Lebensdaten
erwähnt 1774, gestorben vermutlich 1228
Sterbeort
Milevsko
Beruf/Funktion
Abt von Mühlhausen/Böhmen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100942717 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jarloch
  • Gerlach
  • Jarloch
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Orte

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Zitierweise

Gerlach, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100942717.html [20.03.2019].

CC0

  • Leben

    Gerlach (böhmisch Jarloch), der erste Abt von Mühlhausen in Böhmen, war von guter Abkunft, vielleicht ein Verwandter des Grafen Georg von Milewsk. Seinen Oheim nennt er selbst zum J. 1174 „Herrn Gerhard“. Geboren am 1. November 1165 wurde er als neunjähriger Knabe nach Würzburg auf die Schule geschickt, von wo ihn indeß Abt Gotschalk mit sich in das neugegründete Prämonstratenserkloster Selau (im Czaslauer Kreise an der Zeliwca gelegen) nahm (1177). Er wurde später Caplan dieses hochverehrten Mannes, der am 18. Februar 1184 starb. Am 25. Februar empfing G. durch Bischof Heinrich von Prag die Weihe zum Diacon, 1186 die zum Priester und trat zu diesem Manne ebenfalls in ein nahes Verhältniß. Er scheint zu dessen Capelle gehört zu haben, bis er 1187 erster Abt des vom Grafen Georg gestifteten Prämonstratenserklosters Milouic oder Mühlhausen im Taborer Kreise wurde. 1190 erlebte er den Brand des Klosters, 1197 geleitete er mit dem Grafen Georg den Cardinal Petrus nach Prag. Von da an läßt sich sein Name nur in Urkunden bis 1221 verfolgen. Nach Hajek's freilich wenig verläßlichem Zeugnisse starb er 1228. 1234 wird als Abt von Mühlau bereits Johann genannt. In Gerlach's Hände gelangten die hinterlassenen Papiere des Geschichtsschreibers Vincentius von Prag. Er ließ sie geordnet abschreiben, fügte einige Bemerkungen hinzu und setzte selbst die Arbeit vom J. 1167 an fort. Leider ist der Schluß dieser werthvollen Fortsetzung verloren und dieselbe bricht gegenwärtig mit dem J. 1198 ab. In die Fortsetzung nahm G. auch den ganzen Bericht des sog. Ansbert über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I. auf, welchem Umstande wir die Erhaltung dieser wichtigen Quellen verdanken. Das Autograph, einst Eigenthum des Klosters Mühlhausen, befindet sich gegenwärtig im Kloster Strahov, wohin es nach manchen Wechselfällen, in Folge deren es bereits der Vernichtung anheimzufallen drohte, gelangt ist und wird daher gegenwärtig als codex Strahoviensis bezeichnet. Nachdem bereits Pesina einen kleinen Theil Gerlach's in seinem Phosphorus unter dem Pseudonym eines Domherrn Jaroslaw von Prag herausgegeben hatte, veröffentlichte zuerst (1764) G. Dobner, Monum. hist. Bohem. T. I., nach einer späteren Abschrift (Wokaun's) die ganze Quelle. Dobner erkannte zwar bereits, daß die ganze Fortsetzung des Vincentius von G. herrühre. Der Umstand aber, daß ihm noch eine zweite erst mit dem J. 1191 beginnende Abschrift vorlag, bewog ihn, die Quelle bis zu diesem Jahre als chronographus Siloënsis zu bezeichnen. Eine zweite Ausgabe verdanken wir Wattenbach in den Monum. Germ. SS. XVII. (mit trefflicher Einleitung), eine dritte Pangerl und Tauschinski unter dem Titel Codex Strahoviensis (Font. rer. Austriac., Abtheil. II. Bd. V.); eine vierte von Emler enthalten die Fontes rer. Bohem. T. II. P. II. 1875. Vgl. auch Dobrowsky's Einleit. zur Ausgabe|Ansberts, Prag 1837, wo der Schluß Gerlach's ebenfalls abgedruckt ist, Palacky, Würdigung u. s. f., S. 79 ff., und Wattenbach, Deutschlands Geschichtsq., (4. Aufl.) II. 247.

  • Autor/in

    v. Zeißberg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Zeißberg, Heinrich von, "Gerlach" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 7-8 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100942717.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA