Lebensdaten
1776 bis 1835
Geburtsort
Göttingen
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Naturwissenschaftler ; Chemiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117345822 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Stromeyer, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117345822.html [01.05.2017].

CC0

Stromeyer, Friedrich

Chemiker, * 2. 8. 1776 Göttingen, 18. 8. 1835 Göttingen.

  • Genealogie

    V Johann Friedrich (1750–1830), aus G., 1776 Stadtphysicus ebd., ao., 1784 o. Prof. d. Med. ebd., hann. HR (s. NND VIII; BLÄ); M Marie Magdalene Blum, verw. Röhden; N. N.; 1 S Eduard Christian Friedrich (1807–78), Dr. med., 1844 Sekr., 1874–78 Unterbibl. an d. Univ.bibl. in G., 1836 PD, Schmetterlingssammler (s. Pogg. II; Hann. Biogr. Lex.; BLÄ), 3 T; Verwandter Louis (s. 2).

  • Leben

    S. studierte 1793–99 in Göttingen Medizin, wo Johann Friedrich Gmelin (1748–1804) sein Interesse auf die Chemie und Pharmazie lenkte. Er setzte deshalb sein Studium in Paris an der École Polytechnique bei Louis Nicolas Vauquelin (1763–1829), einem der namhaftesten Chemiker seiner Zeit, fort. 1800 wurde er in Göttingen mit einer Dissertation über Pflanzengeographie zum Dr. med. promoviert (Historiae vegetabilium geographicae specimen). Danach begab er sich auf eine wissenschaftliche Reise nach Paris, Südfrankreich und in die Schweiz, bei der er sich endgültig von der Medizin ab- und der Chemie zuwandte. 1802 habilitierte er sich|und wurde Privatdozent. Nach dem Tod Gmelins wurde S. 1805 ao. Professor und Direktor des chem. Laboratoriums, 1810 Ordinarius für Chemie und Pharmazie in Göttingen.

    Da S. während seines Studiums das Fehlen eines regulären chem. Praktikums bemerkt hatte, bot er zunächst einen Kurs in praktischer Chemie als Privatissimum an, seit 1810 einen allgemeinen Kurs in analytischer Chemie. Der Kurs richtete sich vorrangig an Medizinstudenten, die in einem Labor quantitative anorganische Analysen ausführten und zusätzlich von S. ausgegebene Substanzen qualitativ analysierten.

    S. arbeitete auch selbst vorrangig anorganisch-analytisch und befaßte sich vielfach mit Mineralanalysen. 1817 wurde er zum Hofrat befördert und mit der Apothekenaufsicht im gesamten Kgr. Hannover betraut. Im selben Jahr stellte er dabei fest, daß in einigen Apotheken Zinkcarbonat anstelle von Zinkoxid verkauft wurde, da letzteres, bezogen von einer chem. Fabrik in Salzgitter, beim Glühen eine gelbrote Tönung annahm, was den Verdacht erregte, das Präparat sei mit Eisen kontaminiert. Eigene Untersuchungen S.s ergaben, daß das fragliche Zinkoxid ein mit Zink chemisch nahe verwandtes bislang unbekanntes Element enthielt, das er isolieren und als Metall rein darstellen konnte. Wegen seines Vorkommens in Verbindung mit Zink nannte S. das neue Element Cadmium (nach dem Trivialnamen für Zinkcarbonat, Cadmia fornacum). Während seiner Untersuchungen erhielt S. eine Probe eines in einer Fabrik in Schönebeck (Schlesien) hergestellten Zinkoxids und konnte auch daraus Cadmium isolieren und dessen chem. Eigenschaften näher bestimmen (Ein neu entdecktes Metall u. Analyse e. neuen Minerals, in: Journal f. Chemie u. Physik, hg. v. J. S. Ch. Schweigger, 21, 1817, S. 297–306).

    Neben zahlreichen Einzeluntersuchungen zu Mineralien publizierte S. eine „Tabellarische Übersicht der chemisch einfachen und zusammengesetzten Stoffe“ (1806). Seine Bedeutung liegt einerseits in seiner Pionierleistung bei der Gestaltung des chem. Unterrichtswesens, andererseits in seinen hervorragenden anorganisch-analytischen Kenntnissen, mit deren Hilfe ihm die Entdeckung des Elements Cadmium gelang. Seine bedeutendsten Schüler waren Eilhard Mitscherlich (1794–1863) und Robert Bunsen (1811–99).

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. zahlr. gel. Gesellschaften u. a. o. Mitgl. d. Göttinger Ak. d. Wiss. (1806); Ehrenmitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1818); korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1818). W zahlr. Einzelpubll., meist in: Journal f. Chemie u. Physik, hg. v. J. S. Ch. Schweigger; Grundriss d. theoret. Chemie, 1808; Unters. über d. Mischung d. Mineralkörper u. anderer damit verwandter Substanzen, 1822.

  • Literatur

    L G. A. Ganß, Gesch. d. pharmazeut. Chemie an d. Univ. Göttingen, Diss. Göttingen 1937, S. 34–45 (P); E. Pilgrim, Entdeckung d. Elemente, 1950, S. 197–99; G. Lockemann u. R. E. Oesper, F. S. and the history of chemical laboratory instruction, in: Journal of chemical education 30, 1953, S. 202–04; W. Prandtl, Dt. Chemiker in d. 1. Hälfte d. 19. Jh., 1956, S. 152–54 (P); M. E. Weeks, Discovery of the Elements, 71968, S. 502–09 (P); Göttinger Gel. I, S. 88 (P); Lex. bed. Chemiker; Pogg. II, VII a Suppl.; – zur Fam.: G. v. Wilcke, Der Chemiker F. S., Vorfahren u. Seitenverwandte, in: Archiv f. Sippenforschung 33/34, 1967/68, 130–34 (P).

  • Autor

    Claus Priesner
  • Empfohlene Zitierweise

    Priesner, Claus, "Stromeyer, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 578-579 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117345822.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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