Lebensdaten
1752 – 1821
Geburtsort
Allstedt bei Weimar
Sterbeort
Ilmenau (Thüringen)
Beruf/Funktion
Mineraloge ; Montanist ; Bergrat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117472255 | OGND | VIAF: 57393099
Namensvarianten
  • Voigt, Johann Carl Wilhelm
  • Voigt, Jo. Carl Wilh.
  • Voigt, Joh. Carl Wilhelm
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Voigt, Johann Carl Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117472255.html [24.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    B Christian Gottlob v. V. (s. 1);
    1) Friederike Schall ( 1798), 2) Johanne Elisabeth Friederike Burckardt (1763–1835), aus I.;
    1 S aus 1) Bernhard Friedrich (1787–1859, 1] Marie Bernhardine Christiane Cramer, 1790–1831, aus Nordhausen, 2] Charlotte Janel, 1833, aus Hanau, 3] Rosalie Kulenkamp, 1806–75, aus Bremen), Buchhändler in W., Schriftst., ghzgl. sachsen-weimar. Kommissionsrat (s. ADB 40), 1 T aus 1) Caroline Friederike (* 1785, Siegmund Friedrich Ferdinand Voigt, * 1785, hzgl. sächs. Amtsadjunktus in Oberweimar);
    E Karl August Anton (1814–77), Verlagsbuchhändler in W., Henriette Franziska (1819–41, Ferdinand Jansen, * 1808, Dr., Buchhändler in W.), Luise Ferdinande (1820–91, Ferdinand Jansen, s. o.), Karoline Henriette (1822–87, Johann Wilhelm Pohlig, * 1820, Buchhändler in Teplitz), Friederike Wilhelmine Philippine (* 1824, Johann Neumeyer, * 1819, Hotelbes. in Meiningen), Fanny (1840–98), Lehrerin am Sophienstift in W., Christian Heinrich Ferdinand (1828–1902), Verlagsbuchhändler in W., August Wilhelm (1831–87), Verlagsbuchhändler in W.

  • Biographie

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Univ. Jena 1773–75 studierte V. 1776–79 auf Anregung des Marienberger Bergmeisters Friedrich Wilhelm Heinrich v. Trebra und befürwortet von Hzg. Carl August und Johann Wolfgang v. Goethe an der Bergakademie in Freiberg (Sachsen) bei Johann Friedrich Wilhelm v. Charpentier (1738–1805) und Abraham Gottlob Werner (1749–1817), dessen neptunistische Systematik er anfangs übernahm. Nach Werner ist die Gesamtfolge der Gesteine letztlich durch Kristallisation und Sedimentation im Meer bedingt.

    Nach dem Studium trat V. in den Staatsdienst des Ghzgt. Sachsen-Weimar-Eisenach, um mineralogische Untersuchungen durchzuführen. 1781 / 82 erfolgten geognostische Reisen in den Harz und nach Fulda. 1783 ernannte ihn Goethe, mit dem er – wie der ausführliche Briefwechsel dokumentiert – durch geologische Interessen seit 1776 lebenslang verbunden war, zum Bergsekretär zu Weimar und 1789 zum Bergrat in Ilmenau, wo ihm die Leitung der Bergwerke übertragen wurde. V.s Versuch einer langfristigen Etablierung des Ilmenauer Bergbaus blieb ohne Erfolg.

    Bedeutsam ist V.s Streit mit Werner, dessen Systematik der Gesteine er in ihrem Grundaufbau übernahm, aber in zwei wesentlichen Punkten variierte. Zum einen war V. der Meinung, daß Basalt nicht nach dem neptunistischen Grundmuster entstanden sei. Zum anderen widersprach er der Auffassung Werners, wonach Basalt als große Gesteinslage sedimentierte, die dann durch Erosion abgetragen wurde und so als einzelne verstreute Basaltkappen erhalten blieb. Demgegenüber vertrat V. die Auffassung, daß Basalt vulkanischen Ursprungs sei und demnach die Basaltvorkommen unterschiedlich alt seien. Zudem nahm V. nicht nur lokale, sondern auch großflächige vulkanische Aktivität an, so daß ganze Gebirgszüge durch vulkanische Aktivität emporgehoben werden konnten, was Werner ablehnte. Dabei bezieht sich V. auch explizit auf aktualistische Positionen. V.s geologische Aufnahmen des Thüringer Beckens zeigen in den von ihm erarbeiteten Längsschnittmodellen tektonische Hebungen als Entstehungsursache verschiedener Gebirgszüge, womit er die Lagerungsverhältnisse der Gesteine abweichend zu Werners statischer Auffassung interpretierte. Dieser Disput wurde seit 1785 in verschiedenen Schriften und Erwiderungen öffentlich ausgetragen. In seinem wichtigsten Werk „Praktische Gebirgskunde“ (1792, ²1797) unterschied V. erstens uranfängliche Gebirgsarten, wie Granit, Gneis und Glimmerschiefer, zweitens Flözgebirgsarten mit zwei Untergruppen (Steinkohleschichten sowie Lagen von Rotliegendem, Zechstein, Muschelkalk, Sandstein, Kreide und Braunkohle), drittens vulkanische Gebirge, wie Basalt und Lava, sowie viertens aufgeschwemmte Gebirgsarten, die nicht im Meer, sondern infolge von Überschwemmungen entstanden seien. Weitere Studien V.s widmeten sich der|Frage der Verkohlung sowie dem Vorkommen und den Systematiken der Stein- und Braunkohle und des Torfes. In seinem „Versuch einer Geschichte der Steinkohle, Braunkohle und des Torfs“ (1802) suchte er zu zeigen, daß diese Gesteine aus einer massenhaften Anhäufung verschiedener Pflanzen entstanden sind, welche durch eine Art Gärung umgewandelt worden waren. Neben einer Fülle von geologischen Exkursionsberichten publizierte V. auch das mineralogische Lehrbuch „Kleine mineralogische Schriften“ (1800) in zwei von ursprünglich drei projektierten Bänden. Seine auf der Systematik Werners aufbauenden mineralogischen Lehrbücher wurden in der dt. Geognosie breit rezipiert und von Johann Georg Lenz (1748–1832) aufgenommen, wobei besonders V.s klare Differenzierung der Schwarz-(Stein-)kohlen- und Braunkohlenformation bedeutsam war. Durch die massive Dominanz von Werner konnten sich die richtigen Erkenntnisse V.s nicht durchsetzen. Sein Nachwirken ist verbunden mit dem erstarkenden Interesse an Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten, als dessen Gewährsmann in praktischgeologischen Arbeiten V. fungierte.

  • Auszeichnungen

    |Ehrenmitgl. d. Soc. f. d. gesamte Mineral. z. Jena (1798);
    Mitgl. d. Leopoldina (1790);
    Bergrat-V.-Str. in Ilmenau u. Erfurt.

  • Werke

    |Drey Briefe über d. Gebirgslehre, 1785;
    Mineral. u. bergmänn. Abhh., 1784–91;
    Was ist Basalt, ist er vulkan. oder nicht, 1789;
    Gen.tab. d. sämmtl. jetzigen Gebirgsarten, 1792;
    Ueber d. Basalt, 1793;
    Gesch. d. Ilmenau. Bergbaues, nebst e. geognost. Darst. d. dasigen Gegend u. e. Plane, wie d. Werk mit Vortheil wieder anzugreifen, 1821 (P).

  • Literatur

    |ADB 40;
    G. Breitfelder, J. C. W. V., seine wiss. Anschauung, Kommunikation u. Kooperation als Mineraloge d. Hzgt. Sachsen-Weimar-Eisenach, Diss. Jena 2005;
    Complete DSB;
    Pogg. II;
    Weimar Lex. (P).

  • Porträts

    |Gem. v. C. Brand, 1811, Abb. in: Weimar Lex.;
    Kupf. v. G. F. Vogel, um 1810 (u. a. Wien, Österr. Nat.bibl.;
    Halberstadt, Gleimhaus).

  • Autor/in

    Olaf Breidbach †
  • Zitierweise

    Breidbach, Olaf, "Voigt, Johann Carl Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 61-62 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117472255.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Voigt: Johann Karl Wilhelm V., zuletzt seit 1789 Bergrath in Ilmenau, erfahrener Bergmann und Geognost, besonders berühmt durch seinen Streit mit Werner, in welchem er gegen die neptunische Theorie des letzteren die vulkanische Entstehung des Basaltes zu beweisen suchte, war am 20. Februar 1752 zu Allstädt im Weimarschen geboren und bezog nach Vollendung seiner Jugendbildung die Universität Jena, wo er (1773—1775) die Vorlesungen über Rechtswissenschaft besuchte. 1776 bezog er die Bergakademie zu Freiberg, an der eben erst der später so berühmte Werner (1775) als Lehrer der Bergbaukunst und der Mineralogie zu wirken begonnen hatte, in dessen Geiste auch Voigt's erste wissenschaftlichen Veröffentlichungen abgefaßt sind. Durch größere Reisen machte V. sich genaue und umfassende Kenntnisse der verschiedenartigsten Gebirgsverhältnisse zu eigen, welche ihn nach und nach auch zu einer neuen Auffassung der später als vulkanische Bildungen bezeichneten Gesteine führten. Erst nachdem Werner durch seine Schrift: „Bekanntmachung einer am Scheibenberger Hügel über die Entstehung des Basaltes gemachten Entdeckung“ 1788, seine neptunische Theorie neu zu begründen versucht hatte, trat V. offen in dem Kampf für die vulkanische Entstehung des Basaltes gegen Werner auf, namentlich in den Schriften: „Mineral, und bergmännische Abhandlungen“ 1784—1791, und in der wichtigsten seiner zahlreichen Schriften: „Praktische Gebirgskunde“ 1792; 2. Aufl. 1797. In letzterem Werke unterschied V. 1. uranfängliche Gebirgsarten, wie Granit, Gneiß, Glimmerschiefer u. s. w., die zuweilen auch Kalklager umschlössen, dann 2. Flötzgebirgsarten in zwei Unterabtheilungen, nämlich ältere wie z. B. die Steinkohlenschichten und jüngere wie Rothtodtliegendes, Zechstein, Muschelkalk, Sandstein (z. B. von Pirna), Kreide, Braunkohlen u. s. w., 3. Vulkanische Gebirge wie Basalt, Lava und schließlich 4. aufgeschwemmte Gebirgsarten, die nicht im Meere, sondern infolge von Ueberschwemmungen entstanden seien. Bezüglich der Gebirgsbildung glaubte V. annehmen zu müssen, daß die ursprünglich unter Wasser gestandenen Gesteine durch Hebungen zu Festland emporgeschoben worden seien. An diese Veröffentlichung schließt sich eine weitere Publication: „Generaltabelle der sämmtlichen jetzigen Gebirgsarten“ (1792). Viele seiner übrigen Schriften beziehen sich auf Schilderungen einzelner Gegenden und Gebirge, die er besucht hatte, wie: „Mineral. Reisen durch das H. Weimar und Eisenach“ (1781—1785); „Mineral. Beschreibung des Hochstifts Fulda“ (1783 und 1791); „Reise von Weimar über den Thüringer Wald“ (1787); „Mineral. Reisen nach den Braunkohlenwerken in Hessen" (1802); „Geschichte des Ilmenauer Gebirgsbaus" und Fortsetzung (1796); „Ueber das Rhöngebirge" (1781); „Beiträge zur Geschichte der Flötzgebirge" (1781); „Kurze Nachrichten vom Ehrenberg" (1787); Preisschrift „Ueber d. Thonschiefer u. s. w." (1788); „Ueber ehemalige Goldbergwerke zu Steinheide" (1790); „Erklärendes Verzeichniß von Gebirgsarten" (1792); „Daß Aquamarin und Topas eine Gattung ausmachen" (1786—87); „Beiträge zur Geschichte der Flötzgebirge (1781); „Was ist Basalt, ist er vulkanisch oder nicht" (1789); Zusätze zu Langsdorf's Salzwerkskunde (1790); „Ueber den Basalt" (1793); „Nachrichten über die Blitzröhren" (1805); „Ueber gediegen Gold im Schwarzagrund“ u. s. w. Von besonderer Wichtigkeit ist sein Werk: „Versuch einer Geschichte der Steinkohle, Braunkohle und des Torfs“ (1802), worin er den Ursprung dieser Mineralsubstanzen von einer massenhaften Anhäufung verschiedener Pflanzen, welche durch eine Art Gährung umgewandelt worden wären, abzuleiten suchte. V. starb am 1. Januar 1821 als Bergrath zu Ilmenau.

    • Literatur

      Poggendorff's Biogr. — Meusel II.

  • Autor/in

    v. Gümbel.
  • Zitierweise

    Gümbel, Wilhelm von, "Voigt, Johann Carl Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 205 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117472255.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA