Lebensdaten
1804 bis 1902
Geburtsort
Klein Rodensleben (Provinz Sachsen)
Sterbeort
Klein Wanzleben (Provinz Sachsen)
Beruf/Funktion
Zuckerfabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139074570 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rabbethge, Matthias

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Zitierweise

Rabbethge, Matthias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139074570.html [22.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Rudolf (1761–1825), aus K. R., Kossath (Landwirt), S d. Hermann (* 1725), aus K. R., Kossath, u. d. Ilse Marie Klossin (1729–72);
    M Margarete Elisabeth (1763–1836), aus K. R., T d. Konrad Hever, Soldat; 6 ältere Geschw;
    1830 Dorothee Elisabeth Henkel (1807–84), aus Schleibnitz, T e. Landwirts u. Schmiedemeisters;
    2 S Matthias jun. (1832-85), Zuckerrübenzüchter, Mitgründer d. „Rabbethge & Giesecke OHG Klein Wanzleben“, preuß. Oberamtmann (s. W, L), Carl (1842–90, Hermine Borchert, 1847–1919), Landwirt, Zuckerfabrikbes. in Einbeck, seit 1885 nach Umgründung d. OHG in AG Vorstand d. „Zuckerfabrik Klein Wanzleben vorm. Rabbethge & Giesecke|AG“, preuß. KR, 1 T Marie (1837–1914, Julius Giesecke, 1833–81, Landwirt, Ökonomierat, Mitgründer d. „Rabbethge & Giesecke OHG“, S d. Adolf, 1806–85, Landwirt in Salbke);
    3 E Erich (1870–1934), Fabrikbes., 1900-34 Vorstandsmitgl. d. „Zuckerfabrik Klein Wanzleben vorm. Rabbethge & Giesecke AG“, preuß. Oberamtmann (1900), preuß. KR (1909), Dr. phil. h. c. (Halle-Wittenberg 1919) (s. Wenzel; Mitgl.verz. d. KWG), Otto (1874–1935), Inh. d. Fa. „Carl Rabbethge & Co.“, Mitgl. d. IHK Göttingen, preuß. Oberamtmann (s. Wenzel), Oskar (1880–1965), Dir., 1910-50 Vorstandsmitgl. d. „Zuckerfabrik Klein Wanzleben vorm. Rabbethge & Giesecke AG“, 1951-65 Aufsichtsratsvors., erbte 1935 v. seinem kinderlos verstorbenen Bruder Otto d. Fa. „Carl Rabbethge & Co.“, Dr. phil., Dr. h. c. (Göttingen 1950), Gr. BVK (1955), Ernst Giesecke (1859–1930), Landwirt, seit 1887 Vorstandsmitgl. d. „Zuckerfabrik Klein Wanzleben vorm. Rabbethge & Giesecke AG“, Ökonomierat, 1911-15 Senator d. KWG (s. Wenzel);
    Ur-E Matthias (* 1926), Dr. agr. rer. nat., 1958-81 Vorstandsmitgl. d. „KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG, vorm. Rabbethge & Giesecke AG“, Annemarie Giesecke (1893–1987, Karl Büchting, 1887–1982, 1930-51 Vorstandsmitgl. d. „Zuckerfabrik Klein Wanzleben vorm. Rabbethge & Giesecke AG“, 1952-72 Mitgl., seit 1966 Vors. d. Aufsichtsrats);
    Urur-E Carl-Ernst Büchting (* 1915, Ur-E Johanne M. Rabbethge, * 1924), Dr. agr., seit 1951 Mitgl., 1955-78 Vorstandsvors. d. „KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG vorm. Rabbethge & Giesecke AG“, 1978-94 Vors., seit 1994 Ehrenvors d. Aufsichtsrats, v.-Thünen-Medaille (1975), Gr. BVK (1991);
    Ururur-E Andreas J. Büchting (* 1946), Dr. sc. agr., 1978-88 Mitgl., seit 1989 Vorstandssprecher d. „KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG vorm. Rabbethge & Giesecke AG“.

  • Leben

    R. übernahm nach dem Tod des Vaters 1825 den väterlichen Hof in Klein Rodensleben, den er 1843 verkaufte, um in Dreileben 200 Morgen zu pachten. 1847 gab er diese Pachtung auf, zog nach Klein Wanzleben, erwarb dort einen Bauernhof (200 Morgen) und Aktien der dortigen, 1838 gegründeten Zuckerfabrik. Er erkannte, daß für eine rentable Zuckerproduktion die Steigerung des Zuckergehalts der Rüben Voraussetzung war. Wohl in Kenntnis der von Louis de Vilmorin in Frankreich durchgeführten Züchtungsversuche begann sein Sohn Matthias (jun.), der wie sein Bruder Carl an der Univ. Jena studiert hatte, seit 1859 die Zuckerrübenzüchtung in Klein Wanzleben, bei der u. a. erstmalig in Deutschland die zur Samengewinnung bestimmten Rüben mit Hilfe des spezifischen Gewichts ausgewählt wurden. Einen wesentlichen Fortschritt brachte die ebenfalls zuerst in Klein Wanzleben 1862 eingeführte Benutzung des Polarimeters. Die Heirat von R.s Tochter Marie, deren vermögender Schwiegervater sich 1858 an der in Gründung befindlichen Firma „Rabbethge & Giesecke“ beteiligte, brachte finanzielle Absicherung. Nach Erwerb der letzten in Fremdbesitz befindlichen Aktien der Zuckerfabrik folgte 1864 die offizielle Gründung der Gesellschaft als OHG. Hierfür übergab Adolf Giesecke seine 7/16 Anteile an seinen Sohn Julius; R. übereignete in gleicher Höhe Anteile an seinen Sohn Matthias und behielt selbst 2/16. R.s Schwiegersohn Julius Giesecke betreute Landwirtschaft und Verwaltung, R.s Sohn Matthias widmete sich der Züchtung und dem technischen und organisatorischen Ausbau der Fabrik. Unter seiner Leitung wurden richtungweisende neue Methoden eingeführt, nämlich die Bestimmung des Zuckergehalts im Brei statt im Saft (1879), die noch heute angewandte Individualselektion mit Prüfung der Nachkommenschaften und die Verwendung von Standardsorten als Maßparzellen beim Anbau der Mutterrüben bis zur Ablösung dieser Methode 1962/63 durch die modernen Gitteranlagen. Dies begründete die im Prinzip noch heute gültige Feldversuchs- und Labortechnik. 1885 erfolgte die Umgründung der Gesellschaft in die „Zuckerfabrik Klein Wanzleben Vorm. Rabbethge & Giesecke AG“ durch R.s Sohn Carl, der zunächst allein die Vorstandsgeschäfte der AG übernahm. 1887 trat R.s Enkel Ernst Giesecke ebenfalls in den Vorstand ein. Unter seiner Leitung wurden konsequent die züchterischen Initiativen (einschließl, der geplanten) des verstorbenen Matthias jun. weitergeführt. Die AG steigerte um 1900 ihren Anteil am Weltbedarf von Zuckerrübensamen auf über 20 %. Anfang der 1920er Jahre wurde die Kartoffel-, Getreide- und Futterrübenzüchtung aufgenommen, das Züchtungsprogramm wurde nach 1951 nochmals erweitert. 1945 erfolgte die Verlagerung des Betriebes nach Einbeck. Das Unternehmen, das 1990 die Zuchtstation in Klein Wanzleben zurückerwarb, gehört auch heute zu den führenden Pflanzenzüchtern in Europa und zu den Pionieren der Bio- und Gentechnologie. Die Nachfahren der Familien Rabbethge und Giesecke-Büchting sind bis heute maßgeblich an der heutigen „KWS Saat AG“ als Gesellschafter beteiligt und in der Unternehmensführung tätig.

  • Werke

    zu Matthias jun.: Sind neue Erfahrungen gemacht worden, welche d. sog. Rübenmüdigkeit d. Bodens erklären u. Anhalt zu deren Beseitigung geben?, in: Zs. d. landwirtsch. Central-Ver. d. Prov. Sachsen 25, 1868, S. 242-48;
    Tageb. Saatrüben 1872-1882 (Ms., Archiv d. „Züchtungsges. mbH Klein Wanzleben“ [ZKW], Klein Wanzleben, u. Archiv KWS, Einbeck);
    Sind im vergangenen J. Düngungsversuche in Bezug auf Quantität u. Qualität d. Rüben gemacht worden u. mit welchem Erfolg? (Düngungsversuch Klein Wanzleben), in: Zs. d.|Ver. f. d. Rübenzuckerind. d. Dt. Reiches 25, S. 1011–15.

  • Literatur

    Kleinwanzlebener Orig., 1905 (P);
    H. Hahn, Zuckerfabrik Klein Wanzleben, in: Mitteldt. Lb. IV, 1929, S. 268-73 (P);
    H. Ahlfeld, in: O. Keune (Hg.), Männer, die Nahrung schufen, 1952, S. 207-10 (P);
    W. Oltmann, Verfahren u. Erfolge d. Zuckerrübenzüchtung seit Mitte d. 19. Jh. bis z. Gegenwart, in: Inst. f. Zuckerrübenforsch. (Hg.), Gesch. d. Zuckerrübe, 1984, S. 50-56;
    C.-E. Büchting, „KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG“, in: Inst. f. Zuckerrübenforsch. (Hg.), Gesch. d. Zuckerrübe, 1984, S. 240-45;
    ders., KWS – ein Werk von über 100 J., 1985;
    ders., KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG vorm. Rabbethge & Giesecke, Einbeck, in: Bundesverband dt. Pflanzenzüchter (Hg.), Landwirtschaftl. Pflanzenzüchtung in Dtld., 1987, S. 137-44;
    W. Haufe, H. Geidel u. E. Junghans, Wilhelm Raatz, 1864-1919, Ein Pionier d. Zuckerrübenzüchtung, in: Vorträge f. Pflanzenzüchtung 1998, H. 4, S. 89-106;
    W. Haufe u. H. Geidel, Über 150 J. Feldversuche u. Labortechnik f. d. Zuckerrübenzüchtung, 1999, S. 5-18, 21 ff., 38-41, 73-77, 120 ff., 129 f.;
    T. Büter, Raffiniert!, Zur Gesch. d. Rübenzuckers, 1999, S. 36;
    M. Pohl, Die Gesch. d. Südzucker AG, 1926–2001, 2001;
    C. Bergmann, Mitgl.verz. d. KWG. 1990 (Archiv z. Gesch. d. MPI 3/1);
    Biogr. Lex. z. Gesch. d. Pflanzenzüchtung, 2000, S. 210 f. (zu Matthias sen. u. jun., P);
    Magdeburger Biogr. Lex. d. 19. u. 20. Jh., hg. v. G. Heinrich u. G. Schandera, 2002 (zu Matthias sen., Erich u. Oskar sowie zu Julius u. Ernst Giesecke).

  • Autor/in

    Werner Haufe
  • Empfohlene Zitierweise

    Haufe, Werner, "Rabbethge, Matthias" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 61-63 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139074570.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA