Lebensdaten
um 1430 oder 1435 bis 1499
Geburtsort
's-Heerenberg Gemeinde Bergh (Provinz Gelderland)
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Philosoph ; Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100975704 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lambert
  • Lambertus de Monte Domini
  • Lambert von Heerenberg
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Lambert von Heerenberg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100975704.html [29.01.2020].

CC0

  • Genealogie

    Om Gerhard ter Steghen ( 1480), Rektor d. Montaner-Burse in K.;
    B Johannes ( 1508), Kanoniker an St. Andreas in K.

  • Leben

    L. studierte in Köln seit 1450, wurde 1454 mag. artium und war 1455-73 Professor in der Artistenfakultät. Nach dem Erwerb der Grade eines magister sacrae theologiae 1467 und des doctor theologiae 1473 war er 1473-99 städtischer Professor für Theologie, mehrfach Dekan der Theol. Fakultät und im Studienjahr 1478/79 zweimal Rektor der Universität. Von 1480 bis zu seinem Tode bekleidete er das Amt des Rektors der Montaner-Burse, um deren Institutionalisierung er sich verdient machte. Für die Jahre 1460-80 ist er als Kanoniker an St. Aposteln, seit 1486 als Kanoniker an St. Andreas zu Köln nachgewiesen.

    L. war Scholastiker in der Nachfolge von Thomas von Aquin. Schon zu Lebzeiten wird er als „thomista“ bezeichnet. In umfangreichen Kommentaren zur Logik und zur Psychologie sowie zur Physik und Naturphilosophie des Aristoteles erläutert er dessen Lehre „gemäß der Methode und Lehre der Magister der Kölner Montaner-Burse“ und verfaßte Lehrbücher zu den Summulae logicales des Petrus Hispanus sowie zu einigen Traktaten der logica modernorum. Bei den „Werken“ L.s, um die Wende vom 15. zum 16. Jh. mehrfach in Köln gedruckt, handelt es sich um Zusammenstellungen eigener, vor allem aber fremder Texterläuterungen, die, der Intention entsprechend, didaktisch aufbereitete, Studien- und examensbegleitende Lehrbücher für den Hausgebrauch waren. Ein Bild von L.s eigener Lehre ist daraus nur schwer zu gewinnen. Das ist eine Folge der beiden kennzeichnenden Merkmale derartiger Bursenliteratur, wie es sie ebenfalls in der konkurrierenden Kölner Albertisten-Burse, der Bursa Laurentiana, gab: die Anhäufung von Aristoteleskommentierungen des Thomas von Aquin, aber auch anderer, wie von Porphyrius und Gilbert von Poitiers sowie syr., arab. und jüd. Philosophen, vor allem aber die Tatsache, daß es sich um Gemeinschaftsprodukte der Bursen-Professoren handelt. So benutzt L. nicht nur ausgiebig die Schriften seiner Amtsvorgänger Heinrich von Gorkum und Gerhard ter Steghen, die er zum Teil nur überarbeitet; auch bei seinen eigenen postum erschienenen Werken ist mit redaktionellen Veränderungen zu rechnen. In der Frage einer Realdistinktion zwischen Sein und Wesenheit oder in der Bestimmung der Seinsweise der Seele allerdings lassen sich bei L. Differenzierungen innerhalb des Montaner-Thomismus feststellen. Über seine theologische Lehre ist bis auf die „Quaestio magistralis“, in der er die Möglichkeit des Seelenheils des →Aristoteles argumentativ behandelt und positiv entscheidet, bisher so gut wie nichts bekannt. Die Beurteilung der Leistung L.s ist – außer bei seinen Zeitgenossen – überwiegend negativ (Prantl, Duhem, G. Ritter). Wenn er auch nicht zu den bedeutenden Philosophen des 15. Jh. gerechnet werden kann, so ist er doch mit Heinrich von Gorkum und Gerhard ter Steghen zu den Hauptfiguren des Thomismus an den deutschen Universitäten des 15. und 16. Jh. zu zählen.

  • Werke

    u. a. Copulata omnium tractatuum Petri Hyspani, etiam Sincathegoreumatum et parvorum logicalium cum textu, secundum doctrinam divi Thomae Aquinatis iuxta processum magistrorum Coloniae in bursa montis regentium, 1480, erneut ca. 1487, 1487 (ohne Textbeigabe), 1489, *1490, *1493 (* = korrigierte u. verbesserte Ed.), 1496 als Copulata commentaria textui omnium tractatuum …, 1503 als Copulata pro elucidatione sex tractatuum Petri Hispani …, 1507;
    Copulata pulcherrima diversis ex auctoribus in unum corrogata in veterem artem Arestotelis cum textu eiusdem secundum viam divi doctoris Thomae de Aquino …, 1490 u. 1494;
    Copulata pulcerrima in novam logicam Arestotelis textum simul impressum luce clarius exponentia secundum viam … sancti Thomae Aquinatis …, 1493 u. ö.;
    Copulata in libros de Anima Arestotelis, ca. 1485 (2 Ausgg.), erneut 1486, ca. 1488, ca. 1492 u. ca. 1494;
    als Expositio circa tres libros De Anima Aristotelis …, 1490 u. 1498 (Expositio saluberrima, eine Überarbeitung d. De anima-Erklärung d. Gerhard de Monte);
    Positiones circa libros physicorum et de anima Aristotelis iuxta ordinarium et disputationum processuum magistrorum Coloniae …, 1494 u. 1498 (Zus.stellung v. Erklärungen d. Thomas v. Aquin u. d. Thomisten Heinrich v. Gorkum, Gerhard ter Steghen, Gerhard v. Elten u. Heinrich v. Orsoy z. aristotel. Physik u. zu De anima);
    Copulata circa octo libros phisicorum Aristotelis iuxta doctrinam sancti Thomae de Aquino, ca. 1485;
    Copulata super octo libros physicorum Aristotelis cum textu eiusdem …, ca. *1489, ca. 1491 u. 1493;
    dass., als expositio textualis *1498;
    Quaestio magistralis … de saluatione Arestotelis stragerite (sic!) nati Nicomaci, ca. 1498;
    wahrsch. v. L.: Positiones de caelo et mundo Aristotelis (Buch I, II u. IV nach d. Erklärungen d. Heinrich v. Gorkum u. d. Gerhard v. Elten), 1501. -
    Ein Teil dieser Ausgg. beschrieben v. E. Voulliéme, Der Buchdruck Kölns b. z. Ende d. 15. Jh., 1903, S. 50-54 u. 323-29.

  • Literatur

    C. Prantl, Gesch. d. Logik im Abendlande IV, 1870, S. 224 f.;
    P. Duhem, Le Système du monde, Hist. des doctrines cosmologiques de Platon à Copernic X, 1959, S. 152-55, 157-64, 167-72 (mit Textauszügen aus d. Physikkommentar, in franz. Übers.);
    A. G. Weiler, H. v. Gorkum ( 1431), 1962, S. 111-19;
    H. G. Senger, Albertismus? Überlegungen z. „via Alberti“ im 15. Jh., in: Miscellanea Mediaevalia 14, 1981, S. 225-36. - Zur salvatio Aristotelis:
    A.-H. Chroust, A Contributio|to the Medieval Discussion: Utrum Aristoteles sit salvatus, in: Journal of the Hist. of Ideas 6, 1945, S. 235 f.;
    H. G. Senger, Was geht L. v. H. d. Seligkeit d. Aristoteles an?, in: Miscellanea Mediaevalia 15, 1982.

  • Portraits

    Meister d. Marienlebens, „Kreuzabnahme“ (auch „Beweinung“), Altartriptychon (Altar de Monte) v. L. u. Johannes v. H. gestiftet in St. Andreas zu Köln, um 1490 (L. auf d. linken, J. auf d. rechten Flügelbild, Gerhard auf d. Hauptbild) (Köln, Wallraf-Richartz-Mus.), Beschreibung u. Abdr. d. Inschriften b. J. J. Merlo, Köln. Künstler in alter u. neuer Zeit, 1895, Sp. 1160 f.

  • Autor/in

    Hans Gerhard Senger
  • Empfohlene Zitierweise

    Senger, Hans Gerhard, "Lambert von Heerenberg" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 433-435 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100975704.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA