Dates of Life
1906 bis 1928
Place of birth
Zürich
Place of death
Berlin
Occupation
Herausgeber von Bachs "Kunst der Fuge" ; Schriftsteller
Religious Denomination
keine Angabe
Authority Data
GND: 11681294X | OGND | VIAF: 45063722
Alternate Names
  • Gräser, Wolfgang
  • Graeser, Wolfgang
  • Gräser, Wolfgang
  • more

Relations

Outbound Links from this Person

Genealogical Section (NDB)

The links to other persons were taken from the printed Index of NDB and ADB and additionally extracted by computational analysis and identification. The articles are linked in full-text version where possible. Otherwise the digital image is linked instead.

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Graeser, Wolfgang, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11681294X.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogy

    V Carl (1856–1925), Dr. med., Schiffsarzt, Prof., 23 J. Leiter d. Dt.-Schweizer. Hospitals in Neapel, 1921-25 prakt. Arzt in B.;
    M Lily Obenaus (* 1868), Geigerin; ledig.

  • Life

    G. verbrachte seine Kindheit bis 1917 in Neapel, bis 1921 in München. Dann lebte er mit seinen Eltern in Berlin. Seine infolge der häufigen Aufenthaltswechsel mehrmals unterbrochene Schulbildung wurde durch Privatunterricht ergänzt. Sicherlich hat dieser wechselvolle Verlauf seiner Jugendjahre die vielseitigen Wesensanlagen G.s, seine außerordentliche künstlerisch-menschliche Aufgeschlossenheit und Frühreife und seine Neigung, sich zu zersplittern, mitgefördert. Mit 10 Jahren fing er an zu malen; 1919 wurden die Arbeiten des 12jährigen in einer Münchener Ausstellung vorgeführt. Im gleichen Jahr begann er, sich mit Bach zu beschäftigen. 1922 nahm er Geigenunterricht bei Karl Klingler; 1 Jahr später gab er ihn wieder auf. Mit 16 Jahren machte er sein Abitur. Dann studierte er 6 Semester Mathematik und Physik sowie orientalische Sprachen (vor allem Chinesisch, das er sich intensiv zu eigen machte) – aber nicht Musikwissenschaft, obwohl der Berliner Fachvertreter J. Wolf sich für seine (schon 1923 entstandene) Arbeit über die „Kunst der Fuge“ interessierte und ihn ermutigte. Im In- und Ausland referierte G. über diese und über weitere Arbeiten zur Musik, die er plante, aber nicht mehr hat ausführen können. Am 26.6.1927 fand in Leipzig unter Karl Straube die vielbeachtete erste Aufführung der „Kunst der Fuge“ in G.s Bearbeitung statt. Im gleichen Jahr erschien G.s thematisch wieder völlig andersartiges Buch vom „Körpersinn“ (Oswald Spengler gewidmet, mit dem G. befreundet war). – Im Gegensatz zu G.s glänzenden wissenschaftlich-schriftstellerischen Erfolgen stand in den letzten Jahren eine zunehmende innere Spannung und Unsicherheit; er litt unter immer heftigeren Depressionen und zweifelte an dem Fortdauern seiner schöpferischen Kraft. Er erlitt zwei schwere nervöse Zusammenbrüche und nahm sich, noch nicht 22jährig, das Leben.

    G.s bleibende Leistung ist seine Neuausgabe von Bachs „Kunst der Fuge“, deren einzelne Stücke, die im Erstdruck ohne Angabe von Instrumenten und in einer von Bach nicht mehr überwachten, offenbar ganz willkürlichen Reihenfolge erschienen waren, er neu ordnete (nach dem Prinzip einer spiegelbildlichen Symmetrie) und instrumentierte. Instrumentation sowohl wie Neuordnung sind zeitbedingt und anfechtbar, jedenfalls keineswegs, wie G. meinte, die einzig mögliche Form von Bearbeitung. Aber der Schwung und der Idealismus, womit G. seine Arbeit betrieb, haben eine erneute, vertiefte Beschäftigung mit dem großen Werk sowie unzählige Neuaufführungen angeregt; noch heute wird den meisten Aufführungen die G.sche Fassung zugrunde gelegt.

  • Works

    Bachs „Kunst d. Fuge“, in: Bach-Jb. 21, 1924;
    Joh. Seb. Bachs „Kunst d. Fuge“, in: Ber. üb. d. musikwiss. Kongreß … Basel, 1924;
    Körpersinn-Gymnastik, Tanz, Spiel, 1927, 21931;
    Ausgg. v. Bachs „Kunst d. Fuge“: Bach-Gesamtausg., Suppl.bd. 47, 1926;
    Veröff. d. Neuen Bachges. 28, 1927, H. 1.

  • Literature

    W. G.-Gedächtnis-H., 1928;
    H. Zurlinden, W. G., 1935 (P);
    DBJ X (Tl. 1928, L);
    Riemann; kritisch:
    H. Th. David, in: Jb. Peters 34, 1927;
    F. Szymichowski, in: Zs. f. Musikwiss. 12, 1929/30.

  • Author

    Rudolf Bockholdt
  • Citation

    Bockholdt, Rudolf, "Graeser, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 715-716 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11681294X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA