Lebensdaten
1864 bis 1925
Geburtsort
Rüdesheim/Rhein
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Indogermanist ; Germanist ; Linguist ; Professor der Indogermanischen Sprachwissenschaft in Leipzig
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117317500 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Streitberg, Wilhelm August
  • Streitberg, Guilelmus
  • Streitberg, W.
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Zitierweise

Streitberg, Wilhelm, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117317500.html [05.12.2016].

CC0

Streitberg, Wilhelm August

Indogermanist, Germanist, * 23. 2. 1864 Rüdesheim/Rhein, 19. 8. 1925 Leipzig. (katholisch)

  • Genealogie

    V Gustav (1820–1902), Amtsger.rat, S d. Wilhelm, gfl. walderdorff. Oberbeamter u. Rat; M Wilhelmina Pauli (1825–91); Leipzig 1904 Gertrud (* 1874), T d. August Leskien (1840–1916), o. Prof. f. slav. Sprachen in L. (s. NDB 14); 1 S, 2 T.

  • Leben

    S. nahm nach dem Abitur in Wiesbaden 1884 in Münster das Studium der Vergleichenden Sprachwissenschaft, der Germanistik und anderer philologischer Fächer auf, das er 1885 in Leipzig fortsetzte, wo ihn zunächst Friedrich Zarncke und Ernst Windisch, dann v. a. Karl Brugmann und August Leskien beeinflußten. In Leipzig wurde er 1888 promoviert; seine Dissertation „Die Abstufung der Nominalsuffixe -io- und -ien- im Germanischen und ihr Verhältnis zu der des Indogermanischen“ (erweitert in: Btrr. z. Gesch. d. dt. Sprache u. Lit. 14, 1889, S. 165–231) behandelte die damals bes. aktuelle Frage nach dem Zusammenhang des Ablauts mit der Stamm- und Formenbildung und mit dem Akzent. An sie knüpften später auch noch Arbeiten wie „Zur germanischen Sprachgeschichte“ (1892) über die sog. Langdiphthonge sowie der Aufsatz „Die Entstehung der Dehnstufe“ (in: Indogerman. Forsch. 3, 1894, S. 305–416) an. Nach weiteren Studien in Berlin (1888/89) habilitierte sich S. 1889 in Leipzig für Germanische Philologie und Indogermanische Sprachwissenschaft mit der Schrift „Perfective und imperfective Actionsart im Germanischen“ (in: Btrr. z. Gesch. d. dt. Sprache u. Lit. 15, 1891, S. 70–177). Hier sollte die Frage geklärt werden, ob Aspektunterschiede beim Verbum, wie man sie aus dem Slavischen kennt, auch im Germanischen zu finden sind. S. betonte, daß das Vorhandensein einer solchen grammatischen Kategorie nur durch morphologische Fakten erwiesen werden kann, und führte anhand der Funktion des Präverbs got. ga (das imperfektive Verben zu perfektiven macht) den Nachweis, daß durch die sog. Tempora des indogerman. Verbums nicht Zeitstufen unterschieden werden, sondern Aspekte, v. a. daß der Aorist den perfektiven Aspekt bezeichnet. Diese Arbeit, die einer in der griech.-röm.-abendländ. Grammatik-Tradition unbekannten syntaktischen Kategorie gewidmet ist, stellte einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der vergleichenden Syntax der indogerman. Sprachen dar.

    Unmittelbar nach der Habilitation wurde S. zum o. Professor der Indogermanischen Sprachwissenschaft und des Sanskrit an der neugegründeten kath. Univ. in Freiburg (Schweiz) ernannt. Dieses Amt gab er 1898 zusammen mit sieben anderen reichsdt. Professoren wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Dominikanerorden und mit der Erziehungsdirektion des Kantons auf. Die Gründe hierfür legte S. 1898/99 in zwei Schriften dar. Als Privatdozent ging er wieder nach Leipzig, wurde 1899 zum ao., 1906 zum o. Professor der Indogermanischen Sprachwissenschaft und des Sanskrit an der Univ. Münster berufen und schließlich 1909 auf den neuerrichteten Lehrstuhl für Indogermanische Sprachwissenschaft in München. Von dort kehrte er 1920 als Nachfolger seines Lehrers Brugmann nach Leipzig zurück.

    Berühmt wurde S. durch grundlegende Arbeiten zum Germanischen und insbesondere zum Gotischen; das Wissen jener Zeit über die Vorgeschichte der german. Sprachen ist erstmals systematisch zusammengefaßt in „Urgermanische Grammatik, Einführung in das vergleichende Studium der germanischen Dialekte“ (1896). Dem Ziel einer vollständigen Erschließung des Gotischen widmete er zuerst das „Gotische Elementarbuch“|(1897, 5/61920), das auch phonetische Gesichtspunkte berücksichtigte und lange Zeit maßgebend blieb. Viele philologische wie auch sprachwissenschaftliche Detailfragen klärte S. im Laufe seiner langjährigen Beschäftigung mit dieser Sprache, die in der musterhaften Edition der gotischen Sprachdenkmäler kulminierte: „Die gotische Bibel, Teil I: Der gotische Text und seine griechische Vorlage“ (1908), ergänzt durch „Teil II: Gotisch-griechisch-deutsches Wörterbuch“ (1910). Dieses bedeutsame Werk stellt noch heute die grundlegende Ausgabe von Wulfilas Bibelübersetzung dar, zumal da S. auch Probleme der Textgeschichte behandelte und sich nicht nur um die Herstellung des gotischen Textes, sondern auch um die der (synoptisch danebengestellten) griech. Vorlage bemühte, die er möglichst genau festzulegen versuchte.

    Später wandte sich S. stärker der Geschichte der Sprachwissenschaft zu und initiierte eine großangelegte, infolge der Zeitumstände und S.s Tod unvollendet gebliebene „Geschichte der indogermanischen Sprachwissenschaft seit ihrer Begründung durch Franz Bopp“. Der erste, allgemeine Teil, in dem S. selbst die Entwicklung der Indogermanistik seit F. Bopps Erstlingswerk von 1816 und die Weiterentwicklung der sprachvergleichenden Methode darstellen wollte, kam nicht zustande, vom zweiten Teil gaben V. Michels und M. H. Jellinek postum „Die Erforschung der indogermanischen Sprachen. II: Germanisch. 1. Allgemeiner Teil und Lautlehre“ (1927–36) heraus.

    S. war die Triebfeder zur Gründung der „Indogermanischen Gesellschaft“ 1912, zudem Mitbegründer und Herausgeber der „Indogermanischen Forschungen“ und ihres Beiblattes „Anzeiger für indogermanische Sprach- und Altertumskunde“ (seit 1891), des „Indogermanischen Jahrbuchs“ (seit 1914) sowie mehrerer Buchreihen, darunter der „Germanischen Bibliothek“ und der „Indogermanischen Bibliothek“.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (ao. 1909, o. 1911, ausw. 1920), d. Sächs. Ak. d. Wiss. (o. 1921), d. Jablonowskischen Ges., Leipzig (1921) u. d. Finn. Ges. d. Wiss. (ausw.).

  • Werke

    Weitere W Denkschr. d. aus d. Verbande d. Univ. Freiburg in d. Schweiz ausscheidenden reichsdt. Professoren, 1898; Herr Python u. d. Univ. Freiburg in d. Schweiz, 1899; Gesch. d. got. Lit., in: Grundriß d. German. Philol., 21901, Bd. II, 1–28; Kant u. d. Sprachwiss., Eine hist. Skizze, in: Indogerman. Forschungen 26, 1909, S. 382–422; – Korr.: Dt.-tschech. Wiss.dialog im Lichte d. Korr. zw. W. S. u. Josef Zubatý 1891–1915, hg. v. E. Eichler u. G. Schröter, 1996 (P).

  • Literatur

    | S.-Festgabe, hg. v. d. Direktion d. vereinigten Sprachwiss. Institute an d. Univ. zu Leipzig, 1924 (P); Stand u. Aufgaben d. Sprachwiss., FS f. W. S., 1924 (unvollst. W-Verz.); V. Michels, in: GRM 13, 1925, S. 321–27; C. v. Kraus, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1925 (1926), S. 14–18; W. Porzig, in: Indogerman. Jb. 10, 1926, S. 408–13 (P); ders., in: BursianBJ 48, 1928, S. 58–72; R. Leppla, in: Nassau. Lb. V, 1955, S. 270–74 (P); Killy; Biogr. Lex. KV II; Internat. Germanistenlex. (Qu, W, L); Lex. Grammaticorum (W, L).

  • Autor

    Rüdiger Schmitt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitt, Rüdiger, "Streitberg, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 538-539 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117317500.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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