Lebensdaten
1793 bis 1870
Geburtsort
Reichmannsdorf (Oberfranken)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Orientalist ; Historiker ; Völkerkundler ; Professor der armenischen und chinesischen Sprache und der Länder- und Völkerkunde in München ; Politiker der Fortschrittspartei und der Nationalliberalen
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 116962259 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bamberger, Friedrich (bis 1818)
  • Neumann, Karl Friedrich
  • Neumann, Friedrich
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Zitierweise

Neumann, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116962259.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Lippmann Bamberger, Handelsjude;
    M N. N.; Ov/m N. N. Edheim, in Frankfurt/Main;
    München 1837 Caroline (Lina) (* 1810), T d. Johann Anton Schmidtmüller (1776–1809), Prof. d. Geburtshilfe u. Staatsarzneikde. in Landshut, Stadtphysicus ebd. (s. ADB 32), u. d. Elisabeth v. Langsdorf;
    1 S, 3 T u. a. Julie Christine (1842–1920, Otto Liebmann, 1840–1912, Philosoph, s. NDB 14).

  • Leben

    N. erwarb sich neben einer Handelslehre in Frankfurt bei seinem Onkel Edheim eine Bildung, die ihm 1817 philologische Studien in Heidelberg ermöglichte. Die Konversion zum Protestantismus 1818 in München – Taufpaten waren Kgn. Karoline und Friedrich Thiersch – empfand N. als Übertritt zur „großen gebildeten Welt des Christentums“. Nach Abschluß des Philologischen Seminars in München und zwei Jahren als Staatsstipendiat in Göttingen trat N. 1821 ins ungeliebte Gymnasiallehramt (Würzburg, Aschaffenburg u. Speyer). Wegen rationalistischer Exegese entlassen (1825), strebte er durch armen., pers. und chines. Sprachstudien in Venedig und Paris eine akademische Laufbahn an. Von einer Chinareise (1831/32) brachte er Handschriften nach München mit und erhielt hier eine Professur der armen, und chines. Sprache, der allgemeinen Literärgeschichte sowie der Länder- und Völkerkunde (1832 ao., 1833 o. Prof.). Er erwarb bald internationales Ansehen, förderte mit vielen (auch engl. u. franz.) Übersetzungen, sowie literaturhistorischen und völkerkundlichen Überblicken die morgenländischen Forschungen. Als homo politicus an Geschichte, Politik und Staatswissenschaften, an Aktualität und Wirkung interessiert, dehnte er seine Lehre mit viel Zulauf auf die historischen Pflichtkollegien aus. Gegen die kath. Partei in Bayern eingenommen, schloß sich N. trotz wachsender Distanz zu seinen frühen Gönnern (Thiersch, Schelling, J. Niethammer) der liberalen „Gesellschaft der Zwanglosen“ an. Mit J. Ph. Fallmerayer und J. A. Schmeller hielt er engeren Kontakt und fand Zugang zu den Symposien Kronprinz Maximilians (II.). Während der Revolution 1848 grenzte sich N. als „Proletarieraufwiegler“ von den gemäßigten Liberalen ab und entfremdete sich Maximilian II., so daß er auf Drängen der Freisinger Bischofskonferenz 1852 als Professor quiesziert wurde. Der kleindeutsche Kritiker der Triaspolitik ging nach Berlin, wo er von der Fortschrittspartei zu den Nationalliberalen wechselte und, seit einem Schlaganfall 1867 arbeitsunfähig, 1870 starb.

    Vielfältig wie die Vita ist das Œeuvre, das von philologisch-althistorischen Studien (Aristotelis rerum publicarum fragmenta, 1826) über orientalistische und landesgeschichtliche Publikationen (u. a. über Jakobiner in Bayern, Kg. Ludwig I., Görres) bis hin zu großen universalhistorisch-zeitgeschichtlichen Arbeiten reicht. Eine projektierte Geschichte Asiens mutierte zur „Geschichte des engl. Reiches in Asien“ (2 Bde., 1857),|die das germanische Land „als Träger und Verbreiter höherer Menschlichkeit“ feiert, die durch Handel, Herrschaft und Kultur verbreitet werde. Zur fortschrittlichen Weltkultur konnten romanisch-kath. und slaw. Nationen nichts beitragen. Im Soge Tocquevilles entstand eine „Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika“ (3 Bde., 1863–66), welche Demokratie und Kultur der Kolonisten über Athen und Rom stellte: Nach den Prinzipien der Declaration of Independence „werde die Weltgeschichte von neuem geschrieben oder völlig umgeschrieben“.|

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. d. Berliner Ak. d. Wiss. (1829); Dr. phil. h. c. (1833).

  • Werke

    u. a. Rerum creticarum specimen, 1820;
    Memoire sur la vie et les ouvrages de Daniel, philosophe arménien du Ve siècle, 1829;
    The History of Vartan, 1830;
    The Catechism of the Shaman, 1831;
    Lesesaal d. Mittelreiches, 1836;
    Versuch e. Gesch. d. armen. Lit., 1836;
    Asiat. Studien, 1837;
    Grundriß zu Vorlesungen über Länder u. Völkerkde. u. allg. Statistik, 1840;
    Gesch. d. engl.-chines. Krieges, 1846, 21855;
    Die Völker d. südl. Rußland, 1847, 21855;
    Ostasiat. Gesch. v. ersten chines. Krieg bis zu d. Verträgen in Peking (1840–1860), 1861;
    Zu Kg. Ludwig I. u. Görres;
    Die Gegenwart 1 u. 2 (1848);
    Hg.
    Reisen d. Johannes Schiltberger aus München in Europa, Asia u. Afrika v. 1394 bis 1427, 1859, Nachdr. 1976 u. Mikrofiche 1991;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Staatsbibl. München (enthält Autobiogr.).

  • Literatur

    ADB 23;
    H. Dickerhof, Der Orientalist u. Historiker K. F. N., in: Hist. Jb. 97/98, 1978, S. 289-335 (W, L);
    H. Rall, K. F. N., Sinologe u. Universalhistoriker, in: Archival. Zs. 75, 1980, S. 194-210.

  • Portraits

    aus LIZ, in: Ludwigs-Maximilians-Univ. Ingolstadt-Landshut-München 1472-1972, hg. v. L. Boehm u. J. Spörl, 1972, S. 239.

  • Autor/in

    Harald Dickerhof
  • Empfohlene Zitierweise

    Dickerhof, Harald, "Neumann, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 147 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116962259.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Neumann: Karl Friedrich N., Orientalist und Historiker, geb. in Reichmannsdorf bei Bamberg, nach eigener Angabe am 28. December 1793. Dieses Datum ist jedoch unsicher, da die in einer Synagoge aufbewahrte Aufzeichnung betreffs seiner Geburt bei Neumann's Uebertritt von der jüdischen Religion zum Protestantismus im J. 1818 vernichtet wurde. N. hieß eigentlich Bamberger und war der Sohn eines armen jüdischen Handelsmannes; der Entschluß zu convertiren reifte in ihm als er nach einer entbehrungsvollen, im Kaufmannsberufe verbrachten Jugend, die Universität Heidelberg bezogen hatte (Sommer 1817), wo er besonders durch Creuzer und Hegel angeregt wurde. Von Heidelberg wendete er sich nach München, wo er Thiersch's philologisches Seminar besuchte und 1819 die Lehramtsprüfung bestand, dann nach Göttingen und wirkte von 1821—1825 als Gymnasiallehrer in Würzburg und Speyer, wo er aber wegen rationalistischer Bibelauslegung quiescirt wurde. Obschon von|da an genöthigt vom Ertrag seiner Feder zu leben, betrieb er doch mit Eifer und Erfolg gelehrte orientalistische Studien, namentlich machte er sich in dem Mechitaristenkloster San Lazzaro bei Venedig unter dem Beistand der armenischen Mönche mit der armenischen Sprache und Litteratur vertraut und unternahm eine Reise nach China, um chinesische Drucke zu erwerben. Als Früchte seiner armenischen Studien veröffentlichte er u. a. eine „Geschichte der armenischen Litteratur“ (Leipzig 1836) und englische Uebersetzungen armenischer Chroniken, die auf Kosten des Oriental Translation Fund in London gedruckt wurden. In China erlangte er eine für die damalige Zeit nicht unbedeutende Kenntniß der chinesischen Sprache, die er später in einer Reihe philologischer Publicationen verwerthete, und erwarb eine Büchersammlung von über 12,000 Bänden, deren größeren Theil er nach seiner Rückkehr der baierischen Regierung überließ, wofür er 1833 zum Professor der armenischen und chinesischen Sprache und der Länder- und Völkerkunde an der Münchener Universität ernannt wurde. Vor einem rasch wachsenden Zuhörerkreise entwickelte er eine bedeutende Lehrthätigkeit, die er bald auch auf das Gebiet der Geschichte ausdehnte. An den revolutionären Bewegungen des Jahres 1847 und 1848 nahm er geringen Antheil, aber die unverhohlene Aeußerung seiner liberalen Gesinnungen in seinen Geschichtsvorträgen führte 1852 seine abermalige Quiescirung herbei. Die unfreiwillige Muße benützte er, zuerst noch in München und von 1863 bis zu seinem am 17. März 1870 erfolgten Tode in Berlin lebend, zu einer emsigen Thätigkeit auf dem Gebiete der Geschichtsschreibung, insbesondere der neueren orientalischen und der nordamerikanischen Geschichte. Unter den zahlreichen Schriften seines letzten Lebensabschnitts verdienen die „Geschichte des englischen Reichs in Asien“ (Leipzig 1857, 2 Bde.) und die „Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika“ (Berlin 1868—66, 3 Bde.). Hervorhebung.

    • Literatur

      Vgl. Augsb. Allg. Zeit. 1870, Beilage Nr. 111 und 112. — Die Münchener Hofbibliothek besitzt von N. handschriftlich einen Katalog der chinesischen Drucke der Bibliothek aus dem J. 1829, ein Verzeichniß der ostasiatischen Werke der Quatremère'schen Sammlung aus dem J. 1858, und eine Liste der von N. der Bibliothek hinterlassenen chinesischen Werke.

  • Autor/in

    Julius Jolly.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jolly, Julius, "Neumann, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 529-530 unter Neumann, Karl Friedrich [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116962259.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA