Lebensdaten
1736 bis 1784
Geburtsort
Lampertheim bei Straßburg
Beruf/Funktion
Mediziner ; Anatom ; Chirurg
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 102415161 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lobstein, Johann Friedrich der Ältere
  • Lobstein, Johann Friedrich
  • Lobstein, Johann Friedrich der Ältere

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Zitierweise

Lobstein, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102415161.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Anton, Wundarzt in L., zeitweilig engl. Rgt.chirurg, S e. Ölmüllers;
    M Maria Ursula, T |d. Ratsherrn Sebastian Eckel in St.;
    S Daniel (1777-ca. 1840), Mil.arzt;
    N Joh. Friedrich d. J. (s. 2).

  • Leben

    Vom Vater auf den Beruf eines Wundarztes vorbereitet, begann L. sein Medizinstudium 1752 in Straßburg, promovierte hier 1760 zum Dr. med. und habilitierte sich 1762, nachdem ihn Bildungsreisen nach Frankfurt, Leiden und Paris geführt hatten. 1764 wurde er Prosektor und Demonstrator am Anatomischen Theater, 1778 ao. und wenige Monate später o. Professor für Anatomie und Chirurgie und 1782 außerdem Professor Pathologiae. Seine hervorragenden Leistungen auf all diesen Gebieten trugen wesentlich zu dem guten Ruf bei, den die Straßburger Medizinische Fakultät damals besaß. Auch Goethe nahm als junger Studiosus der Rechte an den Vorlesungen und Übungen „bei dem dicken Chirurgen“ teil, der sein lebenslanges Interesse für die Anatomie zu wecken verstand.

    L.s Dissertation erregte Aufsehen in der wissenschaftlichen Welt, doch hat er später nur wenige kurze Programmreden als Universitätsrektor veröffentlicht. Seine weitgestreuten anatomischen Forschungen sind, dem Brauch der Zeit entsprechend, in die Veröffentlichungen seiner Schüler eingegangen, die er vortrefflich zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit heranzubilden verstand. Vor allem seine Forschungen über das Nervensystem haben seinen Neffen und Johann Daniel Metzger zu weiteren bedeutenden Arbeiten angeregt. Metzger und Philipp Friedrich Meckel wurden so auf die anatomischen Lehrstühle in Königsberg und Halle berufen. – L. war dabei ein gesuchter Chirurg, berühmt durch seine Gewandtheit bei schwierigen Eingriffen. Wie in der Anatomie überließ er auch hier die Publikation gemeinsam gewonnener Arbeitsergebnisse, vor allem über das Urogenitalsystem, seinen Schülern.

    Besondere Bedeutung kommt ihm auf dem Gebiet der Augenkrankheiten zu, zählte er doch zu den wenigen namhaften Okulisten seiner Zeit. Für seine operative Erfahrung und sein manuelles Geschick ist es bezeichnend, daß er die von Jacques Daviel erfundene Starextraktion ausübte, die damals wegen ihrer technischen Schwierigkeiten zahlreiche Gegner besaß. Für sie erfand er ein eigenes Starmesser, das ihre Durchführung wesentlich vereinfachte und damit das Operationsrisiko verringerte. Außerdem schuf er eine Methode zur Beseitigung der Tränenfistel und hat dafür auch selbst spezielle Instrumente entworfen. Nur ein Meister der Operationskunst konnte damals ein solches plastisches Verfahren in Angriff nehmen, und zahlreiche Patienten haben es ihm gedankt. Daß es bei J. G. Herder mißlang, obwohl L. noch während der unglücklichen Behandlung ein neues Instrument zur Bildung eines künstlichen Tränenkanals ersann, lag nicht nur an mehreren Voroperationen (mit Bildung von störendem Narbengewebe); beider Wesensart ließ auch kein ärztliches Vertrauensverhältnis aufkommen, wie es für einen Eingriff mit so langer Nachbehandlung erforderlich war. In der Augenchirurgie wurde Johann Heinrich Jung gen. Stilling sein bekanntester Schüler, und auch hier stammt die genaue Beschreibung von L.s Starextraktionsmethode von diesem und nicht von L. selbst. – Berufungen an andere Orte, wie Göttingen und Berlin, hat L. ausgeschlagen; er blieb bis zum Tod seiner Heimatuniversität treu. Neben seinen Verdiensten um die Medizin bleibt sein Name durch Goethe, Herder und Jung-Stilling eng mit dem Klassischen Zeitalter der deutschen Literatur verbunden.

  • Werke

    Diss. de nervo spinali ad per vagum accessorio, Diss. Straßburg 1760 (mit Abb. u. Zusätzen üb. Venenanomalien;
    so bedeutend, daß sie 4 Auflagen erlebte);
    seine wesentl. Btrr. z. med. Forschung sind in d. Arbb. s. Schüler eingegangen, u. a. in d. Anatomie: J. D. Metzger, De primo pare nervorum, 1766;
    Ph. F. Meckel, De aqua labyrinthi auris, 1771;
    Ph. J. Beykert, De nervis durae Matris, 1772;
    J. Busch, De liene, 1774;
    A. Schumlansky, De structura renum, 1782;
    in d. Chirurgie: J. Nonnemann, De Hernia congenita, in qua Intestinum in Contactu Testis est, 1771;
    J. G. Pfähler, De Calculis Vesicae urinarinae cysticis, 1774. - W-Verz.
    in: J.-E. Dezeimeris, Dictionnaire historique de la médecine III, 2, 1837, S. 465-67.

  • Literatur

    Joh. Michael Lobstein (B), Denkmal d. Liebe, s. Bruder J. F. L. gewidmet, 1784;
    J. H. Jung (gen. Stilling), Methode d. Grauen Star auszuziehen u. zu heilen, 1791;
    E. Michel, Essai sur l'hist. de la chirurgie à Strasbourg, 1855;
    R. Virchow, Göthe als Naturforscher, 1861 (P);
    Ed. Lobstein, J. F. L. sen., Ein Lehrer Goethes in Straßburg, 1880;
    R. Magnus, Goethe als Naturforscher, 1906;
    A. Bader, Entwicklung d. Augenheilkde. im 18. u. 19. Jh., 1933;
    E. Naumann, Herder, in: Herders Werke I, o. J., S. XXVII-XXXV; s. a. L z. 1) u. 2).

  • Portraits

    Medaillon (Frankfurt/M., Goethe-Mus.), Abb. b. Virchow, s. L.

  • Autor/in

    Markwart Michler
  • Empfohlene Zitierweise

    Michler, Markwart, "Lobstein, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 737-738 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102415161.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lobstein: Johann Friedrich L. der Aeltere, Arzt, den 30. März 1736 in Lampertheim (bei Straßburg) geboren, Sohn eines dort lebenden Chirurgen, beabsichtigte in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und sich ebenfalls zum Wundarzte auszubilden, auf Zureden von Bökler aber widmete er sich dem wissenschaftlichen Studium der Medicin und erlangte in Straßburg nach Vertheidigung seiner beachtenswerthen Dissertation „De nervo spinali ad par vagum accessorio“ im J. 1760 die medicinische Doctorwürde. — Nach einer größeren Reise durch Holland und Frankreich habilitirte er sich in seiner Vaterstadt und erhielt hier die Erlaubniß, Vorlesungen über Anatomie und Physiologie zu halten; 1764 wurde er zum Demonstrator in der Anatomie und 1768 nach dem Tode von Eisenmann zum Prof. ord. der Anatomie und Chirurgie ernannt. — Berufungen nach Göttingen und Berlin schlug er aus; ihm genügte seine Stellung|in Straßburg und in dieser ist er auch bis zu seinem am 11. October 1784 erfolgten Tode verblieben. — L. ist nicht ohne Verdienst um die Förderung der Chirurgie und Augenheilkunde, namentlich zeichnete er sich durch Gewandtheit in einzelnen chirurgischen Operationen, dem Steinschnitt, der Cataract- und Thränenfistel-Operation aus. — Mit seiner litterarischen Thätigkeit umfaßte er das ganze Gebiet der Medicin, größere Werke hat er jedoch nicht veröffentlicht, alle seine Arbeiten vielmehr in zahlreichen, unter seinem Vorsitze vertheidigten akademischen Schriften niedergelegt, von welchen sich ein vollständiges Verzeichniß in Dict. hist. de la médecine III. 466 findet. — L. war der Onkel von Joh. Friedr. L. dem Jüngeren (1777—1835) und Lehrer Goethe's.

    • Literatur

      Ueber sein Leben vgl. J. M. Lobstein, Denkmal der Liebe seinem Bruder J. F. L. errichtet, Straßb. 1784 und Vicq d'Azyr, Éloge de J. F. L., Par. 1786.

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Lobstein, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 53-54 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102415161.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA