Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Papierfabrikanten ; Drucker
Konfession
-
Normdaten
GND: 139789685 | OGND | VIAF: 102636520
Namensvarianten
  • Salzer

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Zitierweise

Salzer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789685.html [21.10.2021].

CC0

  • Leben

    Der Begründer der Unternehmungen, Kaspar (1741–1811), geboren im Gerichtsbezirk Salnau (Böhmerwald) als Sohn des Schneiders Kaspar und seiner Ehefrau Margareta Pimiskern, ging nach der Lehre beim Vater nach Wien, heiratete 1771 als angehender Schneidermeister Maria Anna Wunsch ( 1775) und wurde wenig später Bürger von Wien. 1776 heiratete er Barbara Stotz ( 1804), Tochter eines Erbsenhändlers. Wachsender Wohlstand ermöglichte Kreditvergaben an andere Gewerbetreibende, wodurch Kaspar, der weder lesen noch schreiben konnte, die Druckerei des Wiener Buchdruckers Johann Josef Jahn, die „Lercher-Schmid-Schilgensche Offizin“ erwarb. In der Folge wurde S. als Buchdrucker bzw. Universitätsbuchdrucker bezeichnet, zudem handelte er mit Papier, was ihm nach Konflikten mit dem Wiener Handelsstand von der niederösterr. Regierung untersagt wurde. 1795 kaufte Kaspar von Josef Kloss die seit dem späten 15. Jh. bestehende Papiermühle bei Wiener Neustadt und erhielt im selben Jahr von der Hofkammer Aufträge für die Lieferung von Stempelpapier. Den Vorbildern des Wiener Buchdruckers Johann Thomas Trattner und des Wiener Handelsmannes Ignaz Theodor Pachner folgend, die in Ebergassing bzw. in Klein-Neusiedl große Papiermühlen errichtet hatten, erwarb Kaspar mit dem Magistratsrat Josef Ferdinand Pan(c)khl Edler v. Pan(c)k(h)enau (österr. Adel 1796) 1798 die obere Papiermühle an der Traisen in Stattersdorf bei St. Pölten, die die damals beachtliche Menge von 800 Ballen Papier lieferte. Wegen erneuter Konflikte mit einem ortsansässigen Drucker wurde ihm der Betrieb von zwei Druckpressen in der Stattersdorfer Papiermühle untersagt. Nach kurzzeitigen finanziellen Schwierigkeiten seit 1805 erwarb Kaspar 1810 von den Erben seines Geschäftspartners deren Anteile an der Stattersdorfer Papiermühle und verkaufte die Wiener-Neustädter Papiermühle an den Wiener Buchdrucker Anton Strauß (1775–1827). 1806 heiratete er Maria Theresia Pausinger. Nach Kaspars Tod kaufte Johann Schnierer die Universitätsbuchdruckerei in Wien, der Betrieb in St. Pölten gehörte als „K. k. privil. Papierfabrik d. Salzerischen Erben“ der Witwe und den vier Kindern Franz (1789–1845), Anna, Jakob (1793–1825), Papierhändler in Wien, und Matthäus (1799–1878). Franz, seit 1828 in kinderloser Ehe verheiratet mit Theresia Hutterer, wurde 1826 durch Auszahlung von Geschwistern und Stiefmutter Alleinbesitzer. Nach seinem Tod verkaufte die Witwe das Unternehmen an Matthäus und dessen Gattin Apollonia Anna (1804–84), Tochter des Wiener Kunsttischlers Matthias Leistler (1769–1836), zuvor Ehefrau Jakobs. Matthäus, 1811-14 in Tulln zum Handlungsgehilfen und bis 1817 in Wien zum Sattler ausgebildet, führte seit 1820 in der Stattersdorfer Papiermühle Korrespondenz und Buchführung. 1826 erhielt er Bürgerrecht in Wien und wurde als Nürnberger Warenhändler tätig. 1830 beteiligte er sich am Papierwerk in Wiener Neustadt, das 1840 die Ebenfurther Papierfabrik gründete und 1850 die Papierfabrik Ober-Eggendorf erwarb. Seine Söhne Matthäus (1827–1903) und Franz (1833–1914) wurden 1859 Gesellschafter, Gustav (1836–73) hatte in den Betrieben in Wiener Neustadt, Ebenfurth und Ober-Eggendorf eine leitende Stelle. 1863 ging man in Stattersdorf zur maschinellen Papierfabrikation über, 1866 folgte der Ankauf der Ueberreuterschen Buchdruckerei und Schriftgießerei in Wien, die in ihren Wurzeln bis 1548 zurückreichte.

    1878 wurde Apollonia Universalerbin und verpachtete 1882 die Papierfabrik in Stattersdorf an die Firma „Matthäus Salzers Söhne“, die von Matthäus und Franz öffentlich vertreten wurde. Matthäus, auf dem Polytechnikum in Wien zum Papierfabrikanten ausgebildet, heiratete 1849 Pauline Haas, Tochter eines Wiener Bandfabrikanten; drei ihrer vier Söhne, Konrad (1850–73), Matthäus (1852–86) und Heinrich (1856–91) starben vor dem Vater. Franz, seit 1859 mit Karoline Köfferlein verheiratet, leitete nach dem Tod des Vaters die Buchdruckerei und Schriftgießerei in Wien. Adolf (1866–1945), vierter Sohn von Matthäus, und drei Söhne von Franz, Franz (1861–1920), Robert (1869–1941) und Karl (1872–1920), traten 1899 in die beiden Firmen ein. Auf Anregung von Franz wurde 1906 unter Leitung von Karl in Stattersdorf eine Zellstoffabrik errichtet. Die Leitung ging 1911 an Franz' Sohn Hans (* 1888) über, seit 1911 verheiratet mit Therese Hamburger, Tochter des Papierfabrikanten Wilhelm Hamburger in Pitten. Federleichte und andere holzfreie und mittelfeine Werkdruckpapiere bildeten den Schwerpunkt der Produktion. Den 2. Weltkrieg überstand die Papierfabrik mit nur geringen|Schäden, seit 1946 produzierte sie im Auftrag der Besatzungsmacht für den Sowjetruss. Staatsverlag. Nach dem Tod von Robert nahm Hans seine beiden ältesten Söhne als Gesellschafter auf. Thomas (* 1912) übernahm als gelernter Drucker die Leitung der Druckerei, Heinrich (1914–68, s. W), promovierter Diplomkaufmann, die Leitung des Wiener kaufmännischen Betriebs der Firma „Matthäus Salzers Söhne“. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelten sich verschiedene Initiativen im Bereich des Verlagswesens. Der Verlag „Carl Ueberreuter“, heute der größte private Buchverlag Österreichs, wurde 1946 gegründet. 1961 gründete Thomas die „tosa Verlagsgesellschaft“ zur Zweitverwertung von Jugendbüchern aus dem Programm des Carl Ueberreuter Verlags und des „Annette Betz Verlags“. Nach der Stillegung der Zellstoffabrik 1968 nahm man die Kunststoffverarbeitung als zusätzliches Arbeitsgebiet auf. Heute werden die Unternehmungen in der in die Sparten Druck, Verlag, Papier, Verpackung und Dichtungen gegliederten „Salzer Holding GmbH“ zusammengefaßt.

  • Werke

    zu Heinrich: Das österr. Papierkartell unter bes. Berücks. seiner Auswirkungen auf d. Produktionsgestaltung u. Absatzwirtsch. d. Papierind., 1937 (L).

  • Literatur

    V. Thiel, Die Buchdrucker- u. Papiererfam. Salzer, 1938 (P);
    ders., Die Gesch. d. Papiermühle in Stattersdorf, hg. z. Feier d. 150j. Fam.bes. d. Stattersdorfer Papier-, Holzstoff- u. Zellulosefabriken Matthäus Salzers Söhne 1798-1948, 1948 (P);
    M. Günther, 175 J. Matthäus Salzers Söhne, 1973 (Stammtafel, P, L);
    Ein Unternehmen mit Tradition, 200 J. Matthäus Salzer's Söhne Papierfabrik, in: Papier aus Österr. 10, 1998, S. 30-33 (P);
    ÖBL.

  • Autor/in

    Frieder Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Frieder, "Salzer" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 400-401 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789685.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA