Lebensdaten
um 1030 bis 1075
Geburtsort
Melk
Beruf/Funktion
Markgraf der bayerischen Ostmark
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 143309080 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ernst
  • Ernst, Bayerische Ostmark, Markgraf
  • Ernst, Ostmark, Bayern, Markgraf
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Zitierweise

Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd143309080.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Mgf. Adalbert ( 1055, s. NDB I);
    1) Adelheid, T des Dedo II. ( 1075), Mgf. der Ostmark (s. ADB V), 2) Suanahild;
    2 S, 1 T aus 1), Leopold II. ( 1102), folgt 1075, Adalbert ( 1100 ?), Gf. v. Windberg, Justizia ( Gf. Otto III. v. Wolfratshausen).

  • Leben

    E. folgte seinem Vater 1055 in der bayerischen Ostmark. Heinrich IV., beziehungsweise die vormundschaftliche Regierung, scheint dem jungen Markgrafen günstig gegenüber gestanden zu sein. An den Kämpfen gegen die Ungarn nahm er entscheidenden Anteil und hat die Grenze im Osten gesichert. Vor allem aber wurde er durch seine 1. Heirat in engste verwandtschaftliche Beziehung zu den führenden sächsischen und thüringischen Geschlechtern gestellt. Aus den sächsischen Gebieten kamen auch die nachmals bedeutendsten des neu aufkommenden Standes der Ministerialen in die Ostmark, die ursprünglich hochfreien Kuenringer. Sie führten im besonderen die Kolonisation des nordwestlichen Landesviertels durch und schoben die Grenze gegen Böhmen vor. Im Nordosten des Landes, in den Gebieten der um die Mitte des Jahrhunderts eingerichteten „Böhmischen“ und „Ungarischen“ Mark, war E. zum Teil den früheren Markgrafen gefolgt und hat dort die Grenze gegen Norden ebenso vorgeschoben wie in das Waldgebiet des Voralpenlandes nach Süden.

    Unter E. ist dieses Kolonialland bevölkerungsmäßig, aber auch kulturell und rechtlich immer mehr hineingestellt worden in das Gefüge des Reiches. Er scheint das Reichskloster Metten/Donau empfangen und besonders in Bayern neue Besitz- und Grafenrechte erworben zu haben. Aber ebenso tritt in dem nun anhebenden Investiturstreit die Verklammerung mit den kirchlichen und kirchenpolitischen Verhältnissen des Reiches in Erscheinung. Obwohl der Diözesanbischof Altmann von Passau (er weilte seit 1080 in der Ostmark) und die mit ihm verwandten Grafen von Formbach und von Ratelnberg Vorkämpfer der gregorianischen Partei in Bayern und Österreich waren, stand E. unentwegt auf der Seite Heinrichs IV. und kämpfte bei ihm, als die sächsischen Adeligen gegen den Kaiser aufstanden. In der Schlacht bei Homburg/Unstrut erlitt er eine tödliche Verwundung.

  • Literatur

    ADB VI;
    Jbb. d. Dt. Gesch., Heinr. IV. u. Heinr. V.;
    G. Juritsch, Gesch. d. Babenberger u. ihrer Länder, 1894;
    E. Posse, Die Wettiner, 1897;
    K. Lechner, Ein Ineditum Heinrichs IV. v. J. 1056, in: MIÖG, 11. Erg.bd., 1929, S. 140 ff.;
    ders., Die Babenberger u. Österreich, = Bindenschild, H. 6, 1947;
    ders., Die territoriale Entwicklung v. Mark|u. Hzgt. Österreich, in: Unsere Heimat, 1953, S. 33 ff.;
    H. Hirsch, Österreichs Werden im Dt. Reiche, in: Dt. Archiv f. Landes- u. VolksF 2, 1938, S. 640 ff.;
    E. Klebel, Zur Rechts- u. Vfg.-gesch. d. allen Nd.österreich, in: Jb. f. Landeskde, v. Nd.österr. 28, 1939/43, S. 11-120.

  • Autor/in

    Karl Lechner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lechner, Karl, "Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 618 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd143309080.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ernst, Markgraf von Oesterreich, 10. Juni 1075. E. folgte seinem Vater Adalbert als Markgraf in dem heutigen Niederösterreich, dazu jenseit der Enns als Graf im Traungau; die beiden anderen Grafschaften desselben, den Donau- und Schweinachgau, erhielt er nicht, nur in dem ersteren 13 Lehngüter des Klosters Tegernsee. Hofgunst ward ihm überhaupt wenig zu Theil: seiner Intervention wird bei den zahlreichen königlichen Vergabungen, auch wenn der Hof in Oesterreich weilte, und selbst in Oesterreich gelegener Güter nur ein einziges Mal gedacht; nicht einmal die von dem Ungarnkönig Salomon abgetretenen und an viele Herren verschenkten Gebiete zwischen Leitha und Raab — urkundlich „Mark an der Raab“ — wurden seiner Verwaltung anvertraut; selbst um eine kleine Erweiterung seines Familienallodes bei Raabs an der Thaya nach Südosten zur Pulkau hin mußte er (März 1074) erst förmlich bitten. Auch zu den kirchlichen Gewalten seines Landes scheint er wenig Beziehungen gehabt zu haben; geschenkt hat er nachweislich nur dem Kloster Melk, wo seine Ahnen ruhten und er selbst bestattet ward, ein Gut und zwei Reliquien. Sein Zeitgenosse Lambert von Hersfeld rühmt ihn wegen „vieler Siege über die Ungarn"; thatsächlich wird aber sein Name in den sämmtlichen Kämpfen des deutschen Reiches zu Gunsten der ungarischen Könige Andreas I. und Salomon nur wenig erwähnt. Zu ihm nach Melk sendete (1060) Andreas seine Familie, als er von seinem Bruder Bela bedroht war; im Herbste dieses Jahres war E. unter den Führern von Andreas' deutschem Hülfsheere, welches, nach einem Siege im Innern auf dem Rückzuge, wol bei Wieselburg, von den Ungarn vernichtet wurde; noch vor der Niederlage scheint E. entkommen zu sein. 1061 hatte er auf königlichen Befehl Andreas' Wittwe Anastasia standesmäßig in Oesterreich zu versorgen; 1074 zog er dem auf wenige Grenzstädte bedrängten König Salomon zu, als diesen Fürsten Petschenegen in des Thronräubers Dienst bedrängten, soll sich aber unter dem Vorwande der Fastenzeit dem Gefechte mit ihnen entzogen haben. In dem nächsten Jahre erschien er freilich in dem großen Reichsheere Heinrichs IV. gegen die Sachsen, ward aber in der Schlacht an der Unstrut (9. Juni 1075), noch vor der glücklichen Wendung derselben, schwer verwundet und starb am folgenden Tage.

    Er war mit Schwanhilde aus unbekanntem Hause vermählt; sein Sohn Leopold II. folgte ihm in der Mark Oesterreich und der Grafschaft des Traungaus.

    • Literatur

      Calles, Ann. Austr. I. Meiller, Babenb. Regesten. Büdinger, Ein Buch ungar. Gesch.

  • Autor/in

    Max , Büdinger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Büdinger, Max, "Ernst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 293-294 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd143309080.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA