Lebensdaten
1718 bis 1778
Geburtsort
Weilburg (Nassau)
Beruf/Funktion
Staatskirchenrechtler ; Direktor des kurbayerischen Geistlichen Rates
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 100220851 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ganser, Benno (Pseudonym)
  • Osterwald, Peter (bis 1758)
  • Lochstein, Veremund von (Pseudonym)
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Zitierweise

Osterwald, Peter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100220851.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Ostwald, Schneider;
    M Margaretha Barbara Diener, Hutmachers-T;
    1759 Maria Katharina Obermiller.

  • Leben

    O. studierte Jurisprudenz, Mathematik, Geschichte und Kirchengeschichte an den Universitäten Halle, Leipzig und Jena, zuletzt (1740) in Straßburg, wo er sich insbesondere auch mit dem Gallikanismus auseinandersetzte. Er konvertierte zur kath. Kirche in der Absicht, Benediktiner zu werden; doch gab er diesen Plan noch während seines Noviziats (in Gengenbach oder Ettenheimmünster?) wieder auf und schlug sich zunächst in Augsburg als Privatlehrer und (seit 1744) in Regensburg (Reichsabtei St. Emmeram und Schottenkloster St. Jakob) als franz. Sprachmeister und Mathematiklehrer durch. 1745 wurde er in die Dienste des Fürstbischofs v. Regensburg, Freising und Lüttich, Kardinal Johann Theodor von Bayern, aufgenommen und rückte 1749 zum fürstbischöfl.-regensburg. Hofrat, 1756 zum Geh. Kabinettssekretär (bis 1760) und 1758 (unter gleichzeitiger Nobilitierung) zum fürstbischöfl.-freising. Geh. Rat auf. O. war seit 1759 Mitglied der Philosophischen Klasse der neugegründeten Bayer. Akademie der Wissenschaften und 1762-68 sowie 1774-78 deren Direktor. 1761 berief ihn Kurfürst Max III. Joseph u. a. auf Empfehlung Johann Georg v. Loris zum weltlichen Direktor des kurfürstl. Geistlichen Rates in München (1768 erster Direktor). Geprägt von der Naturrechtslehre der Aufklärung, nach deren Auffassung die Kirchenhoheit Accessorium der Landeshoheit war (Christian Thomasius), und von gallikanischen Einflüssen (Zeger Bernhard van Espen), plädierte O. für eine umfassende Neuordnung der Rechtsverhältnisse von Staat und Kirche unter weitgehender Zurückdrängung der (exorbitant ausgedehnten) geistlichen Immunität (Unvorgreifl. Gedanken u. Zusäze zu denen Reflexionibus miscellaneis [des bayer. Hofkammerrats Joseph v. Planckl] in betreff einiger dem statui reipublicae ecclesiasticae bavaricae gedeylichen Behelfsmittel, 1761). Im Zusammenhang mit dem Streit um die Verringerung des Klerus, der Klöster und frommen Stiftungen zur Behebung des Staatsdefizits gewann er maßgeblichen Einfluß auf die kurbayer. Kirchenpolitik und wurde – neben Lori – deren führender Programmatiker. So plädierte er für den Ausbau der staatl. Kirchenhoheit im Bereich der Finanzen, des Rechts und der „res mixtae“: Amortisationsgesetz 1764, Indigenatsmandat 1768, Sponsalienmandat und Klostermandate 1769, Einführung des Placetum regium 1770, Reform des Schulwesens. Vor allem an seiner – auf gallikanischen Autoren basierenden, keineswegs kirchenfeindlichen – pseudonymen (Benno Ganser) staatskirchenrechtlichen Programmschrift „Veremunds von Lochstein Gründe sowohl für, als wider die geistliche Immunität in zeitlichen Dingen, hg. u. mit Anmerkungen begleitet von F. L. W.“ (1766), die sofort indiziert wurde, entzündeten sich heftige Kontroversen, ohne daß das Werk eine überzeugende Widerlegung gefunden hätte.

  • Literatur

    ADB 24;
    G. Pfeilschifter-Baumeister, Der Salzburger Kongreß u. seine Auswirkung 1770-1777, Der Kampf d. bayr. Episkopats gegen d. staatskirchenrechtl. Aufklärung unter Kf. Max III. Joseph (1745–1777), Verhh. zu e. ersten bayr. Einheitskonkordat, 1929;
    L. Hammermayer, Gesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1759-1807, I-II, 1959-83;
    Richard Bauer, Der kurfürstl. geistl. Rat u. die bayer. Kirchenpol. 1768-1802, 1971;
    A. Kraus, Probleme d. bayer. Staatskirchenpol. 1750 bis 1800, in: H. Klueting (Hg.), Kath. Aufklärung – Aufklärung im kath. Dtld., 1993, S. 191-41;
    W. Haefs, Aufklärung in Altbayern, Leben, Werk u. Wirkung Lorenz Westenrieders, 1998;
    M. Spindler, Hdb. d. bayer. Gesch., II, 21988, S. 1267-74;
    Hdb. d. Bayer. KGesch., II, 1993, S. 313-18;
    Nassau. Biogr.;
    BBKL (W-Verz., L).

  • Portraits

    Gem. v. G. Desmarées (München, Bayer. Ak. d. Wiss.);
    danach Kupf. v. J. A. Zimmermann (München, Staatl. Graph. Slg.), Abb. in: Geist u. Gestalt III, Abb. 24.

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Osterwald, Peter von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 622 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100220851.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Osterwald: Peter v. O. geb. 1718 zu Weilburg im F. Nassau, am 19. Januar 1776 zu München. Mit 14 Jahren trat er zur katholischen Kirche über, besuchte, nachdem er am Gymnasium seiner Vaterstadt eine gründliche Vorbildung erlangt hatte, die Universitäten Leipzig, Jena, Halle und Straßburg, wo er außer der Jurisprudenz sich auf Philosophie, Geschichte und Mathematik verlegte. Im J. 1740 trat er in das Benedictiner-Reichsstift Gengenbach, betrieb theologische Studien und unterrichtete in der Mathematik, verließ aber nach acht Monaten das Stift und ging nach Augsburg, wo er in nähere Beziehung zu dem Stadtbaumeister und späteren Prälaten der Schotten zu Regensburg, Bernhard Stuart und dem Mathematiker Brander trat, nahm im J. 1744 in Regensburg im Schottenstift die Stelle des Lehrers der französischen Sprache, in St. Emmeran die eines Lehrers der Mathematik an. Der Fürstbischof Johann Theodor (H. v. Baiern, Cardinal) ernannte ihn 1745 zu seinem Secretär, 1749 zum Hofrath und Zahlmeister. Im J. 1757 wurde er von demselben zum Cabinetssecretär, im folgenden Jahre zum wirklichen Geheimen Rache befördert und in den Adelstand erhoben und bei der Regierung in Freising (Johann Theodor war zugleich B. von Freising, von 1744 auch von Lüttich) beschäftigt. Der Kurfürst Maximilian Josef von Baiern rief ihn 1760 nach München, machte ihn 1761 zum Geheimen Rath, weltlichen Director des kurfürstlichen geistlichen Raths; die Akademie gab ihm eine Pension von 800 fl., wählte ihn am 27. Mai 1762 zum Director der philosophischen Classe, welche Würde seitdem regelmäßig erneuert wurde. In der Stellung beim geistlichen Rathe war er in hervorragender Weise betheiligt bei den vom Kurfürsten unternommenen kirchenpolitischen Reformen, indem er nicht blos durch seine amtlichen Arbeiten, sondern auch in Druckschriften dieselben begründete und rechtfertigte. Von großer Bedeutung war die im Auftrag des Kurfürsten von ihm unter dem Pseudonym Veremund von Lochstein verfaßte Schrift „Gründe sowohl für als wider die geistliche Immunität in zeitlichen Dingen. Herausgegeben und mit Anmerkungen begleitet von F. L. W. Straßburg 1766.“ Die Schrift entwickelt zunächst objectiv die von klerikaler Seite aufgestellten Gründe für die geistliche Immunität, zieht dann mit scharfen Gründen und dabei ruhig zu Felde gegen die curialistische Theorie, besonders des Cardinals Bellarmin, wonach der Papst der König der Könige, Fürst der Fürsten, souveräner Herrscher aller Staaten sei, legt dar, daß der Geistliche in weltlichen Dingen weder für seine Person, noch seine Güter eine Exemtion beanspruchen könne, daß der Staat souverän und von der geistlichen Gewalt gänzlich unabhängig sei. Seine Argumente sind wesentlich Febronius entlehnt. Die Schrift rief einen Sturm hervor. Der Fürstbischof Clemens Wenzel von Freising erließ ein öffentliches Verbot vom 13. August 1766 dagegen, welches auch im Kurfürstenthum an den Kirchenthüren angeschlagen wurde. Der Kurfürst cassirte dasselbe mit Erlaß vom 29. August als „einen sonderbaren Eingriff in unseren Landeshoheitsrechte“, drohte den Geistlichen Temporaliensperre, den Weltlichen „willkührliche Straff“ an, wenn sie es nicht fortnähmen, rechtfertigte das Buch, weil es „keine Glaubens- und Religions-Sachen, sondern nur landesherrliche Gerechtsame und Befugnisse“ abhandle, verbot die Gegenschriften und die Abhandlung Bellarmin's über die Päpstliche Gewalt in zeitlichen Dingen, sah selbst die zweite Auflage durch und ernannte O. am 30. August 1768 zum ersten Director des geistlichen Raths. Auf den Index wurde es am 26. Mai|1767 gesetzt. Denselben Gegenstand betrifft seine Schrift „Antworten auf die Fragen eines ungenannten Mitglieds der churbair. Akad. d. Wiss. wegen der geistlichen Immunität in zeitlichen Dingen". Straßb. 1767, einen andren die anonyme: „Nahe Beleuchtung derjenigen Einwürfe, welche einige Canonisten wider das churbairische Sponsaliengesetz vom 24. Juli 1769 machen“. München 1770, dann nach Einigen auch die Schrift „De religiosis ordinibus et eorum reformatione, liber singularis, quem e germ. in latin. traduxit suisque auxit animadversionibus T. R. a. G. in Germ.“ 1781. Außerdem enthalten die bairischen Acten viele Gutachten von ihm; verschiedene in der Akademie gehaltene Reden sind unter seinem Namen gedruckt. O. war ein durchaus kirchlicher Mann, besuchte den öffentlichen Gottesdienst regelmäßig „mit der größten Erbaulichkeit bis an sein Ende“, wurde, wie Westenrieder angibt, von den Hausgenossen, die unvermuthet in sein Zimmer kamen, „nicht selten knieend und im stillen Gebet“ angetroffen und begegnete nach dessen Zeugniß dem Klerus auf die beste Weise. Seine Schriften und Thätigkeit greifen nur den Mißbrauch an, ohne radical zu sein.

    • Literatur

      L. Westenrieder, Rede zum Andenken des P. v. O. u. s. w. den 2. April 1778.. abgelesen. München 1778, 4; desselben Geschichte der kön. baier. Akademie der Wissensch. Münch. 1784, 1807, 2 Thle. I, 58, 110, 130 u. ö. (S. 235—240 die beiden Erlasse von 1766), II, 547 ff. (ein Auszug aus der Rede). — Ersch u. Gruber, 3. Sect. 7 Th. S. 49 ff., wo noch andre Litteratur. —
      Pütter, Litter. d. Staatsr., II, 161. —
      v. Sicherer, Staat u. Kirche in Baiern. Münch. 1874, S. 8 ff. —
      Friedrich, Beitr. zur Kirchengesch., S. 41. —
      Die Gegenlitteratur des Veremund v. Lochstein in Annalen der baier. Litter. v. J. 1781, II, 134. — Moshamm, über die Amortisationsgesetze, S. 14 f.

  • Autor/in

    v. Schulte.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulte, von, "Osterwald, Peter von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 525-526 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100220851.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA