Lebensdaten
1853 bis 1922
Geburtsort
(Bad) Aussee (Steiermark)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Skandinavist ; Bibliothekar
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116249978 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Poestion, Joseph Calasanz Karl
  • Christensen, Svend (Pseudonym)
  • Calion, J. (Pseudonym)
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Zitierweise

Poestion, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116249978.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (1824–1908), 1853-64 Salzbergbüchlschreiber b. d. Saline Hallstatt, 1865 k. k. Magazinschreiber in A., 1867 Salzverschleiß-Oberamtskontrollor, S d. Josef (1781–1866), tätig b. d. Salinenkasse in A., u. d. Franziska Winkler (1789–1858);
    M Rosalia (1830–96), T d. Maria Pfeiffenberger, Magd;
    Ur-Gvv Josef Pöstion (Poestian) (1741-|1808), aus d. Bretagne, Maler u. Zeichenlehrer in Linz (s. ThB; ÖBL);
    B Theodor (1854–1910), Dir. d. Beamtenver. in W.;
    Wien 1878 Maria (* 1847), aus Yverdon (Kt. Waadt), T d. Samuel Franz Henchoz, Dr. med., u. d. Franziska Margaretha Prahin;
    1 T Marguerite (1885–1964, Hans Otto Norden, 1885–1957, Schausp., Hoftheaterdir. in Karlsruhe), 1 unehel. T.

  • Leben

    Nach einem Studium der Klassischen Philologie und Germanistik in Graz (1873–75) und Wien (1875–77) versuchte P. sich als Privatgelehrter, Schriftsteller und Journalist, bis er 1886 als Bibliothekar in den k. k. Staatsdienst eintrat. Von 1888 bis zu seiner Pensionierung um 1920 leitete er die Bibliothek des Ministeriums des Inneren (1891 Vorstand, 1896 Dir., 1921 Sektionschef).

    P.s literarische Tätigkeit begann mit Beiträgen zu antiker Frauenliteratur (Griech. Dichterinnen, 1876, 21882; Griech. Philosophinnen, 1882, 21885), doch sein Interesse richtete sich bald auf Skandinavien. Er veröffentlichte Werke über die zuvor wenig beachtete Kultur und Literatur Islands, Übersetzungen skandinav. Autoren (z. B. H. Ibsen, H. Drachman, J. Th. Thoroddsen) und altnord. Texte sowie Sprachlehrbücher zum Dänischen, Schwedischen, Norwegischen und Altnordischen, Besonders sein Norwegischlehrbuch (1890), obwohl eine Kompilation vorhandener Lehrwerke, wurde aufgrund seiner Brauchbarkeit v. a. in Norwegen im Unterricht an Hochschulen geschätzt und viel benutzt. Mit „Island, das Land und seine Bewohner nach den neuesten Literarischen Quellen“ (1885) veröffentlichte P. ein umfassendes kulturhistorisches Handbuch. Seine profunden Quellenkenntnisse (Aufenthalt in Island 1906) bieten Informationen, die zuvor in deutscher Sprache nicht zugänglich waren und die er bis zu seinem Tod aufgrund seiner umfangreichen Korrespondenz mit skandinav. Geistesgrößen ergänzte. P.s wichtigstes Werk, „Isländ. Dichter der Neuzeit in Charakteristiken und übersetzten Proben ihrer Dichtung“ (1897), verzeichnet alle bedeutenden Autoren der isländ. Literaturgeschichte von der Reformation bis zur Neuzeit und schuf so erstmals solide Grundlagenwerke zum Studium der Texte. P.s Tätigkeit fällt in eine Zeit, in der das Interesse an den Literaturen Skandinaviens im deutschsprachigen Raum langsam erwachte und Wissenschaftler (K. Maurer, E. Mogk, A. Heusler, A. Baumgartner) begannen, sich mit der klassischen Sagaperiode zu befassen. P. trug wesentlich zur Verbreitung der nord. Literaturen bei und kann als ein Wegbereiter für deren wissenschaftliche Erforschung gelten. Seine Leistungen fanden v. a. in Island große Anerkennung, welche ihm im deutschsprachigen Raum weitgehend versagt blieb.|

  • Auszeichnungen

    Hofrat (1913); Orden d. Eisernen Krone III. Kl. (1908); Ritter Islands (1909); Dr. phil. h. c. (Graz 1917); Ehrenmitgl. d. Isländ. Lit.ges., Reykjavík u. Kopenhagen, u. d. Griech Lehrerver., Athen; ausw. Mitgl. d. Dän. geograph. Ges., d. Geneal. Inst. in Kopenhagen u. d. Ges. d. Wiss. u. d. Schönen Künste, Göteborg; Gedenktafel am Geburtshaus in Bad Aussee.

  • Werke

    Weitere W Aus Hellas, Rom u. Thule, Cultur- u. Litteraturbilder, 1882, 21884;
    Einl. in d. Studium d. Altnordischen, I: Grammatik, 1882, II: Lesebuch mit Glossar, 1887;
    Isländ. Märchen, Aus den Originalqu. übertr., 1883;
    Lehrb. d. Norweg. Sprache f. d. Selbstunterr., 1890, 41931;
    Zur Gesch. d. isländ. Dramas u. Theaterwesens, 1903;
    Eislandblüten, Ein Sammelbuch neuisländ. Lyrik, 1904;
    Steingrímur Thorsteinsson, Ein isländ. Dichter u. Kulturbringer, FS z. 80. Geb.tag d. Meisters, 1912;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: unveröff. Mss., wahrsch. auch Korr. in: Landesbibl. Reykjavík; Bad Aussee, Kammerhofmus.

  • Literatur

    M. Morold, in: Heimgarten. Beil. zu: Der Wahrheitsfreund 34, 1910, S. 266-79;
    A. Schlossar, in: Grazer Schreibkal. f. d. Schaltj. 1908. Jg. 124, 1908, S. 66-69;
    þýzkir fræðimenn er sinnt hafa íslenzkum efnum, in: Almanak hins íslenzka þjóðvinafélags, 1929, S. 25-43;
    St. Thorsteinsson, Til J. C. P.s hirðráð, in: Skirnir, 1913, S. 231 (P);
    H. Feddern-Reifegerste, J. C. P., Zw. Thuleromantik u. Nordistik, Mag.arb. Köln 1989 (W-Verz.);
    DBJ IV, Tl.;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1901-1935;
    Giebisch-Gugitz;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Heike Feddern-Reifegerste
  • Empfohlene Zitierweise

    Feddern-Reifegerste, Heike, "Poestion, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 574 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116249978.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA