Lebensdaten
1846 bis 1911
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117253561 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bürger, Hugo (Pseudonym)
  • Lubliner, Hugo
  • Bürger, Hugo (Pseudonym)
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Zitierweise

Lubliner, Hugo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117253561.html [04.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Kaufm. in Breslau, aus Rabbinerfam. in Ostpolen;
    M N. N.;
    N. N.;
    K.

  • Leben

    L. besuchte in Berlin, wohin die Familie 1858 nach dem Tode des Vaters übersiedelt war, die Realschule, absolvierte eine kaufmännische Lehre in der Textilindustrie und war 1865-73 Leiter einer Weberei. Schon mit 17 Jahren hatte er einige kleine Lustspiele verfaßt, von denen der Einakter „Nur nicht romantisch“ 1865 aufgeführt wurde. Seit 1873 widmete L. sich ganz dem Schriftstellerberuf, eine Entscheidung, deren Richtigkeit die erfolgreichen Aufführungen seiner Lustspiele im Kgl. Schauspielhaus in Berlin und im Burgtheater in Wien bereits in der Spielzeit 1874/1875 bestätigten. Besonders für das Kgl. Schauspielhaus in Berlin verfaßte er sehr beliebte Konversationslustspiele wie „Der Frauenadvokat“ (1873), „Die Frau ohne Geist“ (1879), „Der Jourfix“ (1882), die ihm in den 70er und 80er Jahren des 19. Jh., noch unter dem Pseudonym Hugo Bürger, zu andauerndem Erfolg verhalfen. Mit dem zur Drastik neigenden Gustav von Moser schrieb er „Glück bei Frauen“ (1884) und mit Paul Lindau im selben Jahr und erstmals unter seinem richtigen Namen „Frau Susanne“. L.s Stücke entsprachen dem Geschmack der Zeit nicht nur in den oberflächlich unterhaltenden Lustspielen, auch das der sozialen Frage gewidmete Schauspiel „Der kommende Tag“ (1891) – das sogar den Beifall des Kaisers fand – und das Historiendrama „Der Zoller“ (1897) knüpften an gängige literarische Genres an. Die beiden unter dem Titel „Berlin im Kaiserreich“ zusammengefaßten Romane „Die Gläubiger des Glücks“ (1885) und „Die Frau von 19 Jahren“ (1887) schilderten gemütvoll und konventionell, ohne tiefere Psychologie und starke Problematik das Großstadtleben seiner Zeit. 1892 gründete L. die Zeitung „Der Abend“, die jedoch schon im selben Jahr ihr Erscheinen wieder einstellen mußte. In den Jahren nach der Jahrhundertwende wurde es stiller um ihn. Knapp zwei Monate vor seinem Tode hatte er mit dem Lustspiel „Die glückliche Hand“ nochmals Erfolg im Königlichen Schauspielhaus in Berlin.

    Charakteristisch für die Lustspiele L.s ist eine stark selektierende Sichtweise, die gesellschaftliche Formen, sozial und ideologisch geprägte Verhaltensweisen genau nachzeichnet, jedoch den dynamischen Gesellschaftsverhältnissen des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit den Beschwörungsformeln bürgerlicher Wohlanständigkeit überhaupt nicht gerecht werden konnte. In der fast zwanghaft optimistischen Grundhaltung der Stücke bekommt alles, was die Figuren äußern, Appellationscharakter: sie erklären nichts, sie behaupten nur. Geld spielt eine wesentliche Rolle in diesen Stücken. Das Trügerische liegt darin, daß es nach moralischen Grundsätzen fließt. Die Stand- und Ehrenhaften werden mit Reichtum belohnt und in den Kreis der Saturierten aufgenommen, nachdem sie sich mit der Eheschließung einer Art Initiationsritual unterzogen haben. Und gerade damit hat L. eine treffende Schilderung der Gesellschaft seiner Zeit gegeben. Seine Stücke waren auch deshalb so erfolgreich, weil sie das sentimentale Lebensgefühl des Publikums im Parkett so sicher trafen. Dementsprechend wurde L. in der Kampfzeit des Naturalismus von den Vertretern der Moderne scharf angegriffen.

  • Werke

    Weitere W Lustspiele u. Schauspiele: Die Modelle d. Sheridan, 1875;
    Die Adoptierten, 1876;
    Eine Fessel, 1877;
    Gabriele, 1877;
    Auf d. Brautfahrt, 1880;
    Forschungsresultate, o. J.;
    Gold u. Eisen, 1881;
    Dramat. Werke, ca. 1881;
    Aus d. Großstadt, 1883;
    Die Mitbürger, 1884;
    Die Gräfin Lambach, 1886;
    Die armen Reichen, 1886;
    Wenn d. Sommer kommt, 1887;
    Der Name, 1889;
    Im Spiegel, 1890;
    Der Riegnitzer Bote, 1894;
    Das neue Stück, 1895;
    An d. Riviera, 1895;
    Die junge Frau Arneck, 1896;
    Andere Luft, 1897;
    Nacht u. Morgen, 1897;
    Das fünfte Rad, 1898;
    Splitter u. Balken, 1899;
    Die lieben Feinde, 1901;
    Der blaue Montag, 1902;
    Ein heikler Tag, 1904. -
    Die Florentiner, 1876 (Tragödie). - Roman eines anständigen Mädchens, 1899 (Erzz.). - Frau Schubels Tochter, 1905 (Roman).

  • Literatur

    P. Lindau, Dramaturg. Bll., NF 1875–78, I, 1879;
    Th. Fontane, Theaterkritiken, 4 Bde., 1979 (Nachwort v. K. Richter);
    Th. Kappstein, in: LIZ v. 4.1.1912, S. 20 f. (P S. 40);
    Brümmer;
    BJ 16 (Tl.);
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Portraits

    in: Neuer Theateralm. 1913.

  • Autor/in

    Beate-Ursula Endriss
  • Empfohlene Zitierweise

    Endriss, Beate-Ursula, "Lubliner, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 265 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117253561.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA