Lebensdaten
gestorben 1240
Geburtsort
Herfordshire
Sterbeort
Olmütz
Beruf/Funktion
Bischof von Olmütz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 1023967251 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Robert
  • England, Robert von
  • Olmütz, Rupertus de
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Zitierweise

Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1023967251.html [14.11.2018].

CC0

  • Leben

    R., in England geboren, studierte vermutlich in Paris, wurde Mönch im Zisterzienserkloster Ebrach und amtierte 1199 in dessen Filialgründung Pomuk als Prior. Enge Kontakte zu Kg. Přemysl Otakar I. (reg. 1197-1230) bestimmten sein einflußreiches Wirken, das in eine der wichtigsten Entwicklungsphasen Böhmens in politischer, kirchlicher und wirtschaftlicher Hinsicht fällt. Seit 1198/99 als kgl. Kaplan amtierend, reiste R. als Gesandter Otakars in Angelegenheiten von dessen Ehescheidung zu Papst Innocenz III. Vier Jahrzehnte lang war R. ein bedeutender Diktator und Schreiber königlicher und anderer Urkunden. 1201 verschaffte ihm Otakar den Bischofsstuhl zu Olmütz; 1207 konnte R. beim König ein Immunitätsprivileg für seine Bischofskirche, u. a. mit dem Recht der Kanoniker auf kanonische Wahl des Bischofs, erwirken. Bei der von R. erneuerten und ausgestatteten Dompropstei wurde das Amt des Propstes mit dem Kanzleramt für Mähren verbunden. Auf Bitten R.s bestätigte der Papst das Privileg. R. versah weiterhin diplomatische Dienste, nahm 1209 am Hoftag Kg. Ottos IV. in Augsburg teil, zog aber anschließend nicht zur Kaiserkrönung nach Rom. Dorthin kam er sechs Jahre später als Teilnehmer des Laterankonzils. 1217 setzte ihn Honorius III. als „defensor“ der Länder und der Familie des am Kreuzzug teilnehmenden Hzg. Leopold VI. von Österreich ein. Im Konflikt um Investitur-, Abgaben- und Gerichtsrechte zwischen Otakar und dem vom Papst unterstützten Prager Bf. Andreas (reg. 1214-24) stand R. auf kgl. Seite, las trotz Interdikt Messen in Prag und zog sich 1218 den Tadel und die Suspendierung durch den Papst zu, wie 1219 auch Klagen über seine unsittliche Lebensführung und wegen Mordes gegen ihn erhoben wurden. Im Sommer 1221 wirkte er an den Ausgleichsverhandlungen mit, die vom König, einem päpstl. Legaten, Bf. Andreas und anderen Würdenträgern bestritten wurden und sich auch in einem von R. bezeugten Privileg Otakars für das Bistum Prag manifestierten. Nach dem Tod des mähr. Mgf. Vladislav III. 1222 vertrat R. als Statthalter zeitweise den König in der Markgrafschaft. 1229 wurde ein Streit zwischen R. und dem Bischof von Breslau um Diözesangrenzen vor den Papst gebracht.

    Zeitlebens dem Zisterzienserorden verbunden, war R. maßgeblich an dessen Verbreitung in Mähren beteiligt. Bei den přemyslid. Gründungen Velehrad (1204/05), der ersten|Männerzisterze in Mähren, sowie Tišnov (Tischnowitz) (1232/33) und der Adelsgründung Oslavany (Oslawan) (1224/05), den ersten Frauenzisterzen im Königreich Böhmen, war er für die geistlichen Belange zuständig und weihte alle drei Klosterkirchen. Diese Klöster sind auch – wie Pomuk – baugeschichtlich für die Frühgotik in Böhmen von Bedeutung. 1204 hatte R. bereits die Abteikirche der westböhm. Zisterze Plasy geweiht, aus der die Mönche nach Velehrad kamen, wie er um 1207 das Augustinerinnenkloster bei St. Peter in Olmütz gestiftet hatte. In seiner Amtszeit entstanden zudem zahlreiche Niederlassungen weiterer Orden in Mähren. Wesentlich war schließlich sein Wirken beim Landesausbau.

    Kurz vor seinem Tod resignierte R. aus Alters- und Krankheitsgründen nach einem Konflikt mit der Kurie von seinem Bischofsamt. R., während dessen Amtszeit der Einfluß weltlicher Herrschaftsträger auf kirchliche Institutionen in Mähren wesentlich beschränkt wurde, vereinigte gleichermaßen Fähigkeiten als Politiker, Diplomat, Kirchenfürst und Theologe. Er verfaßte Kompilationen zur Beichte und zur Bibelexegese, die ihn als ersten Frühscholastiker in Mähren ausweisen. Von ihm verfaßte, geschriebene und besiegelte Urkunden sind ebenfalls erhalten.

  • Werke

    Compilatio super Cantica canticorum;
    Opus super epistolas;
    Summa confessorum (unvollst.).

  • Literatur

    Codex diplomaticus et epistolaris regni Buhemiae II-III. ed. G. Friedrich, 1912-62;
    J. Šebánek, Kdo byl notář Otakarus 5, in: Studie k české diplomatice doby přemyslovské, hg. v. dems., J. Pražák, Sáša Dušková, 1959, S. 3-39;
    J. Matzke, Das Bistum Olmütz im HochMA, in: Mähr.-Schles. Heimat 13, 1968, S. 16-23;
    E. Barborová, Postavení Moravy v českém státě v době předhusitské, in: Sborník archivních prácí 20, 1970, S. 309-62;
    H. Watzl, Bf. R. v. O. (1201–1240) u. Abt Werner v. Heiligenkreuz (1206–1228), in: FS f. F. Loidl II, hg. v. V. Flieder, 1970, S. 345-53;
    V. Medek, Osudy moravské církve do konce 14. věku 1, 1971, S. 78-85;
    J. Kadlec, Literární činnost biskupa Roberta Olomouckého, in: Studie o rukopisech 14, 1975, S. 69-82;
    J. Kuthan, Die ma. Baukunst d. Zisterzienser in Böhmen u. in Mähren, 1982;
    B. Kopičková, Ženské cisterciácké kláštery v Čechách a na Moravě ve vztahu k církevní hierarchii (13.-počátek 15. století), in: Český časopis historický 91, 1993, S. 385-400;
    K. Charvátová, Dějiny cisterckého řádu v Čechách 1142-1420 1, Fundace 12. století, 1998, S. 207-47;
    Biogr. Lex. Böhmen.

  • Autor/in

    Karel Hruza
  • Empfohlene Zitierweise

    Hruza, Karel, "Robert" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 676-677 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1023967251.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA