Dates of Life
1677 bis 1747
Place of birth
Stralsund
Place of death
Halmstad (Provinz Halland, Schweden)
Occupation
schwedischer Offizier ; Sibirienforscher ; Geograph ; Kartograph ; Sprachwissenschaftler
Religious Denomination
-
Authority Data
GND: 100632025 | OGND | VIAF: 44294159
Alternate Names
  • Strahlenberg, Philip Johan von
  • Tabbert von Strahlenberg, Philipp Johann von (seit 1723)
  • Tabbert, Philipp Johann (bis 1723)
  • more

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Citation

Strahlenberg, Philipp Johann von, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100632025.html [26.02.2021].

CC0

  • Genealogy

    V Christian Tabbert († 1693), Landrentmeister in St.;
    M Maria Eleonore, evtl. T d. Martin Klinckow (1613–61, auf Steinhagen, Ratsherr in St., u. d. Maria Schulten (1623–76;
    Om Johann v. Klinckowström (bis 1678 Klinckow) (1642–1702, schwed. Adel 1678), schwed. Oberst, Kdt. v. St., (s. NDB XII, Fam.art.), Martin v. Klinckowström (bis 1684 Klinckow) (1650–1717, schwed. Adel 1684), schwed. Oberst, Landrentmeister in Pommern;
    B Peter Siegfried (bis 1707 Tabbert) (* 1680, schwed. Adel 1707), schwed. Offz., begleitete Kg. Karl XII. auf dessen Weg in d. Türkei u. kehrte 1715 mit diesem n. Stralsund zurück, Martin Tabbert;
    N. N.;
    3 S, 8 T.

  • Life

    Unter dem Einfluß seines Onkels Martin Klinckow trat S. zusammen mit seinem Bruder Peter Siegfried in schwed. Militärdienst. Er diente 1697 bei Befestigungsarbeiten in Stralsund und 1698 als Leutnant mit gleichen Aufgaben in Wismar. Mit Beginn des Nord. Krieges 1700 waren beide Brüder im aktiven Truppeneinsatz. Für erwiesene Tapferkeit im Gefecht bei Fraustadt (13. 2. 1706) wurden sie 1707 vom schwed. König geadelt. Beide nahmen im Juli 1709 an der Schlacht bei Poltawa (Ukraine) teil. Im schwed. Adelsverzeichnis wird angegeben, daß S. unmittelbar nach der Schlacht bei Poltawa in russ. Gefangenschaft geraten sei; sein Bruder Martin teilte dagegen dem Petersburger Orientalisten und Historiker Gottlieb Siegfried Bayer (1694–1738) in einem Brief vom 8. 3. 1724 mit, die Brüder hätten Karl XII. in dessen Exil in die türk. Stadt Bender (heute Moldawien) begleitet. Vom König mit einem Sonderauftrag nach Walachien gesandt, sei S. unterwegs den Russen in die Hände gefallen. Peter Siegfried kehrte 1715 mit Karl XII. nach Stralsund zurück.

    S. gelangte mit anderen Gefangenen nach Tobolsk (Westsibirien), wo er die örtlichen Gegebenheiten systematisch erforschte. Er zeichnete aufgrund der vor Ort in der damaligen Hauptstadt Sibiriens von Reisenden und Händlern gesammelten Angaben die bis dahin genaueste und vollständigste Karte Sibiriens. Die erste Fassung ging verloren, eine zweite Fassung wurde 1717 vom Gouverneur Sibiriens, Matvej Petrovič Gagarin, beschlagnahmt. Nach dessen Verhaftung und Hinrichtung zeichnete S. seine Karte ein drittes Mal. Ausführlich erläuterte er diese Karten in einem Brief an den Danziger Arzt Johann Philipp Breyn(e) (1680–1764). In Tobolsk erwarb S. eine Handschrift der von Abulgasi Bagadur Chan verfaßten Genealogie der tatar. Chane, die er ins Deutsche übersetzte. Diese Quelle wurde im 18. Jh. wiederholt veröffentlicht, ohne dabei auf S. zu verweisen (u. a. franz. 1724, dt. 1780: nennt Messerschmidt als Übersetzer).

    Im Dez. 1719 traf der Danziger Arzt und Naturforscher Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685–1735) auf einer Forschungsreise im Auftrag des Zaren Peter I. in Tobolsk mit S. zusammen. Auf Antrag Messerschmidts erhielt S. die Genehmigung, ihn auf der weiteren Reise zu begleiten. Das Forschungstagebuch Messerschmidts mit Informationen über Flora und Fauna, geologische Verhältnisse, Geographie, Ethnographie und Volkskunde liegt für die Zeit vom 1. 3. 1721 bis zum 28. 5. 1722 (Reise nach Tomsk, Narim, Abakan, Krasnojarsk) in der Handschrift S.s vor. In Krasnojarsk erhielt S. die Nachricht vom Ende des Nord. Krieges und die Weisung zur Rückkehr nach Schweden. Auf der Rückreise wurde er Anfang 1723 in Moskau Zar Peter I. vorgestellt; den Vorschlag, in russ. Dienste zu treten, lehnte S. ab. Über Petersburg kehrte er nach Schweden zurück. 1740 wurde er im Rang eines Oberstleutnants Kommandant der Festung Karlshamm.

    Bekannt wurde S. durch seine 1730 gedruckte Karte Sibiriens und die mit vielfältigen Informationen über Vergangenheit und Gegenwart von Rußland und Sibirien versehene deutschsprachige Landesbeschreibung. Dieses ins Englische (1738), Französische (1757), Spanische (1780) und Russische (1885/86) übersetzte Werk ist eine wichtige Quelle zur russ. und sibir. Geschichte des 18. Jh. S.s Nachlaß ist nicht erhalten, in verschiedenen Archiven finden sich einzelne Briefe und Materialien.

  • Works

    Vorbericht Eines zum Druck verfertigten Werkkes Von der Grossen Tartarey Und dem Königreiche Siberien, mit einem Anhang von Groß-Rußland (. . .), Stockholm 1726;
    Nova descriptio geographica Tattariae Magnae, Karte, 1730, Faks. 1991;
    Das Nord- u. Ostl. Theil v. Europa u. Asia, Leipzig 1730, Nachdr. 1975 (L);
    Historie d. Reisen in Russland, Siberien u. der Grossen Tatarey, o. J. (1730, textgleich mit anderem Titelbl.);
    Brief an d. Bibliothecarius u. Vice-Rector [ Johann Leonhard Frisch in Berlin], in: Verhh. d. gel. Estn. Ges. zu Dorpat, 13, 1888, S. 409–21;
    D. G. Messerschmidt, Forsch.reise durch Sibirien 1720–1727, T. I, Tagebuchaufzeichnungen 1721/22, 1962 (wesentl. Teile in d. Niederschr. S.s).

  • Literature

    M. G. Novljanskaja, Filipp Iogann Stralenberg, Ego raboty po issledovaniju Sibiri, 1966 (W-Verz.);
    G. Jarring, S. in schwed. Lit. u. Wiss., Eine biobibliogr. Übersicht, in: Ural-altai. Jbb. 48, 1976;
    ders., Das Schicksal d. zentralasiat. wiss. Erbschaft v. S., in: Central Asiatic Journal 21, 1977, S. 224–28;
    ders., Språkforskaren och orientalisten P. J. v. S., in: Halland, Årsbok för kulturhistoria och hembygdsvård 60, 1977, S. 74–81;
    G. Robel, Die J. P. v. S.s, in: Nordost-Archiv 54/55, 1979, H. 12, S. 1–16;
    ders., Berr. über Rußlandreisen, in: Russen u. Rußland aus dt. Sicht, 18. Jh.: Aufklärung, hg. v. M. Keller, 1987, S. 224–29;
    E. A. Saveleva, „Severnaja i Vostočnaja cǎst'Evropy i Azii“ F. I. Stralenberga i ee russkie perevody v XVIII v., in: Kniga i knigotorgovlja v Rossii v XVI– XVIII vv., 1984, S. 65–79;
    dies., Russkie perevody knigi F.-I. Stralenberga v pervoj polovine XVIII v., in: Zapiski kapitana Filippa Ioganna Stralenberga ob istorii i geografii Rossijskoj imperii Petra Velikogo, 1986, S. 221–40;
    D. Dahlmann, Sibirien v. 16. Jh. bis z. Gegenwart, 2009 (L);
    Henze, Entdecker;
    Svenskt Biografiskt Lex. (P). Qu Archiv d. Russ. Ak. d. Wiss., St. Petersburg;
    Landesbibl. Gotha.

  • Portraits

    Selbstporträt, Zeichnung, Abb. in: Svenskt Biografiskt Lex.

  • Author

    Peter Hoffmann
  • Citation

    Hoffmann, Peter, "Strahlenberg, Philipp Johann von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 464-466 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100632025.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA