Lebensdaten
1522 bis 1590
Geburtsort
Bergzabern (Pfalz)
Sterbeort
Neuhausen
Beruf/Funktion
Botaniker ; Apotheker ; Arzt
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 10413030X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Diether, Jakob (eigentlich)
  • Theodorus, Jacobus
  • Theodorus, Jakob
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Zitierweise

Tabernaemontanus, Jacobus Theodorus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd10413030X.html [17.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. Fam. v. Leibeigenen; V Jakob Diether; M N. N.; 1) N. N., 2) N. N., 3) N. N.; 18 K u. a. Johann Jacob (* 1552/53), Arzt, Philipp Jacob (* um 1554), Arzt.

  • Leben

    Trotz einfacher Herkunft besuchte T., gefördert von Schulmeister Nikolaus Thomae (um 1492–1546), die Lateinschule, erlernte den Apothekerberuf in Weißenburg (Elsaß) und studierte mutmaßlich zwischen 1540 und 1548 in Frankreich, evtl. in Montpellier, Medizin. Spätestens 1549 hielt sich T. wieder in Bergzabern auf, ging aber nach einem Pestausbruch zu Hieronymus Bock (1498–1554) nach Hornbach bei Zweibrücken. In den folgenden Jahren wurde Bock zum Lehrer und Freund T.s, der ihn bei den Arbeiten zur dritten, 1551 erschienenen Ausgabe seines „New Kreüter Buch“ unterstützte. Auf Bocks Empfehlung erhielt T. 1550/51 eine Anstellung als Arzt am Hof von Gf. Philipp III. v. Nassau-Saarbrücken, der ihn 1551 aus der Leibeigenschaft entließ. Nach dem Tod Philipps III. 1559 zog T. von Saarbrücken nach Weißenburg, wo er als Apotheker tätig war, jedoch für weitere zehn Jahre im Dienst Nassau-Saarbrückens stand. 1561–80 war T. zudem Hofarzt des Speyrer Bischofs Marquard v. Hattstein (1529–81). Im April 1569 begleitete er diesen zum Reichsdeputationstag nach Frankfurt/M. und reiste von dort nach Langenschwalbach (heute: Bad Schwalbach), dessen heilsames Quellwasser er Bf. Marquard empfahl. T.s 1581 in Frankfurt/M. erschienener „Neuw Wasserschatz“ machte diese Heilquelle weithin bekannt. Marquard unterstützte zudem die botan. Forschungen seines Arztes, gestattete T., ausgewählte Pflanzen im Lustgarten seiner Residenz Udenheim (heute: Philippsburg) zu kultivieren und drängte ihn, ein eigenes Kräuterbuch zu veröffentlichen. Bereits 1562 hatte sich T. an der Univ. Heidelberg eingeschrieben und schloß das Studienjahr als Lizentiat der Medizin ab. Seit 1568 nannte er sich „Pfalzgräflicher Medicus“, führte jedoch erst seit 1573 den Titel „der Artzeney Doctor“. 1568 veröffentlichte T. die Fieberschrift „Regiment vnd Rathschlag“, 1573 die Pestschrift „Kurtzer vnderricht vnd Rathschlag“. Zwischen 1577 und 1597 gab er sechs Ausgaben des „Artzney Buch“ von Christoph Wirsung (um 1500–71) heraus. Nach verschiedenen Einsätzen als Feldarzt verlegte T. 1580 seinen Wohnsitz von Heidelberg nach Worms, wo er bis 1584 das Amt eines Stadtarztes innehatte und maßgeblich an der Erstellung einer neuen Apothekerordnung beteiligt war (Reformatio Vnd erneuwerte Ordnung der Apothecken, 1582). Auch ein 1582 gedruckter Katalog der auf den Frankfurter Messen angebotenen „Simplicia“ und „Composita“ dürfte von T. verfaßt worden sein. Nach 1584 verließ T. Worms und zog 1585 in das nahegelegene Neuhausen, wo er als Arzt am „Collegium illustre“, einer pfälz. Fürstenschule, wirkte.

    Als Hauptwerk T.s gilt das „Neuw Kreuterbuch“, das er seit 1552 zu veröffentlichen suchte. Der erste Band erschien nach vielen Verzögerungen 1588 im Verlag von Nikolaus Bassée (um 1536–99) in Frankfurt/M. Die textlosen „Eicones Plantarum“ von 1590 druckte Bassée zur Wiedervermarktung der Holzschnitte, ehe er 1591 mit Hilfe des Marburger Mediziners Nikolaus Braun (1558–1639) die restlichen beiden Bände u. d. T. „Neuw vnd volkommenlich Kreuterbuch“ herausbrachte. Weitere Ausgaben besorgten 1613 Caspar Bauhin (1550–1624) und 1664 dessen Enkel Hieronymus (1637–67), die letzte Ausgabe erschien 1731 (Neudr. 1975). T.s großangelegtes Kompendium faßt nochmals die Ziele der Autoren des 16. Jh. zusammen: Gegnerschaft zu mittelalterlichen arab. Autoren (Antiarabismus), Hinwendung zu Simplizien und naturnahe Abbildungen.

  • Auszeichnungen

    A Gattung „Tabernaemontanae“ d. Apocynaceae (Hundgiftgewächse); Gedenkstein in Bergzabern (1884); T.-Medaille d. Hieronymus-Bock-Ges. (seit 1997).

  • Literatur

    L ADB 37; F. W. E. Roth, in: Cbl. f. Bibl.wesen 14, 1897, S. 84–104 (W-Verz.); ders., in: Mitt. d. Hist. Ver. d. Pfalz 22, 1898, S. 46–70; ders., in: Botan. Ztg. 57, 1899, S. 105–23; K. Bergdolt, in: Mitt.bl. d. Hist. Ver. d. Pfalz, 1990, S. 1–43; W.-D. Müller-Jahncke u. U. Bofinger, Apotheker, Arzt u. Fachschriftst., Jakob Theodor, gen. T. ( . . . ), in: Rosarium litterarum, Btrr. z. Pharmazie- u. Wiss.gesch., hg. v. Ch. Friedrich u. S. Bernschneider-Reif, 2003, S. 219–49; U. Bofinger, Das Kräuterbuch d. J. T. T., Aspekte d. Interpretation, Diss. Heidelberg 2004; BLÄ; Ärztelex.; Lex. Pfälzer; Killy.

  • Portraits

    P s. Digitaler Portraitindex.

  • Autor

    Wolf-Dieter Müller-Jahncke
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller-Jahncke, Wolf-Dieter, "Tabernaemontanus, Jacobus Theodorus" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 750-751 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd10413030X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Theodorus: Jacobus Th., gen. Tabernämontanus, geboren zwischen 1520 und 1530 zu Bergzabern, im September 1590 zu Heidelberg, einer der "deutschen Väter der Botanik", Schüler des Hieronymus Bock (Tragus) und wie dieser, Verfasser eines viel verbreiteten "Kräuterbuchs". Nur wenig ist über die äußeren Verhältnisse des Mannes bekannt geworden; so auch das Jahr seiner Geburt nicht, sowie der genaue Todestag. Nachdem er auf der Klosterschule zu Hernbach i. d. Pfalz unter der Leitung von Hieronymus Bock, der daselbst Prediger war, aber auch die ärztliche Praxis übte und Botanik trieb, sich mit botanischen Studien beschäftigt hatte, ließ er sich zuerst zu Weißenburg als Apotheker nieder, begab sich dann nach Frankreich, wo er die medicinische Doctorwürde erwarb und prakticirte darauf, nach Deutschland zurückgekehrt, an verschiedenen Orten, so zu Saarbrücken als Leibarzt des Grafen von Nassau, zu Speyer als Leibarzt des Bischofs Marquard und dann als Stadtphysikus der freien Reichsstadt Worms. Die letzten Jahrzehnte seines Lebens und Wirkens brachte er in Heidelberg zu als kurfürstlicher Leibmedicus. Hier starb er auch im vorgerückten Alter. Er soll dreimal verheirathet gewesen sein und 18 Kinder gehabt haben, von denen zwei sich als Aerzte ebenfalls einen Namen erwarben. Von den medicinischen Schriften Theodorus', welche ein historisches Interesse bieten, ist zunächst sein 1551 erschienenes Buch über die Behandlung der Pest: "Gewisse und erfahrene Practik u. s. w." erwähnenswerth, welches von seinem Lehrer Bock mit einem Vorworte begleitet wurde. Berühmter aber ist Th. durch eine zweite Schrift geworden, welche unter dem Titel: "New Wasserschatz u. s. w." zum ersten Male weitere Kreise auf die Eisensäuerlinge zu Langenschwalbach aufmerksam machte. Die bedeutendsten litterarischen Leistungen Theodorus' lagen jedoch auf botanischem Gebiete. Die Früchte eines vieljährigen Studiums und regen Sammelfleißes birgt ein Foliant von fast 1600 Seiten, veröffentlicht 1588 unter der Ueberschrift: "Neuw Kreuterbuch mit schönen, künstlichen und leblichen Figuren und Konterfeyten aller Gewächß der Kreuter u. s. w." Ganz in der üblichen Weise der Kräuterbücher seiner Zeit abgefaßt, wie die eines Brunfels, Fuchs, Bock, Mattioli u. A., zeichnet sich das Werk des Tabernämontanus doch vor den entsprechenden seiner Vorgänger durch verhältnißmäßig recht gut gelungene Holzschnitte und im Ganzen treffende Beschreibungen aus. Freilich tritt auch bei ihm der botanische Gesichtspunkt hinter den medicinischen zurück. Es sind namentlich die officinellen Pflanzen, die hier behandelt werden. Das Schema ihrer Beschreibung ist immer dasselbe. Zuerst kommt die Aufzählung der Geschlechter einer Pflanzengattung, oder der species, wie sie Th. bereits nennt; dann ihre Beschreibung, die Angabe der Blüthezeit und des Standortes. Hierauf berichtet der Verfasser, welchen Namen die Pflanze bei Griechen und Römern geführt und welchen sie zur Zeit in den verschiedenen Sprachen Europas führte.|Dann behandelt er ihre Bedeutung für die Heilkunde, ihren innerlichen oder äußerlichen Gebrauch und schließt daran eine Reihe von Recepten. Das Werk erlebte verschiedene Auflagen, die, sämmtlich nach des Verfassers Tode, zum Theil unter verändertem Titel herauskamen und zwar: die zweite, durch Nicolaus Braun besorgt, 1591, die dritte durch Caspar Bauhin 1613, die vierte durch Hieronymus Bauhin 1664 und die beiden letzten erst in den Jahren 1687 und 1731. Auch eine Sonderausgabe von Abbildungen der von ihm in Deutschland als wildwachsend oder angepflanzt beobachteten Gewächse erschien unter lateinischem Titel: "Eicones plantarum etc.", und in lateinischer Sprache, leider ohne Angabe der Zeit des Druckes. 2255 der hier veröffentlichten Abbildungen sind dem Kräuterbuche entliehen.

    • Literatur

      J. Leyser, Theod. Tabernämontanus, Vortr. in der Pollichia, geh. 17. Mai 1880. — Sachs. Gesch. d. Botanik. — Pritzel, thes. lit. bot.

  • Autor

    E. Wunschmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wunschmann, Ernst, "Tabernaemontanus, Jacobus Theodorus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 714-715 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd10413030X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA