Lebensdaten
1867 – 1956
Geburtsort
Heidelberg
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Kriminalwissenschaftler ; Jurist ; Kriminologe ; Hochschullehrer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117064424 | OGND | VIAF: 22909312
Namensvarianten
  • Mittermaier, Wolfgang
  • Mittermaier
  • Mittermaier, Georg Gottfried Wolfgang
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Zitierweise

Mittermaier, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117064424.html [20.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1826–91, s. Gen. 1), S d. Karl Joseph Anton (s. 1);
    M Marie Joppert;
    1899 Mathilde (1867–1945), T d. Kaufm. N. N. Saunier u. d. Frieda Forster Stief-V d. Ehefrau Richard Schröder (1838–1917), Rechtshistoriker in H. (s. DBJ II, Tl.);
    2 S, 1 T, u. a. Franz Paul (* 1900), Dr. iur., Bibl.rat in Kassel.

  • Biographie

    M. studierte seit 1885 Rechtswissenschaften in Heidelberg und Berlin. Nach der 1. Juristischen Staatsprüfung 1889 folgten die Promotion 1890 sowie die 2. Staatsprüfung 1893. Es schlossen sich längere Studienreisen nach Nordamerika und England an, wo M. das dortige fortschrittliche Gefängniswesen kennenlernte und sich für die kriminalwissenschaftliche Universitätslaufbahn entschied. Ebenso besuchte er Österreich. Auf weiteren Auslandsreisen nach Frankreich, Schweden, Holland und Rußland erlernte er die jeweilige Landessprache, was seinen rechtsvergleichenden Studien zugute kam. In Heidelberg habilitierte er sich 1897 („Die Parteistellung der Staatsanwaltschaft im reformierten deutschen Strafverfahren“). 1899 wurde er dort ao. Professor, 1900 o. Professor in Bern. Hier gründete er das Kriminalistische Seminar. Auch wirkte er an der schweizer. Strafrechtsreform mit. 1903 folgte er einem Ruf an die Univ. Gießen und übernahm dort den traditionsreichen kriminalwissenschaftlichen Lehrstuhl, den bereits Franz v. Liszt innegehabt hatte; dessen moderner Strafrechtslehre wie auch der seines Großvaters K. J. A. Mittermaier war er stark verbunden.

    M. war ein Verfechter der Humanisierung des Strafrechts und der Abschaffung der Todesstrafe sowie einer Reform des Strafverfahrens und des Gefängniswesens. Seine Lehrgebiete waren materielles und formelles Strafrecht, Gefängniskunde, Kriminalpolitik, Zivilprozeß- und Konkursrecht, Forst- und Landwirtschaftsrecht. Stark beeinflußte er als akademischer Lehrer, oftmaliger Dekan und langjähriger Direktor des Juristischen Seminars Studium und Universitätsleben (Wie studiert man Rechtswissenschaft?, 1911, ²1921). Er unternahm häufige Exkursionen in Gefängnisse und psychiatrische Anstalten und führte die „Klinische Methode“ im Studium ein. Seine Forschungen waren strafrechtsdogmatischer Natur, galten außerdem dem Strafverfahren, seiner Rechtsvergleichung und Reform sowie der Kriminologie und der Strafvollzugswissenschaft. Sein Spätwerk „Gefängniskunde“ (1954) schloß eine jahrzehntelange Lücke auf diesem Gebiet. 1933 war M. die vorzeitige Emeritierung wegen seiner Ablehnung des Nationalsozialismus nahegelegt worden, nachdem er einem jüd. Studenten die Promotion ermöglicht hatte. Er kehrte in seine Heimatstadt zurück, wo er nach dem 2. Weltkrieg hochbetagt erneut lehrte. Bedeutende Schüler M.s waren Karl Engisch (1899–1990), der zunächst die Nachfolge auf dem Gießener Lehrstuhl übernahm, 1934 ebenfalls nach Heidelberg wechselte und zuletzt in München lehrte, sowie der deutsch-amerikan. Kriminologe Hans v. Hentig (1887–1974).

  • Werke

    Weitere W Der bedingte Straferlaß, in: Schweizer. Zs. f. Strafrecht 16, 1903, S. 31 ff.;
    Zur Kriminalbiol., ebd. 54, 1940, S. 142 ff.;
    Krit. Btrr. z. Lehre v. d. Strafrechtsschuld, 1909;
    Die Stellung d. Bürgers z. Reform d. Gerichtsverfassung u. d. Strafprozesses, 1909;
    Das österr. Strafverfahren, 1933;
    Das Tagesbußensystem in Skandinavien, in: Zs. f. d. gesamte Strafrechtswiss. 55, 1936, S. 646 ff. – Mitverf.: Zur Reform d. Sexualstrafrechts, 1926. – Hrsg.: Schwurgerichte u. Schöffengerichte, 2 Bde., 1908/09 (mit M. Liepmann).

  • Literatur

    K. Miyazawa (Hrsg.), Die dt. Strafrechtswiss., Tokio 1978, S. 409-16 (W-Verz., L);
    K. Engisch, in: Gießener Gelehrte in d. ersten Hälfte d. 20. Jh., hrsg. v. G. Gundel u. a., T. 2, 1982, S. 658-71 (P);
    Drüll, Heidelberger Gel.lex..

  • Autor/in

    Arthur Kreuzer
  • Zitierweise

    Kreuzer, Arthur, "Mittermaier, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 585-586 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117064424.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA