Lebensdaten
geboren Mitte 15. Jahrhundert?
Beruf/Funktion
Zwickauer Bürgermeister ; Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 115456392 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stüler, Johannes
  • Stella, Erasmus
  • Stüler, Johannes
  • mehr

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Stella, Erasmus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115456392.html [11.12.2019].

CC0

  • Leben

    Stella: Erasmus St., Arzt und Geschichtschreiber. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts zu Leipzig als Sohn eines Bürgers dieser Stadt, Johannes Stüler, geboren, widmete er sich der gelehrten Laufbahn und wurde im J. 1470 an der Universität seiner Vaterstadt immatriculirt. Im J. 1480 erhielt er die Würde eines Baccalaureus, 1481 die eines Magisters der Philosophie und wurde 1488 zum Assessor der philosophischen Facultät befördert. Offenbar hat er zunächst die humanistischen Studien und daneben als Berufsfach die Arzneikunst betrieben. Als begabter und gewandter Mann hat er es nach allem, was wir wissen, verstanden, zahlreiche Verbindungen anzuknüpfen, die sich bis an den Dresdener Hof erstreckten. Im Verlaufe des letzten Jahrzehnts des gedachten Jahrhunderts unternahm St. eine Reise nach Italien, die seinen beiden wissenschaftlichen Neigungen nur förderlich werden konnte. In Bologna trat er in nähere Beziehungen zu dem auch als Dichter und Geschichtsforscher bekannten Arzt Giovanni Garzo, dessen Beispiel nicht ohne nachwirkenden Einfluß auf ihn geblieben zu sein scheint. Nach seiner Heimkehr, wahrscheinlich noch vor 1500, ließ er sich in Zwickau als ausübender Arzt nieder und wußte sich hier rasch ein solches Ansehen zu verschaffen, daß er bereits im J. 1501 Mitglied des Rathes und 1513 zum Bürgermeister erwählt wurde. Es wird berichtet, daß er in dieser Stellung u. a. für die Gründung einer griechischen Schule gewirkt habe. Im J. 1518 legte er jedoch dieses Amt nieder und starb am 2. April 1521.

    In der medicinischen Wissenschaft hat sich St. übrigens nicht weiter hervorgethan, dagegen auf anderen Gebieten der Litteratur, vorab der geschichtlichen, eine große Thätigkeit entwickelt, die freilich von erheblichen Schatten begleitet ist. Er hat eine Reihe historischer und antiquarischer Schriften in Prosa und Versen in lateinischer Sprache über die Geschichte von Obersachsen, der Stadt|Zwickau und von Preußen verfaßte, die die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt um so sicherer auf ihn lenkten, als er sich auf die Kunst der Reclame in hohem Grade verstand. Seine geschichtlichen Arbeiten anlangend, so hat man zu seinen Gunsten vielleicht mit Recht hervorgehoben, daß er einer der ersten deutschen Gelehrten war, welche die in Italien gewonnenen Kenntnisse der alten Litteratur zur Aufhellung der vaterländischen Geschichte verwerthet haben, aber freilich hat man zugleich betonen müssen, daß er dieses sein Verdienst durch willkürliche Erfindungen und grobe Täuschungen mehr als getrübt und eine Anzahl von Fictionen und Fälschungen in Umlauf gesetzt hat, die Unheil genug angerichtet haben und nur langsam als solche erkannt worden sind. Daß zu Falschmünzerei dieser Art ein bestimmtes Maß von Kenntnissen und Gewandtheit gehört, ist eine bekannte und nicht in Abrede zu stellende Thatsache, nicht minder gewiß aber wird das begangene Unrecht durch diese Erwägung um nichts besser gemacht. Eine der bekanntesten dieser Fictionen Stella's führt den Titel „De rebus et populis orae inter Albim et Salam“ und will die Geschichte Obersachsens mit den bedenklichsten Mitteln bis auf die griechische Heroenwelt zurückführen. Kein Geringerer als Lessing hat diese Schrift im ganzen Umfange und in authentischer Gestalt abdrucken lassen, um Jedermann die Möglichkeit zu bieten, sich von der versuchten Fälschung zu überzeugen. Derselbe Lessing war es, der den Nachweis führte, daß die angebliche Grabschrift Dante's auf den 1308 ermordeten Markgrafen Dietrich (Diezmann) von Meißen weiter nichts als ein Machwerk Stella's ist. Der Beiname Libanothanus oder Libonothanus, den sich St. im Verlaufe der Jahre gegeben, hängt mit seinen willkürlichen Erfindungen und Täuschungen zusammen, da er den Nachweis geführt zu haben glaubt, daß das Volk der Libanothi zwischen Saale und Pleiße gesessen sei. Eine andere Fälschung Stella's ist die Schrift „De antiquitatibus Borussiae“, worin er dem Hochmeister Friedrich aus dem sächsischen Hause zu Gefallen historisch erweisen wollte, daß das spätere Ordensland bereits ursprünglich von Deutschen bewohnt gewesen sei. Die Schrift ist öfters gedruckt worden und hat vielen Beifall gefunden, dagegen ist ein anderes Werk Stella's, in welchem er die Geschichte Preußens unter der Herrschaft des deutschen Ordens darstellte, gewiß nicht zum Schaden der Wissenschaft rechtzeitig verloren gegangen. Das letzte Machwerk Stella's, das besonders auch die Geschichte des Markgrafen Friedrich des Freidigen behandelt, hat er 1518 unter dem Titel „De rebus Saxoniae, Thuringiae, Libanothiae, Misniae et Lusatiae“ und unter dem Namen seines im J. 1506 verstorbenen Lehrers Garzo erscheinen lassen. Dasselbe fand eine günstige Aufnahme und ist sogar 1546 ins Deutsche übertragen worden. Es leidet im übrigen an denselben dreisten Erfindungen und Entstellungen, die wir in seinen übrigen historischen Schriften hervorgehoben haben. Eine Abhandlung Stella's, „De gemmis“, ist erst nach seinem Tode in Straßburg (1570) gedruckt worden und hat damals die Anerkennung von Sachverständigen gefunden. (St. hat zeitweise auch den Beinamen „sellator“ oder „hippocenius“ [Sattler?] geführt, ohne daß dafür bis jetzt eine genügende Erklärung vorgebracht worden wäre. Der Zuname „Stella“, den er bei seinem ersten Auftreten führt, verdankt wol der Sitte der Zeit oder seiner Bescheidenheit seinen Ursprung.)

    S. S. P. Albinus ( 1598), Meißnische Land- und Bergchronik (Dresden 1784), worin die ersten deutlichen Zweifel gegen die Glaubwürdigkeit Stelle's vorgetragen werben. — Schöttgen und Kreyßig, Diplomatische und kuriose Nachlese der Historie von Obersachsen I, 500 flg. (1730). — Lessing, S. W., Ausgabe von Lachmann-Maltzahn IX, 302 ff. — J. Chr. Adelung, Directorium der Quellen der südsächsischen Geschichte S. 146—147, 157—158. — Th. Hirsch in der Einleitung zum Abdruck der Schrift Stella's „De antiquitatibus Borussiae“ in den SS. R. Pruss. IV, 274, 277.

  • Autor/in

    Wegele.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wegele, Franz Xaver von, "Stella, Erasmus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 30-31 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115456392.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA