Lebensdaten
um 1430 bis 1483
Geburtsort
vermutlich Mellrichstadt
Sterbeort
Meißen
Beruf/Funktion
Frühhumanist ; sächsischer Rat
Konfession
-
Normdaten
GND: 104209801 | OGND | VIAF: 20110806
Namensvarianten
  • Stercker von Mellerstadt, Heinrich
  • Heinrich Stercker
  • Stercker, Heinrich
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - Bekannte und Freunde

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Stercker, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104209801.html [24.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbekannt;
    Ov N. N., Pfarrer in Thüringen.

  • Leben

    Gefördert von einem Bruder seines Vaters immatrikulierte sich S. 1454 an der Univ. Leipzig, wo er zum Mittelpunkt eines Kreises junger Humanisten um Servatius Göswein, Peter Luder und Hartmann Schedel avancierte. Das frühhumanistische Programm S.s, das sich gegen das herkömmliche Studium der Artes stellt, spiegelt sich in einer Reihe von Briefen, die als Stilmuster gebraucht wurden und im wesentlichen in zwei geschlossenen Münchener Corpora vorliegen. Nach 1462 setzte S. das in Leipzig um 1460 begonnene Studium des Kirchenrechts in Perugia fort. Nach seinem Italienaufenthalt wurde er in|Leipzig zum Dr. decretorum promoviert. 1460 trat S. in den Dienst der Bischöfe von Meißen, bevor er 1469 zum Rat der sächs. Landesherrn Ernst und Albrecht berufen wurde, ohne dabei Dichtung und humanistisches Interesse aufzugeben. 1470 begleitete S. Hzg. Albrecht auf einer Reise nach Österreich. Als 1474/75 Albrecht der Beherzte mit einem Reichsheer für den Kaiser ins Feld zog, um die von Hzg. Karl dem Kühnen von Burgund belagerte Stadt Neuss zu befreien, berichtete S. von der Belagerung und den Kämpfen gegen Karl. 1476 führte S. eine Delegation an den Hof Ks. Friedrichs III. nach Wiener Neustadt an, welche der Anerkennung Ernsts von Sachsen, des gleichnamigen Sohnes des Kurfürsten, als Erzbischof von Magdeburg dienen sollte. Von Wiener Neustadt begab sich S. nach Rom, um dort, unterstützt von seiner brandenburg. Abordnung unter Leitung Hertnidts vom Stein, zunächst in derselben Frage Gespräche mit Papst Sixtus IV. zu führen und sich anschließend der Pilgerfahrt Albrechts ins Hl. Land anzuschließen. 1478 leitete S. eine Gesandtschaft, die von Kg. Wladislaw von Böhmen eine Entschädigung für den Zug Hzg. Albrechts nach Böhmen erwirken sollte. 1480 begleitete S. Kf. Ernst auf seine Reise nach Rom, die vordergründig als harmlose Pilgerfahrt dargestellt wurde, in Wahrheit aber hochrangige politische Ziele verfolgte, indem sie eine entsprechende Versorgung der Söhne Kf. Ernsts mit kirchlichen Ämtern weiter vorantreiben sollte. S. hatte wichtige Anteile am Erfolg des Unternehmens. S. wurde von den sächs. Landesherren mit Kanonikaten an den Domkirchen zu Meißen, Merseburg, Naumburg und Freiberg gut versorgt. In das Meißner Kapitel wurde S. wohl noch vor 1478 aufgenommen. Nach dem Tod des Paul von Mündel erhielt er hier 1481 das Amt des Scholasticus. S. war beteiligt an der Gründung des Kollegiatstifts in Freiberg. Als 1480 die bisherige Freiberger Stadtkirche St. Marien zur Stiftskirche umgewandelt wurde, erhielt S. eines der sieben Kanonikate. S. war Mitglied der Bruderschaft der dt. Kirche S. Maria dell’Anima in Rom. Der Eintrag im Bruderschaftsbuch der Kommunität zeigt seinen Status als Meißner, Merseburger und Naumburger Domherr. S. ist auch bezeugt als Beisitzer bzw. Assessor im Kammergericht Ks. Friedrichs III. in der Zeit der Verpachtung dieser Institution an den Mainzer Erzbischof Adolf von Nassau-Idstein. Die „Darmstädter Abschrift“ der Kammergerichtsordnung von 1471 nennt S.s Namen neben dem des Thüringers Dr. Günther Millwitz aus Erfurt und dem des Dr. Otto v. Spiegel aus Meißen. S. zeigt sich als Teil einer Personengruppe von gelehrten Juristen aus dem Mittelrhein-Main-Gebiet, Franken und Thüringen mit stark hennebergischer, aber auch zollerscher und wettinischer Ausrichtung, die überwiegend vorher schon in Diensten des Mainzer Kurfürsten gestanden haben. Mit dem Tod Adolfs 1475 und dem Ende der Verpachtung von Kanzlei und Gericht schieden sie auch aus den Diensten für das Heilige Römische Reich wieder aus. Im Alter von etwa 50 Jahren starb S. in Meißen und wurde im Mittelschiff des Meißner Doms beigesetzt.

  • Literatur

    W. Wattenbach, Peter Luder, d. erste humanist. Lehrer in Heidelberg, in: ZGORh 22, 1869, S. 33–127;
    ders., in: Anz. f. Kunde d. dt. Vorzeit NF 26, 1879, S. 129–32;
    Necrologi della Città di Roma, hg. v. P. Egidi, 1914, S. 25;
    F. Thurnhofer, Die Romreise d. Kf. Ernst v. Sachsen im J. 1480, in: Neues Archiv f. sächs. Gesch. 42, 1921, S. 9 mit Anm. 3;
    Das Taxregister d. röm. Kanzlei 1471–1475, bearb. v. P.-J. Heinig u. I. Grund, 2001, passim;
    J. Schwarz, Der sächs. Rat u. Frühhumanist H. S. aus Mellrichstadt (ca. 1430–1483), in: Der Humanismus an d. Univ. Leipzig, Pirckheimer-Jb. 2008 f. Renaissance- u. Humanismusforsch. 23, 2009, S. 181–93 (Qu, L);
    E. Wunderle, Eine Trauerelegie H. S.s in d. Gothaer Hs. Chart. A 239, ebd., S. 195–200;
    F. J. Worstbrock, in: Vf.-Lex. MA2 IX, Sp. 302–04.

  • Portraits

    Grabplatte, Messing, Erzguß, vermutl. v. P. Vischer (Meißen, Dom), Abb. in: Die Grabmonumente im Dom zu Meißen, hg. v. M. Donath, 2004, Nr. 122, S. 353–55.

  • Autor/in

    Jörg Schwarz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwarz, Jörg, "Stercker, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 265-266 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104209801.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA