Lebensdaten
1729 bis 1802
Geburtsort
Gut Wachholzhagen Kreis Greifenberg (Pommern)
Sterbeort
Sankt Petersburg
Beruf/Funktion
Geograph ; Chemiker ; Forschungsreisender
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116562374 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Georgi, I. G.
  • Georgi, I.-G.
  • Georgi, Iogann-Gotlib
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Zitierweise

Georgi, Johann Gottlieb, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116562374.html [30.05.2017].

CC0

Georgi, Johann Gottlieb

Geograph, Chemiker, * 31.12.1729 Gut Wachholzhagen Kreis Greifenberg (Pommern), 27.10. (Datierung alter Stil) 1802 Sankt Petersburg. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Johann (1702–83), Pastor, seit 1758 Präpositus in Neumark, S d. Kaufm. Leonhard in Neustadt-Eberswalde u. d. Pastoren-T Beate Müller; M Ernestine Kath. ( 1774), T d. Pastors Aegidius Anton Heydemann in Zedlin.

  • Leben

    Nach Besuch der Höheren Schule beschäftigte sich G. vornehmlich mit Pharmazie und schlug die Apothekerlaufbahn ein. Um seine naturwissenschaftlichen Studien, besonders der Chemie, fortzusetzen, reiste er nach Schweden. Seine Lehrer waren in Chemie Johann Heinrich Ferber (Vater des berühmten Mineralogen) und in Naturgeschichte Karl von Linné, welcher auf G. einen außergewöhnlich starken Einfluß ausübte. Nach der Promotion zum doctor medicinae in Uppsala richtete G. in Stendal eine Apotheke ein und erteilte nebenbei Unterricht in Pharmazie, bot jedoch kurz darauf der Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg seine Dienste an. 1770 reiste er dorthin, wo er auf Grund seiner vielfältigen und umfassenden Kenntnisse den Auftrag erhielt, noch im gleichen Jahre nach Astrachan aufzubrechen, um als Assistent an der von J. P. Falk geleiteten Orenburgschen Expedition teilzunehmen. Zusammen bereisten sie die Kirgisensteppe und Westsibirien. 1772 wurde G. der Pallas-Expedition zugewiesen, welche ihn durch große Teile des mittleren Sibirien führte. Hier galt sein besonderes Interesse dem Baikal-See, und seine Beschreibung sowie eine von ihm gezeichnete Karte dieses Gebietes blieben für Jahrzehnte hinaus maßgeblich. Nach Sankt Petersburg zurückgekehrt, legte G. seine Forschungsergebnisse in umfangreichen und genauen Reiseberichten nieder. 1776 wurde er allgemeines Mitglied der Akademie. 1783 erhielt er eine Professur für Chemie und wurde zum ordentlichen Mitglied, 1799 in den Rang eines Conseiller de Collèges erhoben. G. ist auch durch chemische, ökonomische und pharmazeutische Arbeiten hervorgetreten, unter anderem durch Untersuchungen über Vorkommen des Kochsalzes, dessen Gewinnung und Reindarstellung. Seine besondere Bedeutung liegt darin, durch seine ausgezeichneten landeskundlichen Beschreibungen, bei denen auch ethnologische, ökonomische sowie vegetationsgeographische Beobachtungen eine ausführliche und zuverlässige Behandlung erfahren, große Teile des russischen Reiches erstmalig für die geographische Wissenschaft erschlossen zu haben|.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. gel. Ges., St. Annenorden 2. Kl.

  • Werke

    u. a. Bemerkungen auf e. Reise im russ. Reiche im J. 1772, 2 Bde., St. Petersburg 1775; Rußland, Beschreibung aller Nationen d. russ. Reichs, ihrer Lebensart, Rel., Gebräuche, Wohnungen, Kleidungen u. übrigen Merkwürdigkeiten, 2 Bde., ebd. 1776; Versuch e. Beschreibung d. Russ-Kaiserl. Residenzstadt St. Petersburg u. d. Merkwürdigkeiten d. Gegend, 2 Bde., ebd. 1790; Geogr.-physikal. u. naturhist. Beschreibung d. russ. Reichs, 5 Bde. u. Nachträge, Königsberg 1797-1802.

  • Literatur

    ADB VIII; J. Bernoulli, Reisen durch Brandenburg IV, Leipzig 1779 f., S. 34 ff.; Nova Acta Leopoldina Academiae Scientiarum Imperialis Petropolitanae 15, St. Petersburg 1806, S. 10-12; Die 225j. Wiederkehr d. Geb.tages v. G., in: Izvestija Akademii Nauk SSSR, Serija geologičeskaja [Zs. d. Ak. d. Wiss. d. UdSSR, geolog. R.], Moskau 1954, Nr. 5, S. 148 f.; L. S. Berg, Gesch. d. russ. geogr. Entdeckungen, 1954, S. 261 f. (aus d. Russ. übers. v. R. Ulbrich); Meusel, Gel. Teutschland, Bd. 2, 9, 11-13; Ersch-Gruber 60; Pogg. I; Ferchl; Bol'šaja sovetskaja Ėnciklopedija [Große sowjet. Enz.], X, 2Moskau 1952, S. 561 (russ. L, P); Biografičeskij slovaŕ dejatelej estestvoznanija i techniki [Biogr. Lex. d. Naturwissenschaftler u.|Techniker], Moskau 1958 f., I, S. 227 (russ. L).

  • Portraits

    Kupf. v. H. J. Penningh (Moskau, Puschkin-Mus., Slg. Rovinskij), Abb. in: Große Sowjet. Enz., s. L.

  • Autor

    Olaf Hein
  • Empfohlene Zitierweise

    Hein, Olaf, "Georgi, Johann Gottlieb" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 242 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116562374.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Georgi, Johann Gottlieb

  • Leben

    Georgi: Johann Gottlieb G., geb. 1738 zu Colberg in Pommern, den 13. Nov. 1802 zu St. Petersburg. In seiner Heimath Apotheker, reiste er 1769 nach Petersburg, wo seine vielfältigen und praktischen Kenntnisse ihn so empfahlen, daß er schon im Juni 1770 einer der wissenschaftlichen Expeditionen und zwar der sogen. Orenburg'schen, die damals unter Professor Falck arbeitete, beigesellt wurde. Mit diesem reiste er in der Kirgisensteppe und Westsibirien. 1772 wurde er Pallas beigegeben, mit dem er 1772—74 große Theile des mittleren Sibiriens bereiste. Eine seiner Hauptarbeiten war hier die Umschiffung des Baikal und die Anfertigung einer Karte desselben. 1775 ernannte ihn die Akademie der Wissenschaften zu Petersburg zu ihrem Adjunkten. 1783 wurde er|Professor der Chemie, 1799 Collegienrath. Das Hauptwerk Georgi's ist die "Geographisch-physikalische und naturhistorische Beschreibung des russischen Reiches" (5 Bde. und Nachtr. 1797—1802). Die bedeutendste seiner Reisen hat er in "Bemerkungen auf einer Reise im russischen Reiche im Jahre 1772" (2 Bde. 1775) beschrieben. Bemerkenswerth sind ferner: "Beschreibung aller Nationen des russischen Reiches, ihrer Lebensart, Religion, Gebräuche etc." (2 Bde. 1776) und zahlreiche technische und volkswirthschaftliche Abhandlungen, wie die Preisschriften "Ueber die vorteilhaften Nebenarbeiten der Landleute des russischen Reiches" und "Von den Küchensalzen russischer Landseen und der besten Art ihrer Reinigung" (Abhandl. der Petersburger ökonomischen Gesellschaft, Bd. I. u. II).G. war einer der verdienstlichsten unter den zahlreichen deutschen Gelehrten, welche an der Erforschung des russischen Reiches unter Pallas Theil genommen. Mit praktischem Blick, Scharfsinn und vielseitigen Kenntnissen ausgestattet, konnte er Erhebliches leisten in einem Lande, das dem Forschungstrieb des Gelehrten ebensoviel Anregung bot, wie dem Verbesserungstrieb des Praktikers. Seine Arbeiten gehen alle auf den Punkt, sind frei von Abschweifungen und Phrasen und durch die zahlreichen selbständigen Beobachtungen, die sie umschließen, noch immer von Werth.

  • Autor

    Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Georgi, Johann Gottlieb" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 713-714 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116562374.html#adbcontent

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