Lebensdaten
1902 bis 1958
Geburtsort
Danzig
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Motorenbauer
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 101824572 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • L’Orange, Rudolf
  • Orange, Rudolf l'

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Zitierweise

L’Orange, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101824572.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Prosper (s. 1);
    B Harro (1904–40), Ing.;
    - Berlin 1940 Brigitte (* 1909), Tänzerin, T d. Percival Stegmann v. Pritzwald (1868–1938), Prof. d. Tierzucht in Jena (s. Dt.-balt. Biogr. Lex., 1970), u. d. Alice v. Neander;
    3 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Mannheim absolvierte L. eine Schlosserlehre und ging dann zum Studium des Schiffbaus an die TH Charlottenburg. Er machte unter Felix Gf. Luckner eine Seekadetten-Ausbildungsreise mit und war dann Maschinen-Assistent auf Fischkuttern. 1927 nahm ihn der Vater als Versuchs- und Patentingenieur in seine Firma auf, wo L. an seiner Idee der Diesel-Gleichstrom-Einspritzpumpe arbeitete und die Serienfabrikation von Einspritzdüsen für die Flugmotorenhersteller leitete. Nachdem sein Vater die Herstellungsrechte seiner Erfindungen an die Robert Bosch AG verkauft hatte, gründete L. 1932 zusammen mit seinem Bruder Harro die Firma „Gebr. L'Orange Motorzubehör, Stuttgart-Feuerbach“. Das Unternehmen wandte sich dem Flug- und Schiffsmotorenbereich zu und fertigte Stempel, Zylinder, Nadeln und Nadelführungen für Einspritzpumpen. L., der die Gleichstrom-Einspritzpumpe erfunden und Einspritzausrüstungen für Otto-Flugmotoren entwickelt hatte, lieferte für alle Flugmotoren von Daimler-Benz die Einspritzdüsen und exportierte komplette Einspritzpumpen seiner Bauart. Zur Belieferung der Marine mit seinen Einspritzpumpen gründete er als Zweigfirma die „Norddeutsche L'Orange GmbH Hamburg“. Als Ende der 30er Jahre neue Antriebstechniken (Gasturbine, Staustrahlrohr, Raketenmotor) aufkamen, erfand L. dafür Einspritzgeräte und die Zweimengendüse für kontinuierliche Zerstäubung, die bald allgemeine Anwendung fanden. Er konnte daraufhin drei weitere Betriebe in Dresden, Niederschöneweide b. Berlin und Neudamm (Pommern) gründen. Den Berliner Betrieb verlagerte er während des 2. Weltkriegs nach Glatten b. Freudenstadt (Schwarzwald).

    Nach Kriegsende bildete die Zusammenarbeit mit der Maybach-Motorenbau GmbH, Friedrichshafen, die Basis für den Neubeginn seit 1947. Karl Maybach benutzte in seinem ersten Nachkriegsprogramm schnellaufender, leichter Großdieselmotoren für Lokomotiven und Schiffe L.s Gleichstromsystem. Um 1950 entwickelte L. in Zusammenarbeit mit Maybach die Pumpedüse, eine Kombination von Einspritzpumpe und -düse, die ebenfalls nach dem Gleichstromprinzip arbeitete und wegen ihrer Raumersparnis und kurzen Einspritzdauer für Großdieselmotoren unentbehrlich wurde. Diese Neuerungen hatten so viel Erfolg, daß L. von Glatten aus bald wieder Zweigbetriebe in München, Hamburg und Stuttgart-Zuffenhausen eröffnen konnte. Als Erfinder, Konstrukteur und erfolgreicher Unternehmer stand er mit allen deutschen Motorenfirmen in Verbindung und erhielt Entwicklungsaufträge aus dem In- und Ausland. Nach seinem Tod führte seine Witwe die Geschäfte der L'Orange GmbH Stuttgart bis 1978 weiter. Seit 1979 befand sich die Firma im Besitz der SWF Spezialfabrik für Autozubehör GmbH in Bietigheim, eines Tochterunternehmens des ITT-Konzerns. 1985 wurde sie von der Motoren- und Turbinen-Union GmbH (Daimler-Benz-Gruppe) übernommen.

  • Werke

    Der Herstellerring, 1942;
    Die kombinierte Pumpedüse, in: Schiff u. Hafen 7, 1955, H. 12, S. 915 f. -
    DRP 668 325, 687 574, 665 886, 687 229, 680 385, 726 061 v. 1932-37 (Brennstoff-Einspritzpumpen f. Dieselmaschinen);
    852 926 v. 1948 (Einspritzpumpe f. Mehrzylinder-Motoren).

  • Literatur

    H. Bauermeister, in: Schiff u. Hafen 10, 1958, H. 2, S. 165;
    VDI-Nachr. 12, 1958, Nr. 3, S. 12;
    Motortechn. Zs. 19, 1958, Nr. 3, S. 101 (P);
    Die L'Orange-Pumpedüse, ebd., Nr. 6, S. 227;
    F. Sass, Gesch. d. dt. Verbrennungsmotorenbaues 1860-1918, 1962, S. 501, 606;
    E. Cernea, Freikolben-Verbrennungskraftmaschinen, 1962, S. 264;
    St. Zima, Die Entwicklung schnellaufender Hochleistungsmotoren in Friedrichshafen, Diss. TU Berlin 1984, S. 306-10, 720 f. -
    Mitt. v. Frau Andrea L'Orange (T).

  • Autor/in

    Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß
  • Empfohlene Zitierweise

    Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, "L’Orange, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 161 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101824572.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA