Lebensdaten
1803 bis 1880
Geburtsort
Pinne (Posen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Talmudist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 104113316 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pinner, Ephraim Moses
  • Pinner, Ephraim Moritz
  • Pinner, Moritz
  • mehr

Quellen(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Pinner, Moses, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104113316.html [18.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Alexander Sieskind;
    M Edel, T d. Ephraim, aus Lissa.

  • Leben

    Nach einer traditionell-rabbinischen Ausbildung in Lissa und Posen immatrikulierte sich P. 1823 an der Univ. Berlin als Medizinstudent, zugleich besuchte er Vorlesungen in Philosophie, Arabistik sowie Geographie und wurde 1833 in Leipzig zum Dr. phil. promoviert. Ihm lag daran, rabbinische Gelehrsamkeit mit dem akademischen Wissenschaftsideal zu verbinden. Auf zahlreichen Reisen warb P. Subskribenten und Mitarbeiter für eine deutsche Übersetzung des Talmuds mit wissenschaftlichem Kommentar. 1842 erschien als erster Band der Traktat „Berakhot“ (hebr. mit dt. Übers.). P. wollte einerseits assimilierte Juden zur rabbinischen Traditionsliteratur und zu den Sprachen der Tradition zurückführen, andererseits christl. Lesern ein authentisches, vorurteilsfreies Bild von religiösem Gehalt und literarischem Wert des Talmuds vermitteln. Mit dem Übersetzungsprojekt geriet P. zwischen die Fronten innerjüd. Auseinandersetzungen um die zeitgemäße Gestalt des Judentums in der Moderne. Anhänger einer religiösen Reform sahen in der jahrhundertelangen religionsgesetzlich-talmudischen Orientierung des Judentums eine wesentliche Ursache für dessen desolate Situation in der Gegenwart; eine Übersetzung des Talmuds wurde als Rückschritt empfunden. Traditionalisten hingegen befürchteten, daß antijüd. Vorbehalte der nichtjüd. Welt eher befördert als verhindert würden. Auch an P.s religionsgesetzlicher Kompetenz wurden Zweifel laut; Vertreter der Wissenschaft des Judentums wiesen ihm methodische Unsauberkeiten, lexikalische und etymologische Fehler nach. Dem ersten Band dieser ersten deutschen Talmudübersetzung von jüd. Seite sollten eigentlich 27 weitere folgen; dies ließ sich aus finanziellen Gründen nicht realisieren.

    1841 übersiedelte P. endgültig nach Berlin, wo er zum traditionalistischen Lager der Synagogengemeinde gehörte. Er äußerte sich in Denkschriften zu den politischen Debatten um Emanzipation und bürgerliche Gleichstellung der Juden und verfaßte mehrere patriotische Huldigungsgebete. Aus religionsgesetzlichen Bedenken sprach er sich gegen die Einführung der deutschen Sprache in die Synagogenliturgie aus. Gegen Ende seines Lebens schloß er sich der 1866 gegründeten orthodoxen Austrittsgemeinde unter Rabbiner Esriel Hildesheimer an.

  • Werke

    Compendium d. Hierosolymitan. u. Babylon. Thalmud, Ein Btr. z. Gesch. d. Israeliten u. Eine Probeschr. d. zu erscheinenden Uebers. d. ganzen Thalmud, Uebers. u. erl. …Mit e. Vorrede v. J. J. Bellermann, 1. Bd.: Entstehung, Sprache, Aechtheit d. Thalmud, Leben u. Thaten d. Rabbi Simon, d. Sohnes d. Jochai, 1831;
    Talmud Babli/Babylon. Talmud: Tractat Berachoth/Segenssprüche, Mit dt. Uebers. u. d. Commentaren Raschi u. Tosephoth nebst d. versch. Verbesserungen aller früheren Ausgg., Hinzugefügt sind: Neue Lesarten u. Parallelstellen in allen Theilen dieses Tractates u. d. Commentare, Vokalisation d. Mischnah, Interpunktion d. Mischnah u. Gemara, Raschi u. Tosephoth, Etymologie u. Uebertragung d. fremden Wörter, Erklärungen d. Meharschal u. Meharscha, R. Ascher mit Erl. d. Halachah u. d. abweichenden Lesarten, R. Moscheh's, Sohnes R. Maimon's, Commentar z. Mischnah mit Berichtigungen, Einl. in d. Talmud, enthaltend Grundprincipien d. Methodologie u. Exegetik d. Talmud, 1. Bd., 1842;
    Prospectus der der [sic] Odessaer Ges. f. Gesch. u. Alterthümer gehörenden ältesten hebr. u. rabbin. Manuscripte, Ein Btr. z. bibl. Exegese, 1845;
    Offenes Sendschreiben an d. Nationen Europa's u. an d. Stände Norwegen's, Enthaltend: A. Die pol. Stellung d. Juden in allen Staaten seit d. ältesten Zeiten bis jetzt. B. Hauptgrundsätze d. Talmud, Aus d. Qu. dargest., 1848;
    Gesch. d. neuesten Reformen d. jüd. Gde. Berlin's u. deren Bekämpfung, Ein Btr. z. Cultusgesch. d. Juden, 1857;
    Aufruf an d. orth. Rabbiner Europa's u. d. Nothwendigkeit e. streng orth. allg. Rabbiner-Versig., 1858. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Staatsbibl. Berlin, Preuß. Kulturbes. (Tagebuch, ms. or. oct. 356); Geh. StA Berlin-Dahlem.

  • Literatur

    A. Heppner u. I. J. Herzberg, Aus Vergangenheit u. Gegenwart d. Juden u. d. jüd. Gemeinden in d. Posener Landen, 1929, S. 687-90;
    R. N. N. Rabbinowitz, Ma'amar al Hadpasat ha Talmud, Toledot hadapus ha-talmud, hg. v. A. M. Habermann, 1952, S. 140 f., 246-48;
    Jüd. Lex. IV/1;
    Wininger;
    Enc. Jud. 1971.

  • Autor/in

    Thomas Kollatz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kollatz, Thomas, "Pinner, Moses" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 455 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104113316.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA