Lebensdaten
1834 bis 1924
Geburtsort
Zara (Dalmatien)
Sterbeort
Bad Aussee (Salzkammergut)
Beruf/Funktion
österreichischer Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116505907 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Chlumecky, Johann Freiherr von

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Zitierweise

Chlumecky, Johann Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116505907.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ant. v. (seit 1827), Ritter v. (seit 1844) (1777 bis 1861), erfolgreicher vormärzlicher Beamter in Dalmatien, erwarb ein Tafelgut in Mähren, S des Ant., Güterdirektor in Wossek (Böhmen);
    M Anna (1800–63), T des Assekuranzbeamten Pietro Cozzi in Triest u. der Theresia Logarezzi;
    B Peter s. (3), Viktor Ritter v. (1841–95), k. u. k. Sektionschef im Ministerium für Landesverteidigung;
    am Montserrat b. Böhmisch-Rudoletz 1867 Leopoldine (1848–1916), T des Direktors der Nationalbank Leop. Ritter v. Liebenberg de Zsittin, (1797-1848, S des Industriellen Ignaz Ritter v. Liebenberg de Zsittin [1772–1844], s. Wurzbach) u. der Kath. v. Amberg (1821–1901);
    S Leop. s. (2), 1 T.

  • Leben

    Chlumecky stand 1855-68 im Gerichtsdienst in Brünn und war dort 1868-70 Stellvertreter des Chefs an der Statthalterei. Seine leidenschaftliche Anteilnahme an der Auseinandersetzung zwischen den konservativ-föderalistischen, vorwiegend slavischen Kräften und den zentralistischen deutschen Verfassungsfreunden veranlaßte ihn als Landtagsabgeordneten (seit 1865) zum Ausscheiden aus dem Staatsdienst, um sich von einem mißliebigen Regierungskurs distanzieren zu können. 1870 vom mährischen Großgrundbesitz ins Wiener Parlament entsandt, war er neben dem weit älteren Josef Freiherr Lasser von Zollheim bald als Wortführer eines gemäßigten Liberalismus anerkannt. Am 25.11.1871 trat er als Ackerbauminister (Gründung der Hochschule für Bodenkultur in Wien) in die Regierung Adolf Auersperg-Lasser ein, um sein Ressort später mit dem Handelsministerium (Errichtung des der Exportförderung dienenden „Handelsmuseums“, Vorbereitung der Schutzzollgesetzgebung) zu vertauschen und in dieser Eigenschaft auch dem Übergangskabinett Stremayr (18.2.-10.8.1879) anzugehören. Zu den bedeutendsten Zügen dieser Amtstätigkeit Chlumeckys gehörte sein Eintreten für die fortschreitende Verstaatlichung der Eisenbahnen und die Schaffung eines Generalinspektorats der Eisenbahnen als Vorläufer des späteren Eisenbahnministeriums; er selbst war später Präsident der Südbahngesellschaft. Die Verteidigung des Reichsvolksschulgesetzes war für ihn stets ein sowohl politisches als humanes Anliegen, aber auch der erste große sozialpolitische Antrag im österreichischen Parlament ging auf Chlumecky und seine Freunde zurück (1883). Seit 1880 Abgeordneter der Stadt Brünn und oftmals Delegationsmitglied, stand er als Führer der „Vereinigten Linken“ in Opposition zum Regime Taaffe bis zu dessen Sturz. In seinem eigentlichen Element befand er sich als Vizepräsident (1885–93) und Präsident des Abgeordnetenhauses (1893–1897), das er aus genauer Kenntnis der Geschäftsordnung und mit Willen zur Gerechtigkeit überlegen zu führen verstand. Im Herrenhaus (seit 1897) gehörte er dem Präsidium der Verfassungspartei an. Als Mitglied des Mährischen Landtags (bis 1906) erreichte er mit der Einführung des Nationalen Katasters in der Landesverwaltung (1905) eine Einrichtung, die für dieses Kronland den Völkerstreit entschärfte und die, viel besprochen und gerühmt, auch in den frühen staatspolitischen Schriften Karl Renners gedanklichen Niederschlag gefunden hat. Der alternde Kaiser hat sich mit Chlumecky trotz seiner nicht selten kritischen Haltung sehr gut verstanden und noch seine Mitwirkung am Zustandekommen des allgemeinen Wahlrechts (1906) mit der seltenen Verleihung des Großkreuzes des Stephansordens belohnt. Auf seinen oftmals eingeholten Rat soll auch die Ernennung Ernst von Koerbers zum Ministerpräsidenten (1900–04) zurückgegangen sein. Zu seinem 90. Geburtstag veröffentlichte Chlumecky in der „Neuen Freien Presse“ ein „politisches Testament“.

  • Werke

    Weitere W Peter Ritter v. Ch., Privatdr. 1879;
    Gewerbeförderung u. Gewerbegesetzgebung, 1896;
    Das k. k. österr. Handelsmus. 1875-1900, 1900;
    versch. gedr. Reden, u. a. zur Eröffnung d. Hochschule f. Bodenkultur, 1877, zur Schulgesetznovelle, 1883, u. zum 20jähr. Bestand d. Reichsvolksschulgesetzes, 1889.

  • Literatur

    B. Bretholz, in: NÖB IV, Wien 1927, S. 73-91 (L);
    Uhlirz II/2;
    Enc. Italiana X. 1931;
    ÖBL; s. a. Engerth (s. L zu 2); üb. Ch.s Beziehungen z. Thronfolger:
    Leop. v. Ch., Erzhzg. Franz Ferd.s Wirken u. Wollen, 1929.

  • Portraits

    Medaille v. R. Marschall, 1904 (Slg. W. R. v. Wurzbach-Tannenberg, Wien).

  • Autor/in

    Reinhold Lorenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenz, Reinhold, "Chlumecky, Johann Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 210 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116505907.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA