Lebensdaten
1873 bis 1940
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Buenos Aires
Beruf/Funktion
österreichischer Politiker ; Publizist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138066736 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Chlumecky, Leopold Freiherr von
  • Chlumecky, Leo von
  • Chlumecky, Leopold von
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Zitierweise

Chlumecky, Leopold Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138066736.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. s. (1);
    2) Wien 1916 Marg. (1888–1919), geschiedene Picot de Peccaduc Freifrau v. Herzogenberg, T des k. u. k. Gen. der Kav. Arthur Frhr. Giesl v. Gieslingen (1857–1935) u. der Helene Comploier; kinderlos.

  • Leben

    Chlumecky trat nach seinem juristischen Studium 1898 in den Staatsdienst ein und bewährte|sich zuerst in dreijähriger Dienstzeit in Ragusa (Dubrovnik), die für ihn zum ausschlaggebenden politischen Jugenderlebnis wurde. 1902 ins Handelsministerium einberufen, ließ ihn der schon dem Vater eigene Unabhängigkeitsdrang vorzeitig aus der geregelten Beamtenlaufbahn ausscheiden. Eher als das parlamentarische (1906 Nachfolger seines Vaters im Mährischen Landtag) oder ministerielle Wesen, zu dem er ohne weiteres Zugang gefunden hätte, zog ihn die publizistische und diplomatische Wirksamkeit an, und zwar auch diese letztere ohne amtlichen Rahmen, der er sich mit großer Entschlossenheit und mindestens persönlichem Erfolg widmete. Das bewies schon sein glänzend geschriebenes erstes Buch „Österreich-Ungarn und Italien“ (1-21907), das in einem sehr kritischen Zeitpunkt der Beziehungen der Monarchie zu dem südlichen Bundesgenossen erschien und diese vom Standort österreichischer Großmachts- und Seepolitik aus durchleuchtete. Alsbald trat Chlumecky in enge und dauernde Beziehungen zum Redaktionsstab der damals neu erscheinenden „Österreichischen Rundschau“, wo seine historisch-politischen Beiträge und ständigen Rubriken ihm bald viel Beachtung sicherten; nach der Kriegserklärung Italiens konnte er sie mit bitterer Genugtuung noch einmal gesammelt vorlegen (Die Agonie des Dreibundes, 1-21915). Der folgerichtig festgehaltene Angelpunkt seiner politischen Lehre war die Überzeugung, daß sich im Zeitalter des Imperialismus auch das Vielvölkerreith Österreich-Ungarn ohne Rücksicht auf seine inneren Schwierigkeiten dem weltweiten Kampf um Seegeltung, Absatzmärkte und Interessensphären zuwenden müsse, ja gerade dadurch den verheerenden, kleinlichen Nationalitätenkämpfen den Wind aus den Segeln nehmen würde. Demgemäß fühlte sich Chlumecky auch dem sozusagen franzisco-josephinischen Vater gegenüber als Vertreter einer jungen österreichischen Generation, die seiner Ansicht nach im Thronfolger Franz Ferdinand ihren Wortführer gefunden hätte. So spannen sich, von beiden Seiten erwünscht, Fäden zwischen dem „Belvedere“ und Chlumecky, die bei aller Verschiedenheit der Rangordnung zu einem Verhältnis gegenseitiger Ergänzung zwischen dem Habsburger und dem freien Schriftsteller führten. Der Tag von Sarajewo und die italienische Kriegserklärung als Glied einer Kette übermächtiger feindlicher Allianzen trafen Chlumecky ins Innerste. Nach 1918 nahm der bisherige großösterreichische Patriot formell die ungarische Staatsbürgerschaft an und lebte seit 1938 in freiwilligem Exil in Südamerika.

  • Werke

    Weitere W Die österr. Handelsmarine u. ihre Ansprüche auf staatl. Unterstützung, 1902;
    Erzhzg. Franz Ferd.s Wirken u. Wollen, 1929 (mit viel autobiogr. Material).

  • Literatur

    I. Engerth, L. v. Ch., Diss. Wien 1950 (ungedr.);
    J. Redlich, Schicksalsjahre Österr.s 1908-1919, hrsg. v. F. Fellner, 2 Bde., 1953/54;
    Enc. Italiana X, 1931;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Reinhold Lorenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenz, Reinhold, "Chlumecky, Leopold Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 210 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138066736.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA