leben

    B. widmete sich 1830-33 auf dem Collegium Carolinum in Braunschweig naturwissenschaftlichen Studien und studierte dann Medizin in Tübingen, wo er promovierte. Darauf war er ein Jahr an den medizinischen, chirurgischen und geburtshilflichen Kliniken Halle und Berlin tätig und erhielt 1837 vom Braunschweiger Obersanitätskollegium die Approbation. Dort ließ er sich als praktischer Arzt nieder, hielt aber schon 1838 Vorlesungen über Anatomie am Collegium anatomico-chirurgicum, wo er 1839 zum Professor ernannt wurde. Nachdem er auf einer Reise durch Deutschland und Frankreich seine chirurgischen Kenntnisse ergänzt hatte, wurde er Ostern 1842 Professor der Chirurgie und Leiter des Herzoglichen Krankenhauses in Braunschweig. Frühjahr 1843 erhielt B. einen Ruf als ordentlicher Professor für Chirurgie und Direktor der chirurgischen Klinik in Tübingen, um deren Neubau (1846) er sich große Verdienste erwarb. Außer der eigentlichen Chirurgie vertrat er bis 1867 auch die Augenheilkunde.

    B. wurde zum Begründer der modernen operativen Laryngologie. Am 20.7.1861 gelang ihm als erstem die Entfernung eines Kehlkopfpolypen auf endolaryngealem Weg. Als einer der ersten deutschen Chirurgen verwandte er auch seit 1847 den Schwefeläther zur Narkose. Auch auf anderen Gebieten der Chirurgie (Extremitäten-Galvanochirurgie) leistete B. Grundlegendes. Verdienstvoll ist ferner die Einführung der Baumwolle als Verbandmittel, das heute noch als B.'sche Verbandwatte bezeichnet wird. In die letzte Zeit seiner Tätigkeit fiel die Einführung der Listerschen Antisepsis, deren Bedeutung er voll würdigte, gegen deren übertriebene Anwendung als Carbolspray im Operationssaal er sich aber energisch wandte („Fort mit dem Spray“). B. zahlreichen Monographien liegen größtenteils eigene Beobachtungen mit von ihm veranlaßten Abbildungen zugrunde. 1854 lehnte er eine Berufung nach Kiel als Nachfolger von Georg Friedrich Louis Stromeyer ab.

  • Literatur

    ADB XLVII (W);
    E. Gurlt, in: Archiv f. klin. Chirurgie 29, 1883, S. 200 (W-Verz.);
    Schwäb. Merkur, 1883, S. 485;
    Österlen, in: Med. Corr.bl. d. württ. ärztl. Ver. 53, 1883, S. 74;
    L. Makowsky, 5 Jh. Chirurgie in Tübingen, 1949;
    H. Killian-G. Krämer, Meister d. Chirurgie…, 1951, S. 111 f. (P);
    BLÄ I.

  • Portraits

    Ölgem. v. R. Risse (Univ. Tübingen), Abb. in: R. Scholl, Die Bildnisslg, d. Univ. Tübingen, 1927;
    Holzschnitt in: LIZ 80, 1883, S. 299.

  • Autor/in

    Eberhard Stübler
  • Empfohlene Zitierweise

    Stübler, Eberhard, "Bruns, Viktor von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 687 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118516280.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bruns: Victor von B. ist am 9. August 1812 in Helmstedt geboren. Er besuchte und absolvirte das Gymnasium in Braunschweig und begann auch dort seine medicinischen Studien. Nachdem er den Doctor gemacht hatte, ging er zu weiteren Studien nach Halle und Berlin und ließ sich 1837 in Braunschweig als praktischer Arzt nieder. Neben der Praxis hielt B. anatomische Vorlesungen und wurde 1839 in Braunschweig Professor der Anatomie. Aus jener Zeit stammt sein „Lehrbuch der allgemeinen Anatomie des Menschen nach eigenen Untersuchungen“ (Braunschweig 1841). Um auch chirurgische Collegien abhalten zu können, machte B. dann eine größere Reise und besuchte viele Universitäten Deutschlands, Wien und Paris.

    1843 erging ein Ruf aus Tübingen als Ordinarius der Chirurgie an ihn, dem er Folge leistete. B. fing dort mit sehr kleinen Verhältnissen an, wußte aber mit großer Energie den Stand der Klinik auf ein wesentlich höheres Niveau zu heben. Er war sowol als Arzt wie als Lehrer außerordentlich gewissenhaft, und unablässig bemüht, Material und Besuch der Klinik|zu mehren. Seine Kenntnisse der Anatomie und Pathologie sowol wie seine eingehende Beschäftigung mit der Mikroscopie kamen ihm als Lehrer besonders zu statten. Außerdem zeichnete sich sein Vortrag stets durch scharfe Logik aus. Von der Anregung, die er seinen Schülern für wissenschaftliche Arbeiten zu geben wußte, zeugen die zahlreichen unter seinem Einfluß entstandenen Dissertationen. Seine eigenen Arbeiten zerfallen in drei Gruppen: 1. Das Handbuch der praktischen Chirurgie: a) „Die chirurgischen Krankheiten und Verletzungen des Gehirns und seiner Umhüllungen“ (Tübingen 1854), b) „Die chirurgische Pathologie und Therapie der Kau- und Geschmacksorgane“ (Tüb. 1859), c) „Die Durchschneidung der Gesichtsnerven bei Gesichtsschmerzen" (Tüb. 1859), „Chirurgischer Atlas“ (1853 und 1859). 2. Die laryngologischen Arbeiten: „Die erste Ausrottung eines Polypen in der Kehlkopfhöhle durch Zerschneiden, ohne blutige Eröffnung der Luftwege“ (Tübingen 1862; Nachträge 1863), „Die Laryngoscopie und laryngoscopische Chirurgie“, mit Atlas (Tübingen 1868 und 1873), „Dreiundzwanzig neue Beobachtungen von Polypen des Kehlkopfes“ (Tüb. 1868). 3. Das Handbuch der chirurgischen Praxis: „Die chirurgische Heilmittellehre“ (Tübingen 1868 bis 1873), „Die Arzneioperationen oder Darstellungen sämmtlicher Methoden der manuellen Application von Arzneistoffen" (Tüb. 1869), „Die Galvanochirurgie oder Galvanokaustie und Elektrolysie bei chirurgischen Krankheiten" (Tüb. 1870), „Die galvanokaustischen Apparate und Instrumente, ihre Handhabung und Anwendung“ (Tüb. 1879). 1844 erschien seine Arbeit „Ueber das Verfahren der Amputation mit Zirkelschnitt und vorderem Hautlappen“. — Ursprünglich wollte B. auf Grund aller vorhandenen wissenschaftlichen und praktischen Arbeit aller Länder und gegründet auf seine eigene große Erfahrung die gesammte Chirurgie beschreiben in einem allgemeinen und einem speciellen Band zur unmittelbaren Verwerthung am Krankenbett. Das Werk konnte jedoch nach den ersten zwei Bänden nicht fortgeführt werden, da B. sich dann ganz der Laryngochirurgie zuwandte, die er recht eigentlich geschaffen und ausgebaut hat und in seinem 1865 erschienenen Buch „Laryngoscopie“ etc. nach ihrer technischen wie theoretischen Seite als neues Gebiet der operativen Chirurgie mit Vollständigkeit darstellte. Sein „Handbuch der chirurgischen Praxis“, in dem Galvanokaustik und Elektrolyse schon Berücksichtigung finden, gehört zu den besten Handbüchern der Chirurgie, die geschrieben worden sind. Später widmete sich B. nochmals der Laryngochirurgie und machte ausgedehnte Versuche, einen brauchbaren Phonationsapparat zu schaffen. Am 26. October 1881 traf B. ein Schlaganfall, von dem er sich zwar erholte, der ihn jedoch zwang, im Februar 1882 um seine Pensionirung einzukommen. Von den Folgen eines weiteren Schlaganfalls mit schweren Lähmungen erlöste ihn eine Lungenentzündung am 18. März 1883. B. gehörte zu den ersten Chirurgen des Jahrhunderts, sein Ruhm und seine Praxis gingen weit über Deutschland hinaus. Als 1854 an ihn ein Ruf nach Kiel erging, blieb er Tübingen treu. Von dort aus machte er auch die Feldzüge 1866 und 1870/71 als consultirender Chirurg mit den württembergischen Truppen mit.

    • Literatur

      Mögling, Nekrolog auf Bruns, Berliner klin. Wochenschr. 1883.

  • Autor/in

    Hildebrand.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hildebrand, Otto, "Bruns, Viktor von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 312-313 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118516280.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA